12 Tagesrucksäcke im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

12 Tagesrucksäcke im Test

Viele Tagesrucksäcke eignen sich für fast jeden sommerlichen Bergsport – vom Wandern oder Speedhiken über Alpin- oder Klettertouren bis zum Klettersteiggehen oder Bike & Hike. Wir zeigen Ihnen, welcher Rucksack für welchen Einsatz optimal ist.
 
Nicht nur zum Wandern: Tagesrucksäcke sind vielseitig einsetzbar. © pixabay
Nicht nur zum Wandern: Tagesrucksäcke sind vielseitig einsetzbar.
Wenn der Winter vorbei ist, der Schnee in den Bergen Märzenbechern, Krokussen und Frühlingsenzianen weicht, die Bäche munter durch grüne Wiesen und Wälder gluckern, dann wird es Zeit, Ski oder Schneeschuhe in den Keller zu verbannen – und den Winterrucksack samt Notfallausrüstung gleich dazu. Spätestens wenn die platzraubende Isolationsbekleidung nicht mehr mit auf den Berg muss, ist der handliche Sommerrucksack angesagt.

Wieviel passt in welchen Rucksack?

Ein Tagesrucksack sollte für bequemes Packen je nach Einsatz um die 25 Liter Volumen fassen, für beschwingtes Steigen möglichst leicht sein und gegen Schwitzen über ein luftiges Rücken- und Tragsystem verfügen.

Mit robusten 26 bis 30 Liter Volumen und 1,1 bis 1,3 Kilogramm Leergewicht hat auch mehr Ausrüstung Platz, so dass sich der Daypack auch für Hüttenwandern oder Sportarten wie Klettern eignet. Lasten bis gut zehn Kilogramm sollten sich noch tragen lassen, ohne dass der Rucksack drückt. Bei 20 bis 25 Litern und übersichtlicher Wander- oder Bikeausrüstung sollte der Rucksack luftig und leicht sein (0,6 bis 1 kg), weil mehr als sieben Kilogramm Zuladung selten sind.

Aus dem Kletter- oder Laufsport abgeleitete Ultraleichtmodelle wiegen unter einem Pfund, sind aber nicht besonders komfortabel zu tragen. Die Volumenangaben der vorgestellten Modelle sind entweder um einen Liter korrekt (inkl. offener Fächer) oder niedriger angegeben als gemessen (Minitrekker Berghaus +6 l!).

Diese 12 Modelle haben wir getestet

ARC’TERYX Velaro 24 (W) / Velaro 35 (M) 
BERGHAUS Freeflow II 30 M/W 
DEUTER ACT Trail 22 SL (W) / ACT Trail 24 (M)
DEUTER AC Lite 26 / AC Lite 22 SL 
GREGORY Sula 24 (W) / Salvo 26 (M) 
HAGLÖFS LIM Lite 25 
MAMMUT Trion Zip (M) / Trea (W) 
OSPREY Tempest 20 WS / Talon 22 M
PATAGONIA Ascensionist 25L 
SALEWA Crest 24 
TATONKA Vari 25 
VAUDE Scopi 22 LW

Systemfrage: Deckel oder Reißverschluss?

Toploader besitzen die klassische Sacköffnung mit Deckel und Schnallenverschlüssen an Riemen, wobei Daypacks nur einen einzelnen Riemenverschluss haben. Kleidung oder Bergseil lassen sich darunter zwar nicht sicher befestigen, trotzdem lässt sich notfalls mehr aufpacken als vorgesehen.

Bei Deckelrucksäcken mit Reißverschluss (Tatonka mit großer Öffnung) entfällt dieser Vorteil. Kompakte Frontloader, deren Rundbogen-Reißverschlüsse an Koffer erinnern, haben Riemenbändel nur an der Kompression, der Arc’teryx gar keine. Sie sind meist günstiger als Deckelrucksäcke, haben aber zwei Nachteile: Das Volumen lässt sich nicht erweitern, und wenn der Reißverschluss kaputt geht, kann man den Rucksack wegwerfen.

Eine schlanke Form (meist bei komfortablen Kompaktmodellen) oder eine schmale Form (meist bei alpinen Deckelmodellen) des Packsacks hält die Zuladung dicht am Körper. Seitliche Kompressionsriemen sind hier nur angebracht für den Fall, dass der Rucksack nicht voll befüllt ist. Durch einen Riemen über der Deckelöffnung (Top-Kompression) kann man auch oben komprimieren und Kleidung oder Seil unter dem Deckel befestigen (bei Mammut perfekt).

Welcher Rucksack wofür?

Bei den vielseitigen Tagesrucksäcken werden Modelle aller Typen eingesetzt: Der Netzrucksack mit am Rücken anliegendem Netz (eher anfällig) und dessen rückenfreie Variante (Berghaus) sind an einem konkav abgespannten Rahmen aufgehängt, der in allen Lagen volle Luftzirkulation bietet.

Wenn auch das Tragsystem (Träger und Gurt) möglichst luftig ist, hat man den besten Sommer-Wanderrucksack für Schnellschwitzer und heiße Tage. Modelle mit hohler Rückseite erfüllen bei aufrechtem Rücken dieselbe Funktion. Bei gekrümmtem Rücken, etwa im steileren Aufstieg und beim Kraxeln, liegen sie aber fest auf dem Rücken. Der Nachteil beider Rucksacktypen ist, dass sie bei seitlichen Bewegungen rutschen. Robuste Konkavrucksäcke für Alpin- oder Hüttentouren haben Alustäbe und eine Plastikplatte, damit die Rückseite geformt wird und die Last auf der Hüfte liegt (z. B. Salewa; meist größere Rucksäcke).

Test Tagesrucksäcke
Seitliche Stretch- oder Netzfächer halten schnell erreichbare Gegenstände wie Flaschen oder Fotoapparat.

Anliegende Kontaktrucksäcke sind häufig starr wie Konkavmodelle, um die Last von schwerer Kletterausrüstung zu übertragen und permanente Lüftung mit 3D-Mesh (dampfdurchlässige Polsterung mit Lüftungskanälen) zu gewährleisten (v.a. Deuter ACT).

Funktioneller ist eine flexible Rückseite in Form eines Federstahl-Drahtrahmens (bei Ultraleichtmodellen Hartschaummatte wie Patagonia), so dass sich der direkt anliegende Packsack dem geraden oder gekrümmten Rücken anpasst (Osprey). Ein guter Kontaktrucksack sitzt wie angegossen am Rücken und macht jede Bewegung mit. Ideal also für Alpin-/Klettertouren, Klettersteige oder Bike&Hike.

Das Tragesystem bei Tagesrucksäcken

Das Tragsystem des Rucksacks besteht aus dem Hüftgurt, der die Hauptlast tragen sollte, und den Schultergurten, die durch einen Brustriemen verbunden sind. Voluminösere Modelle sollten Schulter-Zugriemen besitzen, damit man die Lastenverteilung optimal einstellen kann. Da die Rückenlänge von Tagesrucksäcken fix ist (Osprey etwas, Berghaus äußerst variabel), erfolgt die Anpassung an den Rücken über die langen Schulterträger.

Tagesrucksäche brauchen keine dick gepolsterten, sondern luftige Schultergurte zur Schweißdampfableitung durch Airmesh (durchlässige Fasern mit Porenbezug). Idealerweise haben sie außerdem einen durchbrochenen Schaumstoffkern (Standard bei Komfortmodellen wie Gregory) oder noch durchlässigeres Netz (Arc’teryx).

Die Hüftflossen sind in der Regel genauso gepolstert wie die Schulterträger. Klettertaugliche oder ultraleichte Rucksäcke besitzen abnehmbare oder ungepolsterte Hüftriemen, um den Klettergurt nicht zu stören oder um unbelästigt radeln zu können. Auch bei kleineren Modellen erhöht ein Hebelzug (Riemen nach innen statt außen ziehen) die Effektivität des Hüftgurts.

Wohin mit dem Kram?

Der Zweck des Rucksacks ist es, momentan nicht benötigte Ausrüstung zu verstauen. Für bessere Ordnung sollte er Zusatztaschen etwa für Essen, Sonnenbrille und elektronische Geräte haben. Idealerweise werden empfindliche Gegenstände im oder am Deckel mit Wertfach untergebracht, zeitweise Unbenötigtes wie ein Shirt in einer Fronttasche oder einem offenen Fach. Offene Seitenfächer sind vor allem für Trinkflaschen ideal und ein Innenfach für die Trinkblase sowie Hüfttaschen etwa für Fotoapparat, Handy oder GPS-Gerät (top Gregory). Außen sollte jeder Bergrucksack eine funktionierende Halterung für Stöcke besitzen, Alpinmodelle zusätzlich einen Pickelhalter, Bikerucksäcke eine Helmfixierung und Kletterrucksäcke zusätzlich Materialschlaufen.

Unser Fazit

Gute Tagesrucksäcke unter 30 Liter Volumen wiegen mit üppiger Ausstattung und steifem Gestell maximal 1100 Gramm, weniger komfortable Sport-Ultraleichtmodelle sogar unter 500 Gramm. Das Tragesystem wird immer luftiger. Modelle mit hinterlüftetem Netzrücken können fast genauso gut am Rücken liegen wie Kontaktrucksäcke für Alpin- und Klettertouren oder Klettersteige, während wenige Daypacks sich für Bike & Hike eignen. Der Reißverschluss hat sich durchgesetzt, so dass Modelle mit puristischem Design praktisch ohne Riemen auskommen und auch »stadttauglich« sind.

Die wichtigsten Fragen bei der Kaufentscheidung

  • Zuladung: Wie viel Volumen brauche ich für den bevorzugten Einsatz? Bis 25 Liter reichen für Wandern oder Bike & Hike, bis 30 Liter sollte man für Klettern und Alpintouren anpeilen.
  • Stabilität: Wie wird die Last übertragen? Ein festes Gestell verteilt das Gewicht größerer Lasten auf die Hüften, eine flexible Rückenplatte ist ideal für bewegungsintensive Aktivitäten.
  • Rückenhalt: Wie fest sitzt das Modell am Rücken? Der Schwerpunkt sollte für bewegungsintensive Aktivität direkt am Rücken liegen, für Komfort von diesem etwas abstehen. (Der Rucksack kann nach hinten ziehen oder seitlich wackeln).
  • Lüftung: Wie viel Luftzirkulation erlaubt das Modell? Hier fällt die Entscheidung je nach Schweißempfinden und gewünschtem Rückenhalt. Der Freiraum zwischen Rückseite und Rücken reicht von null bis vier Zentimeter.
  • Fixierungen: Welche Außenbefestigungen brauche ich? Jeder Bergrucksack braucht eine Halterung für Stöcke. Mit Kompressionsriemen lässt sich auch sperrige Ausrüstung fixieren, Seitenfächer halten Flaschen griffbereit. Pickelschlaufen sind nur für Alpintouren wichtig.

 

Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 04/2016. Jetzt abonnieren!
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