12 Softshell-Jacken im Test | BERGSTEIGER Magazin
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12 Softshell-Jacken im Test

Softshells sollten bei allen Bedingungen – außer bei starkem Regen – einen guten Wetterschutz bieten, Dampf ableiten und robust sein. Moderne Modelle bieten große Armfreiheit bei bewegungsintensiven Aktivitäten. Wir zeigen Ihnen, worauf es sich sonst zu achten lohnt.


 
 
© Vaude/Moritz Attenberger

Shell-Jacken sollen als »Schalen« generell vor Wind und Regen schützen. Hardshells mit ihren wasserdichten Membranen schützen zuverlässig gegen beides, bieten dem Schweißdampf aber nur wenig Durchlass nach außen – vor allem bei warmen Bedingungen. Softshells ohne Membran sind hingegen »nur« stark windresistent und je nach Oberflächenbehandlung mehr oder weniger wasserabweisend. Sie schützen also nur gegen leichten Regen und Schneefall. Dafür sind sie trotz dickeren Stoffs so dampfdurchlässig, dass man nicht schon nach kurzer Zeit zu schwitzen anfängt. Zudem funktioniert ihre Dampfableitung auch bei warmen Temperaturen gut. Ein zweites Merkmal ist ihre Dehnbarkeit. Zwar verrutschen sie beim Strecken genauso wie andere Jacken, bei bewegungsintensiver Aktivität erlauben sie aber im Idealfall vollständige Bewegungsfreiheit.

Diese Modelle haben wir getestet

BERGANS: Slingsby Softshell Jacket
BLACKYAK: Cordura Stretch Jacket 2.0
DYNAFIT: Transaler Light DST Jacket
LÖFFLER: Kapuzenjacke Actve Stretch
MARMOT: ROM Jacket
MONTANE: Dyno Stretch Jacket
MOUNTAIN EQUIPMENT: Echo Hooded Jacket
PATAGONIA: TechFace Hoody
RAB: Vapour-Rise Alpine
SALEWA: Agner Engineered DST Jacket
SALOMON: Ranger Softshell Jacket
VAUDE: Skarvan S Jacket

Raffinierte Stoffkombination

Gute Softshells sind zweilagig, mit einem aufgerauten Innenstoff, der ein dünnes, temperaturausgleichendes Luftpolster bildet und Feuchtigkeit besser von der Haut ableitet. Der Schweißdampf wird von den inneren Fasern aufgenommen und zu den äußeren Fasern geleitet, um an der glatten Oberfläche zu verdampfen. Die besteht aus feinem Polyamid, das kaum Wind durchlässt und dessen Imprägnierung die Wasserabweisung der Jacke bestimmt. Das Obermaterial ist mit Elastan gemischt, welches die Jacke dehnbar macht und besonders im hinteren Schulterbereich bewirkt, dass die Arme beim Anwinkeln im Idealfall unbehinderte Bewegungsfreiheit haben. Zudem wird der Außenstoff des Softshells noch robuster, Verstärkungen sind damit meist überflüssig (nur bei der Leichtjacke von Salewa). In Größe XL wiegen sie mit Kapuze 400 bis 500 Gramm, weniger robuste Leichtmodelle ab 300 Gramm (Dynafit) und Modelle mit stärkerem Wetter- und Abriebschutz oder etwas Wärmung bis 550 Gramm (Salomon). Letztere sind eher für unwirtliche bis winterliche Bedingungen gemacht. Außer den wintertauglichen Modellen von Rab und Salomon besitzt keine vorgestellte Jacke ein zusätzliches Futter.

Starke Dampfableitung

Längerer Regen durchnässt bei Softshells ohne Membran zuerst den Schultergürtel und die Kapuze. Durchdachte Hybride kombinieren deshalb sehr dampfdurchlässiges Softshell mit einer wasserdichten Membran vom Kopf über die Schultern bis zu den Oberarmen (bei Marmot, Vaude nur Nähte feuchtedurchlässig). Die Verwendung eines Softshells mit durchgehender Windstopper-Membran wäre dagegen nur bei weniger intensiver Aktivität sinnvoll oder wenn mit Sturm zu rechnen ist – dann aber auf Kosten der Dampfableitung. Jacken ohne Membran sind bei intensiven Aktivitäten besser, da hier deutlich mehr Schweißdampf entweichen kann. In diesem Fall ist auch die Durchfeuchtung bei längerem Regen kaum spürbar, da sie schnell trocknet. Grundsätzlich sind Softshell-Jacken am besten für den Winter geeignet, wo sie bei windigem Schneefall hohen Schutz mit großer Dampfdurchlässigkeit verbinden, während im Sommer bei Regenrisiko eine zusätzliche Leichtregenjacke mitgenommen werden sollte.

Um beim Klettern das Sicherungsgerät bzw. das Klettersteigset komfortabel bedienen oder bei Hitze den gesamten Bauch bis zum Brustbein lüften zu können, sollten die Jacken einen Zweiwege-Reißverschluss besitzen. Da Softshells ohnehin nur wasserabweisend sind, ist der Front-Reißverschluss nicht imprägniert, aber dafür innen meist mit einer Leiste und einer weichen Patte unterm Kinn abgedeckt. Nichtsdestotrotz ist das nässesaugende Reißverschluss-Futter eine potentielle Schwachstelle, die bei Vaude tatsächlich zur Durchfeuchtung des Netzfutters führen kann. 

Die Ärmel der vorgestellten Softshells besitzen zur Gewichts- und Kostenersparnis meist Lycra- oder Softshell-Abschlüsse, die sich nur wenig bis kaum dem Armgelenk anpassen und für die meisten Personen etwas zu weit sind. Klettverschlüsse dagegen ermöglichen eine je nach Bedarf dichte oder luftige Anpassung (Bergans top). Bei BlackYak ist der ganze dehnbare Unterärmel anliegend geschnitten.

Punkte für Kapuze und Netztaschen

Im Gegensatz zu Hardshells besitzen manche Softshell-Jacken leider keine Kapuze: Ihren sehr guten Wetterschutz inklusive super Ärmelabdichtung konterkarieren Bergans und BlackYak mit ihren mäßig gegen Wind schützenden Krägen. Top wären diese Modelle mit einer Kapuze, die Kopf und Hals wesentlich effektiver schützt als beispielsweise eine Mütze. Die Kapuze sollte das Gesicht rundum abdichten und im Idealfall oben einen Schild als Regenabweiser besitzen. Vaude und Marmot besitzen eine optimale Rundumanpassung mit nur einem Hinterkopfzug. Die meisten Softshells verfügen dagegen über einfache Hoodies ohne Schild, die zu den meisten Köpfen passen. Fast alle Softshell-Kapuzen drehen sich bei jeder Kopfbewegung mit, ohne zu verrutschen.

Gute Softshell-Jacken sollten außerdem große seitliche Einschubtaschen mit Reißverschluss besitzen, die zur Verwendung eines Rucksackgurts oder Klettergurts hochgesetzt sein sollten. In diese lassen sich auch größere Accessoires wie Sonnenkappe oder Mütze stecken, meist sogar Steigfelle im Winter oder eine Trinkflasche für Gipfelaufstiege ohne Rucksack. Diese Seitentaschen sollten ein Netzfutter besitzen, das bei geöffnetem Reißverschluss der Be- und Entlüftung des Bauchs und bei sehr großen Taschen sogar der Brust dient, allerdings etwas Regen hereinlässt. Nebenbei sorgen sie durch ihr Luftpolster für ein ausgeglicheneres, trockeneres und bei Kälte etwas wärmendes Innenklima. Sinnvoll sind zusätzliche Napoleontaschen (kleine Brusttaschen) für kleine Utensilien wie ein Handy (bei Bergans Handyfach in der Seitentasche).

 

Die ersten sechs unserer 12 Testmodelle im Überblick

Bei der Bewertung der einzelnen Eigenschaften ist 5 die Bestnote, 1 wäre die schlechteste.

Bergans: Slingsby Softshell Jacket

Material: innen Polyester, außen, Polyamid und Elastan
Passform: weit bis mittel
Gewicht: 490 g (L)
Preis: 160 €
Konstruktion: Dehnbare Jacke aus robustem Polyamid außen und aufgerautem Polyester innen, Front-RV innen abgedeckt, Ärmelbündchen mit Klettverschluss, hoher Softshellkragen mit Kinnpatte, Hüftzüge mit Taschen-Klemmverschluss. Zwei hochgesetzte RV-Seitentaschen

Bewegung: 4,5
Abdichtung: 3,5
Kapuze: -
Windresistenz: 4
Imprägnierung: 4
Lüftung: -

Stärken: Sehr robust, neutralisierendes Innenklima, wärmt etwas, verrutscht an Ärmeln kaum, bietet volle Bewegungsfreiheit, Stoff am Rücken dampfdurchlässiger, vorne resistenter, super leichtgängiger Klett für variabelste und dichteste Ärmelabschlüsse
Schwächen: Keine Kapuze, hoher Kragen sehr weit, keine Taschenlüftung, Taschenzüge weniger leichtgängig, trägt etwas auf, relativ schwer

Robuste Bewegungsjacke ohne Lüftung
Die robuste Jacke bietet sehr guten, im Winter vollständigen Wetterschutz und volle Bewegungsfreiheit bei höherer Dampfdurchlässigkeit am Rücken, aber keine Kapuze und keine Lüftung. Optimal für bewegungsintensive Winteraktivitäten

 

BlackYak: Cordura Stretch Jacket 2.0

Material: Polyamid und Polyurethan
Passform: schlank
Gewicht: 405 g (XL)
Preis: 259 €
Konstruktion: Dehnbare Jacke aus robustem Polyamid, Front-RV innen dicht abgedeckt, Ärmelbündchen mit Stretchverschluss, Softshellkragen mit Kinnpatte, an Hüften haftendes Elastikband, zwei sehr große RV-Seitentaschen, zwei Brusttaschen, Lüftungslöcher an Rücken und Unterärmel

Bewegung: 4,5
Abdichtung: 3
Kapuze: -
Windresistenz: 3,5
Imprägnierung: 5
Lüftung: 2

Stärken: Relativ robuste, gesäßlange Jacke mit schlankem Schnitt und vollkommener Bewegungsfreiheit, verrutscht wenig, Stoff top wasserresistent, an Rücken und Unterärmeln sehr dampfdurchlässig und luftig, schlanker Ärmelabschluss dichtet optimal Schwächen: Kleine Taschen ohne Lüftung, Midlayer kaum unterziehbar, Brusttaschen unergonomisch, mäßiger Kragen, Hüfte nicht anpassbar, Unterärmel nicht hochziehbar

Schlanke Sommer-Bewegungsjacke
Die schlanke Jacke mit genialem Rückenteil bietet top Nässeschutz bei gutem Windschutz und volle Bewegungsfreiheit bei etwas belüftetem Rücken, allerdings keine Kapuze, keine Taschenlüftung und mäßige Dichte

 

Dynafit: Transalper Light DST Jacket 

Material: innen und au.en Polyamid und Elastan
Passform: eher schlank
Gewicht: 300 g (XL)
Preis: 200 €
Konstruktion: Dünne, dehnbare Jacke aus feinem Polyamid, innen streifig aufgeraut, außen glatt , Front-RV innen abgedeckt mit Kinnpatte, Hoodie mit dehnbarem Lycra-Rand, Ärmelbündchen mit Lycra-Abschluss, Hüfte mit Lycra-Bund, zwei große, hochgesetzte RV-Seitentaschen, Brusttasche, Achsel-Lüftungslöcher

Bewegung: 5
Abdichtung: 4
Kapuze: 3,5
Windresistenz: 3
Imprägnierung: 5
Lüftung: -

Stärken: Die kaum spürbare Ultraleichtjacke fällt länger aus und wärmt kaum, kein Verrutschen, unbehinderte Bewegungsfreiheit, erstaunlich gute Abdichtungen trotz Lycra-Bündchen, straffer Hoodie mit kleinem Gesichtsloch (ganz zugezogen) komplett dicht
Schwächen: Hautgefühl weniger angenehm, keine Taschenlüftung, Kapuze ohne Gesichtsschutz, nicht in Seitentasche packbar, weniger robust

Ultraleichte Bewegungsjacke
Die Ultraleichtjacke mit kleinstem Packmaß bietet top Bewegungsfreiheit, hohe Wasserresistenz und sehr guten Windschutz bei gutem Dampfdurchlass, aber kaum Lüftung und ist weniger robust. Optimal für schnelle Aktivitäten

 

Löffler: Kapuzenjacke Active Stretch

Material: innen und außen Polyamid und Elastan
Passform: eher mittel
Gewicht: 465 g (XL)
Preis: 149,99 €
Konstruktion: Dehnbare Jacke aus feinem Polyamid außen und aufgerautem Polyamid innen, Front-2-Wege-RV innen abgedeckt mit Kinnpatte, angeschnittener Hoodie mit dehnbarem Lycra-Rand, Ärmelbündchen mit Lycra-Abschluss, Hüftzüge mit Bund-Klemmverschluss, zwei hochgesetzte RV-Seitentaschen

Bewegung: 4,5
Abdichtung: 4
Kapuze: 4,5
Windresistenz: 2,5
Imprägnierung: 3
Lüftung: 3

Stärken: Jacke wrmt etwas, ist voll beweglich und verrutscht minimal, Stoff vorne super wasserresistent, hinten und am Ärmel top dampfdurchlässig, Hoodie sehr gut drehbar, komplett abgedichtet, 2-Wege-RV für Bauchlüftung und unbehinderte Seilsicherung
Schwächen: Ärmel spannen leicht, Abschlüsse etwas weit, Schild etwas sichtbehindernd, kleine Taschen, weniger Windschutz, Schulterbereich durchnässt schnell

Bewegliche Winterjacke
Die vorne dichtere, am Rücken dampfdurchlässigere, robuste Bewegungsjacke wärmt etwas und ist optimal zum Sichern geeignet. Sie besitzt aber keine Taschenlüftung und ist auf den Schultern kaum imprägniert. Optimal im Winter

 

Marmot: ROM Jacket

Material: innen Polyester, außen Polyamid und Elastan
Passform: mittel
Gewicht: 540 g (XL)
Preis: 200 €
Konstruktion: Seitlich dehnbare Jacke aus feinem Polyamid außen, innen aufgeraut, obere Hälfte PtFe-Membran mit Bürst-Futter, innen abgedeckter Front-RV mit Kinnpatte, angeschnittene Kapuze mit abgedecktem Volumenzug, Ärmelbündchen mit Klettverschluss, Hüftzug mit Bund-Klemmverschluss

Bewegung: 4,5
Abdichtung: 5
Kapuze: 5
Windresistenz: 4
Imprägnierung: 3,5
Lüftung: 3,5

Stärken: gesäßlange Jacke mit fast dichter oberer Hälfte mit dampfableitendem Trikotfutter, super Abdichtung von Rumpf & Ärmel, voll drehbare Kapuze mit top Anpassung, funktionierendem Schild, bei Aktivität kaum Verrutschen und fast volle Bewegungsfreiheit
Schwächen: Obere Hälfte weniger dampfdurchlässig, wenig wasserresistente untere Hälfte beschränkt Wetterschutz, Bundnähte saugen Feuchte, relativ schwer 

Dampfableitende Bewegungs-Schutzjacke
Die Hybridjacke kombiniert top Wetterschutz oben mit top Dampfableitung unten, dichtet sehr gut ab und wärmt etwas. Optimal für bewegungsintensive Aktivitäten bei unwirtlichen bis stürmischen Bedingungen und im Winter
 

Montane: Dyno Stretch Jacket

Material: innen und außen Polyester und Spandex
Passform: mittel
Gewicht: 535 g (XL)
Preis: 119,95 €
Konstruktion: Dehnbare Jacke aus außen glattem und innen aufgerautem Polyester, Front-2-Wege-RV mit Druckknopf innen abgedeckt mit Kinnpatte, einrollbare angeschnittene Kapuze, Ärmelbündchen mit Klett, Hüftzüge mit Bund-Klemmverschluss, zwei riesige hochgesetzte RV-Seitentaschen

Bewegung: 3,5
Abdichtung: 5
Kapuze: 5
Windresistenz: 4
Imprägnierung: 4,5
Lüftung: 5

Stärken: Extrem dampfdurchlässiger und schnell trocknender Stoff wärmt vorne etwas, durch aschen vorne vollständige Körperlüftung möglich, 2-Wege-RV für variabelste Frontlüftung und unbehinderte Seilsicherung, super variable Ärmelabdichtung, top Hüftzüge, sehr gut Hals-/Kopfschutz
Schwächen: Verrutscht und spannt an etwas kurzen Armen, bei Dunkelheit von hinten unsichtbar, relativ schwer

Luftige Schutzjacke 
Die bestens abgedichtete Jacke kombiniert super Wetterschutz mit super Dampfableitung und top Lüftung plus riesigem Taschenvolumen – aber weniger Bewegungsfreiheit. Optimal für unwirtliche oder wechselhafte Witterung


Hier geht's weiter zu Teil 2 der Kaufberatung.


Artikel aus Bergsteiger 9/18. Ausgabe hier nachbestellen oder jetzt abonnieren.

Christian Schneeweiß