Kaufberatung: Sportbrillen fürs Hochgebirge | BERGSTEIGER Magazin
Teil 2

Kaufberatung: Sportbrillen fürs Hochgebirge

© Ortovox

Brillen Know-How: Von A bis Z

Allroundbrille: Für eine gute Sportbrille gibt es kaum Einschränkungen. Sie kann zu allen Sportarten oder im Alltag verwendet werden. Für manche Einsatzbereiche wie z.B. bei Hochtouren sind aber Spezial-Brillen mit Seitenschutz und mit dunklen Gläsern der Schutzklasse 4 vorteilhaft.

CE Schutzklassen: 

Schutzklasse Durchlässigkeit des übertragenen Lichts in % Einsatzbereich
0 80%-100% Bedeckter Himmel
1 43%-80% Flachland
2 18%-43% Starke Sonne im Flachland
3 8%-18% Sonne im Hochgebirge
4 3%-8% Expedition, extreme Sonneneinstrahlung

 

Entspiegelte Gläser: Diese sind sehr empfehlenswert und werden bei hochwertigen Brillen meist verwendet. Sie können bis zu 98 Prozent der Lichtreflexe eliminieren.

Fälschungen: In vielen Urlaubsländern gibt es äußerst günstige »Marken-Sportbrillen«. Davon sollte man unbedingt die Finger lassen, da diese Kopien mit dem Original außer dem Logo meistens nichts gemeinsam haben!

Farbfilter: Braune, graue und grüne Gläser verfälschen die Farben der Umgebung am wenigsten. Gelb- und orangefarbene Brillengläser erhöhen die Kontraste. Auch bei wechselnden Lichtverhältnissen – etwa plötzlicher Nebel – ist die Sicht noch detailgenau. Jedoch: Nicht jeder fühlt sich wohl damit und auch der Blendschutz ist eher gering. Bei einem Blaufilter wird der Blauanteil des Lichts reduziert, sodass die Farbfelder weiter auseinanderrücken und so größere Kontraste entstehen. Sie sind fürs Hochgebirge besonders geeignet.

Polarisierende Gläser: Diese verhindern den Blendeffekt in der Umgebung.

Qualität: Hochwertige Gläser weisen keine Kratzer, Verzerrungen oder Unregelmäßigkeiten auf. Nicht beschichteter Kunststoff verkratzt oft schneller als hochwertiges und beschichtetes Polycarbonat. Achtung: Jeder noch so kleine Kratzer zwingt die Augen zu ständiger Korrektur, so dass sie schneller ermüden. Brillen mit zerkratzen Gläsern sind daher ein Fall für den Mülleimer.

Selbsttönende Gläser: Klingt zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich funktionieren die sich dem Umgebungslicht anpassenden Gläser aber sehr gut. Sie sind in der Regel allerdings weniger kontraststeigernd als Top-Gläser ohne Selbsttönung.

Strahlung: Das Sonnenlicht bietet ein breites Spektrum an Strahlung, die je nach Höhenlage oder Reflexion unterschiedlich stark auf den Menschen einwirken kann. Generell unterscheidet man zwischen der kurzwelligen UV-Strahlung (für den Menschen sichtbar zwischen 380 und 780 Nanometer) und der langwelligen Infrarotstrahlung. Die kurzwellige UV-Strahlung ist verantwortlich für die unangenehmen Begleiterscheinungen beim Aufenthalt in der Sonne wie Sonnenbrand oder im Extremfall auch Schneeblindheit. In der Höhe nimmt die UV-Strahlung kräftig zu, pro 1000 Höhenmeter um über 15% und auf Schnee durch Reflexion um bis zu 80%.

Unzerstörbare Brillen: Glorify und Rudy Project werben damit, dass die Brillen unzerstörbar seien. Tatsächlich sind sie äußerst robust, man kann sie verbiegen, ja sogar drauftreten! Gott sei Dank haben diese Brillen auch noch andere Qualitäten, denn »Unzerstörbarkeit« sollte nicht das Hauptargument für einen Brillenkauf sein.

Wechselgläser: Adidas, Oakley, Scott, Glorify und noch viele andere Hersteller haben den Gläserwechsel ihrer Sportbrillen dermaßen perfektioniert, dass man im Nu die Scheiben tauschen kann. Damit erhöht man nicht nur den Einsatzbereich, zerkratzte Gläser lassen sich so auch einfach austauschen.

Zubehör: Gehört heute zum guten Ton einer teuren Sportbrille. Ob man die Etuis, Beutel, Reinigungstücher, Brillenbänder, oder den abnehmbaren Seitenschutz tatsächlich benötigt, bleibt jedem selbst überlassen. Eine schlechte Brille wird durch umfangreiches Zubehör auch nicht besser.
 

Die übrigen Testmodelle

Julbo: Shield

Schutzklasse: S2-S4
Zubehör: Gläser photochromatisch, integrierter Seitenlichtschutz, abnehmbares Kopfband, Softcase, Beutel
Preis: 199.95 €
Benotung:

Optischer Eindruck:


Gesamteindruck: Ein besonderer Tipp für alle Bergsportler ist die Julbo Shield. Sie hat selbsttönende Gläser bis S4, die für guten Durchblick sorgen. Der Rahmen passt überdurchschnittlich gut auf viele Kopfformen.
 

Oakley: FLAK 2.0

Schutzklasse: S4
Zubehör: auswechselbare Nasenpads, Hardcase, Beutel
Preis: 212 €
Benotung:

Optischer Eindruck:

Gesamteindruck:
 Die Sportbrille schlechthin: Durch den einzigartigen Rahmen mit extrem griffiger Innenseite bietet die Oakley eine perfekte Passform. Die Gläser gehören zusammen mit den Adidas-Gläsern zu den besten am Markt. Leider sind die Oakley-Brillen sehr teuer!
 

Rudy Project: Zyon Outdoor

Schutzklasse: S1-S4
Zubehör: Gläser photochromatisch, integrierter Seitenlichtschutz, Hardcase, Beutel
Preis: 199,95 €
Benotung:

Optischer Eindruck:

Gesamteindruck: Nach der Gloryfy ist die Rudy Project Brille die zweite »unzerstörbare«. Außerdem passt sie sehr gut. Die Gläser sind sehr gut für unterschiedliche Lichtverhältnisse geeignet.
 

Scott: Spur M

Schutzklasse: S1-S4
Zubehör: zwei Wechselgläser, Hardcase, Beutel
Preis: 129,95€
Benotung: 

Optischer Eindruck:

Gesamteindruck: Die Scott kommt im großen Etui mit zwei Wechselscheiben. Das macht die Brille geeignet für alle Sportarten und Einsatzbereiche. Mit den Wechselscheiben hat man zudem auch immer einen Ersatz, falls die Scheibe verkratzen sollte.
 

Uvex: Sportstyle 307

Schutzklasse: S4
Zubehör: integrierter Seitenlichtschutz, Beutel
Preis: 39,95 €
Benotung:

Optischer Eindruck:

Gesamteindruck: Bei dem Preis haben wir dreimal nachgefragt. Denn »trotz« der 39 Euro ist die Uvex eine hochwertige Brille für den Sporteinsatz. Für die Nuancen, die andere besser sind, kann man viel Geld sparen!

Hier geht es zurück zu Teil 1 der Kaufberatung.
 

Dr. Christoph Ebert, Wolfgang Pohl, Christof Schellhammer
Fotos: 
Vivalpin
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2018. Jetzt abonnieren!
 
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