Hochtour an der Grenze zwischen Ost- und Südtirol

Auf den Hochgall

Mit 3436m ist er der höchste Gipfel in der Rieserfernergruppe und ein wahres Schmuckstück. Eine Hochtour auf den Gipfel des Hochgall ist keine sehr leichte Angelegenheit - mächtige Gratarme erfodern diffiziel Platten- und Blockkletterei - doch der Blick von dem exponierten Gipfel auf die umliegenden Berge und Täler ist einfach berauschend!
 
Urlandschaft – über dem kleinen See bei der Hochgallhütte ragen Hochgall und Wildgall auf © Mark Zahel
Urlandschaft – über dem kleinen See bei der Hochgallhütte ragen Hochgall und Wildgall auf
Auf der Grenze zwischen Süd- und Osttirol steht ein Berg, bei dem ich aufpassen muss, nicht allzu sehr ins Schwärmerische zu verfallen. Deshalb erst einmal ein paar nüchterne Fakten: Der Hochgall (3436 m) ist der Hauptgipfel der Rieserfernergruppe, ein vornehmlich aus Tonalitgestein aufgebautes Gebirge, das geografisch vom Hauptkamm der Ostalpen südwärts gegen die Pustertallinie abgesetzt ist. Wenn ich jetzt dazu komme, wie profiliert sich der Hochgall aus den umliegenden Tälern herausmodelliert, lässt sich die Begeisterung schon nicht mehr aufhalten. Ganz gleich, ob ich ihn so formvollendet, so ausgewogen in Fels und Eis starrend, von Rein in Taufers in Augenschein nehme, seine schroffen, haltlosen Südabstürze über dem Antholzer Tal aufgetürmt sehe oder die Morgenseite über dem inneren Defereggental gewahre – immer packt es mich innerlich ganz tief und ich denke: Was für ein Schmuckstück!

Eines Tages schickte ich mich endlich an, diesem auch mal aufs exponierte Haupt zu steigen, was offenkundig kein primitives Unterfangen ist. Mächtige Gratarme stützen den Hochgall, der nirgends eine Schwachstelle zeigt und allenthalben diffizile Platten- und Blockkletterei erwarten lässt, unter Umständen noch mit Schnee und Eis garniert. Letzteres hätte nach einem Wettersturz zwei Tage zuvor recht prekär werden können, aber die Septembersonne wusste dies gerade noch zu vereiteln. Nachdem man am vorgelagerten Grauen Nöckl einen guten Vorgeschmack bekommen hatte, stach die aufsteigende Schneide des Nordwestgrates in nahezu schnurgerader Linie gen Firmament und bereitete uns eine fantastische Himmelsleiter…

Hochtour auf den Hochgall (3436 m)

Lage: Rieserfernergruppe (Italien/Österreich)
Talort: Rein in Taufers (1598 m); Anfahrt aus dem Pustertal über Sand in Taufers
Hütte: Hochgallhütte (2276 m), Tel. 00 39/ 04 74/672 5 50; Barmer Hütte (2610 m), Tel. 00 43/ (0)6 64/9 48 94 13
Normalroute: Von der Hochgallhütte über Graues Nöckl und Nordwestgrat (II – III, einige Sicherungen) 4 Std.
Weitere Routen: Von der Barmer Hütte über Ostflanke und Nordostgrat, Stellen II – III, Eis bis 45°, sehr von den Verhältnissen abhängig
Führer: Beikircher »AV-Führer Rieserfernergruppe«, Bergverlag Rother; Zahel »Die schönsten Gipfel zwischen Rätikon und Tauern«, Bruckmann Verlag
Karte: Tabacco, 1:25 000, Blatt 035 »Ahrntal – Rieserfernergruppe«

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Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2011. Jetzt abonnieren!
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