Drei Tage Hüttentrekking in der Palagruppe | BERGSTEIGER Magazin

Drei Tage Hüttentrekking in der Palagruppe

Für Kenner ist der südlichste zugleich auch der schönste Teil der »bleichen Berge«. Die Kontraste zwischen Karst und Grün sind gewaltig. Eine sanfte Annäherung …
 
Trekking in der Pala © Pio Geminiani
»Dieser Weg wird steinig und schwer« – aber auch ziemlich spektakulär.
Die Ergriffenheit vieler Menschen, die sonst nicht hierher kommen würden, ist manchmal rührend.« Mit diesen Worten umriss der Pala-Kenner Luca Visentini in seinem Buch Pale di San Martino bereits vor über 20 Jahren die Vorzüge der Rosetta-Bahn und fügte mahnend hinzu: »Aber es soll bei dieser einzigen Seilbahn bleiben!«



Noch heute bringt die Seilbahn Wanderer ohne jeglichen Schweißverlust zum idealen Startpunkt einer großartigen Dreitagestour in der südlichen Palagruppe, die jeden Tag mit ebenso neuer wie beeindruckender Landschaft überrascht. Los geht’s am steil abfallenden Rand des Altopiano delle Pale. Nur wenige hundert Meter von der Bergstation entfernt, raubt diese schier endlose Hochfläche aus Kalk jedem Besucher fast den Atem.

Bella Pala, bella Italia

Egal ob wegen des Cimone della Pala, dem »Matterhorn der Dolomiten«, oder wegen der mehr als 1000 Meter hohen, senkrechten Sass Maor-Ostwand: Pala-Kenner sind sich schon lange einig, dass die faszinierendsten Felsformationen der Dolomiten östlich des Rolle-Passes zu finden sind. Vor allem aber ist die südlichste aller Dolomiten-Gruppen im Gegensatz zu Sella, Marmolada & Co. alles andere als überlaufen. Dies liegt sicher auch daran, dass die Pala nicht im deutschsprachigen Südtirol liegt, sondern in den bereits richtig italienischen Provinzen Trient und Belluno. Was bei einer Hüttentour durch die Pala auch kulinarisch ein absoluter Hauptgewinn ist.



Doch vor den Preis haben die Götter bekanntlich den Fleiß gesetzt, weswegen auch mit Seilbahnhilfe das Abendessen verdient sein will. Durch das stete Auf und Ab im Altopiano, das wie eine wogende, zu Fels erstarrte Meeresoberfläche anmutet, kommen auf dem Weg zum Passo Canali doch einige Höhenmeter zusammen. Wenn man früh genug dran ist, das Wetter mitspielt und keine Konvektionswolken die Sicht versperren, lohnt es sich auf der ersten Etappe noch den fast 3000 Meter hohen Gipfel der Fradusta zu besteigen. Bei guter Sicht reicht das Panorama von der Adamello- und Ortlergruppe über die Zillertaler bis zu den Julischen Alpen. Mit ein wenig Phantasie meint man, hinter der dunstigen Poebene sogar die glitzernde Adria zu erahnen.

Vom Karst ins Grün und retour

Der landschaftliche Kontrast zum felsigen Altopiano folgt wenig später beim steilen Abstieg ins grüne Val Canali. Zunächst geht es noch durch Geröllhalden, die aber zunehmend von Rasenflecken durchsetzt werden. Erstaunlich schnell stehen die ersten Bergkiefern am Wegesrand, die ihrerseits von Lärchen abgelöst werden. Zuletzt führt der Pfad durch einen schönen Bergwald, bis schließlich das Rifugio Treviso erreicht wird. Hinter der Sichtscheibe des alten Holzofens lodert das Feuer. Rundherum befindet sich eine gemütliche Raumnische mit umlaufender Sitzbank. Genau der richtige Ort, um die so abwechslungsreiche Startetappe ausklingen zu lassen.



Nach der romantischen Nacht im Val Canali steht der zweite Tag wieder im Zeichen des Hochgebirges. Der Zustieg zum Rifugio Pradidali führt durch das beeindruckende Vallon delle Lede und versprüht am gleichnamigen Pass alpines Ambiente. Schließlich fehlen dem Übergang ins Val Pradidali nur schlappe fünf Meter zur 2700 Meter-Marke. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur einzigartig gelegenen zweiten Bergunterkunft. Umgeben von den steilen Kalkwänden der Cima Pradidali, Cima Canali und der Cima di Ball ist die Pradidali-Hütte ein Dorado für passionierte Kletterer. Doch auch alle Besucher, die es nicht in die Vertikale zieht, kommen auf der Hüttenterrasse aus dem Staunen nicht heraus. Erst die frisch aufgebratene Polenta lässt die Münder wieder schließen.

Nachdem mithilfe des einen oder anderen Stahlseils unter dem beeindruckenden Gran Pilaster der Pala di San Martino gemeistert ist, entscheiden am letzten Tag die Oberschenkel: Ist noch ein Gegenanstieg zur Rosetta-Seilbahn drin? Oder lockt der direkte Abstieg nach San Martino di Castrozza? So oder so: Es werden nicht nur die Augen diese einmalige Gebirgslandschaft so bald nicht vergessen.
 

Informationen: Die Pala Hütten-Runde

  • 1. Tag: Bergstation Rosetta Bahn – Passo Canali – Rifugio Treviso, mittelschwere Bergwanderung, auf: 300 Hm, ab: 1250 Hm, Dauer: 4-5 Stunden
  • 2. Tag: Rifugio Treviso – Passo delle Lede – Rifugio Pradidali, mittelschwere Bergwanderung, auf: 1100 Hm, ab: 500 Hm, Dauer:4-5 Stunden
  • 3. Tag: Rifugio Pradidali – Passo di Ball - San Martino die Castrozza, mittelschwere Bergwanderung, auf: 300 Hm, ab: 1150 Hm, Dauer: 3 Stunden
Michael Pröttel
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