12 Hardshell-Jacken im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

12 Hardshell-Jacken im Test

Dreilagige Hardshells sollen Nässe und Wind die Stirn bieten, robust und gleichzeitig elastisch sein. Den Schweiß sollen sie schnell nach außen befördern. Am Ende wollen wir darin auch noch eine gute Figur am Berg machen. Ist das alles überhaupt möglich und wenn ja, zu welchem Preis?
 
Der Bergsteiger hat 12 Hardshell-Jacken für Sie getestet. © Storyteller-Labs/Damiano Levati
Der Bergsteiger hat 12 Hardshell-Jacken für Sie getestet.
Egal ob auf Skitour in den Allgäuer Alpen, in hochkarätig besetzten Outdoor-Filmen oder beim Bäcker an einem regnerischen Samstagvormittag: Hardshell-Jacken sind aus unserer Umgebung nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer Membran besitzen sie eine einzigartige Funktionalität. Sogenannte Dreilagen-Jacken sind bestens geeignet als Wetterschutz und transportieren gleichzeitig den Wasserdampf, der beim Schwitzen entsteht nach außen.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

Arc’teryx Alpha AR Jacket
Black Diamond Sharp End Shell
Blackyak Barzona Jacket 2
Dynafit Radical GTX Jacket
Jack Wolfskin Exolight Pro Jacket
Mammut Nordwand Advanced Hooded Jacket
Ortovox 3L Ortler Jacket
Outdoor Research Interstellar Jacket
Rab Firewall Jacket
Radys R1 Pro Jacket
Salewa Agner Pertex 3L Jacket
The North Face Summit L5 Jacket

Äußerster Schutz

Mit dem bloßen Auge sind sie kaum zu sehen: die kleinsten, dicht miteinander verwobenen Textilfasern, die den robusten Außenstoff einer Regenjacke bilden. Eine Imprägnierung sorgt dafür, dass die Faseroberfläche hydrophob − also wasserabweisend − wird.

Üblicherweise wurden und werden Regenjacken mit sogenannten perfluorierten Kohlenstoffen (PFC) imprägniert. Sie gelten als »bioakkumulativ«, das heißt, sie sammeln sich im Körper an, und als äußerst persistent in der Umwelt. Sie verbleiben auch lange in der Atmosphäre, wo sie als Treibhausgase wirken. Lediglich vier Jacken im Test kommen ohne PFC-Imprägnierung aus, namentlich diejenigen von Jack Wolfskin, The North Face, Salewa und Radys. Auch mit Hilfe einer Plasma-Behandlung können Stoffe auch ohne PFC wasserabweisende Eigenschaften bekommen − so geschehen bei der Summit L5 Jacke von The North Face, jedoch mit mäßigem Langzeiteffekt.

Clevere Plastikschicht

Unter der Oberschicht befindet sich eine hauchdünne, empfindliche Plastikschicht, nicht dicker als eine Lage Frischhaltefolie. Sie wird mittels Druck, Temperatur und Klebstoff zwischen Oberstoff und Innenfutter einlaminiert. Hier versteckt sich das eigentliche Geheimnis der sogenannten »Atmungsaktivität« oder korrekterweise der Wasserdampfdurchlässigkeit von Hardshell-Jacken − bei gleichzeitiger Wasserdichtheit. Gore-Tex heißt der wohl bekannteste Vertreter dieser Membranen und steckt in fünf unserer Testjacken. Durch winzige Poren kann hier Wasserdampf, der beim Schwitzen entsteht, nach Außen entweichen. Auch die Texapore-Membran von Jack Wolfskin besteht aus einer mikroporösen Schicht ebenso wie die Dermizax NX von Toray in der Jacke von Ortovox.


© Ortovox/Hansi Heckmair

Zwei Jacken im Test (Interstellar von Outdoor Reserach und Summit L5 von The North Face) besitzen eine Membran die durch »Elektrospinning« hergestellt wird. Dabei wird Polyurethan durch viele winzige Düsen befördert und mittels eines starken elektrischen Feldes beschleunigt. Die dünnen Filamente werden dann von einer geladenen Oberfläche angezogen und aufgefangen. Es entsteht ein hauchdünnes Gewirr aus Filamenten mit unzähligen, miteinander vernetzten Luftlöchern dazwischen. Diese dreidimensionalen Kanälchen zwischen den Fasern erzeugen in der Membran relativ gesehen mehr Lufteinschlüsse als bei anderen Membranen.

Die übrigen Jacken im Testfeld besitzen keine Poren, sondern sogenannte »hydrophile« Membranen aus Polyurethan, die den Wasserdampf entlang der Fasern nach außen leiten können. Und das umso mehr, je feuchter diese innere Schicht wird. Das bedeutet: Je mehr man schwitzt und je wärmer und feuchter es unter der Jacke wird, umso besser funktionieren diese Membranen.

Alles hat ein Ende…

…auch die Dampfdurchlässigkeit! Sobald wir schnaufend bergauf gehen, kommt die Membran schon nach kurzer Zeit nicht mehr hinterher: Es wird mehr Schweiß produziert, als durch die Membran nach außen dringen kann. Das Schwitzwasser beginnt sich zu stauen und rinnt an der Haut entlang. Hier helfen nur noch die Unterarm-Reißverschlüsse, um Luftzirkulation zur Abkühlung zu ermöglichen.

Der Zeitpunkt und die Intensität, ab dem es richtig unangenehm wird variiert von Modell zu Modell und von Person zu Person. Daher hat der Outdoor Content Hub eine Messmethode entwickelt, um dem Fluss des Schweißes auf die Spur zu kommen: Sensoren werden auf der Haut, der inneren Bekleidungsschicht und der Jackenaußenseite angebracht. Sie zeichnen alle zehn Sekunden die relative Luftfeuchte und die Temperatur auf. So kann anschließend die absolute Menge an Wasser innerhalb und außerhalb der Jacke berechnet werden.

Die Sonderausstattung

Als hochfunktionelle Produkte besitzen die meisten Jacken auch zahlreiche Verstellmöglichkeiten wie Kordelzüge am Saum und an der Kapuze, um das Volumen zu regulieren. Schließlich möchte man die Jacke mal mit, mal ohne Helm tragen. Klettverschlüsse an den Ärmeln gehören standardmäßig dazu, genauso wie Unterarm-Reißverschlüsse. Einzig die Salewa-Jacke spart hier: sowohl an der Ausstattung als auch an der Qualität. Der dünne Front-Reißverschluss überstand unsere Testrunde nicht


© The North Face/Tom Klocker

Unser Fazit

Selbst die teuersten Jacken für 600 Euro schaffen das Wunder nicht: Ab einem gewissen Punkt beginnt die Schwitzpartie unter der Jacke und baut sich immer weiter auf. Bei den neuartigen Jacken, die eine elektrogesponnen Membran haben, fiel uns auf, dass diese sich bei Laufabschnitten mit weniger Aktivität wieder gut erholen: Die Haut trocknet schnell ab, während man bei den meisten anderen Jacken im eigenen Saft steht und fröstelt – zumindest wenn es kalt ist.

Fast alle Jacken im Test sind ausreichend wasserdicht im Testergebnis; die Preisunterschiede ergeben sich durch die Verwendung von weniger robusten Materialien und sparsamer Ausstattung bei den günstigeren Jacken; nicht zuletzt auch durch Produktionsländer wie Bangladesch, in denen einige Jacken hergestellt wurden. Den Kauf einer Hardshelljacke sollte man überaus bewusst angehen. Bei der Herstellung werden viele Ressourcen gebunden, die Rohmaterialien der Jacken lassen sich nach heutigem Kenntnisstand nicht trennen und dadurch auch nicht recyceln. Aber: Wenn die neue Jacke perfekt sitzt und gut gefällt wird sie auch benutzt und sollte − bei geeigneter Pflege − viele Jahre halten!
 
Alexandra Schweikart
 
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