Reportage: So sieht der Beruf eines Hüttenwirts aus

Haben Sie das Zeug zum Hüttenwirt?

Auf einer Hütte in den Bergen leben, sein eigener Chef sein, jeden morgen zu einem Panorama aufwachen, das andere nur hin und wieder mal sehen. Der Beruf Hüttenwirt klingt so romantisch, aber ganz so ist es nicht. Lange, anstrengende Arbeitstage, wenig Privatspähre und das nächste Kino ist weit weg. Hätten Sie das Zeug zum Hüttenwirt?
 
Sind Sie zum Hüttenwirt geboren? © BERGSTEIGER
Sind Sie zum Hüttenwirt geboren?
Frei hat man als Wirt einer Hütte nur, wenn die Gäste ausbleiben. Und das ist meist nur dann der Fall, wenn das Wetter schlecht ist. An allen anderen Tagen sind 17 Stunden arbeiten die Regel, und das sieben Tage die Woche. Trotz des tollen Panoramas, trotz der guten Luft und der netten Leute, mit denen man in Kontakt kommt – Zuckerschlecken ist der Beruf Hüttenwirt nicht. Wer sich also dafür entscheidet, sein altes Leben hinter sich zu lassen und in den Bergen neu anzufangen, dann sollte das wohlüberlegt sein. BERGSTEIGER-Redakteurin Bettina Willmes hat Petra und Thoams Meyer, die Wirtsleute der Gufferthütte, einen Tag lang begleitet:

24 ganz normale Stunden als Hüttenwirt

Gufferthuette Rofan
   Auf der Sonnenterrasse der Gufferthütte
6:15 Uhr: Frühstück vorbereiten: Wasser und Kaffee kochen, Teller, Tassen, Besteck und Essen herrichten
7:00–9:00 Uhr: Frühstückszeit. Thomas beantwortet Fragen zum aktuellen Wetter und den Bedingungen. An ruhigeren Tagen ist jetzt eine gute Gelegenheit, die Buchhaltung voranzutreiben. Natürlich am Stammtisch sitzend, um für die Gäste ansprechbar zu sein.
9:00 Uhr: Die letzten Gäste verlassen die Hütte. Zeit fürs Frühstück, zu dem das ganze Team zusammenkommt. Verknüpft wird das Frühstück mit einer kurzen Lagebesprechung und Aufgabenverteilung.
10:00 Uhr: Der Koch kommt, eine Person hilft in der Küche. Parallel werden Zimmer und Gastraum sauber gemacht, Toiletten und Bäder geputzt. Thomas aktualisiert das Protokoll der Filteranlage, säubert den Ofen und packt den Müll zur Entsorgung in den Transporter. Petra beantwortet Buchungsanfragen, aktualisiert die Zimmerbelegung und wertet Feedback-Karten aus.
10:45 Uhr: Die ersten Tagesgäste kommen. Petra baut das Kuchenbuffet auf und schreibt die Tageskarte an die Tafel.
11:00 Uhr: Es geht rund in der Küche, ein bis zwei Personen sind dort jetzt gefragt, um die Spülmaschine zu bedienen und Geschirr wegzuräumen.
11:30 Uhr: Petra nimmt einige Lieferungen wie Toilettenpapier und Lebensmittel in Empfang.

Mittag auf der Gufferthütte

Frisches Essen erfordert einiges an Logistik
Frisches Essen erfordert einiges an Logistik
12:00 Uhr: Der Tagesbetrieb läuft auf vollen Touren, zwei Personen sind mit Bedienen, Abräumen und Kassieren beschäftigt.
14:00 Uhr: Es wird etwas ruhiger, Petra verabschiedet sich kurz, um Kräuter fürs Abendessen zu sammeln.
14:30 Uhr: Thomas bricht mit dem vollgepackten Transporter (allein das Einräumen des vorsortierten Mülls hat zwei Stunden gedauert) zur Entsorgungsanlage auf. Entfernung: rund 25 km, via Schotterpiste bedeutet das knapp 1 Stunde Fahrzeit. Einfach.
16:00 Uhr: Nach einem Ansturm auf Kaffee und Kuchen verlassen die letzten Tagesgäste die Hütte. Es wird nochmal kurz etwas ruhiger.
17:00 Uhr: Die ersten Übernachtungsgäste kommen. Petra weist ihnen die Zimmer zu, die Vorbereitungen fürs Abendessen beginnen. Erneut Hochbetrieb in der Küche.

19:00–22:00 Uhr: Das gesamte Team ist mit dem Servieren von Essen und Getränken, Ausschank, Abräumen, Bedienen der Spülmaschine und Putzen beschäftigt.

Endspurt nach einem langen Tag

22:00 –23:00 Uhr: Beantworten noch offener Buchungsanfragen, Abkassieren der Gäste, letzte Bestellungen.
23:00 Uhr: Hüttenruhe.  
23:00 –24:00 Uhr: Tische abräumen, Gläser spülen, Gastraum aufräumen, Kassenabschluss und Vorbereitungen fürs Frühstücksbuffet.
24:00 Uhr: Noch ein letztes Bier vor dem Schlafengehen, dann todmüde ins Bett.

Tipp: Schritt für Schritt zum Hüttenwirt 

Praxis, Praxis, Praxis. Daran führt kein Weg vorbei, wenn man eine eigene Hütte bewirtschaften möchte. Wer sich gerne systematisch vorbereiten will, kann den Hüttenwartskurs vom Schweizer Alpen Club (SAC) und »Schweizer Hütten« absolvieren. In fünf je dreitägigen Modulen soll er in alle gastro- und hüttenspezifischen Bereiche einführen. Voraussetzung für die Teilnahme sind zwei Praktika auf Hütten von je zwei Wochen, eines davon muss bei Kursantritt bereits absolviert sein. Allerdings: Hüttenbetreuer Thomas Gesell sieht den Kurs eher als sinnvollen Zusatz, nicht als ausreichende Grundausbildung. Mehr erfahren: www.schweizer-huetten.ch/huettenund-huettenwarte/huettenwartskurs

Hüttenleben auf Zeit

Es ist ohne Weiteres möglich, das Leben und Arbeiten auf einer Hütte oder Alm zu testen. Bei den meisten Hütten sollte man dafür mindestens vier Wochen Zeit haben, auf Almen am besten von Anfang Juni bis Ende September.

Anlaufstellen sind:

Pächter für private Hütten und Almen werden gelegentlich über Zeitungsannoncen gesucht, z. B. in DAV-Panorama oder Bauernzeitung oder Anzeigenblättern der Gemeinde, der die Hütte gehört. Sehr oft aber gehen neu zu besetzende Privathütten unter der Hand weg. Sie werden dann gar nicht erst ausgeschrieben.

Praxis-Check: Haben Sie das Zeug zum Hüttenwirt?

Wer unsicher ist, ob er alle Anforderungen erfüllt, findet hier das Idealprofil eines Hüttenwirts. Entnommen ist es einer aktuellen Ausschreibung der Sektion München:

✓ Fundierte gastronomische Kenntnisse und Fähigkeiten
✓ Ausgeprägtes handwerkliches Geschick
✓ Umfangreiche Erfahrungen mit der Arbeit auf Alpenvereinshütten
✓ Service- und dienstleistungsorientierte Einstellung
✓ Betriebswirtschaftliche Ausbildung
✓ Berg-/Naturverbundenheit sowie alpine Kompetenz
✓ Bereitschaft zur Repräsentanz des Deutschen Alpenvereins bzw. der Sektion München
 
Bettina Willmes
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2015. Jetzt abonnieren!
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