Fest und flauschig: Fleecejacken im Test

Fest und flauschig: Fleecejacken im Test

Fleecejacken sind heute extrem dampfableitende, dehnbare Bewegungsjacken, die je nach Einsatzbereich eher windabweisend oder luftig sind. Wir verraten, worauf man beim Kauf achten sollte und haben 4 Top-Modelle getestet.

 
Fleecejacken im Test © Ortovox/Hansi Heckmair
Worauf man beim Kauf von Fleecejacken achten sollte
Fleecejacken sind stark dampfdurchlässige, kuschelig-warme Isolationsjacken aus gekämmtem Stoff, der viel Wärme speichert. Sie werden klassischerweise an kühlen Tagen oder bei Pausen getragen, auch als Midlayer bei Wind oder als Außenschicht zur optimalen Dampfableitung bei Anstrengung werden sie gerne genutzt. Weniger warme Waffelfleece-Jacken für die Übergangszeiten und kühle Sommertage sind mittlerweile deutlich luftiger und extrem klimavariabel.

Sie sind optimal für Aufstiege bei kühler Witterung oder wechselnder Belastung. Für windigere oder kältere Einsätze sind Jacken aus dichterem Stretchfleece optimal, die Schweißfeuchtigkeit nach außen saugen. Beide lassen sich auch als Baselayer auf der Haut verwenden.
 

Diese Modelle haben wir getestet

La Sportiva Gemini Hoody
Ortovox Westalpen Swisswool Hybrid Jacket
Salewa Pedroc Polarlite Full-Zip
Vaude Croz Fleece Jacket II
 

Grid-Fleece oder Stretch-Fleece?

Fleecejacken bestehen normalerweise aus zügig trocknendem Polyester, für bessere Dehnbarkeit wird dies heute meist mit Gummifasern gemischt. Damit sind sie ideal für bewegungsintensive Bergaktivitäten in kühler Witterung. Zwei Typen haben sich bei Bergsteigern durchgesetzt:

Grid-Fleece alias Waffelfleece für Übergangszeiten besteht aus einem dünnen, dampfdurchlässigen Oberstoff, verwebt mit würfelförmigen, wärmenden Fleece-Besätzen innen. Dies ergibt ein Waffelmuster, welches extrem luftig ist und für ein konstantes Binnenklima sorgt, aber nicht besonders wärmt. Damit ist es optimal geeignet für anstrengende Daueraktivitäten oder Stop-and-Go-Aktivitäten wie Klettern.

Luftige Waffelfleece-Jacken wiegen 250 bis 400 Gramm. Sie lassen sich auch als Baselayer verwenden, sind aber meist zu filigran für einen schweren Rucksack. Zudem bieten sie bei Außenlage kaum Windschutz.

Fleecejacken im Test
Fleecejacken sind meist windabweisend oder sehr luftig. Foto: Salewa/Storyteller Labs

Wer sich in windig-kühler Umgebung bewegt wie bei Ski- oder Hochtouren, für den sind Jacken mit Stretch-Fleece optimal. Das Zweikomponenten-Gestrick besteht aus innen kuschelig-warmem Fleece mit glatter Außenseite, das meist Schweiß-Feuchtigkeit osmotisch nach außen saugt und verteilt, wo sie verdampft. Stretchfleece-Jacken sind etwas windabweisend, deutlich robuster als konventionelles Fleece und auch für schwere Lasten geeignet.

Sie garantieren aber im Gegensatz zu Softshells keine Wasserabweisung. Feuchtigkeit von außen dringt dennoch kaum vom hydrophilen Äußeren zum hydrophoben Inneren. Windabweisende Stretch-Fleece bringen mit Hoody 400 bis 500 Gramm auf die Waage. Für effektive Wärmung bei Ruhe braucht man aber meist auch hier eine winddichte Lage (Windjacke, Softshell, Hardshell).
 

So sollte eine Fleecejacke sitzen

Eine Fleecejacke sollte idealerweise am Körper anliegen, da zum einen nur dünne Baselayer darunterliegen und zum anderen so kaum Zusatzluft mitgewärmt werden muss. Die meisten Jacken liegen angenehm locker und somit luftiger um den Körper oder sind kaum spürbar. Eine Rückenverlängerung übers Gesäß ist besonders bei bewegungsintensiver Aktivität wie Skifahren oder Klettern sinnvoll. Alle vorgestellten Fleecejacken sind für bewegungsintensive Aktivitäten konstruiert, teils eher für Eisklettern bzw. Skitouren im Winter oder für Hochtouren.

Waffelfleece-Jacken eignen sich eher für schweißtreibende Aktivitäten in der Sommersaison wie Bergsteigen und Laufen sowie Klettern, sind aber weniger kuschelig. Dementsprechend bieten fast alle Jacken volle Bewegungsfreiheit beim Anwinkeln der Arme und die meisten verrutschen kaum beim Strecken.

Fleecejacken im Test
Beim Klettern sollten Fleecejacken viel Bewegungsfreiheit bieten. Foto: Vaude/Moritz Attenberger
 

Reißverschluss, Kragen und Taschen

Der durchgehende Front-Reißverschluss braucht bei Fleecejacken nicht mit einer Leiste hinterlegt zu sein, außer bei den Stretchmodellen für den hochalpinen Einsatz. Leider fehlt bei allen vorgestellten Modellen ein Zweiwege-Reißverschluss zum Klettern. Da Fleecejacken als Midlayer oder sogar Baselayer fungieren, besitzen sie an den Hüften nur teils Gummizüge zur optimalen Abdichtung. Eher sorgt elastisches Lycra-Textilgummi für den teils schlüssigen Abschluss.

Der Kragen von Fleecejacken sollte nicht aus der flauschigen Fleece-Innenseite, sondern der glatteren Außenseite bestehen. Dies ist bei Schwitzen angenehmer und reduziert Pilling, also Flusenbildung. Windabweisende Fleecejacken sollten einen mit dem Kopf zu bewegenden Hoody mit Lycra-Umrahmung besitzen, der optimal abdichtet.

Da Fleecejacken oft als Außenlage eingesetzt werden, sollten sie Seitentaschen besitzen, die nicht nur zum Wärmen der Hände, sondern auch zum Verstauen von Accessoires wie Handschuhen oder Mütze dienen. Sie sollten genug Platz für eine gespreizte Hand bieten und mit Reißverschlüssen verschließbar sein. Das Futter wintertauglicher Taschen sollte so vernäht sein, dass innen große Wärme- und Trocknungsfächer ohne Verschluss entstehen. Eine kleinere Reißverschluss-Napoleontasche an der Brust für Handy und Co rundet das Taschenangebot ab.
 

Noch mehr Infos und 5 weitere Fleecejacken im Test gibt es in der Bergsteiger-Ausgabe 04/21 

 

Text: Christian Schneeweiß
 
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