15 Trekking-Rucksäcke im Test | BERGSTEIGER Magazin
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15 Trekking-Rucksäcke im Test

Einen neuen Rucksack für mehrtägige Bergabenteuer zu kaufen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Größe, Modell und Ausstattung wollen gut überlegt sein. Unter der gigantischen Auswahl an Trekking-Rucksäcken hat der Outdoor Content Hub 15 Modelle in schweißtreibender Arbeit für uns getestet.
 
Wir haben 15 Trekking-Rucksäcke getestet. © Osprey
Wir haben 15 Trekking-Rucksäcke getestet.
Trekking ist mehr als nur Wandern abseits der Zivilisation. Egal ob in Nepal oder im Engadin, Trekking verbindet sportliche Betätigung mit herrlichen Naturerlebnissen. Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen zählt dabei der Rucksack. Für einige Tage in der Natur benötigen wir in der Regel zehn bis 15 Kilogramm Gepäck. Ein Volumen von etwa 50 Litern sollte also genügen, um Verpflegung, Bekleidung, Kocher, Schlafsack und eventuell Matte und Zelt einzupacken. Ein Trekking-Rucksack sollte daher den Spagat zwischen geringem Eigengewicht und einem komfortablen Tragesystem schaffen.

Diese 15 Modelle haben wir getestet

Arc’teryx Bora AR 50
Bach Journeyman 3
Bergans Rondane 46
Deuter Aircontact Lite 50+10
Exped Thunder 50
Gregory Zulu 55
Jack Wolfskin Highland Trail XT 50
Lowe Alpine Altus 52:57
Mammut Trion Spine 50
Montane Yupik 50
Osprey Kestrel 48
Salewa Alptrek 50+5
Tatonka Yukon 50+10
Thule Capstone 50
Vaude Zerum 58+ LW

Eine Ameise kann Lasten schleppen, die bis zu 40 Mal schwerer sind als sie selbst. Wir Menschen dagegen nehmen bereits einen leichten Tagesrucksack mit fünf Kilogramm Zuladung wahr. Mit zehn Kilogramm laufen selbst sportliche Menschen deutlich langsamer bergauf. Spätestens hier benötigen wir einen Rucksack mit einem guten Tragesystem. Beim Gehen rotieren Becken und Oberkörper meist in entgegengesetzter Richtung um eine vertikale Achse. Diese Bewegungsabfolgen entwickeln und perfektionieren wir von Kindesbeinen an. Der Rucksack schränkt den Bewegungsspielraum ein und beeinflusst das Gangmuster.



Oft führt das Tragen von schweren Lasten zu Problemen wie einer frühzeitigen Erschöpfung der Schulter-und Nackenmuskulatur bis hin zu temporären Lähmungserscheinungen in Armen und Händen. Grund für Letzteres ist der hohe Druck auf das Schultergewebe, durch den die Nährstoffversorgung der Muskeln und Nerven gestört wird. Abhilfe schafft der Hüftgurt. Basis hierfür ist ein steifer Rahmen, der einen Teil des Gewichts auf dem Becken abstützt und so Oberkörper wie Wirbelsäule entlastet.

Belüftung und Tragesystem

Die stärkste Luftzirkulation bieten Netzrücken-Konstruktionen. Sie bestehen aus einem leichten, mit einem Netz bespannten Rahmen. Beim Kontaktrücken-System dagegen liegt der Rucksack direkt am Rücken an. Die Belüftung wird durch Kanäle in der Rückenplatte gewährleistet. Das Material ist in der Regel schweißabsorbierend und schnell trocknend. Um das Tragen von Lasten zu erleichtern, setzen die Hersteller raffinierte Rückensysteme, ergonomisch geformte Polster und sogar bewegliche Scharniere ein, die die Biomechanik des Körpers unterstützen sollen.

Je grösser das Gewicht im Rucksack ist, desto dicker und breiter sollten die Polster und umso stabiler muss das Gestänge sein, damit die Last optimal zwischen Hüfte, Rücken und Schultern verteilt wird. Allerdings hängt der Tragekomfort auch maßgeblich von der individuellen Figur und Körperhaltung des Trägers ab. Das beste Tragesystem kann nur dann funktionieren, wenn der Rucksack wirklich passt.

Generalprobe: der Rucksackkauf

Wer sich seriös auf den Rucksackkauf vorbereiten möchte, sollte Maß nehmen. Legen Sie das Kinn auf die Brust und messen Sie den Abstand zwischen dem nun vorstehenden siebten Halswirbel bis zur oberen Kante der Hüfte. Grob lässt sich folgende Einteilung bei der Rückenlänge vornehmen: klein (S) etwa 40 bis 49 Zentimeter, mittel (M) 47 bis 52 Zentimeter, groß (L) 52 bis 58 Zentimeter und mehr.



Um einen Rucksack anzuprobieren befüllt man ihn mit etwa zehn Kilogramm Gewicht, lockert alle Gurte, setzt ihn auf den Rücken und schließt den Hüftgurt auf dem Hüftknochen. Nun zurrt man die Schulterträger unter den Armen zurecht und strafft die Lastenkontrollriemen an der Schulter. Beim Umhergehen achtet man darauf, dass die Schultergurte fünf bis zehn Zentimeter rückseitig aufliegen. Den Kopf sollte man noch in den Nacken legen können, dazu kann man auch das Deckelfach noch weiter nach hinten ziehen.

Die Ausstattung

Hier überbieten sich die Hersteller geradezu. Bei den üppig ausgestatteten Rucksäcken im Test zählten wir bis zu 32 Schnallen, Reißverschlüsse, Taschen und Verstellmöglichkeiten. Klar, auf Trekkingtour möchte man die Ausrüstung gut sortieren und benötigt dazu einige Fächer. Im Deckelfach und in den Taschen am Hüftgurt verschwinden Kleinigkeiten, die man ständig griffbereit haben möchte. Durch Riemen und Gummibänder lässt sich der Rucksack komprimieren. Alle zusätzlichen Fächer und Reißverschlüsse schlagen aber beim Gewicht zu Buche, ebenso wie robuste Materialien und dicke Polster. Die Gewichtsunterschiede der getesteten Rucksäcke sind daher enorm: Zwischen dem leichtesten und schwersten Rucksack im Test liegt ein ganzes Kilogramm!

Unser Fazit

Ein perfekter Trekking-Rucksack schafft den Spagat zwischen möglichst geringem Eigengewicht und komfortablem Tragesystem. Der Komfort des Tragesystems hängt nicht ausschließlich von der Dicke der Polsterung ab, sondern auch von den Materialien und den Formen. Stimmt der Schnitt, so können etwas dünnere und härtere Polsterungen genauso komfortabel sein wie dicke, weiche Polsterungen. Die Wahl des Rucksacks ist und bleibt eine sehr individuelle Angelegenheit.
 
Alexandra Schweikart
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2019. Jetzt abonnieren!
 
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