Der Transalpine-Run: Mission Alpenüberquerung | BERGSTEIGER Magazin

Der Transalpine-Run: Mission Alpenüberquerung

Den Transalpine-Run meistern - warum macht man so etwas? Das war so die letzte Frage, die ich mir stellte, kurz bevor wir nach Garmisch-Partenkirchen aufbrachen und ich die letzten Dinge in meine Tasche packte. Ich beantwortete es mir selbst ganz leicht: weil ich es kann. Der große Wettkampf kam viel zu schnell näher und plötzlich stand ich am 4. September 2016 an der Startlinie und wusste gar nicht so richtig mein Gefühlschaos unter Kontrolle zu bringen.
 
Das Ziel beim Transalpin-Run 2016: Durchkommen! © Cindy Haase
Das Ziel beim Transalpin-Run 2016: Durchkommen!
Mein ganzer Sommer drehte sich rund um den Transalpine-Run. Organisatorische Dinge mussten erledigt werden, Informationen gesammelt werden und dann natürlich das Training - was die meiste Zeit beanspruchte.

Die Herausforderung

Der Transalpine-Run ist ein Rennen mit sieben Etappen und führte von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen, mit ca. 250 km und jeweils 15.000 HM im Aufstieg und im Abstieg. Meine Teilnahme war zufällig und meine Zusage spontan. So bin ich halt, ich liebe Herausforderungen und kann auch nicht nein sagen. Mit von der Partie mein Laufkumpel Geo. Wir beide waren sozusagen vollkommene Greenhorns mit der Idee über die Alpen laufen zu wollen. Aber ganz ehrlich, zu dem Moment wusste ich noch nicht was auf mich und uns noch zukommen sollte.

Das Motto des Transalpine-Run ist gut getroffen: Drei Länder, zwei Läufer, eine Woche, ein Traum. Genauso verfolgten wir unseren Traum Brixen zu Fuß zu erreichen.

Reichte die Vorbereitung?

Kurz vor dem Start war ich noch maximal aufgeregt, aber guter Laune. Das Training meines Laufpartners gestaltete sich in den Wochen davor nicht wirklich perfekt und an vielen Bergtouren konnte er aufgrund beruflicher Prioritäten nicht teilnehmen. Das machte mir ein wenig Kopfzerbrechen, aber ich vertraute auf Geos Ruhe und Durchhaltevermögen. Wir kennen uns seit knapp 1,5 Jahren und liefen unseren ersten Marathon gemeinsam ein Jahr zuvor in Amsterdam.

Unser Ziel war von Anfang an klar: durchkommen. Wir wollten diese Alpenüberquerung genießen und erleben. Aus dem Genießen wurde leider des Öfteren eher Kampf, und Erleben, das haben wir sehr intensiv getan.

Die erste Etappe war schön und vor allem machbar, das Gelände war gut laufbar und die Zeitvorgabe bestens kalkuliert. Aber bereits bei Etappe zwei wurden die zeitlichen Cutoffs schon schwieriger und für uns hieß es schneller laufen und weniger genießen.

Bis zur Leistungsgrenze

Am dritten Tag kam bereits die Königsetappe auf uns zu mit vielen Anstiegen, die nicht enden wollten. Mehr als 3.000 Höhenmeter an einem Tag: das nagte bereits an der körperlichen Verfassung und vor allem auch mental. Wir waren glücklich im Tagesziel, mit dem Glauben, das Schlimmste wäre geschafft.



Die Steigerung kam dann bei der darauffolgenden Gletscher-Etappe, hier erreichten wir den höchsten Punkt des Transalpine-Runs. Bei 3.000 Meter war die Luft schon sehr dünn, ich körperlich am Ende und mein Magen rebellierte. Die Energielosigkeit brachte mich an meine Grenze und es war schwer noch einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ab diesem Punkt nahm mir Geo meinen Rucksack ab, übernahm die Verantwortung und schob mich sprichwörtlich den Berg hoch.

Am fünften Tag war alles ganz anders. Weniger steile Anstiege, weniger Zeitdruck und der Übergang nach Südtirol über das Timmelsjoch gaben mir Halt und Hoffnung, da wir schnell durchkamen. Die Natur und Aussichten machten mich an diesem Lauftag besonders glücklich. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das wir Brixen nun auch erreichen können.

Ein einziges Auf und Ab

Die vorletzte Etappe und alles war wieder anders. Ein Gipfel, der nicht enden wollte und das Zeitlimit im Nacken. Der Aufgabe und den Tränen nahe wurde deutlich wie unterschiedlich diese Etappen doch sein konnten. Drei Minuten vor Cutoff erreichten wir die dritte Verpflegungsstelle gerade noch rechtzeitig. Im Tagesziel empfand ich dann nur noch Enttäuschung. Den letzten Lauftag gingen wir strategisch schnell an, liefen mit Läufern, welche wir die ganze Woche nicht auf der Strecke gesehen hatten und konnten so dem Zeitlimit davonlaufen. Der Blick reichte bis in die Dolomiten, die Aussichten waren atemberaubend und die Trails liefen geschmeidig dahin.

Emotionsreicher Schluss

Kilometer um Kilometer denen wir uns Brixen näherten, machten uns stolzer, aufrechter und glücklicher. Auch wenn der schwere Downhill für uns nicht mehr schmerzfrei war: die letzten Meter hätten dafür nicht schöner sein können. Viele Zuschauer zollten ihren Respekt und klatschten. Das Ziel kam dann doch viel zu schnell, 250 km lagen hinter uns, gemeinsam gingen wir 15.000 Meter Höhen auf und auch wieder ab. Unser diesjähriges Ziel konnten wir erreichen, einmal über die Alpen mit ganz viel Emotionen.

Tränen, Kampf und Unmengen an M&Ms

Zurückblickend war es anders als ich es mir vorgestellt hatte. Auf der Strecke trafen wir vornehmlich nette Läufer. Wenn es einem nicht gut ging, was an der Tagesordnung war, gab es immer eine helfende Hand. Wir waren eine große Familie und hatten kaum das Gefühl im gegenseitigen Wettkampf zu stehen - zumindest im hinteren Drittel.



Mein Laufpartner Geo – unverzichtbar! Mit geringerem alpinen Training kämpfte er sich sagenhaft über die Berge und hatte sogar noch genug Kraft, mich zu ziehen. Ich selbst musste meine Grenzen erkennen, akzeptieren, Tränen kullern lassen, Freude und Leid innerhalb kurzer Zeit verkraften und dachte ich sei gut vorbereitet. Aber es scheint, dass man nie genug für den Transalpine-Run trainieren kann. Der Hunger danach ist beängstigend. Ich wusste gar nicht, wie verfressen man sein kann. M&Ms in Unmengen - schon morgens!

Fazit: das Abenteuer Transalpine-Run ist grandios, ein Happy End gab es allerdings nicht für jeden.

Mehr über Cindys Touren: www.runfurther.de

 
Cindy Haase
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