10 Stirnlampen im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger Kaufberatung

10 Stirnlampen im Test

Für die meisten Bergsteiger gehört sie zur absoluten Grundausstattung im Rucksack: die Stirnlampe. Beim langen Zustieg vor dem Morgengrauen, auf der Feierabend-Skitour, beim Trekking oder zum Kartenstudium im Zelt – ohne wären wir aufgeschmissen. Der Outdoor Content Hub hat zehn verschiedene Lampen im Labor und in der Praxis intensiv beleuchtet und zeigt, welches Modell strahlen kann, und wann die Lichter ausgehen.
 
Der Outdoor Content Hub hat 10 Stirnlampen für uns getestet. © Silva
Der Outdoor Content Hub hat 10 Stirnlampen für uns getestet.
Es gibt Menschen, die eine Stirnlampe besitzen und es gibt Menschen, die keine Stirnlampe besitzen. Allein dieses Detail verrät einiges über eine Person. Der Stirnlampenträger verbringt seine Zeit auch vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang unter freiem Himmel. Er oder sie braucht freie Hände: zum Skifahren, Klettern, Biken oder um das Zelt aufzuschlagen. Ohne den Strahler am Kopf wären viele Abenteuer jenseits der Zivilisation spätestens mit Einbruch der Dunkelheit vorbei. Stirnlampen erhöhen also unsere individuelle Freiheit bei der Tourenplanung – aber auch unsere Sicherheit.

Diese 10 Modelle haben wir getestet

Black Diamond Icon
Black Diamond Storm
Petzl Nao+
Petzl Myo XP
Petzl Tikka
Light & Motion VIS Pro
Led Lenser mh4
Led Lenser mh8
Lupine Neo X2 SC
Silva Trail Runner X3

Bei einer Neuanschaffung schauen die meisten Käufer vor allem auf die Lumen, also die Menge an sichtbarem Licht, das die Lampe maximal abgeben kann. Doch die Anforderungen an eine ideale Outdoor-Stirnlampe sind weitaus vielseitiger. Hersteller werben mit enormen Leuchtweiten und Akkulaufzeiten. Angeboten wird die volle Bandbreite vom Hochleistungsstrahler für die Unterwasser-Höhlentour bis hin zur Ultraleicht-Funzel. In unserem Test haben wir uns auf Allround-Lampen im Bereich von 200 bis 900 Lumen beschränkt. Auch um herauszufinden, wie weit die Herstellerangaben mit der Realität übereinstimmen und welche Lampen für welchen Einsatz geeignet sind.

Je schneller, desto heller

Bei klassischen Bergaktivitäten wie Wandern, Klettern und Trailrunning ist eine dimmbare Lampe von Vorteil, die einen breiten Lichtkegel direkt im Greif- und Steigbereich, respektive im Lauf bereich hat. Dafür reichen zehn bis 20 Lumen. Zur Orientierung benötigt man einen etwas engeren, fokussierten Lichtkegel, um etwa zehn Meter voraus zu schauen, und um Hindernisse oder Wegweiser zu orten. Dafür sind 50 bis 100 Lumen ausreichend. Höhere Geschwindigkeiten, etwa beim Biken und Skifahren, verlangen nach einem »Fernlicht«, um Hindernisse oder Abzweigungen früh zu erkennen. Der Blick ist zur Orientierung weit nach vorne gerichtet, die Lampe sollte daher in der Ferne die maximale Ausleuchtung bringen. Die Skala ist hier nach oben offen, grob gilt: je schneller, desto heller. Für eine leichte Wanderung und zum Campen braucht es dagegen keine sehr leistungsstarke Lampe.

Leuchtende Kegel

In modernen Stirnlampen sind Leuchtdioden verbaut, »light-emitting diods« oder kurz LEDs. Strom wird dabei in sichtbares Licht umgewandelt, der als Lichtstrom (Maßeinheit = Lumen) gemessen wird. Die LEDs und ihre Lumen sind das Eine, das Andere ist die Optik (Reflektoren, Linsen und Diffusoren), mit der die Lampen eine Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung innerhalb des Kegels gewährleisten sollen. Betrachtet man das Lichtbild als Kegel, der an eine Wand strahlt, ist die größte Helligkeit genau in dessen Mittelpunkt und nimmt zu den Rändern hin ab. Ist der Rand des Kegels sehr scharf, wirkt dies wie ein Tunnel. Der Träger fühlt sich in seiner Sicht eingeengt und muss den Kopf hin und her bewegen, um etwas zu sehen.


© Nils Ohlendorf

Dies ist uns vor allem bei den Lampen von Led Lenser aufgefallen. Angenehmer sind diffuse Ränder, die einen sanften Übergang vom Hellen ins Dunkel schaffen, optimal gestaltet durch den Diffusor bei der Petzl Myo XP. Die große Kunst besteht darin, aus den verfügbaren LEDs und der passenden Optik eine Lampe zu entwickeln, die den Nahbereich weich und breit ausleuchtet, aber zudem in der Ferne einen hellen Spot erzeugt. Hier setzen die Hersteller auf verschiedene Konzepte:
  1. Eine LED für nah und fern mit einer Optik und unterschiedlichen Helligkeitsstufen (Petzl Tikka und Light&Motion Vis Pro). Dies funktioniert meist nur für einen Bereich gut: für die Tikka im Nahbereich und für die VIS Pro im Fernbereich.
  2. Unterschiedliche LEDs für Nah und Fern (Black Diamond Storm und Petzl Nao+). Hier ist die Auswahl der LEDs entscheidend, meist wurden zu helle LEDs für den Nahbereich ausgewählt.
  3. Eine LED für nah und fern, mit verstellbarer Optik und unterschiedlichen Helligkeitsstufen (Led Lenser MH8 und Petzl Myo XP). Beide Lampen haben sowohl in der Nahsicht als auch in der Ferne eine angenehme Beleuchtungsstärke.

Unter Strom

LEDs brauchen Strom, um zu leuchten. Da die Spannung von Batterien oder Akkus mit ihrem Ladezustand abnehmen, benötigt man eine Elektronik, die aus dieser unstabilen Spannung einen konstanten Strom erzeugt. Dies wird mit Hilfe sogenannter Spannungsregler realisiert. Die Helligkeit der Leuchte soll so zum einen nicht von dem Ladezustand der Batterien abhängig sein. Zum anderen soll diese möglichst effizient genutzt werden. Am Kopf getragene Lampen dürfen nicht zu schwer sein und werden meist mit Micro- (AAA) oder Mignon- (AA) Zellen aus Alkali-Mangan betrieben. Auch Lithium-Ionen-Akkus sind bei den getesteten Stirnlampen vertreten. Besonders schwere Akkus oder Batteriefächer lassen sich abmontieren und mit einem Verlängerungskabel im Rucksack oder in der Tasche transportieren.


© Dynafit

Stirnlampen, die mit Batterien oder Akkus betrieben werden, verlieren mit der Entladung an Helligkeit. Lampen, bei denen kein Spannungsregler verbaut ist, verlieren exponentiell an Helligkeit, bis sie mit einem minimalen Licht noch ewig vor sich hin glimmen. Batteriebetriebene Lampen gehen irgendwann in eine Art Notfall-Beleuchtung über. Die akkubetriebenen Lampen im Test schalten irgendwann ab, um den Akku vor Tiefenentladung zu schützen. Klar ist, je heller die Dimmstufe, desto schneller entlädt die Energiequelle. Unser Test-Setup ermittelte, wie schnell die Lampen bei höchster Lichtstärke an Helligkeit verlieren. Bei einigen Lampen halbiert sich schon in den ersten zwei bis sechs Minuten der Lichtstrom, andere halten bis zu 90 Minuten durch.

Einfaches An- und Ausziehen, eine unkomplizierte Montage am Helm, ein schneller Batteriewechsel sowie eine logische Veränderbarkeit der Leuchtstufen sind beim Einsatz in der Dunkelheit unabdingbar. Bei einigen Lampen gelang dies reibungslos und auf Anhieb, bei anderen Lampen waren wir ohne Gebrauchsanleitung hilflos. Eine komplizierte Handhabung, bei der man auf vielen Knöpfen herumdrücken muss, kann einen in den Wahnsinn treiben. Bei der Petzl Nao+ muss man erst eine App aufs Handy laden, um das rote Blinklicht am Hinterkopf zu stoppen. Fast alle getesteten Lampen haben eine Lock-Funktion, die verhindert, dass die Lampen während des Transports im Rucksack nutzlos brennen.

Die Lebensdauer

Bei den Messungen im Lichtlabor waren wir überrascht, wie schnell viele Lampen − auf hellster Stufe betrieben − an Lichtstrom verlieren. Bei der Black Diamond Storm und der Petzl Tikka hat man nach gerade einmal zwei Minuten nur noch 50 Prozent des Lichtstroms. Led Lenser und Lupine halten vier beziehungsweise sechs Minuten durch. Spitzenreiter sind die Petzl Myo XP mit 90 Minuten und die Petzl Nao+ mit 84 Minuten. Sämtliche Lampen haben einen sehr hohen Lichtstrom zu Beginn der Messung, der auch auf der Verpackung als Maximalwert angegeben wird. Jedoch geht dieser gleich nach dem Anschalten stark zurück.


© Silva

Unser Fazit

Egal, welche Kategorie von Lampen: Weder der Lumen-Wert noch die Angaben zur Leuchtweite auf der Verpackung entsprechen den tatsächlich gemessenen Werten im Labor. Lediglich ganz am Anfang bringen die Lampen die volle Helligkeit und die volle Leuchtweite. Eingebaute Spannungsregler verringern den Lichtstrom zugunsten der Leuchtdauer der Lampen. Das Auge nimmt diese Veränderung nicht wahr, es passt sich an. Je schneller man unterwegs sein möchte, umso mehr Lumen − gebündelt durch eine gute Fokus-Linse − braucht es für eine ordentliche Fernsicht. Wer die angegebenen Lumen und Leuchtweiten über einen längeren Zeitraum auch tatsächlich nutzen möchte, sollte eine stärkere Lampe kaufen (beispielsweise 200 statt 100 Lumen). Allerdings: Lumenstarke Lampen ohne Diffusoren sind selbst in der kleinsten Einstellung oft noch zu hell und blenden etwa beim Lesen. Zum Wandern, im Zelt und auf Hütten empfiehlt sich daher eher ein kleines, leichtes Lämpchen.
 
Alexandra Schweikart
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2020. Jetzt abonnieren!
 
Mehr zum Thema