Erste Hilfe am Berg Teil 8: Notruf, Notsignale, Heli-Einweisung etc. | BERGSTEIGER Magazin
Alpine Erste Hilfe

Erste Hilfe am Berg Teil 8: Notruf, Notsignale, Heli-Einweisung etc.

Bei Unfällen am Berg wird regelmäßig professionelle Hilfe gebraucht. Wir geben Tipps zum Absetzen des Notrufs sowie zum Einsatz von GPS und Notruf-Apps.
 
Die Y-Haltung zeigt dem Helikopterpiloten: ja, wir brauchen Hilfe. © Ortovox/Hansi Heckmair
Die Y-Haltung zeigt dem Helikopterpiloten: ja, wir brauchen Hilfe.
Sobald du dir in einer Notsituation nicht sicher bist, ob du  Hilfe brauchst, fordere sie an. Es gilt: lieber zu früh als zu spät.
 

  → Notruf absetzen  

112 ist der europaweite Notruf, der dich  in allen EU-Ländern, einigen Nachbarländern und sogar in den USA mit einer Rettungsorganisation verbindet. Du musst dir keine vier, fünf oder sieben »Ws« merken! Der Profi am anderen Ende der Leitung fragt dich alles, was die Retter wissen möchten. Wichtig ist, dass du möglichst genau beschreiben kannst, wo du bist und was passiert ist. Das Gespräch beendet die Leitstelle, warte daher, bis auf der anderen Seite aufgelegt wird. Halte die Leitung nach dem Gespräch für Rückrufe frei. Der Bergwachteinsatzleiter wird dich in der Regel zurückrufen, um mehr Detailinformationen zu erfragen. Musst du dringend telefonieren, nimm das Handy eines anderen Gruppenmitglieds.

Sei gut vorbereitet
  • Handy mit vollem Akku mitnehmen
  • Handy auf Flugmodus stellen, damit es in netzfreien Gebieten nicht unnötig viel Akkulaufzeit verliert
  • Bei Kälte Handy in Körpernähe tragen (aber nicht in der Nähe eines LVS-Geräts)
  • Hat dein Handy eine SOS- oder Notruffunktion? Mit dieser wird sofort die 112 gewählt und das Handy vom Flug-modus in den aktiven Modus geschaltet. Das geht auch ohne PIN, damit auch mit einem fremden Handy. Stell sicher, dass du weißt, wo diese bei deinem Handy ist!
  • Hast du ein Smartphone, lade dir eine Koordinatenbestimmungs-App aufs Handy. Es gibt unzählige kostenlose Varianten am Markt. Oder habe im Kopf, wie du die GPS-Koordinaten aus deinem Handy auslesen kannst.
  • Lade dir zusätzlich oder alternativ eine Notruf-App auf dein Smartphone.

Notfall-Apps
  • SOS Eu Alp verbindet dich in Südtirol, Tirol und Bayern mit der nächsten Leitstelle und leitet die GPS-Koordinaten per Datenverbindung weiter. Diese App zeigt dir auch deine Standortkoordinaten an. Sollte die Datenverbindung zu schwach sein, kannst du sie ablesen und telefonisch an die Leitstelle durchgeben.
  • In der Schweiz werden alpine Notfälle von der Rega abgewickelt. Sie hat mit REGA Notfall ihre eigene App, die genauso  funktioniert wie die App SOS EU Alp.  
  • Die ähnlich, aber weltweit funktionierende App Echo112 leitet die GPS-Koordinaten nicht direkt an die anrufende Leitstelle weiter, sondern auf einen Server. Über die App wird die landesübliche Notrufnummer gewählt (weltweit). Du sagst der Leitstelle, sie möge auf die Webseite www.echo112.com gehen und dort deine Handynummer eingeben. Deine GPS-Koordinaten und der Standort werden dem Leitstellenmitarbeiter auf dem Bildschirm angezeigt. Auch hierfür braucht es eine gute Datenverbindung.
  • What3Words funktioniert ebenfalls weltweit wie die Echo112-App, nur musst du den Notruf selber wählen.
Hinweis: Einige Rettungsorganisationen können dein Handy inzwischen über ein Smart Locating System (SLS) orten, sofern das Handynetz stark genug und dein Handy eingeschaltet ist.

Standortbestimmung des Unfallortes
Unabhängig von aller technischer Unterstützung (Smartphone, GPS-Gerät, SLS, etc.) solltest du immer in der Lage sein, deinen Standort so genau wie möglich zu bestimmen. Das Lesen einer topographischen Karte gehört zum Grundrüstzeug für Bergtouren. Dabei haben solltest du:
  • Topographische Karte am besten im Maßstab 1:25 000
  • Höhenmesser, der vor der Tour kalibriert wurde
Was tun, wenn du keinen Handyempfang hast?
  • Alpines Notsignal: 6 x pro Minute ein sichtbares oder hörbares Signal abgeben, eine Minute Pause und wiederholen, bis Antwort kommt
  • Antwort: 3 x pro Minute ein sichtbares oder hörbares Signal, eine Minute Pause, Wiederholung (das muss nicht das gleiche Signal sein wie das, welches du verwendet hast)
  • Eine oder besser zwei Personen gehen in Richtung Handyempfang – wichtig: Standortinformationen mitgeben nicht vergessen!
  • Zur nächsten Hütte, Berg- oder Talstation laufen und von dort alarmieren

 

  → Helikopter-Einweisung  

Vorab: Der Hubschrauber landet dort, wo der Pilot die Landung für möglich und sicher hält. Kann er nicht landen, werden Bergretter häufig über eine Winde oder ein Tau zur Unfallstelle abgelassen und auch so wieder abgeholt.
Du kannst die Hubschraubercrew unterstützen, indem
  • du das gesamte lose Material zusammenpackst, sodass nichts mehr umherfliegen kann.
  • du anzeigst, dass hier die Unfallstelle ist. Machst du mit deinem Körper ein »Y« für Yes, dann weiß die Mannschaft, dass hier die Unfallstelle ist. Machst du ein »N« für No, dann bedeutet das: Nein, wir sind keine Unfallstelle. Das hilft der Crew besonders in Gebieten, wo viele Wanderer unterwegs sind.
  • du dich auf eine möglichst flache Stelle stellst (25 x 25 m) und dich so drehst, dass der Wind dir in den Rücken weht, also von hinten kommt. Dazu kannst du etwa den Beutel vom Biwaksack als Fahne über dir hochhalten. Sie müsste nun in deine Blickrichtung wehen.
  • du stehen bleibst und bei Landeanflug auf ein Knie gehst, bis der Hubschrauber gelandet ist.
  • du dich nur auf Sichtkontakt und nur auf deutliche Handzeichen hin dem Hubschrauber von vorne näherst. Niemals von hinten! In der Regel kommt der Notarzt oder Bergretter zu dir.



Die Serie »Erste Hilfe am Berg« entsteht in Zusammenarbeit mit dem VDBS (Verband Deutscher Berg- und Skiführer) und der Firma Ortovox.

Ortovox bietet mit der Safety Academy kostenlose Online-Tutorials zu Sicherheitsthemen an und veranstaltet alpine Erste-Hilfe-Kurse mit der Autorin Daniela Hornsteiner an. Alle Termine gibt es hier.

Artikel aus Ausgabe 1/20. Hier geht es zurück zu Teil 7 der Serie und weiter zu Teil 9.
Daniela Hornsteiner