Warme Handschuhe

Kältehochs sind für den Berg­steiger das ideale Winterwetter. Dafür müssen dicke Handschuhe her, die aber beim Aufstieg vielleicht zu warm oder für die Brotzeit zu klobig sind. Zweilagenmodelle können hier ausgleichen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen. Von Christian Schneeweiß

 
Worauf Sie bei warmen Handschuhen achten sollten © Bernd Ritschel
Worauf Sie bei warmen Handschuhen achten sollten
Kälte, Wind und Nässe. Diese Unbilden der winterlichen Witterung muss ein Handschuh für harte Einsätze aushalten können – und dabei noch griffig sowie je nach Einsatz mehr oder weniger robust sein.

Handschuhtypen
Grundsätzlich sind Zweilagen-Handschuhe variabler: Sie bestehen aus schützendem Außenhandschuh mit wasserdicht-atmungsaktiver Membran und Isolation sowie schweißleitendem Innenhandschuh. Bei Wärme oder zum Hantieren lässt sich nur der möglichst feinfühlige (taktile) Innenhandschuh verwenden – entweder ein schnelltrocknender Liner (z. B. Salewa) oder ein eigenständig verwendbarer Fleecehandschuh (z. B. Bergans). Vaude hat beide Innenhandschuh-Typen mit einem ungefütterten Überhandschuh zum variabelsten Dreilagenhandschuh verbunden. Hier fällt jedoch das Nahtproblem von Mehrlagenhandschuhen besonders auf: Top-Innenhandschuhe haben die Nähte außen (Extremities, Outdoor Research)! Mehrlagensystem und robuste Konstruktion der vorgestellten Handschuhe schlagen sich auch im Gewicht nieder, das in Größe L bei satten 250 bis 300 Gramm pro Paar liegt (als Vergleich wiegt der weniger funktionelle Northland nur 170 g!).

Finger oder Faust
Grundsätzlich sind Fingerhandschuhe (Northland, Norröna ohne Innenhandschuh) für die Handhabung besser als effektiver wärmende Fausthandschuhe (hier durchwegs Überhandschuhe). Fürs Eisklettern sowie Eistouren im Hochgebirge sind daher griffige Fingerhandschuhe ein Muss (Salewa, Extremities). Zum Felsklettern müssen die Finger zusätzlich sehr taktil sein (z. B. Vaude Mittelhandschuh aufgeklappt). Genial ist hier das 2-in-1-System von Mammut, bei dem die Hand entweder unisolierten Felskontakt hat (Innenkammer) oder gut gewärmt ist (Außenkammer). Fausthandschuhe eignen sich eher für Skitouren, Expeditionen oder besonders Verfrorene.

Isolation und Atmung
Am besten isolieren Hohlfasern wie Primaloft gegen Kälte, während dünneres Fleece für höhere Atmungsaktivität sorgt. Nichtsdestotrotz sollte man nur die Fausthandschuh-Version von Finger-Modellen bei extremen Niedrigtemperaturen verwenden (Salewa –40°)! Eine mit der meist etwas dehnbaren Außenhaut verbundene wasserdicht-atmungsaktive Membran mit verschweißten Nähten hält den Handschuh von außen trocken und winddicht. Dafür reduziert sie die Dampfableitung von innen bei Aktivität. Trotzdem ist das Hautempfinden aller vorgestellten Modelle dank dampfleitendem Gestrick der Außenhandschuhe (Vaude ungefüttert, Bergans Fleece) und Schnelltrocknung der Innenhandschuhe mehr oder weniger kuschelig.

Griffigkeit
Auch die Handfläche sollte im Einsatz atmen können, wofür griffig gemachtes, weiches Ziegenleder optimal ist (Salewa, Mammut). Keinen besseren, aber einen robusteren Grip hat man mit unangenehm dichtem PVC und dem griffigsten Hypalon (Outdoor Research) oder teildurchlässigen Besätzen aus Polyurethan (PU; Extremities perfekt mit Kevlar vernäht). Fingerlinge sollten die Durchblutung der Finger nicht behindern, also eher mittel als eng geschnitten sein (gilt bei Zweilagen-Handschuhen für beide zusammen). Eine Vorformung ist weniger wichtig als die tatsächliche Greiffähigkeit, wie z. B. die starre Greifform von Norröna zeigt.

Abschluss
Der Schwachpunkt wetterdichter Handschuhe ist ihr Arm-Abschluss. Während am Handgelenk mit Gummis, Riemen, Schnallen, Kletten und Zügen experimentiert wird, haben sich an der martialischen Stulpe (am längsten bei Bergans) über der Kleidung funktionelle Gummizüge mit Einhandbedienung als Abdichtung durchgesetzt (Northland hier schwach). Eine Spezialität gegen Vereisung und »Bändelei« sind Doppelzüge (einer auf, einer zu) wie z. B. bei Vaude.

Extras: Gut ausgestattete Zweilagen-Modelle haben eine abnehmbare Handschlaufe zur Sicherung gegen Verlust plus Fleecedaumen zum Schweißabwischen oder Brille putzen (Norröna plus Eiskratzer für die Skibrille außen) plus Zugschlaufe zum Ein- oder Ausschlüpfen (Mammut beide) plus Schnalle (Häkchen geht auch) zum Verbinden der Handschuhe im Rucksack oder beim Trocknen. Spezielle Eishandschuhe sollten über einen Knöchelschutz verfügen (Extremities, Mammut; Salewa Rückhandschutz wie Pistenhandschuhe). 

Tipps vom Outdoor-Experten
  • Beim Kauf darauf achten, dass Stulpenzüge und Handgelenk tatsächlich abschließen (können zu weit sein).
  • Handfläche und -krümmung sollten so griffig sein, dass die Hand am Metall des Skistocks kaum verrutscht.
  • Je besser die Trocknung des Innen-handschuhs, desto effektiver die Wärmung des Gesamthandschuhs.
  • Auf Skitour im Idealfall mit vollwertigem Innenhandschuh (atmend) aufsteigen und mit gefüttertem (Faust-) Handschuh (dicht) abfahren.
Handschuhe für harte Einsätze (Fotos Chr. Schneeweiß)
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