14 Helme im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

14 Helme im Test

Für viele Bergsteiger gehört er zur Tour wie die Hütteneinkehr danach, und manchmal ermöglicht er sie überhaupt erst: der Helm. Dass er passen muss, versteht sich eigentlich von selbst – nicht nur zum Kopf, sondern auch zur anvisierten Tour. So finden Sie den passenden Kopfschutz.
 
Der Outdoor Content Hub hat 14 Helme für uns getestet. © Storyteller Labs/Francois Cazzanelli
Der Outdoor Content Hub hat 14 Helme für uns getestet.
Es rumpelt und pfeift. Instinktiv drückt sich der Körper gegen den Felsen. Mit einem dumpfen Schlag knallt ein Stein knapp nebenan auf ein Grasband. Glück gehabt! Am Berg kommt nicht alles Gute von oben. Steine, Eisschlag oder der Karabiner des Seilpartners treffen nicht selten unseren Kopf. Daher gehören Schutzhelme schon seit langer Zeit zur Standardausrüstung in den Bergen. Heute zählt der Helm zur sogenannten »Persönlichen Schutzausrüstung«, kurz PSA, der Kategorie zwei.

Definiert wird sie als Ausrüstung, die Bergsteiger vor »großen Gefahren« bewahren soll. Die Gefahren mögen dieselben bleiben, der Helm aber entwickelt sich glücklicherweise weiter. Heute werden verschiedenste Materialien und Technologien aus der Kunststoffindustrie verwendet, um Helme leicht und gleichzeitig robust zu machen. So verbaut Mammut zum Beispiel seit diesem Jahr erstmals das in Bike- und Skihelmen bereits etablierte MIPS-System in seinem Topmodell.

Diese 14 Modelle haben wir getestet

Austrialpin Helm.ut
Black Diamond Vapor Helmet
Camp Storm
Climbing Technology Galaxy
Edelrid Shield II
Edelweiss Vertige
Grivel Stealth
Kong Leef
LACD Protector 2.0
Mammut Wall Rider MIPS
Petzl Meteor
Salewa Vayu 2.0 Helm
Singing Rock Penta
Stubai Fuse Light II

Auch das Gewicht sinkt immer weiter. Einige Helme wiegen nur knapp mehr als 200 Gramm. Für die Puristen unter den Sportkletterern schwinden also die Ausreden, auch wenn in den Bergen keine »allgemeine Helmpflicht« herrscht. Experten (und der gesunde Menschenverstand) raten aber dazu, in allen Fällen, in denen Stein- oder Eisschlag droht oder aber die Möglichkeit von unkontrollierten oder weiten Stürzen nicht ausgeschlossen werden kann, einen Helm anzulegen.

»Ich habe doch schon einen Helm zum Biken, braucht es da einen zusätzlichen zum Klettern?« Die Antwort ist kurz und eindeutig: Ja! Zum einen ist ein Bergsteigerhelm kein klassischer Sturzhelm, sondern schützt primär vor herabfallenden Gegenständen. Im Gegensatz zu einem Fahrradhelm ist er daher nicht rund herum belüftet, sondern verfügt nur über mehr oder weniger große Öffnungen an den Seiten. Im Zentral- und Stirnbereich ist die Schale von Bergsteigerhelmen geschlossen, da hier die Hauptaufprallstellen für herabfallende Gegenstände oder Steinschlag liegen.

Alles Normsache

Der Kopfschutz im Bergsport muss die Normprüfung nach EN 12492 und die strengere (jedoch freiwillige) UIAA-Norm 106 bestehen. Unter anderem müssen Helme den definierten Aufprall eines aus zwei Metern vertikal fallenden Prüfkörpers mit fünf Kilogramm standhalten. Die übertragene Energie auf den Kopf darf maximal zehn Kilonewton (EN) beziehungsweise acht Kilonewton (UIAA) betragen, damit der Träger keine Verletzungen an Kopf und Halswirbelsäule erleidet.



Ebenfalls wird die Energieaufnahme von der Seite, von vorne und von hinten gemessen (5 kg Gewicht aus 50 cm Abstand). Auch einen Durchschlagstest mit einem spitzen Kegel (3 kg) aus einem Meter Höhe muss jeder Helm absolvieren. Weitere Tests prüfen die Festigkeit der Bänder und Schnallen sowie den Halt des Helmes auf dem Kopf, wenn daran gezogen wird.

Die Grenzen der Norm

Die derzeitige Norm prüft lediglich den Schutz des Kopfes im oberen Drittel des Helmes, also den Schutz vor herabfallenden Gegenständen. Eine amerikanische Studie aus dem Jahre 2014 fand heraus, dass Kopfverletzungen durch Stürze zwölf Mal häufiger sind als Kopfverletzungen durch Steinschlag. Die Forscher gingen der Sache nach: Bei Versuchen mit einem herabfallenden Dummy mit Helm fanden sie heraus, dass derzeitige Helmmodelle beim Aufprall an Stirn, Schläfe oder Hinterkopf nicht den nötigen Schutz bieten, um beispielsweise eine Wirbelsäulenverletzung zu verhindern. Die UIAA hat zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe eingerichtet und erarbeitet derzeit eine zusätzliche, jedoch freiwillige Norm (»Sturzhelm nach UIAA«). Bergsteigerhelme mit dieser Zertifizierung sollen künftig einen besseren Schutz gegen seitliches Aufprallen am Fels bieten.

Für jeden Topf ein Deckel

Der beste Helm hilft nichts, wenn er mangels Tragekomfort nicht auf dem Kopf sitzt. Entscheidend sind die optimale Passform, die Polsterung, die Belüftung und das Gewicht des Helmes. Viele Helme gibt es in zwei verschiedenen Größen. Für einen perfekten Sitz sollten sich die Gurte an den Ohren und am Kinn sowie das Kopf band am Hinterkopf mittels Schnallen anpassen lassen. Einige Helme besitzen Ratschen oder auch ein Rädchen am Hinterkopf, mit dem sich der Sitz schnell justieren lässt.



Nicht jeder Helm passt auf jeden Kopf. Daher ist es sinnvoll, verschiedene Modelle vor dem Kauf anzuprobieren, auf seinen Kopf einzustellen und damit umherzugehen. Wichtig ist, dass der Helm nicht verrutscht und dass man ohne Sichteinschränkung nach oben blicken kann. Um die volle Funktionstauglichkeit zu erreichen und einen festen Halt auf dem Kopf sicherzustellen, sollte der Helm so eng sitzen, wie es der Tragekomfort noch erlaubt. Während des Gebrauchs ist es wichtig, dass der Helm fest am Kopf sitzt und vorhandene Kinnriemen ständig fest gespannt sind. Und: Auch mit Mütze muss der Helm gut passen, wenn man an kalten Tagen oder in Eis und Schnee unterwegs sein möchte. Denn nur wenn ein Helm passt und angenehm sitzt, ist er immer mit dabei.

Unser Fazit

Bergsteigerhelme sind für den Einsatz beim Bergsteigen, Sport-, Alpin- und Eisklettern sowie auf Klettersteigen bestimmt. Kein Helm kann seinen Besitzer vor Unfällen oder Schlägen schützen, er kann lediglich das Verletzungsrisiko verringern. Dazu muss die schüzende Schale aber gut am Kopf sitzen − man sollte den Helm also besonders sorgfältig auswählen.
Alexandra Schweikart
 
Mehr zum Thema