Coronavirus: Darf ich in die Berge gehen?

Coronavirus: Wandern ist wieder erlaubt. Diese Regeln gelten:

Die Coronavirus-Pandemie hat zu vielen Einschränkungen im Bergsport geführt. Sind Ausflüge ins Freie erlaubt? Wie sieht es mit Wandern und Klettern aus? Ein Überblick über die aktuelle Rechtslage in Bayern und Österreich.
 
Zwei Wanderer © Adobe Stock/Maksym Protsenko
Wandern ist nicht verboten. Ist es aber auch sinnvoll?
  • Die Corinavirus-Panedmie hat auch große Auswirkungen auf das Ausüben von Wander- und Klettertouren.
 
  • Wandern und Klettern ist in Bayern wieder erlaubt. Der DAV empfiehlt jedoch, bestimmte Regeln (z.B. Sicherheitsabstand, Hygienevorschriften) einzuhalten.
 
  • In Österreich ist Bergsport seit 1. Mai wieder "offiziell" möglich. Die alpinen Vereine Österreichs haben dafür mehrere Empfehlungen abgegeben.
   
  • Die Außenbereiche bayerischer Alpenvereinshütten dürfen am 18. Mai öffnen, die Innenbereiche eine Woche später. Der Übernachtungsbetrieb ist voraussichtlich ab 30. Mai wieder möglich.
 
  • In Österreich öffnen die Gastronomiebetriebe der Hütten voraussichtlich am 15. Mai. Der Übernachtungsbetrieb soll ab 29. Mai möglich sein.


Auch die Bergwelt ist nicht vor den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie gefeit. Die massiven Einschränkungen, die inzwischen das alltägliche Leben prägen sind auch beim Wandern und Klettern präsent.
 
Die Alpenvereine von Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz haben seit Mitte März vom Wandern, Bergsteigen und Skitourengehen abgeraten und auch Hütten sind vielerorts bis auf weiteres geschlossen.
 
Dennoch ist ein erster Lichtblick in Sicht: In Österreich hat die Regierung aufgrund der sinkenden Infektionszahlen erste Lockerungen der derzeitigen Beschränkungen in Aussicht gestellt. 
 
Der österreichische Vizekanzler Werner Kogler sprach sich für schrittweise Lockerungen im Freizeitsport ab 1. Mai aus. Seit diesem Tag sind auch die bislang verhängten Ausgangsbeschränkungen in Österreich außer Kraft gesetzt.
 
Das heißt aber nicht, dass Wanderungen von nun an vollkommen unbedenklich sind. Ein Überblick die aktuellen Regelungen beim Wandern, Bergsteigen und Klettern:
 

Darf ich Wandern und Bergsteigen?

In Bayern wurden die bisherigen Ausgangsbeschränkungen mit 6. Mai in sogenannte Kontaktbeschränkungen umgewandelt. Der Aufenthalt im Freien ist dadurch wieder aus allen Gründen erlaubt, sofern nur Kontakt zu engen Verwandten oder einer weiteren haushaltsfremden Person besteht und der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten wird.

Seit 11. Mai ist in Bayern zudem "kontaktloser Einzelsport im Freien" erlaubt, sofern die Sicherheits- und Hygienebestimmungen eingehalten werden.
 
In Österreich ist Bewegung im Freien seit 1. Mai durch die COVID-19-Lockerungsverordnung geregelt. Durch die neue Verordnung sind die bisherigen Ausgangsbeschränkungen aufgehoben und das Betreten öffentlicher Orte ist somit wieder möglich, sofern bestimmte Regeln wie entsprechender Sicherheitsabstand und das Tragen von Gesichtsmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen eingehalten werden.

Sportarten im Freien, bei denen ein Abstand von mindestens zwei Metern zu anderen Sportlern eingehalten werden kann - und damit auch das Wandern - sind in Österreich erlaubt. 

Darf ich über die Grenze?

Der Grenzübertritt - zum Beispiel zwischen von Deutschland nach Österreich - ist derzeit nur bei triftigen Gründen erlaubt. Wird bei der Bergtour eine Grenze überschritten ist unabhängig vom Land derzeit noch mit der behördlichen Verordnung einer 14-tägigen Quarantäne zu rechnen. Sowohl die österreichische Bundesregierung als auch das deutsche Bundesinnenministerium streben eine Aufhebung der Grenzkontrollen zum 15. Juni an. Bereits ab 16. Mai sollen die Grenzkontrollen auf beiden Seiten vorsichtig gelockert werden. 
 

Wandern ist also wieder möglich, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden

Der DAV und der ÖAV haben bislang appelliert, auf Bergtouren zu verzichten. Mit den Lockerungen in Bayern und in Österreich hat sich die Lage aber geändert.

Nach Einschätzung des DAV seien Berg- und Wandertouren deshalb wieder möglich. Es sei aber wichtig, bestimmte Regeln einzuhalten. Auf seiner Website hat der DAV mehrere Regeln formuliert, die beim Bergsport derzeit einzuhalten seien. Am wichtigsten seien die folgenden Regeln:
 
  • Risikobereitschaft zurücknehmen
  • Bergsport nur in erlaubten Kleingruppen
  • Abstand halten
  • Gewohnte Rituale wie Umarmungen am Gipfel unterlassen
  • Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel mitnehmen

Mit den aufgestellten Regeln vertritt der DAV eine ähnliche Position wie der ÖAV, der gemeinsam mit den Naturfreunden Österreich und dem Verband alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ) Leitlinien für die „coronagerechte“ Ausübung der verschiedenen Bergsport-Outdoor-Aktivitäten erarbeitet hat. Sieben Grundregeln gilt es daher auch in Österreich zu beachten. Zusätzlich gibt es je nach (Berg-)Sportart noch weitere Empfehlungen, die ausgesprochen wurden.




 
Der Verband österreichischer Berg- und Skiführer (VÖBS) habe bereits einen Kriterienkatalog erstellt, mit dem ein verantwortungsvolles Führen von kleinen Gruppen ab 1. Mai klar möglich sei.
 
„Der Verband erwartet sich von der Regierung, diesen Katalog in den weiteren Fahrplan zur Öffnung der Dienstleistungen einzubauen und das Bergführen ab Mai offiziell zu begrüßen“, heißt es in einer Aussendung des VÖBS.
 

Was ist beim Klettern, Bouldern oder auf Klettersteigen zu beachten?

Auch das Klettern und Bouldern sowie das Klettersteigen außerhalb von Kletterhallen zählt – grob genommen – zur „Bewegung in der frischen Luft“. Hier sind jedoch dieselben Regelungen gültig wie auch beim Wandern und beim Bergsteigen.
 
Die jeweiligen Sicherheitsabstände müssen sowohl in Bayern als auch in Österreich eingehalten werden. Zudem ist es ratsam, nur mit geschlossenen Handschuhen zu klettern, sich nicht ins Gesicht zu fassen und sowohl vor als auch nach der Klettertour die Hände zu desinfizieren. Über die Griffe könnte ein Ansteckungsrisiko bestehen.
 
Ist ein Klettersteig oder ein Klettergarten von Seiten der Betreiber gesperrt, ist das Klettern selbstverständlich nicht erlaubt.
 

Wann haben die Hütten wieder geöffnet?

Als "Beherbergungsbetriebe" waren Hütten in Bayern, Österreich und der Schweiz bereits seit Beginn der Corona-Einschränkungen geschlossen. 
 
Seit 18. Mai dürfen jedoch bayerische Hütten wieder öffnen - zumindest ihre Außenbereiche. Die Öffnung der Innenbereiche auf Alpenvereinshütten folgt am 25. Mai. 

Zum 30. Mai dürfen deutsche Alpenvereinshütten zudem wieder Übernachtungen anbieten.

Die Regeln zur Nutzung des Hütten-Außenbereichs hat der DAV auf seiner Website publiziert. Auch hier ist die Einhaltung von Abständen und anderen Sicherheitsbestimmungen das oberste Gebot. 


Ob die DAV-Hütten wie hier das Watzmannhaus in diesem Jahr noch einmal öffnen - vorerst unklar. Foto: DAV-Archiv
 
In Österreich dürfen gastronomische Betriebe ab dem 15. Mai wieder unter bestimmten Auflagen öffnen. Dies betrifft auch den Gastronomiebereich von Alpenvereinshütten. Die Übernachtung auf österreichischen Hütten soll voraussichtlich ab 29. Mai wieder möglich sein. 

Aus einem Bericht der österreichischen Tageszeitung „die Presse“ geht hervor, dass mit besonderen Hygienevorschriften zu rechnen sei und Übernachtungen in Matratzenlager oder gemeinschaftliches Frühstücken vor dem Aufbruch in der gewohnten Form nicht denkbar sein werde.

 
Wandern, Klettern und Bergsteigen ist also – unter Einschränkungen – möglich. Ob es in solchen Zeiten auch sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden.  
 
Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte auf jeden Fall mit Vorsicht und Zurückhaltung wandern und sich im Zweifelsfall an die Empfehlungen der jeweiligen Alpenvereine halten. Weiterhin ist mit einem Ansteckungsrisiko zu rechnen und es gilt, aus Rücksicht auf die Einsatzkräfte das Unfallrisiko so gering wie möglich zu halten.   
 
Auch während der Berg-Pause müssen Wanderer und Bergsteiger nicht untätig bleiben. Lesen Sie hier, wie Sie sich auch zu Hause fit halten
 
 
 
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