And the Oscar goes to... »Free Solo« | BERGSTEIGER Magazin
Alex Honnold im Interview

And the Oscar goes to... »Free Solo«

Für die Kletterszene gab es in der Nacht auf Montag, den 25. Februar, einen besonderen Anlass zu feiern. Alex Honnold gewann zusammen mit seiner Filmcrew den Oscar für den Dokumentarfilm »Free Solo«. Wir konnten kurz vor der Oscar-Verleihung mit dem bescheidenen Star über seine ungesicherte Begehung der Route »Freerider« am El Capitan sprechen.
 
 
Von links: Evan Hayes, Alex Honnold, Sanni McCandless, Elisabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin, Shannon Dil bei der Oscar-Verleihung © Richard Shotwell/Invision AP
Von links: Evan Hayes, Alex Honnold, Sanni McCandless, Elisabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin und Shannon Dil bei der Oscar-Verleihung

BERGSTEIGER: Alex, wie viel Druck war es, mit Freunden als Filmcrew zu arbeiten?
 
ALEX HONNOLD: Gar kein Druck. Ich glaube die Crew hat eindrucksvolle Arbeit geleistet, um meinen Druck zu reduzieren. Sie waren einfach immer da, um meinen Fortschritt zu dokumentieren und haben wirklich versucht ihn in keinster Weise zu beeinflussen. Natürlich ist da ein bisschen mehr Druck, wenn mehr Leute zuschauen, aber es war alles in allem ein gesundes Maß. In irgendeiner Weise wollte ich auch ein bisschen mehr Druck, weil ich das letzte Quäntchen Mut und Motivation gebraucht habe, um diesen ewigen Traum zu verwirklichen. Ich brauchte einen Grund um loszulegen.
 
Wie hat dieser Aufstieg Ihr Leben verändert?
 
Das Einzige, was ich dazu sicher sagen kann, ist, dass es einige Zeit brauchen wird, um das alles zu verdauen. Ich glaube diese Herausforderung hat mir bisher immer so viel Inspiration und Motivation gegeben. Es gab immer etwas, für das ich trainieren konnte, und das ist sehr wichtig für mich. Aber auf eine gewisse Art und Weise hatte der Film einen viel größeren Einfluss auf mich, weil ich jetzt einfach so viel Zeit darauf verwende Interviews zu geben und auch darüber zu reden, was ich getan habe, was mir gleichzeitig auch Anstoß gibt darüber nachzudenken. Aber auch zu überlegen, wo ich hin will im Leben, was ich mit meinen Beziehungen zu Freunden, Familie und meiner Freundin will, was wirklich wichtig ist im Leben. Und gerade darüber zu reden, wird vermutlich einen nachhaltigeren Effekt auf mich haben.
 
Das Free Solo am El Capitan ist der Höhepunkt Ihres Erfolgs. Wie schafft man es, sich für so ein beängstigendes und unkalkulierbares Projekt zu motivieren?
 
Ich weiß nicht genau. Viele Jahre lang war es einfach nur ein unterbewusster Traum. Erst in den letzten zwei Jahren war mir klar, dass ich das schaffen kann. Ich glaube die Motivation war stets das Free Solo der Freerider-Route an sich selbst. Es ist so eine grandiose, unvergleichliche Route. Es fällt mir schwer, zu beschreiben, wie sehr El Cap die Fantasie der Kletterszene beflügelt. Es ist eine unübersehbare Herausforderung.
 
Haben Sie Zweifel gespürt während des Kletterns?
 
Nicht während des Kletterns. Aber wegen des Rückziehers beim ersten Versuch, den man auch im Film sieht, bin ich schon durch alle Phasen des Zweifelns gegangen. Und das ist auch der Grund meines Fehlversuches. Ich war mir nicht sicher, ob ich es schaffen würde. Ich war nicht bereit. Aber mit dem Extratraining und einem völlig geheiltem Sprunggelenk hat es sich dann einfach großartig angefühlt.
 
Haben Sie während der Vorbereitungsphase an den Tod gedacht?
 
Ja, natürlich. Während man trainiert, denkt man definitiv daran, was passieren würde, wenn man fällt oder abrutscht an bestimmten Stellen. Ich glaube, das ist definitiv ein Teil des Ganzen. Aber gleichzeitig habe ich auch daran gedacht, wie einmalig es wäre, auf diesem Weg zum Gipfel zu kommen, und wie zufrieden ich sein würde.
 
Wie konnten Sie sich an diesem Tag entscheiden, den Einstieg zu wagen und der Filmcrew das »GO« zu geben?
 
Es war nicht wirklich so, dass ich den Tag ausgewählt habe. Ich habe die ganze Saison darauf hingearbeitet und der Tag kam einfach. Es war nicht so, als ob ich mich besonders fit gefühlt hätte. Es war mehr so, dass alle Vorbereitungen und Übungen zu diesem Tag hingeführt haben und dann war es einfach an der Zeit, die Route in Angriff zu nehmen und sie durchzuziehen.
 
Hatten Sie kritische Momente während des Aufstiegs?
 
Nicht wirklich. Ich hatte die wichtigsten Momente während der Jahre des Trainings. Der tatsächliche Aufstieg war ziemlich undramatisch, weil ich ihn einfach ausführte und alles reibungslos funktionierte und sich unbeschreiblich gut anfühlte. Ich wollte dieses Free Solo nicht nur gerade so schaffen und knapp überleben. Ich wollte einfach Spaß dabei haben.
 
Was war der erste Gedanke, als Sie oben auf dem Gipfel standen?
 
Wow, das ist schon schwierig in Worte zu fassen. Befriedigung, Freude? Die letzten 100 Meter der Route werden zunehmend leichter, besonders die letzten 30 Meter. Also habe ich innerlich schon ein bisschen für mich alleine gefeiert. Und als ich dann tatsächlich oben war, waren es tiefe Zufriedenheit und Freude und ein bisschen von allem eigentlich. Es war schon sehr bewegend. Und dann mit der Filmcrew, meinen Freunden, zu feiern war großartig.
 
Glauben Sie, es ist sehr wichtig selbstbewusst zu sein, um Free Solo zu klettern?
 
Ich glaube, es ist wichtig zuversichtlich zu sein, aber es viel wichtiger für diese Zuversicht eine feste und realistische Begründung zu haben. Ich glaube, das Wichtigste daran ist eine realistische Eischätzung seiner Fähigkeiten zu haben. Zu wissen, was kann ich und was kann ich nicht. Selbstbewusst zu sein, ist überhaupt nicht gut, wenn man es nicht kann.
 
Für wen ist Free Solo gemacht? Wer ist für Free-Solo-Klettern gemacht?
 
Der Wille daran zu arbeiten, ist das Wichtigste des ganzen Prozesses. Bei mir war es vor allem die Leidenschaft zum Klettern. Ich glaube für mich war es nur möglich so viel Zeit und Bemühungen hineinzugeben, weil ich diese Position oben an der Wand so liebe. Ich liebe einfach alles daran und das macht es für mich so einfach, die nötige Zeit lang zu trainieren.
 
Glauben Sie, dass Free Solo der intensivste Weg ist zu leben?
 
Nein. Für mich ist es das, was ich am beeindruckendsten finde und wo meine Leidenschaft liegt. Aber ich glaube, dass jeder seinem eigenen Leben mit so viel Intention und Leidenschaft begegnen kann. Free Solo ist das, wie ich meine Inspiration finde, aber es ist nicht grundsätzlich der Weg, wie man leben sollte.
 
 
Das komplette Interview mit Alex Honnold lesen Sie in der Mai-Ausgabe des Bergsteiger!
 
Interview: Lena Rupprecht
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