News > Coronavirus: Massive Einschränkungen auch beim Bergsport
16.03.2020

Coronavirus: Massive Einschränkungen auch beim Bergsport

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus führen auch in den Bergen zu zahlreichen Einschränkungen. Nahezu stündlich gibt es neue Regelungen. Ein Überblick über die aktuelle Lage (Stand: 24.03.2020).
 
 
Die meisten Alpenvereinshütten bleiben vorerst geschlossen. Foto: Pixabay/PIRO4D
Die Regierungen der Alpenländer haben teils strikte Maßnahmen beschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Diese Einschränkungen sind auch in den Bergen spürbar.

Hinweis: Da sich die Lage nahezu stündlich ändert, wird auch dieser Artikel laufend aktualisiert.

Katastrophenfall in Bayern

In Bayern wurde am 16. März der Katastrophenfall ausgerufen. Seit 17. März müssen Freizeiteinrichtungen im Freistaat, also auch z.B. Kletter- und Boulderhallen geschlossen werden. Seit 20. März müssen zudem gastronomische Betriebe geschlossen haben und es gelten strikte Ausgangsbeschränkungen. Der touristische Beherbergungsbetrieb soll nach einer Vereinbarung von Bundesregierung und Ländern ebenfalls vorerst ausgesetzt werden. Dadurch bleiben auch Hütten in Deutschland bis auf Weiteres geschlossen. Die Einschränkungen der Freizeiteinrichtungen gelten vorläufig bis zum 19. April, man schließt jedoch nicht aus, dass noch weitere Maßnahmen folgen könnten.

Der DAV appelliert, in der aktuellen Situation auf Bergtouren zu verzichten, damit Rettungskräfte und das medizinische Personal - falls es zu Unfällen kommt - nicht noch zusätzlich belastet werden. Sinnvoll sei es jedoch, in Bewegung zu bleiben und sich entweder in den eigenen vier Wänden sportlich zu betätigen oder vorerst auf Spaziergänge umzuschwenken. "An die frische Luft zu gehen ist wichtig, um gesund und fit zu bleiben", sagt DAV-Präsident Josef Klenner. "Die Zeit der Bergtouren wird wieder kommen."

 Kletterhallen und Freizeiteinrichtungen sind inzwischen bis auf Weiteres geschlossen. Auch die meisten Veranstaltungen des DAV sind vorerst abgesagt. Das Alpine Museum in München bleibt mindestens bis zum 19. April geschlossen.

Österreich steht still

In Österreich gelten bereits seit 16. März Regelungen, die das öffentliche Leben – und somit auch den Aufenthalt in den Bergen stark einschränken. Veranstaltungen sind ausnahmslos abgesagt und auch Kletterhallen und Alpenvereinshütten müssen geschlossen bleiben. Für ganz Österreich gilt zudem eine „Ausgangsbeschränkung“. Ins Freie dürfe man demnach nur für Berufsarbeit, dringend notwendige Besorgungen wie Lebensmittel oder wenn man anderen Menschen helfen muss.

Zwar sei es weiterhin erlaubt, in dringenden Fällen auch für Spaziergänge oder ähnliches ins Freie zu gehen - dies sei jedoch nur alleine oder mit Menschen aus dem eigenen Haushalt erlaubt und schließe keine Ski- und Bergtouren mit ein. Zusätzlich stehen mehrere Gemeinden - darunter alle Gemeinden Tirols - unter Quarantäne. Auch der ÖAV rät in einem "dringenden Appell" auf Facebook, vorerst auf sportliche Aktivitäten in den Alpen zu verzichten. So könnten alpine Notfälle verhindert und dadurch medizinische Kapazitäten freigehalten werden. Die aktuellen Einschränkungen in Österreich gelten vorerst bis zum 13. April.

Ausgangssperre in Italien

Auch in Italien und somit in Südtirol herrscht seit vergangener Woche eine Ausgangssperre. Die eigenen vier Wände darf man seither nur noch aus wichtigen Gründen verlassen und auch hier sind Freizeiteinrichtungen, Kletterhallen und Alpenvereinshütten geschlossen. Zwar sind Spaziergänge oder Sport in Italien ebenfalls weiterhin erlaubt, sofern es alleine bzw. mit genug Sicherheitsabstand zueinander möglich ist. Doch seit einer erneuten Verschärfung der Maßnahmen am vergangenen Wochenende muss das in nächster Nähe zur eigenen Wohnung stattfinden und es dürfen weder Grünanlagen wie Parks betreten werden. Generell wird geraten, zuhause zu bleiben und nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen. Ski- und Bergtouren zählen hier nicht dazu und auch Südtiroler Alpenverein hat bereits im Vorfeld in einem Facebook-Post appelliert, vorerst auf Ski- und Bergtouren zu verzichten.
 
 

Schweiz: Auch hier gilt der Notstand

Nachdem bereits in der vergangenen Woche mehrere Schweizer Kantone den Notstand ausgerufen haben, hat wurde vom Bundesrat am 16. März die "außerordentliche Lage" erklärt. Die Einschränkungen sind ähnlich wie in Bayern - jedoch sind auch Restaurants bis zum 19. April geschlossen.

Hotels und damit auch Alpenvereinshütten dürfen grundsätzlich geöffnet bleiben. Der SAC-Zentralverband empfehle aber eindringlich, ab dem 16. März sämtliche SAC-Hütten geschlossen zu halten und auf Sektionsaktivitäten zu verzichten. Die Entscheidung liege hier aber in der Verantwortung der jeweiligen Sektionen bzw. ist von den Regelungen in den jeweiligen Kantonen abhängig. Vereinsaktivitäten, SAC-Kurse und nationale Veranstaltungen – etwa Sportkletter- und Skitouren-Wettkämpfe sind bis auf Weiteres abgesagt. Ebenso wie die anderen Alpenvereine rät auch der SAC, vorerst nicht in die Berge zu gehen.

Der Verband Deutscher Berg und Skiführer VDBS erklärt, dass Ski- und Bergtouren - dort, wo sie noch erlaubt sind - grundsätzlich möglich seien, gibt jedoch auch zu bedenken, dass in vielen Ländern die Bergrettung nicht oder teilweise nur noch eingeschränkt aktiv sei. Aus diesem Grund solle man sich gut überlegen, überhaupt noch unterwegs zu sein.
 
Auf ihren Websites informieren die Alpenvereine DAV, ÖAV, AVS und SAC regelmäßig über die aktuelle Situation. Zudem bieten auch die Gesundheitsministerien von Deutschland, Österreich, der Schweiz bzw. die Südtiroler Landesverwaltung auf ihren Websites aktuelle und laufend aktualisierte Informationen an.