Acht Skitourenrucksäcke im Vergleich

Der BERGSTEIGER Skitourenrucksack Test

Die modernen Skitourenrucksäcke werden immer mehr zu multifunktionellen Winterrucksäcken, die sich zum Teil auch für sommerliche Hochtouren eignen. Damit Sie den Überblick behalten, erklären wir Ihnen in unserem Skitourenrucksack Test, worauf Sie achten sollten. (Aus Bergsteiger 01/2009)

 
Der Skitourenrucksack Test © BERGSTEIGER
Der Skitourenrucksack Test

Der Skitourenrucksack im Test

Das augenscheinliche Come­-back der vielseitigeren Deckelriemen-Rucksäcke zeigt, dass kompakte Reißverschlussrucksäcke doch nicht der Weisheit letzter Schluss bei Ski- und Winterrucksäcken sind. Es gibt immer mehr Modelle mit Rückenöffnung (bei Deuter, Mammut als Zusatz), die sowohl bei an der Front angebrachtem Snowboard oder Schneeschuhen Sinn macht und zudem verhindert, dass der Rucksackrücken beim Herumsuchen im Sack auf Tour schneenass wird.

Seitenhalt und Tragkomfort
Gestelle und Rückenplatten passen sich meist flexibel der individuellen Rückenkrümmung an (Mammut perfekt anliegend; Deuter bei aufrechtem Gehen besser) und stehen beim aufrechten Gehen zur Lüftung etwas ab – mit der vorhersehbaren Folge, dass fast alle Rucksäcke keinen perfekten Seitenhalt für die Abfahrt aufweisen (Deuter mit Super-Lüftung bzw. Rock­snake mit Körperkontaktrücken sehr guten Seitenhalt). Und dies trotz sehr gut bzw. bei Hebelzügen (Deuter, Ortovox, Millet) perfekt sitzenden Hüftgurten oder längeren Hüftflossen (z. B. Mammut, Vaude). Die Bewertung wurde mit 5,5 Kilogramm Seillast vorgenommen. Zusammen mit den durchwegs ergonomisch geformten Tragriemen (perfekt bei Millet) und der sinnvollen Schulterverstellung zur Schwerpunktvariation ergeben sich durchwegs komfortable Rucksäcke. Die seitlichen Kompressionsriemen lassen sich für die Skibefestigung durchwegs schnell mit Schnallen öffnen bzw. zur frontalen Befestigung von Schneeschuhen verwenden (Bergans, Deuter); Northland besitzt zur Kompression nur seitliche Gummizüge.

Außen-Befestigungen und Stauraum
Skitourenrucksäcke besitzen für den Transport der Ski auf dem Rücken mindestens zwei verstärkte Seitenschlaufen an der seitlichen Kompression für die deutsche A/H-Aufhängung (rührt von der Form der befestigten Ski her) oder eine am Rucksackboden plus Kopfschlaufe für die französische Methode (als Zusatz bei Mammut, Millet, Vaude) oder deren schräge Variante mit Schulter-Haken als Schnellfixierung bei Skitouren-Rennrucksäcken (Northland). Die meisten Skitourenrucksäcke sind heute als multifunktionelle Winterrucksäcke (außer Northland) mit externen Befestigungen auch fürs Eisklettern (zwei Eisbeile) und häufig Snowboarden/Schnee­schuhwandern (zwei Frontriemen) konstruiert sowie sinnvollerweise teils auch für Hochtouren (v. a. Ortovox). Als einzige Hersteller haben Deuter und Millet an eine Zweitverwendung der Rücksäcke für Gletschertouren gedacht durch Steigeisen-/Steigfellfach, Pickel- statt Beilhalterung sowie Stockhalterung und vorbildliche Bedienungsanleitung (nur Deuter).

Eine weitere Spezialität von Ski- und Winterrucksäcken ist der separate Stauraum für die sperrige Sicherheitsausrüstung, also Schaufel, Schaft und Sonde (LVS-Gerät ist am Körper), die außerhalb des Hauptfachs im Frontfach platziert sein sollten. Hier gibt es keine Stauprobleme, und das Fach lässt sich auch anderweitig nutzen. Es ist unverständlich (außer bei Northland), warum viele Hersteller die Sicherheitsausrüstung innen platzieren – zumal die Schaufel beim Rucksackpacken behindert oder vom Sitzplatzschaufeln nass ist. Absurd ist die Verteilung von Schaufel, Schaft und Sonde über den ganzen Rucksack bei Bergans.

Ganz gleich, wie ein Skitourenrucksack aufgebaut ist – er sollte über mindestens eine Wert- oder Deckeltasche für Kleinkram verfügen, in der sich außer Wertsachen auch eine Ski- oder Sportbrille sicher verstauen lässt (bei Mammut extra Fach, bei Rocksnake sicheres Hardcase). Sinnvoll sind auch kleine Taschen am Gurt für Handy oder Kamera (groß bei Northland) sowie Seitenfächer für Trinkflaschen (Deuter) oder gebrauchte Kleidung (Northland). Zusatzbefestigungen für Steigeisen (Deuter, Millet), (Ski-)Helm (Mammut, Vaude) oder beides sind dagegen selten. Schlüsselclip und Signalpfeife am Brustriemen gehören zu den unscheinbaren Details, eine Karabinerschlaufe und Trinkschlauch-Isolierung zu den sinnvollen Extras. Für das Auge gibt es eine Checkliste für die Sicherheitsausrüstung im Frontfach (Mammut), eine bei vielen multifunktionellen Rucksäcken arg vermisste Bedienungsanleitung (Deuter) und eine Notsignalanweisung (Mammut, Deuter). 

Einsatzbereiche des Skitourenrucksacks:
Allround Winter: Für alle Winteraktivitäten (Skitour, Eisklettern, Snowboard/Schneeschuh) vorgesehener Rucksack mit Zusatzeignungen (z. B. körpernaher Schwerpunkt für Eis, komfortabler Hüftgurt für Board)
Skitour: Spezieller Rucksack mit Skibefestigung und Stauraum für Sicherheitsausrüstung sowie sehr gutem Seitenhalt und ergonomischem Tragkomfort.
Hochtour: Rucksack vorzugsweise mit Deckelriemen, sehr gutem Seitenhalt, guter Lüftung und Befestigungen für Eisbeile bzw. Pickel (Gletschertour) sowie möglichst Steigeisen oder Helm.

Tipps vom Outdoor-Experten
  • Die französische Methode des Skiaufbuckelns (beide Ski zusammen frontal) geht schneller und stört beim Aufstieg nicht.
  • Die deutsche Methode (Ski einzeln seitlich) stört im selteneren Abstieg kaum, wenn man die Ski oben zusammenbindet.
  • Externe Befestigungen und große Sicherheitstaschen erlauben auf sommerlicher Hochtour eine hohe Stau-Variabilität.
  • Es lohnt sich, vor der Abfahrt die im Aufstieg gelockerten Schulterträger für optimalen Seitenhalt oben festzuziehen.

 Hier können Sie sich den vollständigen Skitourenrucksack Test als PDF downloaden
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2009. Jetzt abonnieren!
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