12 Trekkingstöcke im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

12 Trekkingstöcke im Test

Stöcke für Berg-Aktivitäten sollten stabil und gleichzeitig leicht, angenehm zu halten und klein zu verpacken sein. Dreiteilige Teleskopstöcke lassen sich dabei nahezu beliebig in der Länge verstellen, mehrteilige Faltstöcke bei einer Kraxelpassage oder einem Klettersteig problemlos im Rucksack verpacken.
 
Wir haben 12 Trekkingstöcke für Sie getestet. © Komperdell
Wir haben 12 Trekkingstöcke für Sie getestet.
Trekkingstöcke können der beste Freund des Bergsteigers sein. Denn sie entlasten die Kniegelenke im Abstieg, unterstützen die Beine bei steilen Aufstiegen und sind im alpinen Gelände sowie bei Schnee für das Steigen und die Balance so unverzichtbar wie anno dazumal die Alpenstange. Allerdings lassen sich aktuelle Stöcke im Gegensatz zu ihrem historischen Vorgänger auf die gewünschte Länge verstellen und zum Transport mehr (Faltstöcke) oder weniger (Teleskopstöcke) handlich verstauen.

Die sehr unterschiedlich konstruierten und bepreisten Modellgruppen unterscheiden sich in der Praxis außerdem im Packmaß und der Längenvariabilität. Sie werden deshalb in dieser Kauf beratung getrennt voneinander dargestellt. Alle vorgestellten Stöcke sind Neuheiten oder Verbesserungen bekannter Modelle.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

Faltstöcke:
Camp Carbon Mix
Dynafit Ultra Pro Pole
Komperdell Carbon FXP.4 Trail Ultralight Vario
Leki Micro Vario Carbon
MSR Dynalock Ascent Large
Stubai Crimp
Swix Sonic X-Trail Carbon

Teleskopstöcke:
Alpidex Carbon-Trekkingstock
Black Diamond Trail Trekking Poles
Camp Backcountry Carbon 2.0
Komperdell Explorer Contour
Leki Sherpa Lite XTG

Nur wenige der vorgestellten Teleskopstöcke sind auch für Skitouren geeignet, da die meisten dafür nicht stabil genug sind. Bei den Faltstöcken ist nur die Hälfte auch für den Einsatz im Schnee vorgesehen.

Staubare Stangen

Um sie für den Transport oder bei Kletterpassagen am Rucksack verstauen zu können, bestehen Teleskopstöcke traditionell aus drei verstellbaren Segmenten. Diese lassen sich kurz genug zusammenschieben, um sie mit etwas Überstand problemlos außen am Rucksack zu befestigen. Die Spanne beim Packmaß reicht von akzeptablen 62 Zentimetern (Alpidex) bis zu überständigen 68 Zentimetern (Leki Sherpa Lite).

Faltstöcke aus drei auseinandernehmbaren Teilen plus Fixier- und Verstellsegment dagegen lassen sich so klein zerlegen, dass sie problemlos in jeden Wander- oder Bergrucksack passen. Wer viel auf Klettersteigen, aber auch im Hochgebirge unterwegs ist, sollte sich daher Faltstöcke mit nur 36 bis 43 Zentimetern Packlänge zulegen.

Variable Längen

Bei einem optimalen Einsatz der Stöcke verringert sich das von Knien und Oberschenkeln zu tragende Gewicht sowohl bergauf als auch bergab um etwa zehn Prozent – was bei einer Dreistundentour rund 70 Tonnen Entlastung bringt! Beim Gehen in der Ebene sollte man seine Stöcke so einstellen, dass die Ellenbogen einen 90-Grad-Winkel bilden, beim Aufstieg sollten sie etwas kürzer, beim Abstieg etwas länger sein. Der maximal sinnvolle Verstellbereich von Trekkingstöcken beträgt somit 100 bis 140 Zentimeter, bei Kindern noch weniger. Für die meisten Personen reichen sogar 110 bis 130 Zentimeter aus. Bei dreiteiligen Teleskopstöcken beträgt die Längenvariabilität aber 70 bis 80 Zentimeter, was sich an langen Hangquerungen mit stark verkürztem Innenstock auszahlt. Oder aber man greift in diesem Fall beim Innenstock auf eine Manschettenverlängerung unterhalb des Griffs zurück, wie sie berg- oder wintertaugliche Modelle – auch Faltstöcke – normalerweise besitzen.

Die besonderheit des Faltstocks

Da ein reiner Faltstock eine fixe Länge hat, kann er grundsätzlich nicht zusammenrutschen. Für die Längenanpassung besitzen aber alle vorgestellten Modelle ein zusätzliches Segment, das sich verschieben lässt. Da sich Faltstöcke mit 40 Zentimetern Packlänge stabilitätsbedingt nur um 20 Zentimeter verlängern lassen, gibt es sie inzwischen meist in zwei Längenversionen, Swix sogar in drei verschiedenen.


Foto: Dynafit/Michael Muller

Die Falt-Segmente sind nach dem Prinzip der Lawinensonde durch ein ummanteltes Kabel verbunden und werden beim Auseinanderziehen durch einen Senkknopf fixiert. Ist das Kabel beim zusammengesetzten Stock zu straff gespannt, lässt sich der Knopf fürs Zusammenfalten nur schwer lösen (Swix), ist es zu locker, kann der Stock brechen. Als Schwachpunkt der Konstruktion könnte der Senkknopf durch die Belastung auf Tour kaputt gehen. Wie geschmiert funktioniert dagegen der Fixier-Clip von Leki.

Externe Längenfixierung

Die Fixierung der Längenverstellung muss das volle Gewicht einer sich aufstützenden Person inklusive Rucksack aushalten. Der klassische Teleskopstock besaß früher eine interne Fixierung mit einem Spreizdübel, der sich im Rohr verklemmte. Diese Klemmung war anfällig für Schmutz und Verschleiß: Der ausgefahrene Stock schob sich mitunter bei großer Belastung unbeabsichtigt zusammen, was zum Sturz führen konnte. Die heute üblichen externen Klemmen mit Daumenbedienung an einem Klappflügel wurden ursprünglich als weniger vereisungsanfällig für den Einsatz mit Handschuhen im Winter entwickelt.

Bei wintertauglichen Stöcken sollten sich die Daumenklemmen auch leicht mit Handschuhen öffnen lassen. Stöcke mit externer Klemmfixierung können sich zwar auch unbeabsichtigt zusammenschieben, aber dann mit simplem Drehen an einem Rädchen härter eingestellt werden – bei Komperdell und Black Diamond funktioniert das dagegen nur mit Schraubenzieher.

Leichte Stabilität

Die vorgestellten Trekkingstöcke sind alle steif und bruchstabil genug für den Einsatz beim Bergsteigen, teils auch für Weitwanderungen oder Hochgebirgstouren mit schwerem Rucksack. Trotzdem wiegen die Stöcke aus Karbonlaminat durchwegs unter 500 Gramm pro Paar, die kaum weniger steifen Ultraleichtmodelle 100 Gramm weniger. Stöcke aus gehärtetem Aluminium wiegen zwar mehr, sie sind aber schlagfester als Karbonstöcke und biegen sich bei Überlastung eher als zu brechen.


Foto: Leki

Camp und Komperdell verbinden neuerdings Karbonrohre mit bruchfesten Aluhülsen für die generell bruchanfällige Verbindung der Falt-Segmente. Leichte Wanderstöcke bestehen meist aus dünnerem Aluminium (Leki Sherpa Lite) oder Karbon (Alpidex), das sich bei Belastung biegt und somit Arm- und Handgelenke beim Abstieg etwas entlastet. Sie können bei hoher Schrägbelastung mit schwerem Rucksack brechen und sind daher nur für Tages- bis Wochenendtouren mit leichterem Gepäck zu empfehlen.

Schmeichelnde Griffe

Nicht umsonst haben sich bei Trekkingstöcken für den Sommereinsatz Griffe aus festem und hautfreundlichem EVA-Schaumstoff durchgesetzt: Sie schmeicheln der Hand und sind für einen sicheren Griff gut ergonomisch formbar. Der greifneutrale Korkgriff von Swix absorbiert den Schweiß größtenteils. Wie einige andere Griffe ist er relativ dünn und somit am besten für kleinere Hände geeignet, während dickere Griffe für größere Hände ideal sind. Manschetten am Rohr unterhalb des Griffs ermöglichen ein Tiefergreifen bei steilen Aufstiegen oder Hangquerungen, ohne den Stock verstellen zu müssen. Um sich auf der Talseite ohne Druckstellen auf den Knauf stützen zu können, sollte dieser nicht kantig, sondern gerundet oder flächig sein und im Idealfall einen Schnabel zum Greifen besitzen.

Die im Knauf befestigten Handschlaufen lassen sich durch Zug nach schräg oben verlängern oder durch Zug am Schlaufenende nach unten verkürzen und sind bei Belastung nach unten bis außen mittels Gleitkeil verklemmt. Dies funktioniert bei fast allen Stöcken problemlos. Bei besonders leichtgängiger Verstellung mit zusätzlichem Fixierstift kann sich aber die Schlaufe bei Be- und Entlastung während dem Gehen verlängern, so dass man sie wieder nachziehen muss.


Foto: Leki/Claudia Ziegler

Beim etwas schwergängigeren traditionellen System ohne Fixierstift kann sich der Keil nach außen schieben und muss mit Gefühl mit dem Daumen zurückgehalten werden. Lekis Schlaufe lässt sich mit einem Ruck nach oben entriegeln und dann verstellen. Vorteil: die Schlaufe kann sich nicht lockern, Nachteil: keine unmittelbare Anpassung möglich. Swix und Dynafit besitzen Fixierungen mit einem Zugklett, der sehr klein ist und sich bei Entlastung lösen könnte. Einfache Schlaufen bestehen aus grobem Nylon mit Polsterung, die super komfortabel, bei Neopren aber schwitzig sein können. Angenehmer auf der Haut sind breite, für Schweißdampf durchlässige Komfortschlaufen aus dünnem Stoff.

Multifunktionale Spitzen

Die Spitzenaufsätze aller Trekkingstöcke bestehen aus hartem Kunststoff, der sich bei hoher Querbelastung biegen sollte. Reine Sommermodelle besitzen kürzere Spitzen (5-6 cm), schneetaugliche Ganzjahresmodelle lange (7-8 cm). Dadurch greifen die Stöcke auch im Schnee – zumal der breitere Schneeteller (8-9 cm) bei einer kürzeren Spitze an einem steilen Firnhang ausgehebelt würde. Damit die Spitze nicht in weichem Boden versinkt, sollten Trekkingteller 4-5 Zentimeter Durchmesser haben (schmälere werden hier als Wanderteller bezeichnet).

Die meisten Stöcke besitzen einen Drehverschluss zum Wechseln von verschlissenen Trekkingtellern oder im Winter zu Schneetellern – mit sehr unterschiedlichem Drehkraft-Aufwand. Am schnellsten und sichersten geht der Tellerwechsel mit Raste bei Komperdell. Die winzige Spitze (ohne Metallfassung 3-4 mm) des Spitzenaufsatzes, die verhindert, dass der Stock auf dem Weg wegrutscht, besteht aus extrem hartem Karbid, eingebettet in eine Wolframlegierung. Ringförmige Kronen halten besser und länger als strahlenförmige »Bohrkronen«. Zum Gehen auf Asphalt sollten Trekkingstöcke einen optionalen Gummiaufsatz besitzen.
 
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2020. Jetzt abonnieren!
 
Mehr zum Thema