Test: Isolationsjacken für kältere Tage

So bleibt die Kälte draußen - Isolationsjacken im Test

Künstlich ist nicht immer schlechter: Kunstfasern sind weniger feuchteanfällig als Daunen, halten weniger warm und sind somit vielseitiger einsetzbar. Wir zeigen Ihnen, auf welche Details Sie beim Kauf achten sollten.
(Aus BERGSTEIGER 10/2012)
 
So bleibt die Kälte draußen - Isolationsjacken im TestSo bleibt die Kälte draußen - Isolationsjacken im BERGSTEIGER Test 10/2012 © Bernd Ritschel, Andreas Strauß
So bleibt die Kälte draußen - Isolationsjacken im BERGSTEIGER Test 10/2012
Isolationsjacken bzw. wattierte Jacken mit Polyesterfaser-Füllung haben gegenüber Daunenjacken einige Vorteile: Sie tragen weniger auf, wärmen auch noch bei Durchfeuchtung, sind weniger anfällig und preisgünstiger. Wegen der geringeren Isolierung lassen sich Isolationsjacken in unserem für gewöhnlich gemäßigten Winter zudem vielseitiger einsetzen. Andererseits sind sie im Vergleich zur Wärmung schwerer, weniger atmungsaktiv und besitzen komprimiert ein größeres Packvolumen.

Isolation der Jacken

Während früher viele Hersteller eine eigene Füllfaser zur Isolation verwendeten, hat sich heute das relativ dünne und doch effektiv wärmende, leichte und komprimierbare Primaloft in verschiedenen Versionen durchgesetzt (Standardstärke 60 g/ m2 ). Primaloft ist windresistent und dampfdurchlässig, wasserabweisend und schnelltrocknend. Von den in dieser Übersicht berücksichtigten Herstellern verwenden eigene Isolationsfasern nur Mammut (vom hauseigenen Schlafsackhersteller Ajungilak) und Ortovox mit einer erstaunlich effektiven Wollfüllung der Marke Swisswool. Die Isolation der Jacken ist nicht sehr unterschiedlich (am wenigsten Vaude, am stärksten Schöffel und Mammut) und ausreichend für Temperaturen um Null Grad im Ruhezustand bzw. deutlich darunter bei Bewegung.

Jackentypen

Isolationsjacken bestehen aus nicht dehnbarem, auch innen glattem, dünnem Stoff, der mit einem Kragen (für Mützenträger) oder einer Kapuze (gegen Wind/Schneetreiben) abschließt. Die winddichte und stark wasserresistente Membran plus Kapuze plus fast nahtloser Vorderseite von Outdoor Research ist für unwirtliche Witterungsverhältnisse wie Schneetreiben ideal und macht ein Hardshell überflüssig. Sie reduziert aber die bei Aktivität unverzichtbare Dampfdurchlässigkeit. Umgekehrt lässt sich die Atmungsaktivität einer Isolationsjacke erheblich erhöhen und damit der Aktivitätsbereich erweitern, wenn sie seitlich bis zu den Achseln (Adidas) oder besser den unteren Ärmeln (Vaude) aus dampfableiten dem und windabweisendem Stretch-Fleece besteht. Daumenlöcher (Vaude, Mammut) bringen wenig, weil sie mit Handschuhen nicht nutzbar sind. Da die vorgestellten Isolationsjacken zu wenig robust für (Eis-)Klettern sind, ist das Bewertungskriterium des Verrutschens nur für Skitouren von Bedeutung. Hier kommt es inbesondere darauf an, ob der Rumpf hochrutscht (Ortovox, Schöffel und Vaude). Die Ärmel verrutschen meist erst dann, wenn man die Arme über den Kopf hebt (bei Adidas kaum). Bis auf Ortovox sind alle Isolationsjacken gut imprägniert, Outdoor Research mit Membran auch dauerhaft gegen feuchten Schneefall. Die Wasserresistenz von Adidas und Vaude wurde abgewertet, weil ihre seitlichen Stretchfleece-Einsätze Wasser aufsaugen. Dies gilt auch für alle Futter am Reißverschluss (RV), so dass Haglöfs mangels Innenabdeckung am Front-RV undicht ist.

Kapuzen und Gewicht

Nicht nur bei Wind und Schneefall, auch als Schutz bei Kälte oder gegen Fahrtwind beim Abfahren ist eine Kapuze effektiver als eine Mütze oder Schutzkappe. Sie dichtet bei den vorgestellten Modellen, davon zwei mit einhändig bedienbaren DreizugAnpassungen, gut ab und der Kopf lässt sich auch mit aufgesetzter Kapuze fast ungehindert drehen. Nur die Schilde gegen Wind und Schneefall könnten größer sein. Outdoor Research und Schöffel bieten den besten Wetterschutz. Isolationsjacken mit Kapuze wiegen ab 450 Gramm (Vaude). Leichtjacken nur mit Kragen gibt es inzwischen ab 340 Gramm Gewicht (Norröna) in Größe L alias 50/52, was sie dünnen Daunenjacken nahezu ebenbürtig und technisch überlegen macht (kein Verrutschen der Isolation). Sie sollten in eine Seitentasche oder einen Packbeutel komprimierbar sein (Adidas, Outdoor Research und Norröna bzw. Haglöfs).

Abschlüsse und Frontverschluss

Damit die Isolation der Jacken voll zur Geltung kommt, sollten sämtliche Verschlüsse und Abschlüsse gut gegen Witterungseinflüsse abdichten. Isolationsjacken besitzen meist an den Ärmeln mäßig elastische Lycrabündchen, die nur gut abdichten, wenn sie zum Handgelenk passen (Vaude und Ortovox sehr weit). Klette lassen sich dichter schließen und beliebig verstellen (Schöffel). Dies gilt auch für einhändige Rumpfzüge (Mammut, Schöffel und Norröna anfangs mühsam) – wobei einfache elastische Lycrabündchen hier ähnlich gut abdichten (Vaude, Haglöfs und Ortovox). Jacken, die statt Kapuze nur einen Kragen haben, wurden in Sachen Abdichtung um eine Stufe schlechter bewertet. Die Krägen aus dem glatten Stoff des Innenfutters fühlen sich meist angenehm an (Mammut und Norröna kuschelig), sind aber teils recht weit geschnitten (z. B. Ortovox). Bei Adidas dichtet der Kragen mit schweißabsorbierendem Rand am besten ab und lässt sich zur Lüftung umklappen.

Taschen und Ressourcenschonung

Die Seitentaschen von Isolationsjacken sollten als Handwärmer isoliert und als Staufach voluminös sein. Bei Mammut, Vaude und Outdoor Research sind sie richtig kuschelig und groß (auch Adidas und Norröna). Mammut hat innen große offene Trocknungstaschen, Ortovox und Outdoor Research Werttaschen, die wie die weniger wärmenden äußeren Napoleontaschen ideal sind, um darin elektronische Geräte vor Kälte zu schützen. Ressourcenschonung wird bei einigen Herstellern groß geschrieben: Bei Vaude ist das Material vollständig Bluesign-zertifiziert, das heißt, bei der Herstellung wird darauf geachtet, dass der Ressourcenverbrauch minimal gehalten und die Gesundheit weder bei der Herstellung noch der Verwendung beeinträchtigt wird. Für Freunde natürlicher und regionaler Produkte bietet sich Ortovox an, dessen Wolle und Stoffe komplett aus Europa stammen.

 Hier den kompletten Testbericht Isolationsjacken herunterladen
Text: Christian Schneeweiß; Fotos: Bernd Ritschel, Andreas Strauß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 10/2012. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren