Zu Weihnachten etwas Besonderes schenken: Das Bergsteiger Magazin Geschenk-Abo – jetzt bestellen!

Warum die Alpen auf dem Kopf stehen

Christian Suter ist Geo-Guide und beantwortet im Interview geologische Fragen zur verborgenen Geschichte der Alpen – ideal zum Angeben auf der nächsten Bergtour.
Aktualisiert am
06.10.2025
Geologischer Schnitt im Berg: die Glarner Hauptüberschiebung an den Tschingelhörnern mit dem Martinsloch

Geologischer Schnitt im Berg: die Glarner Hauptüberschiebung an den Tschingelhörnern mit dem Martinsloch

Foto von  Tektonikarena Sardona/Danuser

Bergsteiger: Herr Suter, was hat es mit dem „Afrika in den Alpen“ auf sich?

GeoGuide Christian Suter erklärt er bei seinen Touren die Erdgeschichte.
GeoGuide Christian Suter erklärt er bei seinen Touren die Erdgeschichte.
Foto von Flims Laax

Christian Suter: Viele wissen nicht, dass sie beim Wandern durch die Alpen manchmal auf einem anderen Kontinent unterwegs sind – zumindest geologisch. Vor rund 100 Millionen Jahren begann sich die Afrikanische Platte nordwärts zu schieben und kollidierte mit der Europäischen. Dabei wurde Gestein, das einst am Meeresboden lagerte, über jüngere europäische Schichten geschoben. In der Tektonikarena Sardona sieht man das etwa besonders deutlich: Dort liegt 250 Millionen Jahre altes, afrikanisches Gestein oben – statt unten, wie es eigentlich der natürlichen Schichtung entspricht. Das ist kein Einzelfall: Auch das berühmte Matterhorn trägt an seiner Spitze Gestein afrikanischen Ursprungs. Wer also beim Wandern überlegt, was unter seinen Füßen liegt, entdeckt vielleicht ein Stück Afrika – mitten in den Alpen.

Warum finden wir in den Alpen auf über 2000 Metern Höhe Muscheln und Korallen?
Weil die Alpen früher Meeresboden waren. Im Tethysmeer, das einst Afrika von Europa trennte, lagerten sich über Jahrmillionen Sedimente ab – darunter auch Kalkschalen von Muscheln, Korallen und anderen Meeresbewohnern. Diese bildeten später mächtige Kalkschichten. Durch die Auffaltung der Alpen – ein Prozess, der vor etwa 40 Millionen Jahren einsetzte – wurden diese Gesteine kilometerweit emporgehoben. An vielen Stellen in den Alpen, etwa auf dem Segnesboden bei Flims oder in den Nördlichen Kalkalpen, lassen sich diese uralten Spuren des Meeres noch erkennen. Fossilien auf 2000 Metern Höhe sind also keine Seltenheit – sondern ein Hinweis auf eine Zeit, als hier noch Wellen statt Wanderer unterwegs waren.

Was sagen uns die gestapelten Gesteinsschichten am Wegrand über die Entstehung der Alpen?
Die Schichten in einer Felswand sind wie Seiten in einem Buch – nur viel älter. Meist liegen sie waagrecht, doch in den Alpen wurden sie durch tektonische Kräfte gefaltet, gestaucht und übereinander geschoben. Deshalb stehen manche Berge heute tatsächlich „auf dem Kopf“. Besonders schön lässt sich das an der sogenannten Glarner Hauptüberschiebung erkennen: Dort liegt uraltes Gestein über deutlich jüngerem. In Flims-Laax ist dieser Prozess besonders gut sichtbar – aber das Prinzip gilt für viele Alpenregionen. Wer unterwegs einen Kontrast zwischen rötlichem Urgestein und hellem Kalkstein erkennt, sieht womöglich eine tektonische Narbe – Zeugnis eines geologischen Kraftakts, der bis heute Berge bewegt.

 

Interview: Saskia Engelhardt

Picture of Bergsteiger Redaktion
Die perfekte Ergänzung zur Bergsteiger-Print-Ausgabe mit aktuellen Berg-News, Messe-Neuheiten, Terminen, Bergwetter, Produkttests, zahlreichen von der Bergsteiger-Redaktion empfohlenen Touren und vielem mehr. bergsteiger.de versteht sich als die zentrale große Website für alle Bergsportbegeisterten im deutschsprachigen Raum. Auf der einen Seite ein alpinistisches Archiv – auf der anderen Seite viel Inspiration, die spannende Bergwelt immer wieder neu zu entdecken.
Newsletter
Newsletter Artikel
Beliebt

Mehr anzeigen

Mehr zum Thema

Rechtliche Hinweise

Durch Markieren der Checkbox stimme ich zu, dass meine E-Mailadresse und mein Name zum Zweck des regelmäßig Erhalts des redaktionellen Newsletters Bergsteiger aus dem Portfolio der GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH und damit verbundenen Unternehmen verarbeitet werden. Über die Verarbeitung meiner Daten und über meine Rechte kann ich mich in der Datenschutzerklärung der GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH informieren. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen kann. Dies kann ich sowohl elektronisch über den Abmeldelink in jeder E-Mail, als auch postalisch an die GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH, Infanteriestr. 11a, 80797 München tun.