Test: Kaufberatung Trekkingschuhe

Lang-Läufer - Robuste Trekkingschuhe im Test

Es hilft alles nichts, wenn der Schuh nicht passt. Gerade bei mehrtägigen Wanderungen können Blasen oder Druckstellen einem die ganze Tour vermasseln. Genauso wichtig ist es aber, dass die Stiefel zum Gelände passen, in dem man unterwegs ist.
(Aus BERGSTEIGER 07/2014)

 
Trekkingschuhe im BERGSTEIGER Test 07/2014 © Hanwag / Moritz Attenberger
Trekkingschuhe im BERGSTEIGER Test 07/2014
Des Wanderers wichtigstes Sportgerät sind die Bergschuhe. Sie entscheiden darüber, wie weit die Füße einen tragen, ohne dass sie schmerzen. Und nicht nur das: Robust müssen sie sein, sollen Hitze und Kälte, Nässe und Staub standhalten. Und das oft über mehrere Wochen hinweg ohne ausgiebige Pflege. Welcher Bergschuh für den Kauf in Frage kommt, darüber entscheidet zunächst einmal der Einsatzzweck. Die einen brauchen die Trekkingstiefel für Weitwanderungen durch weitgehend flaches Wiesen- und Waldgelände, die anderen wollen damit über Stock und Stein und zahlreiche Höhenmeter hinauf bis in die felsigen Gebirgsregionen.

Die von uns getesteten, robusten Trekkingschuhe entsprechen am ehesten den klassischen Bergschuhen: Mit ihnen lassen sich mehrtägige Touren mit schwerem Rucksack gehen, ohne dass die Füße überlastet werden oder nennenswerte Verschleißerscheinungen am Schuh auftreten. Außerdem vermitteln die Schuhe nicht nur auf schlechten Wegen, sondern auch an steilen Hängen, auf grobem Schutt oder im angetauten Firnfeld Trittsicherheit. Preislich liegen die getesteten Modelle mit Kosten zwischen 200 und 260 Euro etwas über dem, was man durchschnittlich für einen normalen Wanderschuh bezahlt.

Trekkingschuhe Test - Das Material

Robuste Trekkingschuhe bestehen fast durchwegs aus zähem Leder (bei The North Face Leder vorn, Grobtextil hinten). Für gewöhnlich saugt dies weniger Nässe als Texilmaterial, doch über Schwachstellen wie Nähte kann Wasser auch durch Leder leichter nach innen dringen. Dauerhaft wasserdicht werden die Stiefel durch eine Membran (bei den meisten Stiefeln von Gore-Tex) im Textilfutter, welches am Schaft im Knöchelbereich über weichen Schaumstoff gezogen ist. Beim Modell von La Sportiva mit Memory Foam passt sich der Schuh sogar dauerhaft der individuellen Fußform des Trägers an. Robuste Trekkingschuhe besitzen ebenso wie Alpinschuhe einen rundum laufenden Gummischutz, der meist im Zehen- und Fersenbereich hochgezogen ist. Er schützt das Leder vor Verletzungen durch scharfkantige Steine und macht den Schuh somit langlebiger.

Schnürung und Schaft

Die Schnürung entscheidet über den Halt des Fußes im Schuh. Ist er zu fest, schnürt es die Blutzirkulation ab; ist er zu locker, bietet er nicht genügend Stabilität, um Lasten bis zu 25 Kilogramm über holprige Wege, bergauf und bergab zu tragen. Am besten funktionieren zweigeteilte Schnür systeme: Zwischen den Ösen oder Schlaufen am Vorfuß und den Haken am Schaft sollte sich ein Spezialhaken zum Fixieren der Schnürsenkel befinden. Hanwag und Lowa ermöglichen das schnelle Festziehen in diesem unteren Bereich in einem Zug. Um dem Lockern der Schnürung auch im oberen Bereich vorzubeugen, bindet man einfach eine Doppelschleife. Ein hoher, relativ steifer Schaft reduziert bei schwerer Last oder schwierigem Gelände das Risiko umzuknicken. So werden nicht nur Schäden am Knöchel verhindert, sondern auch ein sicheres Gehen am Hang mit präzisem Einkanten ermöglicht, ohne seitlich abzurutschen. Aku und The North Face mit weicheren und kürzeren Schäften passen sich dagegen eher dem Gelände an, was sie optimal auf felsigem Untergrund, aber weniger geeignet für Schnee macht. Die individuelle Fußform spielt ebenso wie der Einsatzzweck eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Schuhmodells. Je enger die Schuhe sitzen, desto besseren Halt geben sie beispielsweise in felsigem Gelände. Breitere Passformen sind bequem und eignen sich eher für sanfte Touren durch Wiesen- und Waldregionen. Wichtig ist allerdings besonders im Aufstieg ein guter Fersenhalt, der natürlich auch von der individuellen Fußform und den Socken (Dicke und Verrutschen) abhängt. Eine Zugschlaufe als Einstiegshilfe am relativ hohen Schaft ist immer praktisch.

Trekkingschuhe Test: Griffige Grundlage

Robuste Trekkingschuhe für schwere Lasten und anspruchsvolle Wege soll ten eine relativ steife Sohle besitzen, die unter den Ballen entweder ergonomisch gerundet ist (beispielsweise bei den steigeisenfesten Modellen von La Sportiva und Zamberlan), zusätzlich am Vorderfuß flexibel abrollt oder eine Knickstelle unter den Ballen besitzt (wie das Modell von The North Face).

Für eine optimale Kantenstabilität des Schuhs ist zusätzlich zum Sitz des Fußes im Schuh eine hohe seitliche Verwindungssteifigkeit der Sohle erforderlich. Allerdings gilt tendenziell: Je steifer die Sohle des Schuhs, desto unbeholfener das Gehen auf holprigen Wegen und umso häufiger das Ausrutschen auf Wurzeln. Hinzu kommt ein reduziertes Gefühl für den Untergrund, auf dem man sich bewegt. Auch die Dämpfung der Sohle ist für schwere Lasten und einen exakten Antritt allgemein härter. Dafür ist der Fuß vor Schäden geschützt, wie sie infolge von Überlastung auftreten können.

Dreckabweisendes Profil

Die grobstolligen, kantigen Profile sind mindestens fünf Millimeter tief (bei Hanwag 7-6 mm; Wechselprofi l bei La Sportiva 6-4 mm; Trailprofil bei Mammut 4 mm) und besitzen einen ausgeprägten Absatz (8-12 mm) für besseren Halt auf feuchtem Boden und um Rutschpartien im Abstieg zu vermeiden. Modelle, die sich auch für leichte Kletterstellen eignen, haben nicht nur eine profi llose Reibungsfl äche an den Zehen, sondern auch niedrige Profilabsätze (6-7 mm).

Ein Fortschritt sind Profile mit größerem Stollenabstand, an denen weniger Dreck hängen bleibt. Die zusätzliche Stollenabschrägung reduziert allerdings den Profilgriff. Die harte Gummimischung der Profilsohlen von robusten Trekkingschuhen sorgt für geringeren Verschleiß, verspricht aber auch weniger Reibung und Bodenanpassung als bei weicheren Gummisohlen. Alle Modelle mit Profilsohlen von Vibram sind wiederbesohlbar. Bei Schuhen, die ein Leben lang halten sollen, ist das durchaus ein Kaufkriterium.

Die richtige Schuhpflege

  •  Um das Leder geschmeidig zu halten und seine Lebensdauer zu verlängern, sollte man es regelmäßig mit einer Handcreme einreiben. Lederschuhe mit oder ohne Membran sollten zudem gelegentlich an den Nähten gewachst und vor nassen Touren imprägniert werden.
  •  Gerade ein fester, robuster Schuh sollte beim Anprobieren rundum bequem sein, denn etwaige Druckstellen passen sich beim Einlaufen kaum noch dem Fuß an.
  • Tiefzughaken zwischen Vorfuß und Schaft pressen die Ferse gegen den Absatz. Fixieren sie gleichzeitig die Schnürung oder gibt es einen extra Fixierhaken, lassen sich Vorfuß und Schaft unterschiedlich fest schnüren.
  • An den Sohlen pappender Schnee, weniger dagegen Dreck lässt sich besonders bei dreckabweisendem Profi l abschlagen, indem man mit einem Schuh seitlich oder von hinten gegen den anderen Schuh klopft

So testet der Bergsteiger

  • Für den Funktionstest wurde beim Anziehen der Schuhe auf Art, Schnelligkeit und Effi zienz der Schnürung geachtet. Der resultierende Sitz am Fuß ging in die Bewertung ein (etwaige Lockerungen der Schnürung beim Gehen wurden nur registriert).
  • Für die Bewertung des Abrollens über den Ballen, aber auch über die Ferse reichte das Gehen in der Ebene (wie einem Sportgeschäft) nicht aus. Steiler Aufstieg mit maximaler Dehnung der Vorfuß-Sohle und harter Abstieg (Fahrweg) auch zur Ermittlung der Dämpfung (Abweichungen vom relativ harten Standard wurden registriert), v. a. an der Ferse waren hierfür erforderlich.
  • Bei seitlichem Auf- und Abstieg und Querungen im steilen Gelände (Wald und Wiese) wurde die Einkantfähigkeit ermittelt, die zusammen mit dem Sitz am Fuß sowie Schaft- und Verwindungssteifi gkeit die Seitenstabilität bestimmte. Diese ist eher für die Bergtauglichkeit als für die Wanderfunktion der Schuhe wichtig. Der Kantenhalt wurde zusätzlich an einem Treppenabsatz geprüft.
  • Ebenfalls im Auf- und Abstieg wurde der Profilgriff getestet, und zwar auf Wald- und Wiesenboden sowie auf erdigen oder schlammigen Wegen.
  • Die Dreckabweisung, also das Haftenbleiben oder Abfallen von Erde oder Schlamm am Profil, fiel sozusagen als Abfall an. An Felsen wurde die Reibung getestet.

Die Modelle im Überblick

  1. AKU Superalp GTX W’sAKU Superalp GTX W’s
    Info: www.aku.it Preis: 210 € Gewicht/Paar: 1750 g
  2. BOREAL ZanskarBOREAL Zanskar
    Info: www.e-boreal.com Preis: 199,95 ,- € Gewicht/Paar: 1760 g (Gr. 46)
  3. DACHSTEIN Dolomiti D-TexDACHSTEIN Dolomiti D-Tex
    Info: www.dachsteinoutdoorgear.com Preis: 199,95 € Gewicht/Paar: 1760 g (Gr. 46,5)
  4. GARMONT Ferrata GTXGARMONT Ferrata GTX
    Info: www.garmont.com Preis: 199,95 € Gewicht/Paar: 1690 g (Gr. 45)
  5. HANWAG Alverstone GTX W’sHANWAG Alverstone GTX W’s
    Info: www.hanwag.de Preis: 249,95 € Gewicht/Paar: 1980 g (Gr. 46)
  6. LA SPORTIVA Karakorum Trek GTXLA SPORTIVA Karakorum Trek GTX
    Info: www.lasportiva.com Preis: 259,95 € Gewicht/Paar: 1820 g (Gr. 46)
  7. LOWA Lavena GTX W’sLOWA Lavena GTX W’s
    Info: www.lowa.de Preis: 239,95 € Gewicht/Paar: 1600 g (Gr. 42)
  8. MAMMUT Alto High GTX MMAMMUT Alto High GTX M
    Info: www.mammut.ch Preis: 200,- € Gewicht/Paar: 1500 g (Gr. 46)
  9. MILLET Heaven Peak GTXMILLET Heaven Peak GTX
    Info: www.millet.fr Preis: 259,90 € Gewicht/Paar: 1590 g (Gr. 45)
  10. SCARPA R-Evo Pro GTXSCARPA R-Evo Pro GTX
    Info: www.scarpa-schuhe.de Preis: 259,- € Gewicht/Paar: 1625 g (Größe 46)
  11. THE NORTH FACE W Verbera Light Packer GTXTHE NORTH FACE W Verbera Light Packer GTX
    Info: www.thenorthface.eu Preis: 200,- € Gewicht/Paar: 1500 g (Gr. 42)
  12. ZAMBERLAN Vioz Plus GTX RRZAMBERLAN Vioz Plus GTX RR
    Info: www.zamberlan.com Preis: 239,95 € Gewicht/Paar: 2100 g (Gr. 46)

Den kompletten Testbericht können Sie in der BERGSTEIGER Ausgabe 07/2014 nachlesen
Text: Christian Schneeweiß, Fotos: Hanwag / Moritz Attenberger
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