Im BERGSTEIGER Test: Softshell-Jacken

Sommer-Softshell Jacken

Softshells mit Fleecefutter sind im Winter ein guter Kompromiss zwischen Wetterschutz und Atmungsaktivität. Dafür muss man meist ein relativ hohes Gewicht der Jacken in Kauf nehmen. Dass es in wärmeren Jahreszeiten auch unter einem halben Kilogramm und teils ohne Fleece geht, zeigt diese Marktübersicht.
(Aus BERGSTEIGER 07/2009)

 
Im BERGSTEIGER Test 04/2009: Softshell-Jacken © Bernd Ritschel
Im BERGSTEIGER Test 04/2009: Softshell-Jacken
Gewichtig sind einige di­cker mit Fleecefutter beschichtete (super komfortable Bergans, 770 g in Größe XL) oder besonders wetterdichte (Northland, 740 g/L) Jacken dieser Übersicht. Wer bereit ist, bei den Faktoren Robustheit, Wärmung und Wasserresistenz einige Abstriche zu machen, der erhält leichte Jacken, die besonders gut für die Übergangszeiten (Mountain Equipment, 445 g/XL) oder sogar den Sommer (Berghaus, 355 g/L) taugen. Der Vorteil von Softshells gegenüber Hardshells wie Goretex Pro Shell liegt in der höheren Atmungsaktivität (sofern ohne Membran), der meist größeren Beweglichkeit und dem minimalen Bewegungsgeräusch.

Materialkombination und Lüftung von Softshell-Jacken

Im Gegensatz zu Hardshelljacken bieten Softshells beim Kauf ein großes Spektrum an Möglichkeiten, besonders bei Wasserresistenz kontra Atmungsaktivität sowie der Wärmung. Trotzdem ist die Materialkomposition immer die gleiche: Außen wird dauerhaft wasserresistent behandeltes und möglichst stark windresistentes Gewebe aus robustem Polyamid (PA = Nylon) oder dampfdurchlässigerem Polyester (PES) mit Gummibeimischung für die Dehnbarkeit verwendet. Eine winddichte Membran (Lochmembran in Polartec Power Shield 95 %) als Zwischenlage kann dauerhaft die Wasserresistenz erhöhen (Goretex Windstopper). Über den Daumen gepeilt gilt jedoch: Je größer der Wetterschutz, desto geringer die Atmung. Trotz des robusten Materials besitzen schwerere Softshells Schulterverstärkungen für schwere Lasten (Trekking, Hochtour; Bergans, Northland) und gute inzwischen nahtfreie Hüften gegen Drücken des Hüftgurts. 

Innen ist meist dünnes Fleece aus stark atmendem Polyester (perfekt Millet) eingeklebt. Dieses soll sowohl wärmen als auch durch Dampfweiterleitung trocken halten. Reine Sommer-Softshells besitzen dagegen kein Fleece, sondern allenfalls eine dünne, dampfleitende Poly­esterlage (z. B. Vaude) oder vielseitiges gebürstetes Gestrick (schwere Hochtourenjacke von Mountain Hardwear). Softshells mit winddichter Membran wie Goretex Windstopper dagegen sind auch in den Zwischenjahreszeiten sinnvoll (daher 3-Season-Einsatz, z. B. Schöffel, Mammut). Besonders raffinierte Konstruktionen setzen sich aus verschiedenen Stoffen zusammen, die je nach Stärke der zu erwartenden Schweißbildung bei Anstrengung unterschiedlich dampfdurchlässig sind – wie bei Mountain Equipment mit weniger wetterresistenten Powerstretcheinsätzen an Achseln (Dampfableitung) und Seiten (Wärmeableitung).

Am effektivsten zur Dampfableitung oder Kühlung ist aber eine per Reißverschluss (RV) variierbare Lüftung unter den Achseln. Die kann auch durch eine gute Taschenlüftung nicht vollständig ersetzt werden, da diese bei Niederschlag geschlossen werden sollte. Die top lüftende Mammut hat sogar einen durchgehenden Reißverschluss vom Rumpfabschluss bis zum Unterarm! Ein Softshell ist übrigens nicht wie häufig angepriesen ein Midlayer, sondern wird nur im Notfall (bei starkem oder dauerhaftem Regen bzw. Sturm) unter einem Hardshell getragen – Schwitzen garantiert!

Frontverschluss und Abschlüsse

Kennzeichen von Softshellja­cken ohne (winddichte oder wasserdichte) Membran ist ein wasserresistenter Front-RV mit Stoff- statt Gummischutz, der innen abgedeckt sein muss. Er lässt sich leicht öffnen und schließen, verfügt aber nur selten über einen zweiten Zipper, der die Jacke auch von unten öffnen lässt (Zweiwege-RV für Kühlung, Sichern; Berghaus, Mammut). Die Unannehmlichkeit eines komplett geschlossenen RVs am Kinn lässt sich entweder einfach durch eine Abdeckung (Patte) vermeiden oder durch einen seitlich (asymmetrisch) ausweichenden RV (Bergans).

Damit der schöne Wind- und Nässeschutz des Softshells nicht umsonst ist, sollten die Abschlüsse möglichst gut abdichten. Die Züge am Rumpf sollten unkompliziert einhändig zu bedienen sein und sich dem Körperumfang mit mehr oder weniger Kleidung perfekt anpassen lassen (nicht Mammut). Zusätzlich schützt eine Jackenverlängerung am Rücken vor Nierenunterkühlung beim Bücken und ermöglicht eine Verkürzung der Frontpartie (z. B. Millet). Berghaus verbindet optimal ein langes »Droptail« mit einzeln verstellbaren Zügen.

Bei den Ärmelabschlüssen gibt es eine große Vielfalt: Neben klassischen Klettabschlüssen (z. B. Schöffel) gibt es Lycra-Bündchen mit Daumenloch (Handwärmung, auch Ärmelfixierung; Mammut) oder mit einem konsequenten Stretchbund, der aber nur bei stark dehnbarem Material wie Polartec Powershield (Mountain Equipment) oder gutem Schnitt (Berghaus) funktioniert. Bei reinen Sommersoftshells ist diese Abdichtung zur Kühlung weiter geschnitten (z. B. Vaude).

Am Hals sollte der Front-RV zumindest unterm Kinn enden, für unwirtliches oder kaltes Wetter besser überm Kinn (Millet am Mund). Da kommt eine RV-Abdeckung am Kinn (Patte) gerade recht (z. B. Salewa). Ein Kragen bei Jacken ohne Kapuze sollte immer ein angenehmes Gefühl geben (z. B. Columbia). Ein ebenso sinnvoller Kragenzug (bei den Leichtmodellen nur Schöffel) kann bei geschlossenem Kragen unangenehm spürbar sein oder ein besonders kuscheliges Kragenfutter zu schneller Schweißbildung führen (Bergans). Schweißabsorbierendes Gestrick ist dagegen immer angenehm (Marmot). Ein neutraler Antischweißkragen führt kaum zum Schwitzen, ist aber nicht kuschelig (Berghaus).

Kapuze der Softshelljacken

Softshells ohne Kapuze sind prinzipell weniger wetterfest, da bei einer extra Kopfbede­ckung immer Wind oder Feuchtigkeit zwischen Kragen und Mütze oder Kappe eindringen kann. Die Kapuzen einiger der vorgestellten Leicht-Softshells schirmen das Gesicht fast so gut wie Hardshells vor Sturm ab (z. B. Millet). Es ist schwierig, eine Passform zu entwerfen, die sowohl ohne als auch mit Helm dem Kopf gut angepasst ist (allerdings lässt sich der Helm auch auf die Kapuze setzen). Diese Quadratur des Kreises gelingt Mountain Equipment, dessen Kapuze zudem perfekt der individuellen Gesichtsform anpassbar und so gut drehbar ist, dass man sie kaum bemerkt (beste Kapuze). Bei dem üblichen 3D-Zug zur Anpassung des Kapuzenvolumens (einhändig hinten) sowie den beiden Zügen zur Trimmung und Fixierung der Kapuze (seitlich nach unten) sind letztere meist etwas schwergängig oder mit beiden Händen zu bedienen.

Taschen

Bei den Taschen ist vielen Herstellern inzwischen aufgefallen, dass man die ganze Front des Softshells zur Aufbewahrung nutzen und für Abstecher auf den Rucksack verzichten kann: Von Kleinkram über Handschuhe/Mütze bis zur Trinkflasche/Verpflegung passt alles zusammen in solche übergroßen Seitentaschen (z. B. Mammut, Schöffel). Zudem bieten sie eine größere Kühlfläche bei geöffneten Taschenlüftungen, die bei den vorgestellten Modellen gut funktionieren. Alle Seitentaschen sind etwas hochgesetzt, bei Mountain Equipment deutlich. Einige Softshells besitzen zusätzlich Napoleon- oder Oberarmtaschen (Salewa nur diese beiden) für Wertsachen oder elektronische Geräte (bei Vaude iPod-Tasche innen).

Softshell-Jacken Test: Bewertungen

Der schönste Wetterschutz hilft nur bedingt, wenn die Abdichtungen am Kopf, den Ärmeln und den Rümpfen nicht passen oder gut anpassbar sind. Hierbei zeigt sich, dass Leicht-Soft­shells (Mountain Equipment, Millet) ebenso hervorragend abdichten können wie schwere extremere (Northland, Bergans). Umgekehrt sind nicht anpassbare Ärmelabschlüsse (Berghaus, Mammut, Salewa, Vaude) im Sommer durchaus erwünscht, um Schwitzen zu vermeiden – auf Kosten des Wetterschutzes.
Leicht-Softshells wärmen zwar weniger als Winter-Soft­shells; Jacken für Übergangszeiten oder Hochtouren wärmen aber auch (Mountain Equipment, Millet). Sommersoft­shells, die ungefüttert sind (Berghaus, Salewa), eine dünne Polyesterlage (Vaude) oder fast nur eine Membran (Columbia) besitzen, wärmen im Ruhezustand praktisch nicht.

Die meisten vorgestellten Softshells lassen sich gut von robusten bis hageren Bergsteigern tragen (»mittel bis schlank«; z. B. Salewa), wobei einige Hersteller auch Damenvarianten anbieten (z. B. Schöffel). Für beleibte Personen oder zum Unterziehen einer dicken Daunenjacke sind weite Jacken wie Marmot besser geeignet. Erfreulich bei den vorgestellten Softshells ist, dass keine Jacke bei Bewegung stärker verrutscht und sich teils Ärmel und Rumpf sogar kaum einen Millimeter bewegen (Millet, Berghaus). Einige Softshells sind so dehnbar, dass sie trotz hochrutschender Ärmel voll beweglich sind (Vaude, Mammut)

Anmerkung: Bei der Vergabe des Bergsteiger-Tipps wurden schwere Jacken ab 600 g in XL ausgeschlossen, obwohl Bergans den besten Komfort bietet und Northland größte Robustheit bei bestem Wetterschutz.

 Hier den vollständigen Testbericht Softshelljacken downloaden
Marktübersicht: Sommer-Softshells
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