12 steigeisenfeste Bergstiefel im Test | BERGSTEIGER Magazin
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12 steigeisenfeste Bergstiefel im Test

Steigeisenfeste Bergstiefel sollten für das Gehen und Klettern mit Steigeisen in Fels, Eis und Firn optimal abgestimmt sein. Spezielle Eiskletterstiefel schützen besonders gut gegen Kälte, felsorientierte Modelle bieten ein besseres Kontaktgefühl. Wir zeigen ihnen, worauf Sie beim Kauf achten sollten.
 
Wir haben 12 steigeisenfeste Bergstiefel für Sie getestet. © Millet/Stefano Jeantet
Wir haben 12 steigeisenfeste Bergstiefel für Sie getestet.
Hoch- und Eistourenstiefel sind die robustesten Bergschuhe, die es gibt, und wiegen deshalb rund zwei Kilogramm pro Paar. Ihr Au bau besteht noch immer überwiegend aus robustem Leder. Vor Schäden durch Geröll, Felskanten und die eigenen Steigeisen schützt eine Rundum-Gummierung des Schuhrands. Diese sollte vorne über die Zehen hochgezogen sein und hinten als hochgezogene Fersenverstärkung auch der Formgebung dienen. Diese aufwändige Konstruktion hat durchaus ihren Preis: Üblicherweise gibt es Stiefel für rund 350 Euro, expeditionstaugliche Modelle für bis zu 430 Euro.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

Aku Serai GTX
Asolo Alta Via GV
Boreal Arwa
Garmont Icon Plus GTX
Hanwag Omega GTX
La Sportiva Trango Tower GTX
Lowa Alpine Expert GTX
Mammut Magic Guide High GTX
Millet Grepon 4S GTX
Salewa Vultur Evo GTX
Scarpa Phantom Tech
Zamberlan Eiger Lite GTX RR Boa

Fixer Fuß

Für einen möglichst entlastenden frontalen Stand auf Steigeisen und einen exakten Tritt auf Felsleisten ist ein perfekter Sitz im Schuh erforderlich. Dieser wird in drei Schritten erreicht:
  1. Durch eine schmale Passform um den Knöchelbereich und eine maximal mittlere Passform am Vorfuß.
  2. Durch eine den gesamten Vorfuß und Knöchelbereich anpassende Schnürung.
  3. Durch Druck von oben zur Reduktion des Vorfußvolumens und nach hinten zum Andrücken der Ferse.
Die zusätzliche individuelle Anpassung wird normalerweise durch eine Nachziehschnürung erreicht, die Fersenfixierung durch eine Anpressschlaufe oder einen Tiefzughaken. Lowa besitzt im Testfeld die einzige Schnellschnürung, die den Vorfuß in einem Zug fixiert, Zamberlan die einzige Boa-Drahtschnürung mit beliebig fest anpassender Aufwicklung am gesamten Schuh.


© Salewa/Storyteller Labs

Weich und warm

Kuscheliges Textilfutter aus Polyester in Kombination mit einem geschäumten Schaft von der Manschette bis unter den Knöchel ist auch bei Hochtourenstiefeln Standard (Hanwag mit Leder-Alternative). Zwischen Oberstoff und Futter ist eine wasserdichte Membran, meist Goretex, einlaminiert. Das weiche Futter und die gelungenen Passformen aller getesteten Schuhe ergeben ein angenehmes Fußgefühl trotz fast durchwegs festem Sitz der Ferse. Blasenbildung ist hier kaum möglich. Modelle mit schmalerem Vorfuß und vollständiger Volumenanpassung bieten dabei einen besseren Seitenhalt und Felskontakt. Alle vorgestellten Hochtourenstiefel isolieren die empfindlichen Fußsohlen mit einer dicken Mehrkomponentensohle gegen Kälte. Der Schuh darf aber nicht zu eng sein oder das Blut abdrücken, damit diese Isolierung effektiv wirkt.

Stabilität vs. Beweglichkeit

Generell besitzen Hochtourenstiefel zur Stabilisierung und gegen Schneeeinfall hohe Schäfte (19–20 cm), die teils um Schneegamaschen ergänzt sind (v. a. Boreal, Aku). Wirklich schneesicher und auch bei Pulverschnee hilfreich sind im Testfeld nur Scarpa und Zamberlan mit sehr hohen Gamaschen über einem Innenschuh (Schafthöhe 25 bzw. 29 cm). Ein steiferer Schaft ermöglicht mehr Stabilität beim seitlichen Einkanten in Firn oder beim Gehen mit Steigeisen. Durch die Lockerung der Hakenschnürung oberhalb des Fixierhakens lässt er sich beweglicher machen, ohne den Halt im Schuh zu beeinträchtigen. Ein weicherer Schaft erlaubt von vornherein mehr Beweglichkeit beim (Eis-)Klettern (z. B. Lowa).


© Salewa/Storyteller Labs

Die steigeisenfeste Sohle ist das Herzstück eines Hochtourenstiefels. Fürs Eis- und Mixedklettern mit Steigeisen ist die Zwischensohle völlig versteift und die Sohle vorne weniger aufgebogen. Im Aufstieg rollen diese Modelle nur begrenzt ab und verbiegen sich beim Gehen keinen Millimeter. Bei Allroundern oder felsorientierten Modellen dagegen ermöglicht die abgerundete Ballenrolle sowohl im hochalpinen Gelände als auch auf Wegen ein relativ ergonomisches Gehen.

Schuhe mit Profil

Das Profil von Hochtourenstiefeln muss sowohl in Schnee und Geröll gut greifen, als auch auf Fels haften. Optimalerweise ist es deshalb recht tief (6–7 mm), gegen anhaftenden Schnee einseitig abgeschrägt, relativ weitständig und besitzt unter der Spitze bis zum Innenballen eine durchbrochene Reibungszone zum Klettern sowie eine weitere unter der Ferse für den sicheren Abstieg. Letztere ermöglicht nebenbei einen festeren Sitz des Steigeisens beim Eis- oder Mixed-Klettern. Wegen ihrer sehr dicken Sohlen vermitteln jedoch nur wenige Hochtourenstiefel ein gutes Gefühl für den Untergrund.
 
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 02/2020. Jetzt abonnieren!
 
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