Was einen guten Winterwanderschuh ausmacht

Was einen guten Winterwanderschuh ausmacht

Gute Winterwanderschuhe sind der wichtigste Begleiter für alle, die auch im Winter nicht aufs Wandern verzichten möchten. Wir verraten, was es bei Winterwanderschuhen zu beachten gilt.
 
 
Winterwanderschuhe Detailansicht © Adobe Stock/El Lobo
Robust, warm und griffig sollen Winterwanderschuhe sein.
Eine Winterwanderung mit normalen Wanderschuhen endet häufig im Desaster: Die Füße frieren, der Schuh rutscht ständig Weg und obendrein fällt Schnee in den Schaft. Wer auch im Winter regelmäßig wandern geht oder Schneeschuhtouren unternimmt, sollte sich deshalb isolierte Winterwanderschuhe zulegen. Hier erklären wir, worauf es dabei ankommt.


Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Winterwanderschuh sollte die Füße warm halten und die Rutschgefahr vermindern.
  • Ein hoher Schaft verhindert seitliches Umknicken, wärmt und schützt vor Schnee
  • Das Obermaterial eines Winterwanderschuhs besteht aus Leder oder synthetischen Materialien und ist meistens wasserabweisend
  • Eine isolierte Zwischensohle hält beim Winterwanderschuh die Kälte fern
  • Bei der Außensohle haben sich mehrere Konstruktionen und Materialmischungen für verschiedene Einsätze bewährt
  • Die Schnürung von Winterwanderschuhen geschieht mittels Standard-, Klemm- oder Boa-System
  • Es gibt verschiedene Modelle für verschiedene Einsatzbereiche


Was ist ein Winterwanderschuh?

Im Gegensatz zu normalen Wanderschuhen sind Winterwanderschuhe speziell für Outdoor-Aktivitäten im Winter ausgelegt. Ein guter Winterwanderschuh sollte bequem sein, selbst an den kältesten Tagen für trockene und warme Füße sorgen und guten Halt auf Eis und Schnee bieten, dabei aber dennoch atmungsaktiv bleiben.

Dafür sind Winterwanderschuhe meist gefüttert und verfügen über eine isolierte Zwischensohle, die die Kälte fernhält. Anders als etwa traditionelle Winterstiefel sind Winterwanderschuhe weniger klobig, effizienter beschnürt und bieten besseren Fuß- und Seitenhalt. Eine spezielle Gummimischung bei der Außensohle sorgt bei vielen Modellen dafür, dass sie schneeabweisend ist und auf verschneiten Pfaden guten Halt bietet.

Diese Modelle eignen sich bestens für die nächste Winterwanderung:
Winterwanderer in Schneelandschaft
Wer zum Winterwandern unterwegs ist, sollte das passende Schuhwerk tragen. Foto: Adobe Stock/ARochau


Aufbau und Obermaterial eines Winterwanderschuhs

Äußerlich sind Winterwanderschuhe unter anderem an ihrem hohen Schaft erkennbar. Dieser reicht in der Regel bis zum Unterschenkel und ist meist 16 bis 20 cm hoch. Im Idealfall sollte der Schaft
  • seitliches Umknicken verhindern
  • nach hinten beweglich sein
  • wärmen
  • vor Schnee schützen
Das Obermaterial eines Winterwanderschuhs besteht traditionell aus abriebfestem Leder. Zunehmend kommen aber auch leichte Textilien wie Grob-Polyester oder Ripstop-Nylon zum Einsatz, die an den Schuhflanken gegen Stöße oder Riemenabrieb geschützt werden. Winterwanderschuhe aus Leder wie auch aus anderen Materialien halten Nässe gut ab. Schuhe aus synthetischen Materialien haben in puncto Wasserdichtigkeit aber klar die Nase vorne.

Unverzichtbar ist bei Winterwanderschuhen eine hochgezogene Zehenkappe, die den Schuh gegen Schneereibung schützt. Schneeschuhtaugliche Modelle sollten zudem über eine feste Fersenkappe verfügen – im Idealfall mit einer Leiste zum Fixieren von Schneeschuh-Heckriemen.
 

Die Sohle von Winterwanderschuhen

Die Kälte kommt beim Winterwandern in der Regel von unten. Ein entscheidender Bestandteil von Winterwanderschuhen ist daher die isolierte Zwischensohle. In den meisten Fällen arbeiten Hersteller hier mit Zwischensohlen aus EVA-Schaum. Je dicker diese Zwischensohle ist, desto besser ist auch die Isolation. Daneben haben sich auch Einlagen aus Schaumstoff, Fleece oder Alufolie bewährt.   

Bei der Außensohle gibt es verschiedene Konzepte, mit denen Hersteller von Winterwanderschuhen arbeiten. Kaum seitenstabil sind Schuhe mit weicher Außensohle, die sich dem Untergrund anpassen, aber bei härterem Schnee kein Einkanten erlauben. Eine vorne weiche und hinten abgerundete Sohle bietet bei Winterwanderschuhen den besten Gehkomfort auf hartem Untergrund. Auf Sohlen, die vorne steifer ausfallen und an der Ferse unrund abrollen, läuft man hingegen sicherer auf Schnee.

Schuhe mit relativ steifer Außensohle stabilisieren den Fuß. Sie lassen sich auf eingetretenen Wegen oder beim Spuren besser in den Schnee treten und sind zudem auch besser für die Verwendung mit Schneeschuhen geeignet als weichere Sohlen.

Sohlen Winterwanderschuhe Detailansicht

Unterschiedliche Sohlenkonzepte bei Winterwanderschuhen. Foto: Christian Schneeweiß

Allgemein gilt, dass die Stollen von der Profilsohle bei Winterstiefeln weit auseinander stehen und leicht abgeschrägt sein sollten, damit der Schnee nicht hängen bleibt. Für einen rutschsicheren Abstieg sind Schuhe mit Profilabsatz empfehlenswert.

Ein Schwachpunkt von vielen Winterwanderschuhen ist immer noch die hohe Rutschanfälligkeit. Viele Hersteller arbeiten daher bei ihren Sohlen bereits mit schneeabweisenden Gummimischungen, die gegen Stollenbildung in feuchtem Schnee und die Rutschgefahr in vereistem Schnee vermindern. Darüber hinaus wird oftmals auch Mineral- oder Glasstaub in die Außensohle eingearbeitet, was noch besseren Halt auf vereistem Schnee bietet. Auf reinem Eis helfen allerdings auch weiterhin nur Schuheisen, Grödel oder Spikes.


Die Schnürung von Winterwanderschuhen

Ein weiterer wichtiger Punkt bei Winterwanderschuhen ist die Schnürung. Hier sind insbesondere drei Modelle üblich:
  • Standardschnürung mit Ösen
  • Schnellschnürungen mit Klemme
  • Boa-Schnürsysteme
Die Standardschnürung mit Ösen oder Schlaufen findet sich am häufigsten bei Winterwanderschuhen. Daneben sind auch Schnellschnürungen mit Klemme üblich.

Schuhe mit Klemmschnürungen besitzen den Vorteil, dass sie sich nicht verhaken können und somit ein geringeres Sturzrisiko. Allerdings sind solche Schnürungen oftmals auch vereisungsanfällig und bei hohen Schuhen nicht optimal.

Ebenso wie Schuhe mit Klemmverschlüssen können sich auch Boa-Schnürsysteme nicht verhaken. Sie sind darüber hinaus weniger anfällig für Vereisungen und eignen sich auch für die Verwendung mit Handschuhen ideal. Über ein solches Boa-Schnürsystem verfügt unter anderem der Conrax Boa CH CP von Adidas Terrex*.

Boa Schnürung
Boa-Schnürsysteme lassen sich auch mit Handschuhen einfach bedienen. Foto: Christian Schneeweiß
 

Passform und Größe von Winterwanderschuhen

Damit man im Schuh nicht rutscht, sollten Winterwanderschuhe vom Rist bis zur Ferse schmaler geschnitten sein. Am Vorfuß kann der Schuh weiter ausfallen – manchmal führt das bei Querungen im Schnee allerdings zu einem verminderten Seitenhalt. Durch den isolationsbedingt höheren Sohlenstand bei Winterwanderschuhen knickt man beim Abstieg leichter um. Diese Gefahr gleicht eine breitere Vordersohle aus.

Damit Winterwanderschuhe auch mit dicken Socken gut sitzen, sollten sie eine oder eine halbe Größe größer getragen werden. Generell sollten Winterwanderschuhe nicht zu eng sein oder gar das Blut abschnüren. Nur so kann eine optimale Isolation gewährleistet werden. Einen hohen Tragekomfort bietet der Banks Winter GTX von Hanwag*
 

Welcher Winterwanderschuh eignet sich für welchen Einsatz

Der perfekte Allrounder, der in tiefem Schnee und auf vereistem Rodelweg gleichermaßen hält, ist zwar noch nicht gefunden. Es gibt aber Fortschritte. Ein Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten:

Geräumte Hütten-Fahrwege stellen kaum Ansprüche an den Winterschuh. Vom klassischen Winterstiefel mit großem Fußvolumen und geringem Seitenhalt bis zum wasserdichten, mittelhohen Trekkingschuh mit isolierender Sohle geht hier alles.

Eingetretene Sommerwege erfordern Schuhe mit tiefem Schneeprofil und möglichst harter Sohle. Der Schuh sollte rundum isoliert und wasserdicht wie auch seitenstabil sein und zudem über einen hohen Schaft verfügen.

Der Einsatz mit Schneeschuhen belastet Winterwanderschuhe am stärksten. Neben Zehen und Fersenschutz sollten Vorfuß, Flanken und Rist der Schuhe abriebfest sein. Es empfehlen sich Schuhe mit harter Sohle und blockigem Schuhprofil und mit stabilem Seitenhalt des Schaftes, um Umknicken zu vermeiden.
 

3 Tipps zur Verwendung von Winterwanderschuhen

  • Um ein Eindringen von Schnee zwischen Hose und Schaft zu vermeiden, benötigt man vor allem beim Tiefschneeabstieg und bei Schlittenabfahren Gamaschen.
  • Winterstiefel sollten nach Gebrauch ohne Einlage trocknen (Schuhe aus Leder nicht an der Heizung), da sich die Isolation mit vom Schweiß herbeigeführter Feuchtigkeit vollsaugt.
  •  Leder wird wegen des Schneeabriebs mit der Zeit geschädigt und kann sich mit Feuchtigkeit vollsaugen. Dann ist eine Nachimprägnierung nötig. Auch Schuhe aus anderen Materialien (z.B. mit Gore-Tex-Membran) sollten regelmäßig nachimprägniert werden.
Wer den richtigen Winterwanderschuh gefunden hat, kann damit auch zu Schneeschuhtouren aufbrechen. Hier verraten wir, worauf man beim Kauf von Schneeschuhen achten sollte.

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Christian Schneeweiß, Red.
 
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