12 Tourenski und Freetouringski im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

12 Tourenski und Freetouringski im Test

Jedes Jahr neue Trends und Modelle sowie eine riesige Auswahl: Der Weg zum Traumski ist für potenzielle Käufer nicht immer einfach. Wir sorgen für die richtige Orientierung und hatten bereits die besten Modelle für den Winter 2019/20 im Test.
 
Der Outdoor Content Hub hat 12 Tourenski und Freetouringski für uns getestet. © Daniel Müller
Der Outdoor Content Hub hat 12 Tourenski und Freetouringski für uns getestet.
Ski-Käufer haben die Qual der Wahl. Noch nie gab es über alle Kategorien hinweg so viele gute Ski wie in dieser Saison. In diesem Punkt war sich unser Testteam einig. Genügt es also, sich als Käufer für eine Kategorie zu entscheiden und dann per Los das entsprechende Modell zu wählen? Mitnichten! Jeder Mensch ist anders – und jeder Ski auch. Die Charaktere der getesteten Modelle unterschieden sich selbst innerhalb einer Kategorie deutlich. Jeder Hersteller interpretiert die entsprechenden Kategorien anders, und nach seinem Geschmack.

Die wesentlichen Unterschiede bestehen beim Gewicht, der Bauweise sowie den Fahreigenschaften. Ob ein Ski als Klassenprimus taugt, hängt nicht nur von seinen Eigenschaften ab, sondern auch davon wie diese Eigenschaften zum Fahrer passen. Fahrkönnen, Fahrstil, Kraft, Körpergewicht und eine Reihe weiterer subjektiver Variablen machen einen Ski zum »perfekten Ski«. Vor dem Kauf sollte man sich zunächst diese Fragen stellen: Was kann ich? Was will ich? Und welcher Ski eignet sich für meinen bevorzugten Einsatzbereich am besten? Vor der Kaufentscheidung geht es darum, seine eigenen Ansprüche an einen Ski zu formulieren sowie seine Wünsche und sein Können kritisch zu reflektieren. Die Selbstreflexion erleichtert später die Wahl des passenden Modells erheblich. Im Folgenden zeigen wir die aktuellen Trends und Entwicklungen im Bereich der Touren- und Freetouring-Ski auf.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

Atomic Backland 95
Black Crows Navis Freebird
Black Diamond Helio Recon 88
Blizzard Zero G 105
Faction Agent 2.0
Fischer Hannibal 96 Carbon
G3 Findr 102
K2 Wayback 96
Kästle TX90
Movement Race Pro 85
Scott SpeedGuide 89
Stöckli Edge 100

Gewicht sparen um jeden Preis?

Die positive Entwicklung der Verkaufszahlen bei Tourenski hat der gesamten Branche neuen Auftrieb gegeben. Einer der Trends ist die Tendenz zum Leichtbau. Viele gewichtsoptimierte Ski liefern im Vergleich zu den Vorjahren nun eine deutlich verbesserte Fahrperformance. Doch Vorsicht: Leicht bedeutet meist auch teuer. Bis zu 1000 Euro werden für extraleichte Ski mittlerweile fällig. Hinzu kommt: Unser Test im Kühtai hat die Schwächen der Leichtgewichte offenbart. Gerade bei anspruchsvollen Verhältnissen wie verspurtem Schnee sowie auf ruppigem, vereistem Untergrund und bei hohem Tempo kommen die sehr leichten Ski schneller ans Limit als die stabil gebauten Modelle. Deren Masse sorgt für eine gewisse Laufruhe. Das Versprechen »maximale Fahrperformance bei minimalem Gewicht« kann besonders bei schwierigen Schneeverhältnissen nicht gehalten werden.



Entscheidend ist also die Balance: Wie stark lässt sich das Gewicht reduzieren, ohne dass die Abfahrtsperformance darunter spürbar leidet. Denn einerseits spart man mit leichten Ski im Aufstieg Energie, andererseits kosten solche Modelle bergab eine Menge Kraft, um die Abfahrt nicht zu einem unkontrollierbaren Ritt werden zu lassen.

Eine Frage der Haltbarkeit

Extrem leichte Ski eignen sich für Teilnehmer an Skitourenrennen oder Tourengeher, die auf der Piste und in leichtem Gelände unterwegs sind. In diesen Fällen ist man eher bereit, die etwas geschmälerte Abfahrtsqualität in Kauf zu nehmen. Geht es weniger um Bestzeiten, als vielmehr ums Erleben, ist man mit stabileren Modellen besser beraten. Diese bieten vor allem Umsteigern, die von der Piste oder vom Freeriden zum Skitourengehen wechseln und einen hohen Anspruch an die Fahrperformance haben, eine gewohnt gute Laufruhe und einen besseren Kantengriff als bei den sehr leichten Modellen.



Einen weiteren Nachteil der gewichtsoptimierten Modelle stellt ihre Haltbarkeit dar. Eigentlich sollte der Skibruch dank der hoch technologisierten Fertigungsverfahren keine große Rolle mehr spielen, dennoch häufen sich die Fälle von gestauchten oder gebrochenen Ski. Tourenski sind am häufigsten betroffen. Um das Gewicht so niedrig wie möglich zu halten, wird am Material gespart. Einige Hersteller greifen bei leichten Tourenski zu dünneren Stahlkanten und niedrigeren Belagstärken. Belag und Kante haben daher auch bei regelmäßigem Service eine geringere Halbwertszeit als beispielsweise bei Alpinski. Vorsicht gilt besonders beim Kontakt mit Steinen: Leichtgewichtige Ski tragen dann oft deutlich größere Macken davon als stabilere Modelle.

Vielseitigkeit ist Trumpf

Noch gibt es den echten Alleskönner unter den Ski nicht. Aber bald! Der Traum eines Super-Allround-Skis ist gerade dabei, Wirklichkeit zu werden. Moderne Hybrid-Bindungen wie zum Beispiel das Modell »Shift« von Atomic und Salomon treiben diese Entwicklung voran. Bei ihr handelt es sich um eine Alpinbindung mit Aufstiegsfunktion, die ein Allround-Setup für viele Einsatzbereiche am Berg ermöglicht. Weitere Innovationen wie die Integration von Gehmechanismen in Alpinskischuhen tragen zu diesem Trend bei.



Bei den Formen ist die Zeit der großen Experimente vorbei. Extreme Shapes mit stark aufgebogener Front und ebenso aufgebogenem Heck sowie breite Schaufeln und wenig Vorspann findet man nur noch in entsprechenden Nischen. Die aktuellen Modelle setzen eher auf moderate Shapes, die das Skifahren vertrauter und damit besser machen sollen. Ziel vieler Hersteller ist es, dass sich der Ski bei allen Schneebedingungen und in jedem Gelände möglichst gleich gut fahren lässt. Ob ein Ski tatsächlich das Zeug zum persönlichen Traumski besitzt, hängt ohnehin weniger von seiner Konstruktion ab, sondern vielmehr von den persönlichen Vorlieben, dem Können, dem Fahrstil, der Kraft und dem Gewicht seines Fahrers.
 
Daniel Müller
 
Mehr zum Thema