Erste Hilfe am Berg Teil 3: Hitzeerschöpfung und Sonnenstich | BERGSTEIGER Magazin
Alpine Erste Hilfe

Erste Hilfe am Berg Teil 3: Hitzeerschöpfung und Sonnenstich

Im Gegensatz zu Herzinfarkt und Kreislaufproblemen handelt es sich bei Hitzeerschöpfung (Dehydrierung) und Sonnenstich um akute Krankheitsbilder, die vor allem bei hohen Außentemperaturen und direkter Sonneneinstrahlung auftreten. 
 
© Hitzeerschöpfung vergeht mit Trinken, Essen und Ruhe im Schatten meist von selbst.
Ortovox/Hansi Heckmair
Bei Hitzeerschöpfung und Sonnenstich gilt als oberstes Prinzip: Vorbeugen! Beides ist mit den folgenden Vorkehrungsmaßnahmen vermeidbar:
  • eine Kopf- und Nackenbedeckung tragen
  • Wanderungen in praller Sonne vermeiden
  • in der Mittagshitze im Schatten pausieren
  • in Unterhaltungstempo gehen
  • regelmäßig Pause machen (alle 45–60 Min.)
  • ausreichend trinken (gezuckerte oder elektrolythaltige Getränke, z. B. Saftschorlen)
  • regelmäßig Salziges und Süßes essen
  • Kondition und Ausdauer richtig einschätzen
Geht es einer Person dennoch einmal nicht gut, ist der alpine Erste-Hilfe-Algorithmus (s. letzte Ausgabe) abzuarbeiten und zu fragen, ob die Symptome bekannt sind und ob genug gegessen und getrunken wurde. Aus den Antworten erkennst du, wie du am besten helfen kannst.
 

Sonnenstich         

Typische Symptome für Sonnenstich, die gewöhnlich verzögert, oft auch erst nachts, in zeitlicher Abfolge auftreten, sind:   
  • hochroter, heißer Kopf
  • Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • eventuell Nackensteifigkeit
  • Übelkeit bis zu Erbrechen
  • Bewusstseinseintrübung bis Bewusstlosigkeit
So kannst du helfen:
  • Schatten
  • Ruhe, unnötige Bewegungen vermeiden
  • Oberkörper hochlagern (keine Schocklage!)
  • Kopf und Nacken kühlen
  • trotz lokaler Kühlung Person warm halten
  • beruhigen und gut zureden
  • Notruf 112 bei sehr starken Symptomen wie z. B. Bewusstlosigkeit

Leichte Symptome verschwinden damit meist nach einigen Stunden von selbst.

Erhöhtes Risiko besteht bei langer direkter Sonneneinstrahlung auf unbedeckten Kopf oder Nacken und für Kleinkinder oder Personen mit wenig oder keiner Kopfbehaarung.


Eine Kopfbedeckung hilf Sonnenstich zu vermeiden. Wenn's doch passiert ist: Pause im Schatten und lokal kühlen. Foto: Ortovox/Hansi Heckmair
 

Hitzeerschöpfung/Dehydrierung

Typische Anzeichen für Dehydrierung sind (gewöhnlich in zeitlicher Abfolge):
  • auffallend blass
  • hochgradig schwach
  • kalter Schweiß mit Frösteln
  • erhöhte Körpertemperatur
  • Krampfanfälle
  • Halluzinationen, verwirrter Zustand
  • Bewusstseinseintrübung bis Bewusstlosigkeit

Wie kannst du helfen:
  • Anstrengung sofort stoppen
  • Schatten
  • Schocklagerung (mit erhöhtem Kopf zur Nahrungsaufnahme)
  • Flüssigkeitszufuhr, solange Person noch selber trinken kann
  • Elektrolytzufuhr (Müsliriegel, Nüsse, etc.), solange Person noch selbst essen kann
  • Wärmeerhalt bei Frösteln
  • beruhigen und gut zureden
  • Notruf 112 bei sehr starken Symptomen wie z. B. Bewusstlosigkeit
Durch Ruhe, Schatten, Schocklagerung und v. a. ausreichendes Trinken und Essen verschwinden auch diese Symptome meist nach einiger Zeit.

Erhöhtes Risiko durch:
  • große Hitze
  • starkes Schwitzen
  • körperliche Anstrengung
  • Flüssigkeitsmangel (zu wenig getrunken)
  • Elektrolytmangel

In beiden Fällen ist das Fortsetzen der Tour nicht ratsam. Es sollte nach einer angemessenen Pause gemeinsam entschieden werden, ob ein langsamer Abstieg möglich ist, oder ob doch besser die Bergwacht alarmiert werden sollte. Im Zweifel immer den Notruf 112 wählen!


Die Serie »Erste Hilfe am Berg« entsteht in Zusammenarbeit mit dem VDBS (Verband Deutscher Berg- und Skiführer) und der Firma Ortovox.

Ortovox bietet mit der Safety Academy kostenlose Online-Tutorials zu Sicherheitsthemen an und veranstaltet alpine Erste-Hilfe-Kurse mit der Autorin Daniela Hornsteiner an. Alle Termine gibt es hier.


Artikel aus Bergsteiger 9/19. Hier geht's zurück zu Teil 2 der Serie Erste Hilfe am Berg.
Daniela Hornsteiner