Auf Deutschlands höchsten Berg - auf dem Jubiläumsgrat

Der Jubiläumsgrat von der Alpspitze auf die Zugspitze

Der Jubiälumsgrat bietet eine sehr lange Gratkletterei mit faszinierenden Aus- und Tiefblicken sowie kräfteraubendem Auf und Ab; zwischen Alpspitze und Biwakschachtel müssen mehrere gesicherte Klettersteigpassagen überwunden werden, danach folgt ein ausgesetzter Steig mit Kletterpassagen bis III-; eine sichere Wetterlage, Kondition, Schwindelfreiheit und sehr gute Trittsicherheit sind die zwingenden Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Tour.
 
Fast fünf Kilometer erstreckt sich der »Jubiläumsgrat« von der Alpspitze bis zur Zugspitze. © Bernd Ritschel
Fast fünf Kilometer erstreckt sich der »Jubiläumsgrat« von der Alpspitze bis zur Zugspitze.
Der Jubiläumsgrat ist die längste und schwierigste Route auf die Zugspitze. Das ist wirklich keine Bergwanderung mehr, auch nicht »nur« ein Klettersteig, sondern eine Bergtour, die den »ganzen« Bergsteiger fordert. Der sich in manchmal nicht ganz festem Fels ebenso wohl fühlt wie im Schrofengelände, der Klettersteig-Erfahrung hat und auch etwas Orientierungsvermögen im weglosen Gelände. Der mehr als fünf Kilometer lange Felsgrat zwischen Hochblassen und Zugspitze wird meist »von oben nach unten« begangen, also vom Zugspitzgipfel Richtung Alpspitze und über die Nordwand-Ferrata absteigend zur Gipfelstation der Osterfelderkopf-Seilbahn.

Wer ihn aber in der anderen (= richtigen) Richtung von unten nach oben klettert – also von der Alpspitze (die man am schnellsten über die Nordwand-Ferrata besteigt) über Griesscharte, Vollkarspitze und Höllentalspitzen zur Zugspitze –, der hat am höchsten Punkt einen in jeder Hinsicht langen Weg hinter sich gebracht. Und kann sich nach einem ausgefüllten Bergtag am Ostgipfel unter die Touristen mischen mit dem Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben. Und bei der Talfahrt mit der Zugspitzbahn die schweren Beine lang machen…

Seit 1986 komplett in Eisen

Dass die Diskussion um die Gangbarmachung von Kletterrouten kein Zeichen unserer Zeit ist, beweist die hitzige Diskussion, die vor über 80 Jahren um den Jubiläumsgrat geführt wurde. Georg Leuchs, der Autor des ersten Alpenvereinsführers über das Wettersteingebirge, schrieb damals: »Durch Versicherungen wird den Bergen … gerade das genommen, was zu ihrer Besteigung anreizt, nämlich die Schwierigkeit. Die große Masse aber ist auch Klettersteigen nicht gewachsen; der Ungeübte wird durch sie auf ein Gelände gelockt, das für ihn gefährlich werden kann. Unfälle sind die Folge…« Dennoch wurden im Jahr 1915 die 1909 begonnenen Sicherungsarbeiten am oberen Teil des Jubiläumsgrates durch die Sektion München abgeschlossen; der untere Teil wurde erst 1986 in Eisen gelegt. Wie schreibt doch ein kompetenter Kenner des »Jubigrates«, Eugen E. Hüsler, in seinem »Klettersteigatlas«: »Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: der ›Jubigrat‹, diese Traumroute im Wetterstein, ist auch Klettersteig, aber noch viel mehr. Und er verlangt auch mehr, nämlich einen ebenso erfahrenen wie ausdauernden Bergsteiger, der dem kräfteraubenden Auf und Ab am fast fünf Kilometer langen Grat gewachsen ist…«. Dem ist nichts hinzuzufügen…

Der Jubliäumsgrat auf einen Blick:

Höhendifferenz: 2250Hm
Dauer: 9 Std.
Ausgangspunkt: Bergstation der Alpspitzbahn am Osterfelderkopf (2030 m)
Hütten: Jubiläumsgrathütte (2684 m, offene Biwakhütte); Münchner Haus auf der Zugspitze (2957 m), Tel. 0 88 21/29 01
Route: Bergstation Alpitzbahn – Alpsitz-Ferrata – Grieskarscharte (2463 m) – Falsche Grieskarscharte (2560 m) – Vollkarspitze mit versicherter Schlüsselstelle (2618 m) – Äußere Höllentalspitze (2720 m) – Jubiläumsgrathütte – Mittlere Höllentalspitze (2742 m) – Abzweigung Notabstieg zur Knorrhütte – Innere Höllentalspitze (2741 m) – Zugspitze

Weitere Wege auf die Zugspitze:

Durch das Reintal
Durch das Höllental
Über den »Stopselzieher«
 
Christof Schellhammer
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