15 Isolationsjacken im Test | BERGSTEIGER Magazin
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15 Isolationsjacken im Test

Der Markt an neuen Isolationsjacken ist enorm: dick gefüttert oder kaum, gefüllt mit Kunstfaser, Daune, Wolle oder einem Materialmix, für Bergläufer und Weihnachtsmarktbesucher. Doch welche Jacke passt zu welchem Einsatz? Wir haben eine Vorauswahl getroffen und sie im Labor und draußen getestet.
 
Der Outdoor Content Hub hat 14 Isolationsjacken für uns getestet. © Vaude/Attenberger
Der Outdoor Content Hub hat 14 Isolationsjacken für uns getestet.
Ein typischer Herbsttag in Nordwales: Es ist kalt, es ist windig und es regnet. So geht das jetzt schon seit Tagen. Ich klettere eine Route auf der Passhöhe bei Llanberis, trotz der Temperatur von 12 Grad fühle ich mich im T-Shirt wohl. Die Kletterei ist schwierig und die Sicherungen müssen selbst gelegt werden, wie es in Großbritannien eben Tradition ist. Die exponierte Lage lässt mein Herz schneller schlagen, die Hände fangen an zu schwitzen.

Perspektivenwechsel: 25 Meter unterhalb steht mein Sicherungspartner im matschigen Moos. Er trägt eine der wärmsten Daunenjacken im Test. »Beeil dich mal da oben«, ruft er, »ich hab‘ schon kalte Füße.«

Die Szene zeigt: Verschieden intensive Aktivitäten erfordern unterschiedlich warme Bekleidung. Die Bekleidung ist Teil eines Systems, das man das drei-K-System nennt, bestehend aus Körper, Kleidung und Klima. Ob eine Jacke ihre Funktion erfüllt, hängt unter anderem davon ab, ob sie genügend Bewegungsfreiheit lässt. Oder ob sie es schafft, unsere Wärmebilanz an die äußeren Bedingungen anzupassen.

Eine dicke, warm gefütterte Jacke, bei der man vor lauter Flausch die eigenen Füße nicht mehr sehen kann, wäre in einer schweren Kletterroute ungeeignet. Sie erfüllte nicht ihre Tragefunktion. Aber genauso unangenehm wäre eine dünne, luftige Jacke auf dem Weihnachtsmarkt bei -10°C. Dieselbe Jacke kann wiederum perfekt sein für eine schweißtreibende Skitour im Wallis bei der gleichen Temperatur.

Diese 15 Modelle haben wir getestet

Adidas Terrex Climaheat Agravic Down Hooded Jacket
Arc'teryx Cerium SV Hoody
Blackyak Hybrid Jacket
Columbia Titanium Outdry EX Diamond Down Jacket
Fjällräven Keb Expedition Down Jacket
Haglöfs Essens Mimic Hoody
Mammut Nordwand HS Thermo Hooded Jacket
Marmot Featherless Hoody
Mountain Equipment Superflux Jacket
Ortovox Swiss Wool Leone Jacket
Outdoor Research Floodlight Down Jacket
Patagonia Hyper Puff Hoody
Rab Microlight Alpine Jacket
Valandré Immelman G2
Vaude Bormio Jacket

Richtig gedämmt

Zu dünne Kleidung bei niedrigen Temperaturen führt dazu, dass eine Art körpereigenes Thermostat anspringt, um Körpertemperatur konstant zu halten. Die Hautdurchblutung wird gedrosselt und die Muskeln zittern. Dieser Mechanismus kann sehr effektiv sein und eine Zeit lang sogar sehr große Temperaturabweichungen ausgleichen. Auf Dauer belastet dieses Regelungssystem jedoch den Organismus, führt zu Leistungsabfall und Ermüdung.

Wie funktioniert Isolation?

Spricht man im Zusammenhang mit Bekleidung von Isolation, geht es meist um Wärmeisolation oder Wärmedämmung, also die Fähigkeit eines Materials, Körperwärme nicht durchzulassen. Dazu muss man verstehen, wie uns die mühsam produzierte Körperwärme überhaupt abhandenkommt. Drei Mechanismen wirken hierbei zusammen:
  • Wärmeleitung: Moleküle bewegen sich, stoßen einander an und geben so die Wärme weiter wie umfallende Dominosteinchen (der Henkel des Topfs wird heiß). 
  • Wärmestrahlung: Der menschliche Körper gibt langwellige elektromagnetische Strahlung ab (ähnlich wie ein Heizkörper oder ein Lagerfeuer).
  • Konvektion: Strömungen in Gasen und Flüssigkeiten führen zum Wärmeverlust durch Abtransport. (Gasbläschen steigen im Wasser auf).

Viel heiße Luft

Wärmeisolation wird erreicht, indem diese drei Verlustwege so gut wie möglich blockiert werden. Materialien wie Daunen, die zwischen zwei Textilschichten gepackt werden, enthalten viel Luft. Luft wiederum ist ein schlechter Wärmeleiter und dadurch verbleibt die warme Luft am Körper. Dieses Prinzip kennt man von der Thermoskanne. Auch das viel beschworene «Zwiebelprinzip»,  also mehrere Kleidungsstücke übereinander zu tragen, funktioniert durch die Luft zwischen den Schichten.



Kunstfasern, die zur Wärmeisolation verwendet werden, sind oft innen hohl und mit Luft gefüllt. Wärmestrahlung kann verhindert werden, indem die Wärme zum Körper reflektiert wird. Man benutzt dazu Mikrofasern aus Kunststoff, sogenanntes Faservlies, in dem die Mikrofasern sehr dicht arrangiert sind. Je dicker und dichter ein Faservlies, desto weniger Wärme kommt durch. Luftzirkulation (Konvektion) wird ebenfalls durch das dichte Faservlies unterbunden.

Auf die Füllung kommt es an!

Die Natur macht’s vor: Ein Eisbär kann bei -40°C am Nordpol leben und selbst dort seine Körpertemperatur von 37°C konstant halten. Ihr Fell besteht aus luftgefüllten Hohlfasern, die wie winzige Thermoskannen dämmen; die Körperwärme verfängt sich zusätzlich zwischen den Härchen. Der Eisbärenpelz ist wasserabweisend imprägniert, die Haut ist schwarz und wird von der Sonne aufgewärmt. Soweit zum perfekten Vorbild. In der textilen Praxis stehen uns eine Vielzahl von Natur- und Kunstmaterialien zur Verfügung, um es der Natur gleichzutun: allen voran Daune, Wolle und Polyesterfasern. Sowohl Natur- als auch synthetische Materialien haben Vor-und Nachteile, so dass die Wahl der Isolierung für den jeweiligen Gebrauch einen entscheidenden Unterschied macht.

Federleicht und wollig warm 

Als Daune bezeichnet man das Gefieder, das sich unter den Außenfedern von Wasservögeln wie Enten und Gänsen befindet und aus flauschig-weichen, zarten Filamenten besteht. Daunen sehen aus wie kleine Pusteblumen; kugelförmig mit kleinen Ärmchen, die in alle Richtungen abstehen. Sie stoßen sich gegenseitig ab und nehmen dadurch viel Raum ein. Warme Luft wird dazwischen eingefangen und festgehalten. Die Qualität einer Daunenjackenfüllung wird bestimmt durch die Bauschkraft (engl. Fillpower), gemessen in cuin (cubic inches), sowie das Mischverhältnis von Daunen zu Federn in Gewichtsprozent (beispielsweise 90/10).

Zum Vergleich: Hat man zwei gleich dicke Jacken mit 600 cuin und 800 cuin, ist die Jacke mit 800 cuin leichter als die 600 cuin. 800 cuin Daunen sind größer als 600 cuin Daunen, es braucht daher weniger Material, um denselben Raum auszufüllen. 800 cuin Daunen haben aber nicht nur ein besseres Wärme-Gewichtsverhältnis. Sie sind auch seltener verfügbar, da sie von älteren Tieren stammen. Je kleiner die cuin-Zahl, desto weniger lange mussten die Tiere gehalten werden und umso geringer die Kosten der Daunen. Die Arc‘teryx Cerium SV hat mit 850 die höchste cuin-Zahl laut Angabe im Testfeld.



Daunenjacken lassen sich sehr klein komprimieren. Wegen ihrer locker-flockigen Natur muss die Daune jedoch etwas «eingesperrt» werden. Und zwar in einzelne Kammern, damit sich nicht nach einiger Zeit alle Daunen unten am Saum der Jacke sammeln. Werden die einzelnen Kammern beim Absteppen durchgesteppt, entstehen Kältebrücken zwischen den Kammern, an denen die Körperwärme durchgelassen wird. Der größte Nachteil der Daune ist ihre Tendenz, bei Nässe zu verklumpen. Dann wärmt sie nicht mehr und benötigen ziemlich lange, um komplett zu trocknen. Bei einigen Modellen im Test ist imprägnierte Daune verarbeitet. So zum Beispiel bei der Alpine Jacket von Rab, deren Daunen mit Nikwax imprägniert sind. Das zweite Naturprodukt im Testfeld ist Wolle. Die Wollisolierung ist nicht neu, erfährt seit einiger Zeit aber eine Renaissance. Im Testfeld besitzt die Ortovox Leone eine Isolationsschicht aus Schurwolle.  

Naturersatz aus dem Labor

Beim Thema Wasserresistenz punktet die Chemie: Kunstfasern nehmen wenig Wasser auf und die Isolationsschicht kollabiert nicht, daher wärmen Kunstfaserjacken selbst bei Nässe. Die Kunstfasern selbst können entweder als kürzere, sogenannte Stapelfasern kreuz und quer oder als endlos lange Filamente in einer Jacke verbaut werden.  Hier gilt: je kürzer eine Faser, desto beweglicher die Jacke und umso fluffiger die Isolationsschicht. Der Nachteil von kurzen Fasern ist, dass sie ähnlich wie Daunen verrutschen oder sich voneinander lösen können. Daher werden sie ebenfalls in Kammern gepackt. Auch einige der Kunstfaser-Jacken im Test benutzen diese Technik, wie zum Beispiel die Haglöfs Essens Mimic oder die Marmot Featherless. Bei der Vaude Bormio bildet ein Fleecegestrick die Isolationsschicht, das Wärme-Gewichtsverhältnis solcher Materialien ist jedoch eher gering.

Wärmt Daune nun besser als Kunstfaser?

Das Gewicht der Daunenjacken in unserem Test liegt zwischen 362 und 1305 Gramm, das der Kunstfaserjacken zwischen 412 und 751 Gramm (jeweils Männer, Medium). Allein das Gewicht sagt wenig aus, da eine dünne, kurz geschnittene Jacke natürlich weniger wiegt als eine dicke, lang geschnittene Jacke. Um hier Vergleichbarkeit zu schaffen, haben wir alle Jacken auf den einheitlichen Wärmeisolationswert von 0,3 m2K/W bei einem Quadratmeter normiert und so das Wärme-Gewichtsverhältnis pro Jacke berechnet.

Außer der Füllung schlägt hier auch die Ausstattung wie Reißverschlüsse und Taschen sowie das Außenmaterial der Jacken zu Buche: Für die Jacken im Test werden etwa 1,2 bis 1,6 Quadratmeter Oberstoff verwendet – ein federleichter Stoff spart hier ordentlich Gewicht. Das leichteste Material im Test (Pertex Quantum) wiegt gerademal 38 g/m2, das macht für eine Jacke (innen und außen) etwa 91,2 bis 121,6 Gramm. Bei den Fliegengewichten im Testfeld wie der Rab Alpine Jacket (405 g) und der Adidas Terrex Agravic (362 g) macht die Außenhaut immerhin ein Viertel des Gesamtgewichtes aus.

Beim Wärme-Gewichtsverhältnis belegen  Daunenjacken die ersten vier Plätzen, allen voran die Adidas Terrex Agravic und die Arc’teryx Cerium SV. Im Mittelfeld mischen aber durchaus auch Kunstfaserjacken mit wie die Patagonia Hyper Puff, Mountain Equipment Superflux und die Haglöfs Essens Mimic mit. Die wasserdichten Isolationsjacken haben allesamt schwerere Außenmaterialien mit Membranen, daher schneiden sie beim Wärme-Gewichtsverhältnis nicht so gut ab.

Unser Fazit

Die Qual der Wahl! Wasserdichte Ski Jacke, alltagstaugliches Wärmejackett, gefütterte Hardshell oder Expeditionsparka? Am vielseitigsten einsetzbar sind die dünnen und leichten Isolationsjacken. Diese können als Außenschicht oder unter einer Hardshell getragen werden. Benötigt man sie nicht, verschwinden sie aber auch superklein im Rucksack. Bei richtigem Sauwetter und im Schnee bleibt man mit den gefütterten Skijacken warm und trocken. Das Wärmeempfinden in eine der dicken Expeditionsjacken ist ein echtes Erlebnis, für viele Aktivitäten sind sie jedoch zu warm. Um in den Jacken (vor allem bei Daunen) nicht unnötig zu schwitzen, gilt die alte Faustregel auf Tour: leicht fröstelnd losgehen und in der Pause oder am Gipfel die Jacke anlegen!     
 
Alexandra Schweikart
 
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