Wandern mit Seeblick im Tessin: Drei Tage Lugano Trekking

Wandern mit Seeblick im Tessin: Drei Tage Lugano Trekking

Das Lugano Trekking ist drei Tage Wandern auf hohem Niveau: Bei der Panoramarunde hat man immer wieder exzellente Blicke auf den Luganer See und wird in den Hütten kulinarisch verwöhnt.
 
 
Monte Bar © Ticino Turismo/Remy Steinegger
Lugano Trekking: Dreitägige Panoramatour im Tessin
Aufgereiht wie eine Perlenkette. Klingt wie ein Klischee. Doch genau dieses Bild hat vor Augen, wer am Abend von der Capanna Monte Bar ins Tal blickt. Da liegt tiefschwarz der Luganer See und um ihn herum die Lichter der Stadt, aufgereiht eben wie eine Perlenkette. Hüttenwirt Serge Santese kennt den verklärten Blick seiner Gäste auf die nächtliche Szenerie.

„Wir sind hier oben über den Dingen“, sagt er und stellt noch ein Glas Merlot aus Capriasca, dem Weinbaugebiet einige hundert Meter unterhalb der Hütte, auf den Holztisch. „Über den Dingen sein“, davon träumen in Covid-Zeiten offensichtlich viele Menschen.

Trotz der schlechten Wettervorhersage ist die Hütte gut gefüllt, die Hälfte Biker, die anderen zu Fuß. „Die Luganer kommen oft für ein schnelles Mittagessen hoch. Oder morgens zum Frühstück und fahren dann direkt in die Arbeit“, erzählt Serge. Der kürzeste Anstieg führt mit „nur“ 600 Höhenmetern von Corticiasca hinauf.

Monte Bar
Grandioser Ausblick von der Capanna Monte Bar auf den Luganer See. Foto: Switzerland Tourism
 

Vom Glücklich- und Anderssein

Auf 1600 Metern thront die Capanna Monte Bar als moderner Würfel aus Lärchenholz und Beton – und aus viel Glas, eben für die bezaubernden Blicke über die Hügellandschaft, zu den höheren Gipfeln und natürlich zum See. 2016 wurde der Neubau der SAC-Hütte eingeweiht, nachdem das alte Gebäude sicherheitstechnische Probleme hatte.

Die Konzeption des Gebäudes stammt vom jungen Architektenduo Oliviero Piffaretti und Carlo Romano aus Mendrisio. Der Bau ist ein Symbol des Zusammenseins, ein Ort der Begegnung. Von außen erinnert die Capanna Monte Bar an eine Laterne und wird so zu einem Orientierungspunkt in der Landschaft.

Eine ungewöhnliche Hütte mit einem ungewöhnlichen Pächter. Serge ist bekannt wie ein bunter Hund in Lugano. Allerdings weniger als Alpinist, sondern als erfolgreicher Geschäftsmann und Club-Betreiber. Das Nachtleben war sein Metier. Nun ist um 22 Uhr Hüttenruhe. Ein Kontrastprogramm, das Serge offensichtlich guttut.

„Das hier oben, das ist mein neues Leben“, sagt er und lächelt. „Die Bedingungen zum Glücklichsein hier sind ziemlich gut.“ Auch Koch Simon, der heute Wildschwein aus den benachbarten Wäldern serviert, hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf.

Im normalen Leben ist er Food and Beverage-Chef einer Kreuzfahrtgesellschaft. Jetzt gerade nimmt er eine „Covid-Auszeit“ und genießt das Leben. Berge statt Meer. 42 Übernachtungsgäste bei Maximalauslastung statt 6000 auf einem Schiff. Auf der Monte Bar ist offensichtlich nicht nur die Architektur ungewöhnlich ...

Capanna Monte Bar
Monte Bar-Hüttenwirt Serge Santese (li.) mit Team und Hund. Foto: Michael Ruhland
 

Tessiner Ursprünglichkeit

Die Hütte ist Zielpunkt der zweiten Etappe auf dem Lugano Trekking. „Ich glaube, die Tour ist noch wenig bekannt“, sagt Serge. Kaum zu glauben, ist es doch eine perfekt modellierte Dreiviertel-Runde im Luganer Hinterland.

Abwechslungsreich mit schönen Pfaden, die immer wieder durch lichte Birkenwälder führen, vorbei an alten Rustici, den typischen Steinhäusern der Region. Einige zerfallen, die Dächer von Baumstämmen zerschlagen, die Fenster vom Efeu durchwuchert. Andere frisch herausgeputzt.

Es geht vorbei an Höfen mit bellenden Hütehunden und gastfreundlichen Bauern, die Ziegenkäse „to go“ anbieten. Der Weg führt über Hochebenen und durch Moore.

Auch wenn das dreitägige Lugano Trekking in beide Richtungen begehbar ist, starten die meisten im Dorf Bré. Das antike Dorf mit dem uralten Kopfsteinpflaster hat sich seinen ländlichen Charme erhalten. Für den ersten Tag lohnt es sich, Extra-Zeit zum Schauen einzuplanen.

Und zwar nicht nur für den phänomenalen Blick vom Monte Boglia (1516 m), über dessen Kamm die Grenze zwischen dem Schweizer Tessin und der italienischen Provinz Como verläuft, sondern auch für das Beobachten der zahlreichen Kletterer an den Denti della Vecchia, den „Zähnen der Alten“, wie das hübsche Klettergebiet heißt.

Bre Paese
Das malerische Dörfchen Bré, beliebter Startpunkt fürs Lugano Trekking. Foto: Lugano Region

Wenn der Nacken dann vom Bewundern schmerzt oder man in Gedanken schon die eigenen Hände an den Dolomitenfels gelegt hat, geht es durch einen schönen Bergkieferwald zur Capanna Pairolo. Bei Wirtin Christine verbringen Lugano-Trekker die erste Nacht. Von der Terrasse reicht der Blick bei klarer Sicht bis zum Monte Rosa Massiv, mit etwas Glück kann man sogar das Matterhorn ausmachen.

Ganz so hoch hinaus geht’s nicht an Tag zwei, aber immerhin auf den höchsten Gipfel der Region, den Gazzirola (2096 m). Durch Kalkfelsen führt der Weg hinauf, am Passo San Lucio bewegen sich Wanderer auf den alten Pfaden der Schmuggler, die einst ihre Waren zwischen Italien und der Schweiz hin und her schafften.

Wer hier heute unterwegs ist, kann ganz entspannt ohne Sorge vor Verfolgern in der San Lucio Hütte einkehren und sich für den Gipfelanstieg stärken. Der Weg hinauf zieht sich, doch oben wartet dann wieder ein „Schauen und Staunen“-Panorama mit Blick auf gleich drei Seen: Lago Maggiore, Lago di Como und Lago di Lugano.

Nach der Übernachtung auf der Capanna Monte Bar bleibt’s auch am dritten Tag des Lugano Trekking abwechslungsreich. Es geht ein letztes Mal hinauf – auf den kahlen Gipfel des Monte Bar. Über weite Weiden der umliegenden Almen führt der Weg durch Birkenwälder zum Monti di Bigorio und schließlich über das Kloster Bigorio hinab nach Tesserete. Von hier ist es nur eine kurze Busfahrt zur Perlenkette nach Lugano, wo der See und ein kühler Sprizz schon warten.

Wandern


Die Tour im Detail

Charakter: Mittelschwierige Bergwanderung ohne technische Herausforderungen, Kondition sollte vorhanden sein. Die Tour kann in beide Richtungen gelaufen werden. Eine Übernachtung in der Monte Bar ist aber Pflicht!
Ausgangs- und Endpunkt: Brè oder Tesserete, beides mit dem Bus von Lugano gut angeschlossen
Länge: ca. 42 km, 3 Tage
 

Etappe 1

mittelschwierig / 4:30 Stunden / 9,5 Kilometer / 1160 Hm auf / 597 Hm ab
Route: Brè (788 m)– Monte Boglia (1516 m) – Alpe Bolla (1198 m) – Denti della Vecchia (1400 m) – Capanna Pairolo (1349 m)
 

Etappe 2

mittelschwierig / 6:30 Stunden / 17,5 Kilometer / 1362 Hm auf / 1103 Hm ab,
Route: Capanna Pairolo (1349 m) – Cima di Fojorina (1805 m) – San Lucio (1546 m) – Gazzirola (2096 m) – Capanna Monte Bar (1607 m)
 

Etappe 3

mittelschwierig / 5:30 Stunden / 15 Kilometer / 588 Hm auf / 1680 Hm ab
Route: Capanna Monte Bar (1607 m) – Monte Bar (1817 m) – Gola di Lago (972 m) – Monte Bigorio (1147 m) – Tesserete (514 m)


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von Nina Ruhland