Die schönen Viertausender in der Schweiz

Hochtour auf das Bishorn (4153m)

Das Bishorn gehört zu den einfachsten Viertausendern der Alpen. Allerdings nur, was die technischen Schwierigkeiten angeht. Keine Bahn kürzt den Aufstieg ab. Der Gipfel bietet daher ein authentisches Erlebnis des Hochgebirges mit all seinen Mühen und Freuden.
Von Caroline Fink
 
Neben dem Weißhorn wirkt das Bishorn rechts davon nur wie ein Grataufschwung. © Caroline Fink
Neben dem Weißhorn wirkt das Bishorn rechts davon nur wie ein Grataufschwung.
Es ist ein lauer Sommerabend im Juli 1884, als Elizabeth Burnaby – später bekannt unter dem Namen Elizabeth Main – mit ihrem Führer Josef Imboden im Wallis unterhalb des Dom biwakiert. Tags darauf wollen sie auf den 4545 Meter hohen Gipfel steigen. Im Abendlicht betrachten sie vom Biwak aus die Viertausender, als Josef Imboden die junge Engländerin auf einen besonderen Berg aufmerksam macht. »Sehen Sie, Madame, den schönen Gipfel rechts des Weisshorns?« Er deutet auf eine weiße Kuppe auf der anderen Talseite: das Bishorn. »Dieser Gipfel ist gut hundert Meter höher als der Piz Bernina und dennoch war noch nie jemand oben.«

Die abenteuerlustige Elizabeth ist begeistert. Gleich nach der Rückkehr vom Dom planen sie und Josef Imboden im Geheimen die Erstbesteigung. Am 6. August 1884 brechen sie in Zermatt auf, einen Tag später stehen sie auf dem Bishorn. So meinen sie zumindest. In Wahrheit erreichen sie nur den Ostgipfel und verpassen es, den 18 Meter höheren Hauptgipfel 250 Meter weiter östlich zu besteigen. Ein Missgeschick, mit dem sich Elizabeth ungewollt ein Andenken setzt: In Alpinistenkreisen heißt der Ostgipfel des Bishorns auch heute noch »Pointe Burnaby«. Bis heute ist das Bishorn ein begehrter Viertausender geblieben. Nicht zuletzt, da es als »einfach« gilt. Und noch etwas Besonderes bietet das Bishorn: die Aussicht auf den Nordgrat des majestätischen Weißhorns. Obwohl das Bishorn mit 4153 Metern kein knapper Viertausender ist, steht es im Schatten seines wuchtigen Nachbarn. Die Besteigung des Bishorns ist in jedem Fall lohnend.

Hochtour auf das Bishorn im Detail:

  • Normalroute: Nordwestflanke
  • Schwierigkeit: L+
  • Aufstieg: Ausgangspunkt ist die Cabane de Tracuit oberhalb von Zinal im Val d’Anniviers. Von dort erreicht man in wenigen Minuten den Rand des Turtmanngletschers östlich der Hütte. In südöstlicher Richtung folgt man dem Gletscher bis auf knapp 3400 Meter, schwenkt nach links und traversiert die Gletscherzunge, lässt einen Felssporn rechts liegen und gelangt an den Fuß des Hangs, der in die Scharte zwischen den zwei Gipfeln des Bishorns führt. Links liegt der Ostgipfel oder eben die Pointe Burnaby (4135 m), nach rechts führt ein Schneegrat zum Hauptgipfel.
  • Höhendifferenz: 2478 Hm (vom Tal)
  • Dauer: 2-3 Tage
  • Ausrüstung: komplette Hochtourenausrüstung
  • Talort/Ausgangspunkt: Zinal (1675 m) im Val d’Anniviers
  • Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug von Visp oder Martigny nach Sierre/Siders im Rhonetal und weiter mit dem Postauto via Vissoie nach Zinal
  • Gehzeiten: Zinal – Cabane de Tracuit 4½ Std., Cabane de Tracuit – Bishorn 3 Std.; Bishorn – Cabane de Tracuit 2 Std.; Cabane de Tracuit – Zinal 3 Std.
  • Beste Jahreszeit: Juli bis Mitte September
  • Karten: Swisstopo-Karte 1:25 000, Blatt 1327 »Evolène«, Blatt 1328 »Randa«; Swisstopo-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 283 T »Arolla«, Blatt 284 T »Mischabel«
  • Führer: Banzhaf/Biner/Theler »Matterhorn, Dent Blanche, Weisshorn – vom Col Collon zum Theodulpass«, SAC Verlag, 2010; Caroline Fink »Höhenwege im Wallis. Panoramawanderungen, Hüttenwege und leichte 4000er-Touren«, Bruckmann, 2014
  • Information: Anniviers Tourisme, Büro Zinal, Tel. 00 41/(0)27/4 76 17 05, zinal@anniviers.ch
  • Hütte: Cabane de Tracuit (3256 m), CAS, Tel. 00 41/(0)27/4 75 15 00, www.tracuit.ch

Routenverlauf:

Von Zinal in steilen Kehren hoch zu den Hütten von Le Chiesso (2061 m). Von diesen weiter bergwärts zur Alp von Combautanna und über Alpweiden und Geröllhänge auf gutem Pfad zu einer felsigen Rinne, durch die man einfach die Hütte erreicht. Von der Hütte geht es tags darauf in wenigen Minuten zum Rand des Turtmanngletschers östlich der Hütte. In südöstlicher Richtung folgt man dem Gletscher bis auf knapp 3400 Meter, schwenkt nach links und traversiert die Gletscherzunge, lässt einen Felssporn rechts liegen und gelangt an den Fuß des Hangs, der in die Scharte zwischen den zwei Gipfeln des Bishorns führt. Links liegt der Ostgipfel (4135 m), nach rechts führt ein Schneegrat zum Hauptgipfel.

Karte Hochtour Bishorn
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2015. Jetzt abonnieren!
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