So findest du das richtige Fernglas zum Wandern
Fast vergessener Optik-Klassiker

So findest du das richtige Fernglas zum Wandern

Ein Fernglas verspricht beim Wandern und auf Bergtouren ganz besondere Erlebnisse. Wir verraten, worauf es dabei ankommt.
 
 
Mann mit Fernglas © Adobe Stock/William87
Ferngläser zum Wandern und Bergsteigen
Ein Fernglas ist beim Wandern ein unterschätzter Begleiter, der ganz besondere Outdoor-Erlebnisse verspricht. Es eignet sich ebenso zur Beobachtung von Alpentieren wie Murmeltieren, Gämsen oder Steinböcken wie auch zum Finden von Wegmarkierungen und zur Erkundung der Umgebung. Allerdings sind viele Modelle schwer oder klobig und finden meist keinen Platz mehr im Rucksack. Das muss aber nicht sein, denn inzwischen gibt es viele Modelle, die wie geschaffen sind für die Mitnahme auf Wander- und Bergtouren sind. Worauf man beim Kauf von Wander-Ferngläsern achten sollte, verraten wir hier.
 

Was bei einem Fernglas wichtig ist

Wer sich ein neues Wanderfernglas anschaffen möchte, sollte mehrere Punkte beachten. Dazu gehören
  • Der Aufbau und die Funktionsweise eines Fernglases
  • Die ideale Größe und das Gewicht von Ferngläsern
  • Die verschiedenen Arten von Ferngläsern
  • Vergrößerung und Objektivdurchmesser
  • Die Robustheit von einem Fernglas


Der Aufbau und die Funktionsweise eines Fernglases

Ferngläser zum Wandern besitzen eine dreiteilige Optik. Diese besteht in der Regel aus
 
  • Dem vorderen Linsensystem (Objektiv)
  • Dem Prisma
  • Dem Okular

Das vordere Linsensystem (Objektiv) erzeugt im Inneren des Fernglases ein kopfstehendes, seitenverkehrtes Bild.

Durch Spiegelungen im Prisma wird es wieder aufgerichtet. Hier gibt es je nach Bauweise unterschiedliche Prismensysteme, die dabei zum Einsatz kommen.
Das Okular ist faktisch eine Lupe, durch die das Bild vergrößert angeschaut wird.
 
All das geschieht in zwei Rohren, die durch eine variable Knickbrücke verbunden sind. Die Knickbrücke sorgt auch dafür, dass beide Seiten parallel und dauerhaft präzise in eine Richtung schauen. Ansonsten würden unangenehme Doppelbilder entstehen.
 
Um auf unterschiedliche Entfernungen scharfzustellen, werden über den Mitteltrieb Linsen im Gehäuseinneren verschoben. Die äußeren Linsen werden dabei nicht bewegt, da ansonsten durch die entstehende „Pump-Bewegung“ Luft (und damit Staub und Feuchtigkeit) ins Gehäuse gesaugt werden würde.
 

Die Größe und das Gewicht beim Fernglas

Vor allem beim Wandern und bei anderen Outdoor-Aktivitäten sind die Größe und das Gewicht entscheidende Faktoren, die die Kaufentscheidung beeinflussen können. Das Fernglas muss im Rucksack oder am Körper meist mehrere Stunden getragen werden. Deshalb sollte es möglichst klein sein, um nicht zu viel Platz zu verbrauchen. Und es sollte so wenig Gewicht wie möglich haben, um den Rucksack nicht schwerer zu machen, als er ohnehin schon ist. Es gibt kein vorgegebenes Idealgewicht, das ein Fernglas zum Wandern haben sollte. Bei gängige Modellen reicht das Gewicht von knapp über 200 bis hin zu mehr als 600g. Grundsätzlich gilt aber: Je kleiner und leichter das Fernglas zum Wandern, desto besser. Allerdings nur, wenn es auch die für den Einsatzgebiet notwendigen Funktionen erfüllt. Die Art, die Funktionen und das Einsatzgebiet des Fernglases können Größe und Gewicht nämlich zusätzlich beeinflussen.
 

Diese Fernglas-Arten gibt es

Bei Outdoor-Ferngläsern finden mehrere verschiedene Arten Anwendung, die sich vor allem durch ihre unterschiedliche Bauweise voneinander unterscheiden. Zwei Bauweisen haben sich durchgesetzt:
  • Porroprismen-Ferngläser
  • Dachkant-Ferngläser
Ein Fernglas mit Porroprismen-Bauweise ist der Klassiker unter den Ferngläsern. Es zeichnet sich vor allem durch versetzte Okulare und Objektive aus. Dadurch ermöglicht es auch plastisches Sehen.

Beispiele für Porroprismen-Ferngläser sind  Fernglas Porroprisma
Kennzeichnend für Porroprismen-Ferngläser ist die versetzte Anordnung von Okular und Objektiv. Foto: Adobe Stock/Myroslava

Dachkantprismen-Ferngläser haben in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen. Sie sind in den meisten Fällen kompakter als die traditionellen Ferngläser und zeichnen sich durch ihre aufwändige Bauweise aus. Das macht sie in der Regel aber auch deutlich teurer als Porroprismen- oder Kompaktferngläser.

Beispiele für Dachkantprismen-Ferngläser sind Fernglas Dachkant
Dachkant-Ferngläser sind meist kompakter als Porroprismen-Modelle. Foto: Adobe Stock/solidmaks

Daneben gibt es noch Kompaktferngläser. Meistens sind sie ebenfalls nach Dachkant-Bauweise gefertigt. In Puncto Größe und Gewicht haben sie aber Nase vorne, was sie besonders geeignet für Bergwanderungen macht. Die kleine Bauweise von Kompaktferngläsern hat aber auch Nachteile. So ist die Bildqualität meist niedriger als bei größeren Varianten. Durch die geringe Lichtstärke eignen sie sich zudem nicht für den Einsatz in der Nacht.

Beispiele für Kompaktferngläser sind  

Die Vergrößerung und der Objektivdurchmesser beim Fernglas

Bei einem guten Fernglas zum Wandern oder für andere Outdoor-Aktivitäten werden bereits in der Modellbezeichnung zwei Zahlen angegeben, wie zum Beispiel „8 x 32“. Bei der ersten Ziffer handelt es sich um die Vergrößerung des Fernglases. Ist zum Beispiel eine 8 abgebildet, erscheint das beobachtete Bild im Fernglas 8-mal so groß wie ohne Glas.

Bei einem Fernglas mit einer hohen Vergrößerung lassen sich in der Ferne mehr Details erkennen. Es gibt aber auch Schattenseiten:
  • Je höher die Vergrößerung, desto mehr wird die Handunruhe sichtbar
  • Das überschaubare Sehfeld (der Bildausschnitt in 1000 Metern Entfernung) ist bei hohen Vergrößerungen kleiner und liefert weniger Überblick
  • In der Dämmerung lässt die Bildhelligkeit nach.
In der Regel liefern Ferngläser eine 7- bis 10-fache Vergrößerung. Darüber hinaus sollte die Vergrößerung nicht gehen, da ansonsten das Bild ohne Stativ kaum noch ruhig zu halten ist. Wie hoch die Vergrößerung bei Outdoor-Aktivitäten sein sollte, hängt vom persönlichen Geschmack und vom gewünschten Einsatzbereich ab. In den meisten Fällen ist eine 8-fache Vergrößerung für Wanderungen und Co. aber vollkommen ausreichend.

Die zweite Zahl in der Modellbezeichnung beschreibt den sogenannten Objektivdurchmesser in Millimetern. Bei einem Fernglas mit der Bezeichnung 8 x 32 beträgt der Objektivdurchmesser 32 Millimeter.

Grundsätzlich gibt es beim Objektivdurchmesser zwei Dinge zu beachten:
  • Je höher der Objektivdurchmesser, desto heller ist das Bild
  • Je höher der Objektivdurchmesser, desto größer und schwerer ist das Fernglas
Wer das Fernglas in der Dämmerung nutzen möchte, sollte also ein Fernglas mit einem hohen Objektivdurchmesser setzen. Das bestimmt allerdings auch die Größe und das Gewicht des Fernglases. Für alle, die nur tagsüber zum Wandern unterwegs sind, ist der Objektivdurchmesser von nachrangiger Bedeutung. Hier kann getrost auf ein Fernglas mit kleinerem Objektivdurchmesser gesetzt werden, das wiederum auch den Rucksack leichter macht.

Fernglas in der Dämmerung am Berg
In der Dämmerung sollte man auf einen hohen Objektivdurchmesser setzen. Foto: Adobe Stock/Aungmyo

Wie robust sollte ein Fernglas zum Wandern sein?

Natürlich geht es bei einem Outdoor-Fernglas nicht nur um Gewicht und Funktionen. Zur Mitnahme auf einer Bergtour sollte das Fernglas auch einiges aushalten können. So sollte es wasser- und stoßfest sein. Verfügt es darüber hinaus über eine Gummierung kann es auch bei schwitzenden Händen nicht so schnell aus der Hand rutschen.
 

Unser Fazit

Es gibt also viele Faktoren, die ein gutes Fernglas zum Wandern ausmachen und mehrere Dinge, auf die man achten sollte, bevor man sich ein solches Fernglas zulegt. In vielen Fällen gibt es kein Idealmodell und man muss einen Kompromiss zwischen Größe, Gewicht, Funktionen und Einsatzgebiet finden. Darüber hinaus lohnt es sich, das Fernglas vorab beim Händler auszuprobieren. Mit etwas Geduld und guter Beratung findet man aber bestimmt das richtige Modell, das auf Wanderungen, Bergtouren und anderen Outdoor-Aktivitäten zu einem geschätzten Begleiter wird.

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Red., Walter J. Schwab
 
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