Königstour in den Lechtaler Alpen: Die Besteigung der Dremelspitze
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Georg und Dany Oberlechner von der Berg- und Kletterschule „Mountain Mystics“ haben sich verschiedene Übungen ausgedacht, die einem helfen sollen, beim Klettern mehr Selbstsicherheit zu erlangen. Sie standen uns mit Rat und Tat zur Seite, halfen uns in Sicherheitsfragen und gaben Tipps zur Knotenkunde. Ehe ich es mich versah, hielt mir Georg ein Tuch vor die Nase, mit dem ich mir die Augen verbinden sollte. „Und jetzt geht’s rauf!“, sagte er und deutete an der Kletterwand hoch. Ich band mir mit einem mulmigen Gefühl das Tuch um die Augen und setzte einen Fuß an die Wand. Vorsichtig suchte ich die passenden Klettergriffe mit den Händen, um weiter hinauf zu kommen. Ich musste zugeben: Die verbundenen Augen machten es mir ganz schön schwer. Ich rutschte ständig ab und hatte nicht das Gefühl, den perfekten Halt zu haben. Trotzdem: Ich wusste, dass mein Kletterpartner Georg unten auf mich achtet und mich im Falle des Sturzes abfangen würde. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen. Außerdem nahm ich die Klettergriffe viel intensiver wahr und ging vorsichtiger als sonst hinauf.
Am nächsten Tag ist es dann endlich soweit: Es sollte raus gehen, damit auch ich das Klettern am Fels endlich kennenlernen darf. Dazu fuhren wir ins Pillerseetal in Tirol. Wir treffen dort Bergführer Reini Percht, der uns zeigt, dass der „Wintergarten“ auf der Steinplatte nicht nur für viele Kletterfans sondern auch für uns der ideale Ort ist, um wunderbare Felserfahrungen zu sammeln. Unzählige unterschiedliche Routen und ein toller Panoramablick!
Der Zustieg dauert nicht lange. Ich lege den Gurt an, verbinde mich mit meinem Seilpartner Reini und dann geht es los. Obwohl der Fels direkt in der prallen Sonne liegt, fühlt er sich unter meinen Händen überraschend kühl an. Ich blicke nach oben – keine bunten Klettergriffe in Sicht, wie vorher in der Kletterhalle, nur schroffer, dunkelgrauer Fels. Plötzlich habe ich das Gefühl, ich klettere auf den Rücken eines riesigen, grauen und buckligen Riesen. „Darf ich hier vorne in die kleine Mulde meinen Fuß reinsetzen?“, merkte ich, wie ich plötzlich innerlich mit dem Berg kommuniziere. „Stehe ich dort sicher?“ Ich probierte es vorsichtig aus und merkte, dass es optimal passte. Ich fühlte mich dem Berg und der umliegenden Natur so nahe, wie ich mich es nie beim Wandern oder Bergsteigen erlebt habe. Ich hatte Respekt vor dem Riesen unter mir und arbeitete „mit dem Berg“ und nicht „gegen den Berg“. Mir ging es keinesfalls darum, dass ich der Natur mein Können beweisen wollte. Vielmehr sah ich es als Privileg an, überhaupt am Fels sein zu dürfen und ging mir großer Vorsicht hinauf.
Ich nahm mir viel Zeit, den Fels zu erkunden und auszuprobieren, welche Rille oder Mulde nun passend für mich war, um weiter nach oben zu kommen. „Sehr schön“, feuert mich Reini von unten an. Ich hörte ihn nur wie durch weite Entfernung, denn alles was im Moment für mich zählte, waren der Fels und ich selbst. So muss es sich anfühlen, wenn man in „Einklang mit der Natur“ kommt, wie ich es oft in Tourismusbroschüren lese, aber nie so recht wusste, was damit wirklich gemeint war.
Als ich mich wieder abseile, bin ich stolz wie Oskar und beeindruckt, wie unterschiedlich doch das Klettern am Fels im Gegensatz zum Klettern in der Halle ist.
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