10 Hardshells im Test | BERGSTEIGER Magazin
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10 Hardshells im Test

Die Hardshell: Wunderwerk der Textiltechnik und Vorzeigeprodukt vieler Bergsport-Firmen. Wetterschutzjacken sollen Eigenschaften unter einen Hut bringen, die sich eigentlich widersprechen: von außen wasser- und winddicht, von innen wasserdampfdurchlässig. Der Outdoor Content Hub hat bei zehn Dreilagen-Modellen getestet, wie gut sie diesen Spagat meistern.
 
Hardshell-Jacken schützen bei ungemütlichen Bedingungen. © Vaude/Ralf Gantzhorn
Hardshell-Jacken schützen bei ungemütlichen Bedingungen.
Hardshell-Jacken sind so etwas wie Fluch und Segen zugleich. Eigentlich sind wir heilfroh, wenn sie im Rucksack bleiben können, andererseits sind wir mindestens genauso froh, wenn sie uns schützen, sobald es draußen ungemütlich wird. Für die meisten Menschen müssen sie vor allem wasserdicht sein. Stimmt. Denn durchdringende Nässe ist nicht nur unangenehm, sondern kann schlimmstenfalls zu schwerer Unterkühlung führen. Damit wir aber nicht nur von außen, sondern auch von innen gegen unangenehme Feuchtigkeit geschützt sind, besitzen moderne Hardshells Membranen. Diese halten Regen, Schnee und Wind draußen, und lassen unseren Schweiß gleichzeitig in Form von Wasserdampfmolekülen nach außen entweichen. Man spricht von einer Semipermeabilität – und genau diese ist das große Geheimnis der Jacken.

Diese 10 Modelle haben wir getestet

Arc’teryx Beta AR Jacket
Bergans Eidfjord Jacket
Columbia OutDry Ex Featherweight Shell
Jack Wolfskin Exolight Mountain Jacket
Mammut Meron Light HS Jacket
Patagonia Pluma Jacket
Rotauf Ultralight Jacket II
Schöffel 3L Jacket Calgary1
The North Face Shinpuru II Jacket
Vaude Croz 3L Jacket II

Das Herzstück

Auch wenn Gore-Tex heute den Markt der wasserdichten Funktionsstoffe beherrscht, die Vielfalt an Membranen ist enorm. Aufbau und Materialien unterscheiden sich, die Basisfunktion – wasserdicht und dampfdurchlässig – ist dieselbe. Unterschieden werden zwei verschiedene Arten: Bei mikroporösen Membranen können Wasserdampfmoleküle durch feinste Poren nach außen diffundieren, für Wassertropfen sind die Poren aber zu klein (20 000 mal kleiner als ein Wassertropfen). Bekanntester Vertreter: die Gore-Tex-Membran aus Polytetrafluorethylen (PTFE). Es gibt auch Membranen aus Polyurethan (PU) mit Mikroporen, wie die von Jack Wolfskin eingesetzte Texapore Air Membran.

Porenlose Membranen basieren auf einem Transportmechanismus der Wasserdampfmoleküle, welcher von der Wasserdampfkonzentration in der Membran abhängig ist. Hydrophile (wasserliebende) Bestandteile binden die Wassermoleküle und leiten sie durch intermolekulare Zwischenräume zwischen hydrophoben (wasserabweisenden) Strukturen nach außen. Die porenlosen Membranen gibt es aus Polyurethan (wie z. B. Dermizax von Toray) oder Polyester (z. B. Sympatex).

Dreilagige Konstruktionen

Membranen sind wenige Mikrometer dünn und nicht wirklich robust. Deshalb werden sie mit einem widerstandsfähigen Oberstoff aus Polyamid (Nylon) oder Polyester verklebt beziehungsweise laminiert, um nach außen vor mechanischem Abrieb und Defekten geschützt zu sein. Auf der Innenseite ist entweder ein fest aufgeklebter Futterstoff aus Polyamid oder Polyester (3-Lagen), eine dünne Schutzbeschichtung, meist aus PU, (2,5-Lagen) oder ein lose eingehängter Polyester-Netzstoff (2-Lagen) aufgebracht. Aufgrund der schichtartigen, aufeinander laminierten Konstruktionen spricht man von Laminaten. In unserem Test haben wir uns auf Dreilagen-Laminate beschränkt, um die Jacken vergleichbarer zu machen.


Suter-Test: Vergeblich warteten wir auf Tropfen – die Jacken hielten dem Wasserdruck stand.

Um die Wasserdichtigkeit von Outdoor-Textilien zu beschreiben, wird gerne die Wassersäule bemüht. Um diese im Labor zu testen, wird auf der Außenseite des Stoffes ein stetig steigender Wasserdruck aufgebaut, bis an drei Stellen Tropfen durchdrücken (Suter-Test). Je höher die gemessene Wassersäule, umso besser – zumindest laut Marketing der Hersteller. Allerdings verhält es sich mit der Wasserdichtigkeit in der Realität wie mit der Schwangerschaft: So wenig wie es »ein bisschen schwanger« gibt, gibt es auch »ein bisschen wasserdicht « nicht. Entweder ist ein Material wasserdicht, dann kommt kein Wasser hindurch, oder eben nicht. Zudem wird oft nur an Stellen gemessen, an denen die Jacke keine Nähte oder Reißverschlüsse besitzt (notorische Schwachstellen).

Aktive Atmung?

Für den Wasserdampfdurchlass wird allgemein gerne der Begriff Atmungsaktivität verwendet, der aber irreführend ist. Denn eine Jacke ist ein lebloses Stück Textil. Gemeint ist das Durchlassen von Schwitzfeuchtigkeit durch den Jackenstoff nach außen. Problematisch wird es, wenn der Abtransport mit der Schweißproduktion nicht mehr mithalten kann. Dann staut sich die Feuchtigkeit in den Bekleidungsschichten und lagert sich schlimmstenfalls in Form von Kondenswasser auf der Jackeninnenseite ab, was den Prozess zusätzlich verzögert. Bei Kälte verringert der Schweiß zudem die Isolationseigenschaften der Bekleidung. Auch wenn das klimatische Gefälle zwischen Haut und Umgebung zu gering ist – etwa in den Tropen –, bricht das System zusammen.

DWR – essentiell für die Funktion

Ohne eine wasserabweisende Imprägnierung des Außenstoffs – die sogenannte DWR-Ausrüstung (durable water repellent) – würden die Laminate nicht wie gewünscht funktionieren. Denn saugt sich die oberste Stoffschicht mit Wasser voll, wird der Wasserdampfdurchlass massiv beeinträchtigt, gemäß Forschungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sogar um bis zu 80 Prozent. Der Eindruck, die Jacke sei nicht mehr dicht, wird enorm verstärkt, weil sich vermehrt kondensierte Schwitzfeuchtigkeit auf der Innenseite ablagert. Auch Schmutz und Öle soll die DWR abhalten, um die empfindliche Membran zu schützen, was allerdings auf Kosten der Umweltverträglichkeit geschieht. Im Neuzustand perlen Wassertropfen an den Jacken meist noch wunderbar ab. Durch mechanische Reibung lässt diese Wirkung allerdings je nach Trageintensität früher oder später nach. Dann muss die DWR entweder mittels Wärmebehandlung wieder reaktiviert oder nachimprägniert werden.


Der Spray-Test zeigt, wie gut die wasserabweisende Imprägnierung (DWR) funktioniert.

Das Fazit

Bei unseren Tests fiel vor allem auf, dass sich die Ergebnisse in den Bereichen Gewicht und Wasserdampfdurchlass enorm unterscheiden. Generell haben hier die Jacken mit mikroporösen Membranen wie Gore-Tex im Labor- wie auch Praxistest die Nase vorn. Wer einen maximalen Wasserdampfdurchlass möchte, sollte zu einem spartanischen Jackenmodell mit wenig Taschen (am besten Netztaschen), Reißverschlüssen und Nähten greifen, da diese Doppellagen verursachen.

Wer eine vollausgestattete Hardshell-Jacke sucht, sollte ein Modell mit Unterarmbelüftungen wählen, die bei starkem Schwitzen den Tragekomfort deutlich erhöhen. Die große Herausforderung der Hersteller besteht darin, den Wasserdampfdurchlass für die Praxis und nicht fürs Labor zu optimieren. Interessant wird sein, wie sich Hardshell-Jacken hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit entwickeln werden. Klar ist: Schutz der Nutzer und Schutz der Umwelt sollten Hand in Hand gehen. Eine möglichst lange Tragedauer ist in jedem Fall der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.
 
Text: Alexandra Schweikart & Moritz Becher
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 04/2019. Jetzt abonnieren!
 
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