Ab in den Abgrund – Was ist Canyoning? | BERGSTEIGER Magazin

Ab in den Abgrund – Was ist Canyoning?

Viele begeisterte Freizeitsportler aber auch Laien sind bereits verbreitet mit den Sportarten des Kletterns oder auch Boulderns vertraut. Doch nur wenigen ist der Begriff „Canyoning“ bekannt – eine Sportart, die es schafft, Klettern, Rutschen, Abseilen, Springen, Schwimmen und gegeben falls sogar Rafting miteinander zu verbinden. Auch wenn diese sportliche Freizeitaktivität bereits weltweit begeisterte Touristen und Sportler in ihren Bann gezogen hat, soll mit diesem kompakten Guide Einsteigern das A und O des Canyonings näher gebracht werden.
 
Canyoning © www.pixabay.com, © juankabron (CC0 1.0)
Canyoning – Ein Freizeit-Erlebnis wie kein anderes.

Was ist Canyoning?

Canyoning (auch „Canyoneering“, „Schluchteln“ oder „Schluchting“ genannt) bezeichnet eine Sportart, in welcher eine Schlucht von oben nach unten hinab- (oder auch alternativ von unten nach oben hinauf-) gestiegen wird. Das Absteigen der Schlucht kann dabei auf verschiedene Weisen vollzogen werden. So ist es möglich die Schlucht nicht nur über das klassische Klettern bzw. Hinabseilen zu erkunden, sondern bei idealer Gegebenheit auch mit einem Sprung in das oftmals darunter gelegene Wasserbett des einschneidenden Flusses.

Die Erlebnissportart des Canyonings etablierte sich dabei erstmals in den späten 1990er Jahren in Spanien und Südfrankreich, von wo aus es sich über die Jahre in ganz Europa und bis in die USA verbreitete. Besonders bei Touristen erlangte Canyoning große Beliebtheit, die die außergewöhnliche Sportart verbreitet nutzen, um nicht nur die lokalen Landschaften und die Natur zu erkunden, sondern diese auch aktiv in ein einmaliges Abenteuer-Erlebnis einzubinden.


Der Grand Canyon zählt zu der bekanntesten Canyon-Formation der Welt. Bild: www.pixabay.com © Unsplash (CC0 1.0)

Canyons

Entsprechend der Bezeichnung „Canyoning“ wird die Sportart vorzugsweise an naturgegebenen Schluchten bzw. Canyons von Sportlern und Freizeitaktivisten aller Welt praktiziert. Canyons selbst entstehen hierbei durch das Einschneiden eines Flusses in eine Felsformation oder ein Gebirge wodurch diese über mehrere Jahre hinweg entsteht. Somit führt dies oftmals auch dazu, dass der einschneidende Fluss weiterhin durch die Schlucht fließt (und auch Wasserfälle erzeugt).

Canyons kommen in erster Linie in besonders trockenen Gegenden vor, in denen die Verwitterung durch den Fluss nur an einer zentrierten Stelle das Gestein des Gebirges abträgt und so die harten Kanten einer Schlucht erzeugt. Zudem existieren gemäß den verschiedenen Gebirgsstrukturen und Erdgegebenheiten weltweit Canyons in den verschiedensten Formen und Farben. Vom roten Antelope Canyon im Norden Arizonas über besonders enge Slot Canyons (zu Deutsch auch als „Klamm“ bezeichnet) bis hin zu Untersee-Canyons, bieten Canyons eine große Facettenvielfalt.

Zu den größten Canyons der Welt zählt derweil natürlich der weltbekannte Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona. Aufgrund seiner enormen Länge von 450km und Tiefe von 1800m ist der Grand Canyon allerdings verständlicherweise nur an ganz bestimmten Stellen für das Canyoning geeignet.


Auch in Deutschland werden vielerorts Canyoning-Touren angeboten. Bild:  www.pixabay.com © codex14880 (CC0 1.0)

Wo kann man in Deutschland Canyoning betreiben?

Auch Deutschland bietet eine Fülle an Orten, die sich ideal für einen Erlebnisurlaub samt Canyoning- Aktivitäten anbieten.  Entsprechend werden vielerorts gesamte Canyoning-Touren angeboten, die sich vor allem für geschlossene Gruppen als Urlaubs- bzw. Erlebnis-Trips eignen. So ist es Abenteuer-Lustigen bspw. geboten eine Canyoning-Tour durch die Wälder und Schluchten Goslars in Niedersachsen zu unternehmen oder auch in den Naturwäldern Forbachs in Baden-Württemberg.

Fest steht jedoch, dass Canyoning-Touren in Deutschland verständlicherweise vermehrt im Süden des Landes angeboten werden. Besonders Bayern liefert mit Canyoning-Touren, wie in Lenggries oder Sonthofen, einen atemberaubenden Trip durch die süddeutschen Naturkulissen. Wem dies noch nicht genug ist, der kann sich derweil natürlich auch noch südlicher begeben und Canyoning-Touren in Österreich aufsuchen. Besonders dort in der Nähe der Alpen sind die natürlichen Gegebenheiten für Canyon-Formationen nämlich ideal.

Sicherheit

Bei all dem Nervenkitzel und Verlangen nach Abenteuer soll jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich beim Canyoning, dennoch um eine sehr gefährliche Sportart handelt. Das Ignorieren von Gefahren und resultierend falsches Handeln beim Erkunden der Schluchten kann so im schlimmsten Fall zum Tod führen. Es erklärt sich von selbst, dass Canyoning ein großes Maß an alpin- und wassertechnischen Fertigkeiten voraussetzt und somit jede Canyoning-Tour von einem qualifizierten Führer geleitet werden muss.

Auch Interessenten sollten sich jedoch von Anfang an über die Gefahren des Canyonings bewusst werden. Denn sobald eine Canyoning-Tour begonnen hat, ist ein Rückzug vor Ende der Tour oftmals nicht möglich. Hinsichtlich der nötigen Fertigkeiten, müssen sich Canyoning-Tourführer daher selbstverständlich mit der Seiltechnik, Wildwassertechnik, Meteorologie, der ersten Hilfe, der korrekten Orientierung, Geologie und nötigen Ausrüstung des Canyonings auskennen.

Ausrüstung

Während dabei Canyoning-Gäste vor jeder Tour über nötige Fähigkeiten und Grundregeln des Canyonings vom Führer aufgeklärt werden, haben Gäste allerdings oftmals auch selbst für ihre nötige Ausrüstung zu sorgen. Unerlässlich für Gäste sind daher einer robuste Neoprenhose, Neoprenjacke, Neoprensocken, klettertaugliches Schuhwerk, ein tauglicher Kletter-Helm und ein Canyoning-Gurt. Die Ausrüstung eines Tourführers wird dabei um wichtige Gegenstände ergänzt, die zur zusätzlichen Sicherheit der Gäste beitragen. Neben mehreren HMS-Karabinern, zusätzlichen Aufstiegsinstrumenten und einem Notseil darf natürlich auch kein Mobiltelefon und Erste-Hilfe-Material fehlen.

Sicher zum Abenteuer-Erlebnis

Es lässt sich abschließend sagen, dass nur wenige andere Sportarten es vermögen das Erleben einer lokalen Naturkulisse samt Nervenkitzel und Abenteuer so zu verbinden wie das Canyoning. Doch auch wenn eine Canyoning-Tour durchaus seine diversen Reize, vom Klettern bis hin zum Schwimmen, bietet, sollten sich Canyoning-Gäste und vor allem Neulinge stets über die Gefahren des Canyonings bewusst sein. Denn nur, wenn während der Tour den Sicherheitsmaßnahmen, den Grundregeln und Anweisungen des Tourführers die gleiche Aufmerksamkeit wie den faszinierenden Canyon-Kulissen entgegengebracht wird, steht einem einmaligen Canyoning-Erlebnis nichts im Wege. 
 
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