Im Test: Hardshell-Jacken | BERGSTEIGER Magazin
Hart im Nehmen - robuste Regen- und Allwetterjacken

Im Test: Hardshell-Jacken

Testbericht Hardshelljacken. Die Hauptaufgabe einer Hardshell-Jacke ist und bleibt der Schutz vor Niederschlag, Wind und Sturm. Das Material sollte darüber hinaus so robust sein, dass Fels, Eis sowie scheuernde Rucksäcke der Jacke nichts anhaben können.
(Aus BERGSTEIGER 03/2013)
 
Im BERGSTEIGER Test 03/2013: Hardshell-Jacken © Bernd Ritschel/ Andreas Strauß
Im BERGSTEIGER Test 03/2013: Hardshell-Jacken
Robuste Hardshells sind Schutzjacken, die nicht nur gegen Sturm, Regen und Schnee schützen. Darüber hinaus lassen sie sich weder von einem schweren Rucksack, Hüft- oder Klettergurt aufscheuern und überstehen auch Reibungskontakt mit Fels unbeschadet. Neu ist das erstaunlich geringe Gewicht von 500 bis 600 Gramm in Größe 52 oder L. Selbst leichtere Modelle (Patagonia und Schöffel 420 g) sind für die meisten harten Einsätze geeignet.

Schutzstoff bei Hardshell-Jacken: Laminat und Verstärkungen

Gewicht und Robustheit ergeben sich aus einem dreilagigen, raffiniert verklebten »Laminat«. Herzstück ist eine wasserdichtatmungsaktive Membran, die am Körper einen dünnen Abrieb- und Schmutzschutz und außen ein abriebfestes, gegen Vollsaugen imprägniertes Obermaterial besitzt. Die meisten robusten Laminate sind aus Gore-Tex Pro Shell, das heißt, nur der Oberstoff variiert mit den Modellen. Besonders robust ist dieser bei Tilak, während leichtere Modelle mit Ripstop die Reißfestigkeit erhöhen. Um eine Schutzjacke fast unzerstörbar zu machen, lassen sich Verstärkungen an den bei schwerem Rucksack besonders belasteten Schultern und Hüften (Rucksack und Klettergurt) sowie der Oberseite der Ärmel gegen Felskontakt (auch Traggurt-Abstreifen) anbringen (Haglöfs und Adidas; Mammut Schultern mit Gummiaufsatz; Berghaus ohne Hüftbereich). Schöffel und Patagonia sind aus einem weniger robusten Stoff und sollten daher nicht zu oft mit schwerem Rucksack beladen werden.

Der Jacken-Einstieg: Frontverschluss

Zwar schützt der Stoff gegen die Witterung (außer bei Kälte im Ruhezustand), die Öffnungen an Front, Rumpf und Ärmeln bilden aber Schwachstellen. Ein einfacher Reißverschluss (RV) ist zwar leichter zu bedienen (Patagonia, Bergans), dennoch sollte die Frontöffnung einen Zweiwege-RV besitzen, der sich auch von unten (für Kletter-Sicherung, Lüftung) öffnen lässt. So oder so sind nur wenige »wasserdichte« RVs leichtgängig (Tilak und Mammut), da sie gummiert sind (bei Knicken evtl. Feuchteln). Hundertprozentig dicht, aber schwergängig sind nur die Front-RVs von Berghaus, La Sportiva und Vaude. Dafür sind alle Front-RVs innen mit einer Abdeckung hinterlegt (außer Vaude und die Taschen-RVs). Diese hält eventuell eindringende Feuchtigkeit sowie kühle Luft ab. Ein Druckknopf gegen unbeabsichtigtes Hochrutschen des unteren Zippers ist bei gummierten Zweiwege-RVs überflüssig. Die RV-Zipper allgemein sollten Bändel mit Kunststoffgriff besitzen (Mammut perfekt, nicht La Sportiva). Seltsamerweise fehlen diese am unteren Zipper des Front-RVs (außer Haglöfs). Am Hals sind Frontabdeckung und teils Nacken mit Mikrofleece oder Trikot besetzt (v. a. Adidas, Mammut und The North Face).

Abschlüsse: Gummizüge und Ärmelklette

Standard beim Rumpfabschluss von Schutzjacken sind Hüft-Gummizüge mit zwei seitlichen Klemmverschlüssen (Tankas), die möglichst einhändig zu bedienen sind. Relativ neu ist die Verbreitung von Zügen, die sich durch Druck auf einen im Stoff vor jeglichem Witterungseinfl uss geschützten Klemmknopf verstellen lassen. Diese werden zwar zweihändig bedient, sind aber leichtgängig und fi xieren zuverlässig. Dies zeigt sich besonders an den problematischen Seitzügen der Kapuze, die häufig nur suboptimal funktionieren. Bei Schöffel und Outdoor Research muss vor Bedienung der Kapuzen- Seitzüge der schützende Front-RV geöffnet werden, bei Haglöfs müssen de facto fast alle Gummizüge mühsam zweihändig bedient werden. Ein elastischer Schneefang um die Taille verhindert das Eindringen von Schnee, bietet Schutz im Nierenbereich und ist für den Sommereinsatz abzippbar (Adidas; Tilak auch Taillenzug). Die Ärmelbünde werden durchgehend mit Klettverschlüssen angepasst und verschlossen. Der Klett sollte lang und breit genug sein, um das Handgelenk ohne Überstand vollständig und zuverlässig gegen die Witterung abzudichten. Klette mit robusten Gummibändern (Adidas, Haglöfs und Schöffel) halten auch nach jahrelanger Nutzung gut, können sich aber außen verhaken. Tilak besitzt sogar einen Rundumklett mit Hebelzug.

Komplizierter Kopfschutz: Kapuze

Eine funktionelle Kapuze besitzt neben den erwähnten Seitzügen auch einen normalerweise gut funktionierenden und häufi g abgedeckten Volumenzug am Hinterkopf (zusammen »3D-Züge«), der sowohl die Anpassung an den Kopf als auch dessen seitliches Drehen mit der Kapuze ermöglicht. Dieser Zug dient auch der Erweiterung, um die Kapuze über einem Helm tragen zu können, wogegen ein vierter Halszug (Schöffel und Haglöfs) überfl üssig ist. Zwar sind alle Modelle helmtauglich; aber nur Haglöfs, Outdoor Research, Vaude und Tilak mit Klett lassen sich problemlos mit Helm bewegen. Äußeres Merkmal einer sturmtauglichen Kapuze ist ein großzügiger Schild an der Stirnseite (Adidas, Berghaus und Outdoor Research mit Drahtverstellung), der vorzugsweise angeschnitten, das heißt, in einen seitlichen Schutz integriert ist.

Für Hände und Großkram: Taschen

Besonders im Winter, wenn man mit viel Ausrüstung unterwegs ist, sollten die Seitentaschen der Jacke nicht nur Platz für die Hände bieten, sondern auch groß genug sein, um dicke Handschuhe oder die Mütze darin unterzubringen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein deutlicher Steg als Rausfallsicherung (bei Haglöfs und Patagonia mager). Die Seitentaschen aller Modelle sind mehr oder weniger gut hochgesetzt, so dass sie nicht von Rucksack- oder Klettergurt behindert werden. In einige der größten Taschen (La Sportiva, Mammut, Schöffel und Outdoor Research) passen sogar Trinkflaschen, während Tilak innen extra Volumentaschen zum Aufwärmen besitzt. Kleinere Werttaschen auf der Innenseite für Schlüssel, Liftkarte oder Geld lassen sich nutzen, um darin elektronische Geräte vom Smartphone bis zum GPS-Gerät zu verstauen.

Effektive Klimaregulierung: Lüftungen

Um einerseits effektiv zu lüften (ventilieren) und andererseits vor der Witterung zu schützen, befinden sich die trotz hoher Atmungsaktivität erforderlichen Lüftungsöffnungen mit variablem Zweiwege-RV am besten unter den Achseln und sind vorzugsweise recht lang (Patagonia, The North Face und Haglöfs; Schöffel 50 Zentimeter), bei Outdoor Research sogar bis zum Rumpfabschluss durchgehend. Weniger effektiv sind seitliche Lüftungen (Adidas) oder lüftende Seitentaschen mit Netzfutter (Berghaus).

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Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2013. Jetzt abonnieren!
 
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