Mit dem Bus zum Wandern: Tolle Touren im Karwendel

Mit dem Bus zum Wandern: Tolle Touren im Karwendel

Der "Bergsteigerbus in die Eng" ist ein Klassiker. Schon lange bringt die Linie 9569 Wanderer und Bergsteiger von Lenggries direkt ins Herzen des Karwendels. Dank verbessertem Fahrplan sind ab 2020 noch mehr Touren links und rechts des Rißbachs möglich.
 
 
Gamsjoch © Michael Pröttel
Diese Karwendel-Touren sind alle mit dem Bus erreichbar.
Zu Beginn des Millenniums erlangten sie fast Kultstatus: die Fahrrad-Demos der Karwendel-Schutz-Initiative "Jetz werds Eng". Bis zu 200 Umweltschützer strampelten damals ins Karwendel und sensibilisierten Autofahrer dafür, lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Schließlich gefährden die Abgase der Autos genau jenes Naturwunder weswegen die meisten Ausflügler dorthin reisen: die uralten Bäume des Großen Ahornbodens.

Die seit den 1960er-Jahren bestehende und in den 1990er-Jahren eingestellte Buslinie in die Eng war gerade 2001 wiederbelebt worden. Und auch wenn der Betrieb des Bergsteigerbus von allen Seiten Lob erhielt, wurde bald bemängelt, dass dessen Taktung für große Tagestouren nicht ausreiche.

Spätestens ab diesem Jahr kann diese Kritik nicht mehr gelten. Denn der neue Fahrplan, den der Bundesverband des DAV und die Sektion München-Oberland mitfinanziert haben, ermöglicht an Wochenenden und Feiertagen ganze zehn Stunden Bergzeit – und damit noch mehr Tourenmöglichkeiten als früher.

Insgesamt zwölf Bushaltestellen bieten zwischen Vorderriß und der Eng eine große Gipfel-Auswahl  im Vorkarwendel und in Richtung Karwendel-Hauptkamm. Wir stellen Ihnen drei der schönsten Ziele des Bergsteigerbus vor.
 

Bergsteigerbus in die Eng

Der Bergsteigerbus in die Eng verkehrt täglich vom 30. Mai bis 11. Oktober 2020. Das Angebot wurde an Wochenenden und Feiertagen stark erweitert. So erreicht man in diesem Jahr mit dem ersten Bus bereits um 8:20 Uhr die Eng, von wo der letzte Bus dann um 18:32 Uhr zurück Richtung Bahnhof Lenggries fährt. Dieser Fahrplan ist auch für 2021 und 2022 bereits gesichert.
  • Fahrplan unter www.rvo-bus.de à Linie 9569
  • Hinweis: Das Bayern-Ticket der Deutschen Bahn gilt im Bus nur bis zur Haltestelle Oswaldhütte. Ab dort braucht man ein Anschlussticket. Andere Tarifangebote der BOB gelten im Bergsteigerbus nicht.

 Bergsteigerbus
Der Bergsteigerbus verkehrt täglich von Mai bis Oktober. Foto: DAV/Hipp


Der Klassiker: Beste Aussichten vom Schafreuter

Wer über den wunderbaren, breiten Gipfelrücken dem Gipfelkreuz entgegensteigt, kann sich kaum vorstellen, dass der Sage nach hier einst ein übler Räuberhauptmann einen armen Mönch im wilden Ritt zu Tode schleifen wollte. Was ihm zum Glück aber nicht gelang. Während der Geistliche in einer Höhle Schutz fand, kam der Übeltäter in Blitz und Donner um.

Gutes Bergwetter mit schöner Fernsicht sollte am Schafreuter (die Bezeichnung Schafreiter ist ebenfalls gebräuchlich) aber nicht nur wegen der exponierten Lage unbedingt herrschen. Denn sowohl die Aussicht in Richtung Herzogstand, Walchensee und bis ins Alpenvorland als auch zum Karwendel-Hauptkamm ist wirklich großartig.

Wegen seiner Beliebtheit besucht man den Schafreuter, den man zu Beginn am besten nicht über die breite Almstraße der Moosenalm, sondern über den alten Steig angeht, wenn möglich nicht an Wochenenden.

Das ist auch mit dem Bergsteigerbus in die Eng gut möglich: Werktags hält der erste Bus um 10:45 Uhr an der Oswaldhütte. Der letzte Bus fährt dann gut sechs Stunden später um 16:59 Uhr von der Haltestelle »Tölzer Hütte« wieder zurück zum Bahnhof Lenggries.

Die Rundtour mit Abstieg über die Tölzer Hütte ist auch deshalb sehr lohnend weil man einem zauberhaften Geländeabsatz vorbei kommt. Unbekannte Landart-Künstler haben den Platz mit unzähligen Steinmännern verziert. Aber Vorsicht: Da die Tölzer Hütte im Sommer 2020 generalsaniert wird, muss man seine Brotzeit heuer selbst mitnehmen.
 

Schafreuter (2102 m)

Mittelschwierige Bergtour | auf 1250 m, ab 1300 Hm | 12 Km | 5 Std.
Charakter: Wunderschöne Rundtour, die über Waldhänge und einen sehr aussichtsreichen Rücken führt. Am Gipfel und beim Abstieg zur Tölzer Hütte ist gute Trittsicherheit erforderlich.
Ausgangspunkt: Bushaltestelle Oswaldhütte (850 m)
Endpunkt: Bushaltestelle Tölzer Hütte (900 m)
Route: Bushaltestelle – Oswaldhütte – Moosenalm – Schafreiter – Tölzer Hütte – Bushaltestelle Tölzer Hütte

Schafreuter
Tolle Fernsicht am Weg zum Schafreuter. Foto: Michael Pröttel
 

Der Anspruchsvolle: Handanlegen an der Bettlerkarspitze

Da Schwierigkeiten bis zum II. Grad und etwas brüchiges Gestein nicht jedermanns Sache sind, ist die Bettlerkarspitze auch an Wochenenden nicht überlaufen. Und das ist gut so. Denn wegen ihrer Länge muss man die Tour an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag unternehmen.

An diesen Tagen erreicht der erste Bus die Haltstelle Haglhütte schon um 8:11 Uhr und der Letzte fährt erst um 18:42 Uhr wieder zurück. In den dazwischenliegenden Stunden hat man somit genügend Zeit für einen konzentrierten An- und Abstieg.

Vor der Schlüsselstelle, einer etwa fünf Meter hohen Steilstufe, müssen erfahrene Bergsteiger keine Angst haben. Sie ist mit einem dicken Fixseil gut gesichert, an dessen Knoten man beherzt zupacken kann.

Als leichtere Alternative bietet aber auch schon der 2075 Meter hohe Vorgipfel der Bettlerkarspitze tolle Tiefblicke ins Rißbachtal. Vom zeitlichen Spielraum her kann man zudem noch an der Plumsjochhütte auf den Gipfelerfolg anstoßen. Dass die altehrwürdige Bergsteigerunterkunft ein uriges Außenklo besitzt, versteht sich bei ihrem Namen fast von selbst.
 

Bettlerkarspitze (2268 m)

Anspruchsvolle Bergtour | auf/ab 1200 Hm | 10 Km | 7 Std.
Charakter: Für den Gipfelanstieg braucht man sehr gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Es sind Schwierigkeiten bis II UIAA zu meistern. Zudem ist das Gestein nicht selten brüchig.
Ausgangs- und Endpunkt: Bushaltestelle Haglhütte (1070 m)
Route: Bushaltestelle Haglhütte – Plumsjochhütte– Bettlerkarspitze – Plumsjochhütte –  Bushaltestelle Haglhütte

Bettlerkarspitze
Auch an Wochenenden ist die Bettlerkarspitze nicht überlaufen. Foto: Michael Pröttel
 

Der Aussichtsreiche:Traumrunde am Gamsjoch

Als mächtiger Bergklotz ragt das Gamsjoch hoch über dem Großen Ahornboden in den Tiroler Himmel. Man muss den Kopf ganz schön weit in den Nacken legen, um vom Ausgangspunkt aus das Gipfelkreuz zu sehen. Das sollen »nur« 1250 Höhenmeter sein? Versprochen, sind es.

Auf dem Weg dorthin verabschiedet man sich schnell vom Ausflugsrummel. Denn noch vor der Eng Alm zweigt man auf schmalem Pfad zum Enger Grundbach ab, über den ein durchaus anstrengender Anstieg zum breiten Gumpenkar hinaufführt.

Hat man das Gumpenjoch erreicht, kommt man aus dem Schauen gar nicht mehr heraus. Schon auf dem Weg zum Gipfel bieten sich schwindelerregende Tiefblicke in die Eng. Von ganz oben hat man dann eine grandiose Aussicht auf die riesigen Nordwände des Karwendel-Hauptkamms.

Nicht nur, weil der Abstieg über den Enger Grundbach alles andere als kniefreundlich wäre, sollte man im Gumpnekar geradeaus gehen. Denn die lange Querung an den freien Südosthängen der Gumpenspitze ist ein landschaftlich äußerst lohnender Umweg.

Auch der abschließende Rückweg vom Hohljoch in die Eng ist mit seinem lichten Bergwald sehr reizvoll. Bergeinsamkeit darf man sich dann auf der letzten Etappe allerdings nicht erhoffen. Mit 600 zu bewältigenden Höhenmetern ist das Hohljoch als Wanderziel auch bei Turnschuh-Bergsteigern beliebt.
 

Gamsjoch (2452 m)

Mittelschwierige Bergtour | auf/ab 1250 Hm | 12 Km | 6 ½ Std.
Charakter: Zu Beginn ist gutes Orientierungsvermögen und beim Anstieg zum Gumpenkar gute Trittsicherheit erforderlich. Der anschließende Gipfelanstieg belohnt mit großartigen Aussichten.
Ausgangs- und Endpunkt: Bushaltestelle Eng (1200 m)
Gehzeiten: Bushaltestelle Eng – Gumpen Joch – Gamsjoch – Gumpenjoch – Hohljoch – Bushaltestelle Eng
 
Gamsjoch
1250 Höhenmeter sind vom Ausgangspunkt bis zum Gipfel des Gamsjoch zu bewältigen. Foto: Michael Pröttel
Michael Pröttel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2020. Jetzt abonnieren!