Außergewöhnliche Hüttentour in den Dolomiten

Auf dem Stoneman-Hike durch's Hochpustertal

Die einfachsten Ideen sind oft die besten. Auf seinem »Stoneman-Hike« lotst Ex-Bikeprofi Roland Stauder Wanderer mit erfrischend altmodischen Mitteln durch das UNESCO-Weltnaturerbe der Hochpustertaler Dolomiten und belohnt sie mit einer außergewöhnlichen Trophäe.
Text und Fotos: Norbert Eisele-Hein
 
Wegweiser: Roland Stauders Steinmänner führen Wanderer durch die Sextner Dolomiten. © Norbert Eisele-Hein
Wegweiser: Roland Stauders Steinmänner führen Wanderer durch die Sextner Dolomiten.
Wow, der Blick aus dem Fenster des Berggasthofs Plätzwiese verspricht Kaiserwetter. Unten im Hochpustertal wabert noch der Morgendunst, während sich die Sonne ganz allmählich über das Dürrnstein-Massiv wälzt. Nichts wie raus aus den Federn, schnell frühstücken und los! Die 3146 Meter aufragende Hohe Gaisl wird regelrecht vom Sonnenball in Brand gesteckt, spiegelt sich samt ihrer Morgenröte in einer Pfütze. Heureka, unsere Route führt direttissima in dieses betörende Landschaftsgemälde.

Aber alles der Reihe nach. Der 43-jährige Südtiroler Roland Stauder hat in seiner Zeit als Mountainbikeprofi so gut wie alles gewonnen: 2003 den Gesamt-Worldcup, im gleichen Jahr die knüppelharte Crocodile Trophy in Australien. Siege beim Dolomiten-Mann, der Trans Alp Challenge und dem Red Bull Giants of Rio machten ihn zu einem der erfolgreichsten Mountainbiker des letzten Jahrzehnts.

Im Herbst 2009 hängte er seine Profikarriere an den Nagel. Doch das hieß für Stauder nicht, das Bike gegen die Couch zu tauschen. Lange hat er überlegt, wie es möglich wäre, die Essenz des Bikesports – »Herausforderung, Spaß und Flow in der Natur« erfahrbar zu machen. Er wollte damit auch dem Hochpustertal für die langjährige Unterstützung danken. Das Ergebnis war der erste Streich der Serie »Stoneman« – eine Traumrunde um Sexten, die bestes Bergkino für Biker bietet. Die Strecke hat längst Kultstatus.
stoneman hike hochpustertal
Morgendlicher Start am Fuße der Hohen Gaisl (3146 m)

Der Stoneman-Hike: Hochpustertaler Steinzeit

Den Stoneman-Hike hat Stauder im Frühsommer 2014 zum Leben erweckt – ein weiterer Geniestreich. Im Zeitalter von GPS-Geräten und Routenfinder-Apps bleibt er seinem ebenso archaischen wie anarchischen Denkansatz treu. Er reiht die schönsten Wanderwege wie Perlen an einer Kette aneinander. Als Orientierungshelfer setzt er auf Wegmarken, die sich schon seit Jahrhunderten in schwer zugänglichen Bergregionen bewährt haben – auf Steinmänner.
 
Stempeln am Stoneman Hike
  Stoneman-Logik: Vertrauen ist gut, stempeln ist besser.

Wanderer die Stauder auf dem Trip in die Hochpustertaler Steinzeit folgen, können sich eine Stoneman-Trophäe verdienen. Dafür hat der Bergfex Kontrollstellen installiert. Dort stanzen sich die Wanderer mit einer Zange Kontrollmarken in Armbänder, die sie mit dem Starterpaket erwerben. Wer die 54,5 Kilometer und 3400 Höhenmeter an einem Tag packt, bekommt einen Stoneman in Gold. Wer zwei Tage dafür benötigt, erhält Silber. Wer sich Zeit lässt bekommt Bronze – immerhin.

Doch zurück zum Trail: Wir folgen Stauders Roadbook und rücken immer näher an die Hohe Gaisl heran. Im Norden dominieren die Karnischen Alpen den Horizont. Der Blick zurück offenbart in einiger Entfernung die majestätischen Felsabstürze der Drei Zinnen.

Ein Platz zum Innehalten

Wir lassen die Kleine und Hohe Gaisl südlich liegen und wandern über prächtige Kämme Richtung Seekofelhütte. Oberhalb der Hütte hat Stauder wieder eine Stempelstation eingerichtet. Sie ist durch tibetische Gebetsfahnen, die lautstark im Wind flattern, gut sicht- und hörbar.

Knackiger Finaltag im Hochpustertal

Sennesjoch, Grünwaldjoch, Hochalmhütte: Allmählich schrauben wir uns bergab zum idyllisch gelegenen Pragser Wildsee. Wir staunen nicht schlecht, als vor dem mächtigen Forsthaus ein Motorradgespann mit zwei Wehrmachtssoldaten um die Ecke braust und eine ganze Abteilung Deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg im Stechschritt folgt. »Das Forsthaus dient oft als Filmkulisse«, erzählt Stauder. Über flache Waldpartien wandern wir gemach zurück nach Niederdorf und empfangen beseelt unseren Bronze-Stoneman. Wir sind froh, dass wir dem Lockruf des Goldes nicht erlegen sind. Denn weniger ist in diesem Falle eindeutig mehr.

Alle Infos zum Stoneman-Hike im Hochpustertal

Der Stoneman-Hike verbindet wunderbare Wanderwege im Hochpustertal zu einer kongenialen Runde mit 54,5 Kilometern und 3400 Höhenmetern.
  • Wie teilnehmen? Wanderer oder Bergläufer können in den Stoneman-Ausgabestellen ein Starterpaket erwerben. Dann gilt es, das Armband an den drei Checkpoints abzustempeln. Jeder, der die Herausforderung innerhalb von drei Tagen bewältigt, wird in die Finisher-Liste aufgenommen und erhält eine individuelle Stoneman-Trophäe in Gold, Silber oder Bronze. Start und Ziel ist in Niederdorf. Alle Infos unter www.stoneman.it.
  • Wie ankommen? Mit der Bahn über den Brenner zum Bahnhof Franzensfeste. Dort lokale Bahnlinie Richtung Innichen mit Haltestelle in Niederdorf. Mit der Mobilcard (www.mobilcard.info) lassen sich Züge, Busse und Seilbahnen stark vergünstigt nutzen.
  • Wo anklopfen? Tourismusverband Hochpustertal, Dolomitenstraße 29, I-39034 Toblach, Tel. 0039/4 74 91 31 56, www.hochpustertal.info (gratis Kartenmaterial mit Toureninfos)
  • Wo wohnen?
Der Stoneman Hike - Karte
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 10/2015. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren