Durch's Reintal auf die Zugspitze | BERGSTEIGER Magazin
Auf Deutschlands höchsten Berg - über's Reintal

Durch's Reintal auf die Zugspitze

Von allen Routen auf die Zugspitze ist die durch das Reintal die längste. Für den mühsamen Weg wird man jedoch mit deutlich mehr Stille und Einsamkeit belohnt, als man auf den kürzeren Anstiegen oder gar rund um die Bergbahn vorfindet.
 
Der Weg durchs Reintal ist zwar der längste, aber landschaftlich auch der schönste Anstieg auf die Zugspitze. © Bernd Ritschel
Der Weg durchs Reintal ist zwar der längste, aber landschaftlich auch der schönste Anstieg auf die Zugspitze.
Der Weg durch das Reintal ist der leichteste Weg auf die Zugspitze, aber auch einer der längsten. Er nutzt geschickt die »Schwachstellen« des Berges und nähert sich ihm in einem weiten Bogen: zuerst von Norden, dann von Osten, um schlussendlich – nach einer traumhaften Wanderung – von Süden über steile Schrofen und Felsen den Gipfel zu erreichen.

Der Anstieg beginnt gleich mit einem Paukenschlag: mit der gigantischen Partnachklamm. Man ist gut beraten, für die schäumende Gischt, die über die düsteren Felswände herunterprasselt, die Regenjacke griffbereit zu haben. Nach einer halben Stunde des Schauens und Staunens tritt man nach einem letzten Stollen plötzlich hinein ins gleißende Sonnenlicht. Die Partnach wird wieder zum lieblichen Fluss, der träge dahinplätschert. Ohne nennenswerte Steigung geht es vom Ausgang der Klamm auf breiten Wegen und Forststraßen dahin. Die erste Übernachtungsmöglichkeit, die 1052 Meter hoch gelegene Bockhütte, erreicht man nach gut drei Stunden. Wenig später verengt sich der Weg zu einem schmalen Pfad, und bis vor wenigen Jahren traf man hier auf die legendäre »Blaue Gumpe«, einen der schönsten Plätze im gesamten Wettersteingebirge. Im Sommer 2005 jedoch führten die starken Niederschläge und die damit verbundenen Murenabgänge dazu, dass die »Blauen Gumpen« wohl für immer verschwunden sein werden.

Gratwanderung zum Ostgipfel der Zugspitze

Reintalangerhuette
Die Reintalangerhütte
Bald ist das Tagesziel erreicht, die idyllisch gelegene Reintalangerhütte auf 1369 Metern Höhe. Unverkennbar die tibetischen Gebetsfahnen, die vor der Hütte flattern. Sie haben sich aus der Ära des legendären Hüttenwirts Charly Wehrle ebenso erhalten wie der morgendliche »Weckruf« mit Hausmusik live im ersten Stock der Hütte. Simon Neumann löste Wehrle zwar als Hüttenwirt ab, behielt aber die lieb gewonnene Tradition bei. An der Reintalangerhütte ist bereits ein Großteil der Wegstrecke geschafft, an Höhenunterschied zwischen Tal und Gipfel aber erst ein gutes Viertel. Am nächsten Morgen steigt man Kehre um Kehre zur 2051 Meter hohen Knorrhütte, dem letzten Vorposten der Zivilisation, der kanzelartig über dem Reintal thront.

Man folgt weiter dem gut markierten Steig, der sich je nach Jahreszeit mal mehr mal weniger unter den Altschneeresten versteckt. Inmitten dieser eiszeitlichen Urlandschaft künden Lifte und der Bahnhof der Zugspitzbahn am Restaurant »Sonnalpin« von der regen Erschließungsgeschichte an Deutschlands höchstem Berg. Aber das hat auch seine guten Seiten. Denn falls schlechtes Wetter droht oder einem Kondition und Höhenverträglichkeit ein Schnippchen schlagen wollen, sind die Zahnradbahn oder die Gipfelseilbahn ein willkommenes Hilfs- oder Fluchtmittel. Die letzten dreihundert Höhenmeter sind die anspruchsvollsten des ganzen Anstieges. Anfangs mühsam und anstrengend durch steiles Geröll, später mit Drahtseilen gesichert führt der Weg über zahlreiche Felsstufen auf den luftigen Südgrat und weiter zum Gipfel. À propos Gipfel: Der höchste Punkt von Deutschland ist mit 2962 Metern der Ostgipfel der Zugspitze. Auf ihn führt von der Besucher-Plattform am Westgipfel ein kurzer »Klettersteig« mit einem besonders exponierten letzten Gipfelgrat bis zum markanten Kreuz.

Zugspitze (2962 m) durch das Reintal

Aufstieg: Vom Skistadion auf der Straße nach Südwe- sten zum Elektrizitätswerk. Die Straße quert die Partnach; gleich hinter der Brücke biegt man rechts ab und folgt einem steilen Fahrweg zur Partnachalm. Von dort auf dem Hohen Weg in mehrmaligem Auf und Ab durch Wald und in einem weiten Bogen nach Südwesten. An der Verzweigung auf 1020 m nach rechts in den Antoniwald hinein, den Sulzgraben queren und nach Süden weiter. Bei der Abzweigung geradeaus und rechts zum Forsthaus. In der Wiese links, auf schmalem Fahrweg zur Bodenlaine hinunter, dann wieder steil hinauf, in etlichen Kehren abwärts und zum Fahrweg im Reintal. Diesem nach Süden zum Umschlagplatz für die Reintalangerhütte folgen. Dort endet die Straße, und ein guter Weg führt über der Hinterklamm nach Süden zur Partnach. Dem Bach folgen, an der Bockhütte vorbei und gegen Westen an den Blauen Gumpen vorbei, durch eine Schuttreise unter dem Hochblassen, zum Wasserfall und zur Reintalangerhütte.

Hinter der Hütte durch lichten Wald, über die Partnach, einen weiten Boden queren und ins Blockwerk hinein. Der markierte Steig wendet sich nach Nordwesten und wird ziemlich steil und felsig. Unter eindrucksvollen Felsenwänden gabelt er sich. Der linke Weg steigt gegen Westen, später Nordwesten an, führt am Veitelbrünnl vorbei und schließlich zur Knorrhütte. Darüber kommt man aufs Zugspitzplatt. Dort wird der Anstieg, der noch kurz nach Norden, dann immer gegen Westen gleichmäßig hinaufführt, ziemlich trist und monoton, bis er schließlich in der Nähe des alten Schneefernerhauses (nun »Sonn-Alpin«) in einen steilen Schutthang mündet. Der Anstieg verläuft in felsigem Gelände und steigt zum Wettersteingrat an. Auf ihm gegen Nordosten zum Münchner Haus. Hinunter zum Gipfelsteig, auf einer Leiter hinauf und gleich darauf steht man auf dem höchsten deutschen Gipfel.

Abstieg: Für den Abstieg hat man viele Möglichkeiten. Die einfachste ist die Abfahrt mit einer der Bergbahnen. Es bieten sich aber auch Rückwege durch den »Stopselzieher« oder das Höllental an.

Wanderung durch das Reintal im Überblick:

Durch das Reintal auf die Zugspitze - KarteHöhendifferenz: 2200Hm
Dauer: 7½– 8½ Std.
Ausrüstung: normale Bergwanderausrüstung, Trekkingstöcke
Talort: Garmisch-Partenkirchen (708 m)
Ausgangspunkt: Olympia-Skistadion in Partenkirchen (725 m)
Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnverbindung ab München bzw. Innsbruck
Beste Jahreszeit: Hochsommer und früher Herbst
Karte/Führer: Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 5 »Wettersteingebirge«; Garnweidner »Wandern kompakt Zugspitze und Umgebung«, Bruckmann Verlag
Fremdenverkehrsamt: Garmisch-Partenkirchen-Tourismus, Tel. 0 88 21/18 07 00, www.gapa.de
Hütten: Partnachalm (983 m, nur Einkehr); Reintalangerhütte (1369 m), DAV, Ende Mai bis Mitte Oktober, Tel. 0 88 21/ 7 08 97 43; Knorrhütte (2051 m), DAV, Mitte Mai bis Ende September/Anfang Oktober, Tel. 01 51/14 44 34 96; Münchner Haus auf der Zugspitze (2959 m), DAV, Mitte Juni bis Mitte Oktober, Tel. 0 88 21/29 01
Charakter/Schwierigkeiten: extrem langer, aber landschaftlich sehr schöner Anstieg auf Deutschlands höchsten Gipfel. Eine Übernachtung bietet sich an, denn der Anstieg ist lang und anstrengend. Wer sich den Aufstieg etwas erleichtern will, fährt die erste Etappe bis fast zur Reintalangerhütte mit dem Mountainbike und spart damit etwa zwei Stunden. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind beim Gipfelanstieg nötig.

Weitere Tourenmöglichkeiten auf die Zugspitze:

Durch's Höllental
Über den »Stopselzieher«
Über den Jubiläumsgrat

 
Christof Schellhammer, Siegfried Garnweider
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