Heimatberge: 10 Touren zwischen Chiemgau und Wendelstein

Heimatberge: 10 Toptouren zwischen Chiemgau und Wendelstein

In die Ferne schweifen – schön. Aber die Berge daheim zu genießen, ist ebenso reizvoll. Bergbegeisterte aus dem oberbayerischen Inntal verraten uns zehn ihrer Lieblingstouren für das Frühjahr in den Chiemgauer Alpen und dem Mangfallgebirge.
 
Bergbegeisterte aus dem oberbayerischen Inntal verraten dir ihre Lieblingstouren in den Chiemgauer Alpen und dem Mangfallgebirge. © Adobe Stock / SusaZoom
Bergbegeisterte aus dem oberbayerischen Inntal verraten dir ihre Lieblingstouren in den Chiemgauer Alpen und dem Mangfallgebirge.
Den Ausblick ins Inntal kennen viele. Aber meist sind sie nur auf der Durchreise Richtung Süden unterwegs und froh, wenn sie hier gut durchkommen. Zu oft wird man auf der A8 und dann auf der Inntalautobahn ausgebremst vom Ferienstau, durch pandemiebedingte Grenzkontrollen oder durch die immer häufiger stattfindenden Blockabfertigungen, mit denen politischer Druck in Sachen Brennerbasistunnel durchs Inntal aufgebaut werden soll.
 

Inntal: Abbiegen statt Blockabfertigungen

Dabei lohnt es sich durchaus, hier abzubiegen und das grenznahe Tal zwischen Bayern und Tirol besser kennenzulernen. Im Inntal, das bereits zu Römerzeiten als wichtigste Verbindung in die Alpen gen Süden genutzt wurde, gibt es nämlich sehr schöne Fleckchen in einer Bergwelt, in der man durchaus noch viel Inspiration und Ruhe finden kann.
 

Tiefblicke auf den Inn: Mächtigster Fluss der Alpen

Sieht man von oben hinunter, zieht sich der Inn wie eine Lebensader durch das Tal, dem er seinen Namen gibt. 517 Kilometer legt er auf seiner Reise von seiner Quelle hoch oben am Lunghin-Pass im Schweizer Oberengadin bis zu seiner Mündung in die Donau in Passau zurück und gilt damit als einer der längsten und mächtigsten Alpenflüsse. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war er ein unberechenbarer Alpenfluss, bevor er mit einem eng begrenzten Flussbett reguliert wurde.


Bergbegeisterte Einheimische aus dem Inntal stellen dir ihre Lieblingstouren rechts und links des Inns vor.
 

Wandern auf die Hochsalwand (1625 m) im Mangfallgebirge

Das Wendelsteingebiet hat viele Tourenmöglichkeiten, die sich gut kombinieren lassen. Die Reibn über die Hochsalwand zählt zu den schönsten. Der Start- und Endpunkt ist gut erreichbar, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zunächst steigt man zum Breitenberghaus und weiter zur Lechneralm auf. Ab dem Kessel der Lechneralm führt ein Steig zur  Rampoldplatte (1422 m). Auf dem Weiterweg über die Lechnerschneid ist das Gipfelkreuz der Hochsalwand sichtbar. Der dazwischenliegende felsige Aufbau des Lechnerkopfs wird nordseitig umgangen. Einige Meter beim Anstieg erfordern hier Konzentration und Trittsicherheit. Der Rundumblick vom Gipfel ist fantastisch. Der Abstieg führt durch lichten Wald und über Almgelände zur Reindler Alm (1429 m) und ins Untere Wetterloch (1414 m). Über einen Fahrweg gelangt man weiter zur Mitteralm. Dann geht es über den Winterweg zum Aipl, einer Bedarfshaltestelle der Wendelstein Zahnradbahn, und den Geologischen Lehrpfad hinab zum Ausgangspunkt.
- Stefan Hofmeister, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Leiter der örtlichen Bergschule. Er lebt in Nußdorf am Inn.
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 6 Stunden (7 Stunden ab Bahnhof Brannenburg)
  • Höhenmeter: 1000 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 16 Km (21 Km ab Bahnhof Brannenburg)
  • Charakter: Eine landschaftlich sehr reizvolle, konditionell mittelschwere Wanderung auf meist guten Wegen und Steigen, die am Übergang zur Hochsalwand Trittsicherheit, aber keine besondere Ausrüstung erfordert.
  • Start: Brannenburg/St. Margarethen (640 m); Alternativ: Bahnhof Brannenburg bei Anreise mit der Bahn
  • Ziel: Hochsalwand (1625 m)
  • Route: Brannenburg/St. Margarethen – Breitenberghaus – Lechner Alm – Rampoldplatte – Hochsalwand – Reindler Alm – Mitteralm - Brannenburg/St. Margarethen
  • Beste Zeit: April bis Oktober (je nach Schneelage)
  • Einkehr: Breitenberghaus, Mitteralm



Jause am Gipfel der Hochsalwand. Foto: Petra Rapp
 

Wanderung auf den Rehleitenkopf (1338 m) im Mangfallgebirge

Der Aufstieg dieser Genusstour führt über den reizvollen Philosophenweg in Fischbach, das als der älteste Sommerfrischeort im Inntal gilt. Der auch geologisch spannende Waldweg geht vorbei an drei Wasserfällen, bis man oberhalb des Petersberg auf den Hauptweg zur Hohen Asten kommt. An der Hohen Asten rechts hinauf dem beschilderten Weg zum Rehleitenkopf folgen. Gen Westen bergauf, dann in Richtung Nordwesten dem Bergrücken folgen. Eine kleine Holztreppe über den Zaun in den kurzen Waldweg zum meist einsamen, aussichtsreichen Gipfel nehmen. Auf dem weitläufigen Gelände oberhalb der Asten finden sich viele schöne, einsame Kraftorte. Auf der Hohen Asten, dem höchsten Berggasthaus Deutschlands, ist nicht nur der legendäre Kaiserschmarrn ein Genuss. Eine Abstiegsvariante führt unter der Vorderasten linksseitig über einen Wiesenhang in den Wald. Der Steig endet beim Bauern am Berg oberhalb des Petersberg. Von dort weiter auf dem Normalweg bis zur Burg-ruine Falkenstein. Dort den Weg durch die Ruine und über den Steinbruch zurück zum Ausgangspunkt nehmen.
- Christian Schneidermeier, CEO von Ortovox. Er wohnt in Kolbermoor.

  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 4 bis 5 Stunden
  • Höhenmeter: 830 Hm im Aufstieg, 860 Hm im Abstieg
  • Distanz: 13 Km
  • Charakter: Eine sehr abwechslungsreiche Rundwanderung, für die es ein wenig Orientierungssinn braucht.
  • Start: Brannenburg/St. Margarethen (640 m); Alternativ: Bahnhof Brannenburg bei Anreise mit der Bahn
  • Ziel: Rehleitenkopf (1338 m)
  • Route: Fischbach – Philosophenweg – Hohe Asten – Gipfel – Hohe Asten – Richtung Petersberg (mit Gipfeloption) – Burgruine Falkenstein – Parkplatz Fischbach am Inn
  • Beste Zeit: Ganzjährig
  • Einkehr: Berggasthaus Petersberg oder Berggasthof Hohe Asten


Tierische Begleitung auf dem Weg zum Rehleitenkopf. Foto: Petra Rapp
 

Famlien-Wanderung durch die wilde Gießenbachklamm im Mangfallgebirge

Ein Juwel im Inntal: Türkisblau leuchten die Pools in der wildromantischen Gießenbachklamm. Abwechslungsreiche Aussichten, kleine Abenteuer am Weg und mit der Schopperalm eine wunderbare Möglichkeit zur Einkehr, inklusive Bobbycar-Rennbahn und Wasserspielplatz, machen die Tour besonders für Familien geeignet. Los geht es direkt mit einer kleinen Attraktion, dem größten noch Strom produzierenden Wasserrad Bayerns. Gemächlich ansteigend geht es von hier aus in die Klamm hinein und bald nach dem Elektrizitätswerk, das man links liegen lässt, kann man neben dem Weg einen aufregenden Abstecher in die Schlucht hinein machen. Dann erklimmen wir die rund 140 Stufen, die auch mit Kindern gut zu meistern sind. Danach bietet der in den Fels geschlagene Weg spektakuläre Tiefsichten. Unterhalb der Schopperalm biegen wir nach rechts ab, überqueren den Gießenbach und folgen der Forststraße etwa 100 Höhenmeter bergauf. Dort erreichen wir den Trojer. Zuletzt geht es, vorbei an Bayerns ältestem Bergbauernhof, dem Trojerhof, steil die Fahrstraße bergab, bis wir wieder beim Ausgangspunkt ankommen.
- Ana Zirner, Autorin, Bergsportlerin und Bergwanderführerin. Sie ist in Aschau im Chiemgau aufgewachsen und wohnt jetzt in Oberaudorf im Inntal.

  • Wandern einfach
  • Zeit: 2 Stunden
  • Höhenmeter: 180 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 5 Km
  • Charakter: Einfache Wanderung, die auch gut mit Kindern machbar ist
  • Start/Ziel: Parkplatz Gießenbachklamm, Thierseestraße, Kiefersfelden
  • Route: Parkplatz Gießenbachklamm – Wasserrad – Schopperalm – Trojer – Parkplatz Gießenbachklamm
  • Beste Zeit: Von Wintereinbruch bis Ostern ist die Klamm meist wegen Lawinengefahr gesperrt.
  • Einkehr: Schopperalm
Gießenbachklamm Familien Wanderung Inntal Bayern
Die Gießenbachklamm ist auch für Kinder interessant. Foto: Chiemsee Alpenland Tourismus/Thomas Kujat
 

Einfache Wanderung auf die Dandlberger Alm (770 m) in den Chiemgauer Alpen

Für mich ist die kleine Wanderung vom Neubeurer See zur Dandlberg Alm eine wunderbare kleine Auszeit für zwischendurch, zu einem Fleckchen mit traumhaften Ausblicken ins Inntal und schönen Bankerln zum Seele baumeln lassen. Vom Neubeurer See über die Straße und bei Unterpößnach nach rechts abbiegen. Weiter nach Vordersteinberg, und Hintersteinberg. Dort scharf nach links und weiter in den Wald hinein. Dort geht es unterhalb vom Sattelberg immer geradeaus. Oberhalb von Anker weiter Richtung Osten den Trittspuren in den Wald hinein folgen.  Rechts haltend direkt zur Dandlberg Alm.  Wer will, kann weiter oben am Bergrücken entlang noch zum Dandlberg-Gipfel (920 m) gehen. Für die meisten ist aber die Dandlberg Alm mit ihrer Panorama-Terrasse das Ziel. Der Abstieg verläuft auf der geteerten Fahrstraße Richtung Schilding. Dort rechts zu den  Weilern Brunn und Anker, dann Richtung Hintersteinberg. Dort rechts vor dem Hof auf bekanntem Weg nach Vordersteinberg  und zurück zum Neubeurer See. Den malerischen Marktplatz von Neubeuern sollte man sich nicht entgehen lassen.
- Andreas Langenstraß, Bergwachtsmitlglied in Brannenburg. Ist im Inntal aufgewachsen und wohnt dort mit seiner Familia in Nußdorf am Inn.
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 2 bis 2½ Stunden
  • Höhenmeter: 375 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 9,5 Km
  • Charakter: Südseitige Wanderung am Samerberg
  • Start: Parkplatz Neubeurer See
  • Ziel: Dandlberger Alm
  • Route: Neubeurer See – Unterpößnach – Vordersteinberg – Hintersteinberg – Dandlberg Alm – Schilding – Brunn – Anker – Hintersteinberg – Vordersteinberg – Neubeurer See
  • Beste Zeit: Ganzjährig
  • Einkehr: Dandlberger Alm

Herrlicher Ausblick auf dem Weg zur Dandlberger Alm. Foto: Andreas Langenstraß
 

Wandertour zum Feichteck (1514 m), Karkopf (1496 m) und Hochries (1596 m) in den Chiemgauer Alpen

Die Hochries gilt als Hausberg der Rosenheimer. Während der Hauptgipfel mit Alpenvereinshütte und Bergbahn oft recht frequentiert ist, herrscht an den Nebengipfeln Feichteck und Karkopf mehr Ruhe. Vom Wanderparkplatz Spatenau am Samerberg kann man diese beiden als eigenständige Tour oder in Kombination mit der Hochries erwandern. Der Abstieg vom Feichteck zum Sattel ist bei Nässe rutschig und erfordert Umsicht. Der Aufstieg von dort zum Karkopf erfolgt über eine kurze Felsstufe und erfordert Trittsicherheit. Dieser Abschnitt kann aber umgangen werden. Faszinierend ist beim abwechslungsreichen Anstieg der Augenblick, wenn sich an klaren Tagen das Panorama über Trockenbachtal und Spitzstein in Richtung Süden öffnet und der freie Blick auf die Alpenkette fällt: Nach der Überschreitung der zwei oder drei Gipfel mit diesem tollen Panorama geht es mit einer Einkehr in der Hochrieshütte oder der gemütlichen Doaglalm zurück zum Ausgangspunkt.
- Mark Hoffmann, Jugendleiter der DAV Sektion Inntal, meist im Chiemgau, Berchtesgaden und Tirol unterwegs. Er lebt in Rosenheim.
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 3 bis 4½ Stunden
  • Höhenmeter: 900 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 10,5 Km
  • Charakter: Konditionell etwas fordernde Bergwanderung, Trittsicherheit am felsigen Westgrat des Karkopfes erforderlich, dort bei Nässe heikel
  • Start/Ziel: Wanderparkplatz Spatenau am Samerberg, dorthin Wanderbus
  • Route: Parkplatz – Spatenau/Doaglalm – Feichtecksattel/Pölcher Schneid – Abstecher Feichteck – Karkopf – Abstecher Hochries – Abstieg über Seitenalmen nach Spatenau und retour zum Parkplatz
  • Beste Zeit: Mai bis November
  • Einkehr: Doaglalm, Hochrieshütte

Diese Wanderung führt zu drei Gipfeln. Foto: Chiemsee Alpenland Tourismus
 

Wanderung auf den Brunnstein im Mangfallgebirge

Viele Wege führen auf das langgestreckte Kalkriff des Brünnstein. Dort wartet eine fast grenzenlose Aussicht auf den Alpenhauptkamm. Die Terrasse am Brünnsteinhaus ist für mich der schönste Biergarten der Welt. Eine meiner Lieblingsrouten: die Rundtour mit Start am Waldparkplatz Tatzlwurm. Von dort dem AV-Weg 657 folgen, an Schoißeralm und Schneelahnerhütte vorbei. Den Abzweig Richtung Buchau/Längau links liegen lassen und rechts in einen Waldweg, weiter dem AV-Weg 657 folgen. Über eine kurze seilversicherte Stelle, bevor der Waldweg auf eine Kreuzung im Almgebiet der Großalm trifft. Hier geradeaus bis zum Aussichtsbankerl und weiter zum Brünnsteinhaus. Dort über den seilversicherten Julius-Mayr-Weg oder, einfacher, weiter westlich über Wald und ebenfalls seilversicherte Passagen zum Gipfel. Zurück über den AV-Weg 657, dann dem AV-Weg 653 nach Westen, an Himmelmoos vorbei und nach einem kurzen Aufstieg nach Norden, in leichtem Auf und Ab über Wiesen übers Gatterl zur Seelacheralm unterhalb der Brünnsteinschanze und via Schneelahnerhütte zurück zum Waldparkplatz.
- Christoph Schnurr, Betriebswirt, Bergführer, derzeit Geschätsstellenleiter des DAV. Er wohnt in Raubling.
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 3 bis 4½ Stunden
  • Höhenmeter: 900 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 10,5 Km
  • Charakter: Abwechslungsreiche wie aussichtsreiche Rundtour, die an einigen Stellen Trittsicherheit erfordert
  • Start: Waldparkplatz an der Sudelfeldstraße
  • Ziel: Brünnstein (1635 m)
  • Route: Waldparkplatz Tatzlwurm – Schoißeralm – Großalm – Brünnsteinhaus – Julius-Mayr-Weg – Gipfel – Himmelmoos – Gatterl – Seelacheralm – Schneelahnerhütte – Parkplatz Tatzlwurm
  • Beste Zeit: Im Frühjahr lohnt der enzianreiche,  südseitige Aufstieg via Kiefersfelden/Gießenbachklamm/Herrenalm.
  • Einkehr: Brünnsteinhaus

Vom Brünnstein bietet sich ein grandioser Weitblick. Foto: Petra Rapp
 

Wandern auf das Kranzhorn in den Chiemgauer Alpen

Markant steht es da, das Kranzhorn. Auf den westlichen Ausläufern der Chiemgauer Alpen, grenzüberschreitend. Bayern und Tirol vereint auf einem wahrlich exponierten Gipfel, der 1367 Meter über dem Inntal thront. Zwei Gipfelkreuze stehen oben: das schlichte, hölzerne, das nach Tirol zeigt und das silberne Metallkreuz, das nach Osten ausgerichtet ist und die bayerische Seite markiert. Im Inneren des Berges soll der Sage nach ein Fürst wohnen. Nur eine von zig Geschichten, die es über diesen Berg gibt, der an schönen Wochenendtagen auch überlaufen sein kann. Die meisten kommen über Nußdorf oder vom Tiroler Erl über den leichten Wanderweg. Wer dem Trubel entgehen will und einen Weg mit sportlichem Anspruch sucht, startet im kleinen Ort Scheiben bei Erl. Der Weg führt von dort über schöne Almwiesen hinauf zum Forstweg, wo der gekennzeichnete Kranzhornsteig, auch Erlersteig genannt, links in den Wald abzweigt. Auf wunderschönem Waldboden geht es ab hier steil bergauf. Ein echter "Wadlbeißer", aber sehr idyllisch und wenig begangen. Oben führt der Steig gen Osten, bevor er auf den Wiesenhängen südlich der Kranzhornalm endet. Von dort geht es die normale Anstiegsroute hinauf zum exponierten Gipfel.
- Petra Rapp, Redakteurin beim Bergsteiger, im Inntal aufgewachsen, wohnt in Brannenburg
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 4 Stunden
  • Höhenmeter: 870 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 4,5 Km
  • Charakter: Wenig begangener, zum Teil steiler Aufstieg auf einen der aussichtsreichsten Berge im Inntal
  • Start: Scheiben bei Erl/Tirol. Dort kann man in einer kleinen Einbuchtung an der Bergseite der Hauptstraße parken.
  • Ziel: Kranzhorn
  • Route: Scheiben – Erlersteig - Kranzhornalm – Kranzhorngipfel – Abstieg wie Aufstieg
  • Beste Zeit: Ganzjährig, je nach Schneelage
  • Einkehr: Kranzhornalm

Gleich zwei Gipfelkreuze erwarten dich auf dem Kranzhorn. Foto: Adobe Stock / fottoo
 

Klettern am Gschwandt im Mangfallgebirge

Für Kletterer bieten sich im Inntal viele Möglichkeiten in allen Schwierigkeitsgraden. Mit die beste Felsqualität findet man oberhalb der Mitteralm am Wendelstein. Der versteckte Bergkessel des Gschwandt wird von bis zu 100 Meter hohen Felswänden umrahmt, die teils von unzähligen Löchern übersät sind. Schon seit den 1960er-Jahren wird hier geklettert, zum Beispiel im klassischen Südriss (7-, fünf Seillängen). In letzter Zeit wurden nicht  nur die alten Routen mit Bohrhaken saniert, sondern auch viele weitere Linien in allen Schwierigkeitsgraden vom 4. bis zum 10. Schwierigkeitsgrad abgesichert. Das tolle an diesem Klettergebiet ist einerseits die wunderschöne Lage im Wendelsteingebiet, wo man aufgrund der südseitigen Exposition bereits zeitig im Frühjahr, aber auch noch bis weit in den Herbst hinein klettern kann. Zum anderen ist es hier meist ruhiger als an den schnell erreichbaren Klettergebieten unten im Tal. Man sollte sich für das Gschwandt einen ganzen Tag Zeit nehmen. Die Wanderung von St. Margarethen oder übers Arzmoos vom Sudelfeld dauert jeweils etwa zwei Stunden bis zum Einstieg. Mit dem Mountainbike oder der Fahrt mit der Zahnradbahn zur Mitteralm lässt sich der Weg verkürzen.
- Markus Stadler, begeisterter Bergsteiger und Kletterer aus Rosenheim, Autor vieler Kletterführer und Skitourenführer
  • Klettern schwierig
  • Zeit: 1½ bis 2 Stunden bis zum Einstieg
  • Höhenmeter: 750 Hm im Auf- und Abstieg (z.T. mit Mountainbike möglich)
  • Distanz: 4,5 Km
  • Charakter: Sportkletterrouten mit guter Absicherung, teils mehrere Seillängen, insgesamt langer Zustieg
  • Start: St. Margarethen bei Brannenburg (655 m) oder Parkplatz Arzmoos am Sudelfeld
  • Ziel: Klettergebiet Gschwandt (ca. 1400 m)
  • Routen: über 80 Kletterrouten, Schwierigkeit 4-10 (Schwerpunkt im Bereich 7-9)
  • Beste Zeit: März bis Oktober
  • Einkehr: Mitteralm
  • Kletterführer: Markus Stadler »Bayerische Alpen Band 2« , Panico-Alpinverlag, 2020

Rund 80 Routen locken zum Klettern. Foto: Markus Stadler
 

Familienfreundliche Wanderung auf die Kindlwand (1229 m) in den Chiemgauer Alpen

»Auf Wandern hab' ich keine Lust!«, beschwert sich unsere zehnjährige Tochter. »Und wie wäre es mit ­Bergsteigen?«, frage ich. »O ja!« Die Kindlwand am Heuberg erfüllt die Anforderungen des Nachwuchses: wenig Forststraße und ein bisschen Felskraxeln . Mit etwa 750 Höhenmetern ist die Tour auch nicht zu lang. Von Nußdorf führt ein steiler Waldweg hinauf zur aussichtsreichen Bichleralm. Über eine kurze Felsstufe mit Kletterstellen im 1. Schwierigkeitsgrad geht es zu einem spannenden Höhlendurchschlupf. Weiterhin steil steigt man von dort zum ausgesetzten Gipfel. Für diese Kraxeleinlagen sollten Eltern wie Kinder Berg- und Klettererfahrung haben. Zum Teil bewegt man sich im Absturzgelände, so dass es ratsam sein kann, die Kinder an den heikelsten Stellen zu sichern.  Für den Abstieg empfiehlt sich die Ostseite nach Mailach. Dort entweder den breiten Wanderweg durchs Wassertal nehmen oder vom Gipfelaufbau im Abstiegssinn kurz links einen schmalen, aber gut sichtbaren Pfad entlang des Ostgrats absteigen. Kurz hinter Mailach trifft man dann auf die Forststraße, der man am Kirchwald vorbei folgt, bis rechts der Wanderweg hinabführt nach Nußdorf. Wer nach dem Gipfelaufbau der Kindlwand noch nicht genug hat, kann dem Wanderweg weiter nach Süden hinauf zum Heuberggipfel und zur Wasserwand folgen.
- Markus Stadler, begeisterter Bergsteiger und Kletterer aus Rosenheim, Autor vieler Kletterführer und Skitourenführer
  • Wandern mittelschwer
  • Zeit: 3 bis 4 Stunden
  • Höhenmeter: 750 Hm im Auf- und Abstieg
  • Distanz: 8 Km
  • Charakter: Schöne Voralpenwanderung mit leichter Kletterei am Gipfelaufbau
  • Start/Ziel: Nußdorf am Inn, Bushaltestelle und Parkplatz in der Ortsmitte
  • Route: Nußdorf – Bichleralm – Kindlwand – Mailach – Nußdorf
  • Beste Zeit: März bis Oktober
  • Einkehr: Daffnerwaldalm (bei Variante über den Heuberggipfel), Gasthof Schneiderwirt in Nußdorf

Die Wanderung auf die Kindlwand ist auch für Kinder möglich. Foto: Markus Stadler
 

Klettern an der Kaserer Wand (1640 m) im Mangfallgebirge

Die Kaserer Wand (auch Käserwand oder Kaserwand) gehört mit Sicherheit zu den Klettergebieten mit der schönsten Aussicht im ganzen Inntal. Wer den Aufstieg von etwa eineinhalb Stunden auf sich nimmt, wird mit einem wunderbaren Blick auf den Wilden Kaiser, die Hohen Tauern und die Zillertaler Alpen belohnt. Die südwestliche Ausrichtung der Wand bietet die Möglichkeit, schon früh im Jahr die Klettersaison am Fels zu starten und auch bis zum Spätherbst in der Sonne zu klettern. Die Wand diente den auf der Soinhütte stationierten Gebirgs-pionieren lange Zeit als Übungswand. Sie ist für Einsteiger wie für erfahrenere Kletterer geeignet. Die Schwierigkeiten reichen vom 3. bis zum 9. Grad. Die Felsbeschaffenheit variiert von sehr kompakt zu leicht brüchig. Einen Helm sollte man auf jeden Fall dabeihaben.  Für mich ist ein Ausflug an die Kaserer Wand immer wieder die perfekte Kombination aus einer moderaten Wanderung und Klettern an rauem Kalkfels mit einmaligem Ausblick.
- Valentin Rapp, Filmemacher und Fotograf, Gewinner des Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreises beim Bergfilm-Festival Tegernsee. Wohnt in Raubling.
  • Klettern einfach bis schwierig
  • Zeit: 1½ bis 2 Stunden bis zum Einstieg
  • Höhenmeter: 600 Hm im Auf- und Abstieg
  • Charakter: Schönes südseitiges Kletterareal mit Ausblick und Touren in vielen Schwierigkeitsgraden
  • Start: Parkplatz an der Arzmooskurve (Sudelfeld); von dort auf der Forststraße zur Oberen Arzmoos-Alm
    und auf dem Wanderweg in Richtung Wildalpjoch zum Wandfuß (1 ½ Stunden). Oder Start vom Parkplatz Oberes Sudelfeld. Von dort südseitig hinauf Richtung Wildalpjoch. Öffentlich mit der Wendelstein-Ringlinie zu erreichen.
  • Ziel: Klettergebiet Kaserer Wand (1640 m)
  • Routen: Mehr als 40 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden (3-9)
  • Beste Zeit: März bis Oktober
  • Einkehr: keine

Klettern mit Aussicht an der Kaserer Wand. Foto: Valentin Rapp

 
Petra Rapp
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2022. Jetzt abonnieren!