Winterwandern in den Bayerischen Alpen

Wer kein Skifahrer ist und trotzdem den Winter in den Bergen aktiv erleben möchte, der sollte zusammen mit Andrea (Text) und Andreas Strauß (Fotos) durch die Bayerischen Alpen wandern — auf gespurten Pfaden zwischen Chiemgau und Tegernsee

 
Das tief verschneite Hochgernhaus über dem Nebelmeer © Andreas Strauß
Das tief verschneite Hochgernhaus über dem Nebelmeer
Viele Bergwanderer leben nach dem »Igelprinzip«: Vom Frühjahr bis in den Oktober hinein sind sie unterwegs, vor allem im Herbst werden fleißig Touren gesammelt. Sobald es kalt wird und Schnee fällt, sucht man sich ein trockenes, warmes Plätzchen, rollt sich zusammen und hält Winterschlaf – und aufgestanden wird nur, um ab und zu nach Essbarem zu suchen.

Dass das »Igelprinzip« kein Muss ist für Bergwanderer, zeigt sich immer mehr: Winterwandern liegt im Trend. Auch wenn man nicht Tourengeher, Skifahrer oder Langläufer ist, macht es riesigen Spaß, die verschneite Landschaft zu genießen, dem hausberg einen Besuch abzustatten und einfach draußen zu sein und sich zu bewegen. Manche Gipfel sind im Winter daher nicht schlechter besucht als im Sommer, so dass oft eine bequeme, gut ausgetretene Spur existiert. Für andere Ziele braucht man Schneeschuhe oder viel Kondition zum Spuren. Natürlich werden in der kalten Jahreszeit etwas »kleinere Brötchen gebacken«. Die Vorberge bieten sich daher besonders als Ziele an.

Durch verschneite Zwergerlfichten stapfen, die glitzernde Schneekristallwelt rundum, ein paar Sonnenstrahlen einfangen, während im Tal der Nebel Dauergrau beschert, eine kurze Gipfelpause mit heißem Tee und Plätzchen, vielleicht hat irgendwo sogar eine Hütte offen. Der Abstieg fühlt sich dann meist viel schneller und leichter an als ohne Schnee. Teils lohnt es sich ja auch, den Schlitten ein Stück weit mitzunehmen und die Winterwanderung mit einer staubenden Rodelpartie ausklingen zu lassen. Also, nichts wie hinaus in die weiße Winter-Wunderwelt!

Rund um den Tegernsee
Bestens geeignet für Winterwanderungen sind die Berge rund um den Tegernsee, das Tourenangebot ist groß und vielfältig. Da sind zum einen die kurzen, einfachen Wanderungen mit Einkehrmöglichkeit. Die Tour von Tegernsee zur Neureut etwa dauert selbst mit gemütlicher Einkehr und Schneeballschlacht nicht länger als vier Stunden und ist für einen schönen Nachmittag geradezu optimal. Zwei Klassiker sind der Hirschberg und das Gipfelpaar Wallberg/Setzberg. Eine eigene Spur muss man hier nur nach Neuschneefällen ziehen, denn alle drei Gipfel sind beliebte und recht häufig besuchte Winterberge. Wer es einsamer liebt, wird am Schildenstein fündig oder auch — sehr anspruchsvoll — am Ross- und Buchstein.

Spitzing und Mangfallgebirge
Jedermann weiß, dass am Spitzing für Skifahrer ziemlich alles geboten wird. Aber auch für Wanderer gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Der hohe Ausgangspunkt am Spitzingsee steht auch dann noch für glitzernden Pulverschnee, wenn in tieferen Lagen das prächtige Weiß schon schmuddelig
grau geworden ist. Und auch bei Talnebel scheint das Spitzinggebiet die Sonne für sich reserviert zu haben. Ein Spaziergang um den See oder der Aufstieg zu den Firstalmen ist immer möglich, aber auch längere Touren bietet das Gebiet: Rotwand, Brecherspitz und Bodenschneid sind auch im Winter empfehlenswerte Gipfel. Der östliche Teil des Mangfallgebirges ist im Vergleich dazu ruhiger – an lohnenden Winterbergen mangelt es auch hier nicht. Mit Wendelstein und Brünnstein bieten sich zwei hohe, markante Gipfel an, die zwar nicht ganz einfach sind, aber prächtige Fernsichten bieten.

Im Chiemgau
»Spuren im Schnee« heißt es auch im Chiemgau. Besonders beliebt sind die Gipfel im westlichen Chiemgau, direkt über dem Inntal. Ruhige Gipfelziele wie Heuberg und Kranzhorn warten nur darauf, bestiegen zu werden. Fast immer gespurt sind die Wege auf die Hochries oder die Hüttenanstiege zur Priener Hütte am Geigelstein und zum das Hochgernhaus. Hier kommen nicht nur Winterwanderer auf ihre Kosten, sondern auch die Schlittenfahrer. Attraktiv ist es natürlich, dass man sich nach dem Anstieg in einer gemütlichen Hütte aufwärmen und stärken kann – ja, auch einer Zweitagetour mit Hüttenübernachtung steht nichts im Weg. Anspruchsvollere Ziele findet man vor allem im Osten der Chiemgauer, von der Kampenwand bis zur Hörndlwand, vom Sonntagshorn bis zum Zwiesel.
 
Spuren im Schnee - Andreas Strauß
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