5 mystische Herbstwanderungen in den Bayerischen Bergen

5 mystische Herbstwanderungen in den Bayerischen Bergen

Wenn die Wandersaison dem Ende entgegen geht, trumpft die Natur noch einmal richtig auf. Bunte Wälder und sonnige Südanstiege erwarten Sie auf diesen fünf Touren!
 
Grünten im Nebel © Adobe Stock/m_haberstock
5 mystische Herbstwanderungen in Bayerns Bergen
Der Herbst hat sich seit jeher einen Namen als "schönste Jahreszeit zum Wandern" gemacht. In kaum einer anderen Zeit lassen sich Farben und Licht intensiver erleben, als an klaren Herbsttagen. Wenn frühmorgens die Bodennebel wabern, die Sonne die nachtkühle Luft langsam erwärmt und buntes Blattwerk wie in Zeitlupe von den Baumwipfeln gen Boden segelt – dann wartet wahres Wanderglück. Besonders intensiv lässt sich der Herbst auf diesen fünf Touren in den Bayerischen Bergen erleben.
 

1. Grünten - Der "Wachtposten" im Allgäu

Gefühlt führen alle Wege auf den "Wächter des Allgäus", wie der Grünten genannt wird. Aus sämtlichen Himmelsrichtungen geht’s auf den 1738 Meter hohen Aussichtsberg, was an schönen Sommertagen Gedränge und geteilte Gipfelfreude zur Folge hat.

Doch im Spätherbst, wenn die Allgäuer Milchkühe wieder im Stall das Heu des Sommers knabbern und eine Inversionswetterlage das Tal in Wolkenwatte hüllt, wird es auch hier ruhiger. Wer dann früh morgens über die Schwandalpe zum Gipfel aufsteigt, ist mit etwas Glück allein.

Von dort geht es am Sendemast und Jägerdenkmal vorbei zur Einkehr ins Grüntenhaus (bis Mitte November täglich geöffnet) und hinab nach Burgberg. Ein besonderes Schmankerl ist der Weg von Winkel aus durch die Starzlachklamm.

Hier hat sich der Fluss über Jahrtausende hinweg seinen Weg durch die Felsen gebahnt. Besucher steigen entlang der Starzlach über Gestein und Stufen hinauf und vorbei an versteinerten Krabben und Muscheln.
 
Region: Allgäuer Alpen
Schwierigkeit: mittel
Dauer: 6-7 Std.
Höhendifferenz: 980 Hm
Distanz: 12 km
Charakter: Ein Schmankerl auf der großen Rundtour zum »Wächter des Allgäus« ist der Weg durch die wilde Starzlachklamm.
Ausgangs- und Endpunkt: Parkplatz Winkel
Route: Winkel – durch die Starzlachklamm – Grünten – Grüntenhaus – Burgberg – Winkel
 
Grünten
Vom Gebirgsjägerdenkmal am Grünten bieten sich beste Aussichten. Foto: Adobe Stock/Adrian72
 

2. Himmlische Runde zur Notkarspitze

"Dem Himmel so nah", lautet der findige Slogan der Ettaler Klosterbrauerei. Ohne weiteres lässt sich dieses Motto aber auch auf die Herbsttour zur Notkarspitze (1988 m) beziehen, die sich direkt gegenüber der altehrwürdigen Benediktinerabtei ins weiß-blaue Firmament erhebt.

Die Höhe ist natürlich nicht das entscheidende Kriterium für diesen Gipfel – da gibt es einige, die deutlich näher an den Himmel herankommen. Die "Not" überzeugt mit ihrer unschlagbaren Mischung aus Bergerlebnissen – gerade im Herbst!

Vom Ettaler Sattel geht es erst flach Richtung Gießenbachtal (das im Sommer unbedingt einen Besuch wert ist!), dann durch zauberhaften Herbstwald zu den Zwischenzielen Ochsensitz und Zieglspitz.

Auf dem Grat zum Gipfel sind es dann die Ausblicke auf Ammergauer, Estergebirge und Wetterstein, die begeistern. Der Abstieg erfolgt durch ein Kar mit extrem hoher Gämsen-Garantie und über einen steilen Serpentinen-Pfad, ehe unten der verdiente Lohn schon wartet.
 
Region: Ammergauer Alpen
Schwierigkeit: mittel
Dauer: 5 Std.
Höhendifferenz: 1100 Hm
Distanz: 11km
Charakter: Mittelschwierige Rundtour mit herrlichen Ausblicken. Der steile Abstieg erfordert etwas Trittsicherheit.
Ausgangs- und Endpunkt: Ettaler Sattel
Route: Ettaler Sattel (880 m) – Ochsensitz – Ziegelspitz – Gipfel Notkarspitze – Ettaler Mühle – Ettaler Sattel

Notkarspitze
Hoch über Ettal wandert man am Weg zur Notkarspitze. Foto: Adobe Stock/topics
 

3. Karwendel-Romantik auf der Mondscheinspitze

Um bei Mondschein am Gipfel zu sitzen, ist der Herbst eindeutig die falsche Jahreszeit. Doch ohnehin ist es mit der Namensherkunft mal wieder ganz anders, als sich das der romantisch veranlagte Wanderer ausmalt.

Nicht von "Mondschein" kommt der Name des 2106 Meter hohen Berges, sondern von "Monitciono" – "kleiner Berg". Mit diesem Wissen im Gepäck, sollte auch niemand mehr enttäuscht sein, wenn er auf den Wegweisern ganz unromantisch "Montscheinspitze" mit "t" liest.

Wer erst im Herbst hier hoch kommt, hat also noch nichts verpasst, ganz im Gegenteil. Schon die Anfahrt via Achensee, Pertisau und zuletzt durchs von leuchtenden Bäumen gesäumte Gerntal macht deutlich, dass jetzt die schönste Zeit für diese Tour ist.

Nass und feucht sollte es freilich nicht sein, denn der Anstieg ist mitunter steil, die Wege ausgesetzt, und teilweise muss man auch die Hände zur Hilfe nehmen. Lohn der Mühen ist ein fantastischer Blick aufs Karwendel und den Achensee. 
 
Region: Karwendelgebirge
Schwierigkeit: schwer
Dauer: 5 ½ Std
Höhendifferenz: 1200 Hm
Distanz: 12,8 km
Charakter: Anspruchsvolle Überschreitung, die in der Regel nicht überlaufen ist. Im Spätherbst, wenn die Hütten geschlossen haben, gilt das umso mehr.
Ausgangs- und Endpunkt: Wanderparkplatz gut 3 km hinter der Mautstelle ins Gerntal
Route: Schleimsjochstraße – Schleimssattel – Mondscheinspitze – Mondscheinsenke – Plumsjoch – Gernalm – Parkplatz

Plumsjoch Mondscheinspitze
Das Plumsjoch (rechts) mit der Mondscheinspitze im Hintergrund. Foto: Wikipedia/Michael 2015 (CC-BY-SA 4.0)


4. Durch die Entenlochklamm zum Klobenstein

 Als vor langer Zeit eine Frau durch die enge Entenlochklamm ging, hörte sie ein gewaltiges Grollen und sah mit großen Schrecken einen riesigen Felsblock auf sich zudonnern.

In Todesangst rief sie Muttergottes um Hilfe und der Felsen spaltete sich in zwei Hälften, die links und rechts neben ihr liegenblieben. Der geklobene Stein liegt heute noch an seinem Platz und seit 300 Jahren gibt es auch eine Wallfahrt dort hin.

Die Wallfahrt zur Klobensteinkirche ist zum Höhepunkt der herbstlichen Laubfärbung am schönsten. Ihr Ausgangspunkt liegt in Ettenhausen bei der Talstation der Geigelsteinbahn und verläuft auf dem so genannten Schmugglerweg im Wesentlichen entlang der Tiroler Achen, die es an ihrer engsten Stelle in der Entenlochklamm zu erstaunlicher Wildheit bringt.
 
Region: Chiemgau
Schwierigkeit: einfach
Dauer: 3 ¾ Std.
Höhendifferenz: 300 Hm
Distanz: 11,6 km
Charakter: Sehr einfache, aber kurzweilige und aussichtsreiche Rundwanderung mit Einkehrmöglichkeit am Zielpunkt in Klobenstein
Ausgangs und Endpunkt: Parkplatz der Geigelsteinbahn in Ettenhausen
Route: Ettenhausen (626 m) – Entenlochklamm – Rudersburger See – Schöne Aussicht – Ettenhausen

Entenlochklamm
Kaum irgendwo ist die Tiroler Achen so wild wie in der Entenlochklamm. Foto: Adobe Stock/kentauros


5. Familienfreundliches Sonnen- und Betbankerl: der Breitenstein

Sollte einem an gewissen Herbsttagen melancholisch zumute werden, ist die berühmte Wallfahrtskirche Birkenstein für ein spontanes Stoßgebet am Start- und Zielort gerade recht.

Allerdings braucht man für die einfache Familientour auf den Breitenstein (1622 m) nicht unbedingt Gottes Segen, da reicht das Vertrauen in die gute Wegbeschilderung oder – der Wermutstropfen – in die mitwandernden Massen.

Ob die Kesselalm geöffnet hat, erfahren Wanderer gleich unten am Start auf einer Infotafel. Durch lichtdurchfluteten Mischwald geht es der warmen Sonnenseite des Breitensteins entgegen und über die (leider nur bis Mitte Oktober mit Bio-Ziegen bewirtschaftete) Bucher Alm abwechslungsreich zurück nach Birkenstein.

Einsamer, aber dementsprechend schlechter markiert ist der Aufstieg über das Breitenstein-Fensterl, einer geologischen Besonderheit, die für Durchblick sorgt. Wen dort das Kraxelfieber packt, der sollte das mit dem Stoßgebet am Start dann doch ernster nehmen.
 
Region: Mangfallgebirge
Schwierigkeit: einfach
Dauer: 4 Std.
Höhendifferenz: 770 Hm
Distanz: 8,5 km
Charakter: Kein Geheimtipp mehr, aber aufgrund des sonnigen Anstiegs und der ganzjährig geöffneten Einkehrstation Kesselalm eine Tour wert.
Ausgangs- und Endpunkt: Wanderparkplatz Birkenstein
Route: Wanderparkplatz Birkenstein (855 m) – Kesselalm (1285 m) – Sattel zwischen Schweinsberg und Breitenstein (1350 m) – Hubertushütte (1542 m) – Breitenstein – Bockstein – Abstieg über Bucher Alm und Marbacher Berg nach Birkenstein

Breitenstein
Der markante Felszahn vom Breitenstein ist schon von weitem ersichtlich. Foto: pixelio.de
 

 
 
 
(nr, sm, bw, dst, sg)