Test und Tipps zum Kauf: Wasserdichte Überhosen

Bester Beinschutz bei Gewitter und Regen im Gebirge sind wasserdichte Überhosen. Im Outdoor- Bekleidungscheck haben wir acht Modelle ausprobiert und sagen worauf beim Kauf von wasserdichten Überhosen zu achten ist.

 
Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität sind die Haupteigenschaften von Komfort-Überhosen. Dank dieser schützen sie vor unwirtlicher bis extremer Witterung –je nach Modell und Einsatzgebiet. Vom leichten Nieselregen bis hin zum orkanartigen Regensturm. Bei Letzterem allerdings lecken die meisten Modelle auf lange Sicht – gerade an den Reißverschlüssen. Insbesondere im Bereich der Hosentaschen dringt Wasser ein oder sammelt sich am unteren Ende des Eingriffs (bei Mountain Equipment Wasserablauf).

Echte Typen
Der klassische Typ einer Überhose ist entweder leicht oder robust. Erstere eignet sich zum Wandern oder Klettern (z. B. Adidas) und Letztere für den Einsatz auf Hochtouren oder im Winter (z. B. Millet). Beide Varianten besitzen zwei durchgehende Seiten-Reißverschlüsse (RVs) für eine Komplettöffnung der Hosenbeine, um auch mit Steigeisen oder im Winter auf Tour mit Ski problemlos einsteigen zu können. Der zweite, auf Hochtouren oder Expedition (dort besonders sinnvoll) immer beliebtere Typ besitzt Reißverschlüsse, die nur bis zur Hüfte reichen. Man sollte diesen Hosentyp am besten zusammen mit einer langen Unterhose vor der Tour anziehen. Denn unterwegs lässt er sich kaum über die Ausrüstung an den Füßen ziehen (für Schuhe reicht es gerade noch). Diese (Über-)Hosenart besitzt meist Seiten- und sogar eine Gesäßtasche (Northland). Die RVs dieser Gattung lassen sich leicht bedienen und können so ihre Sekundärfunktion als Lüftung einfach erfüllen.

Bedienbarkeit und Verrutschen
Wichtigstes Bewertungskriterium ist die Bedienbarkeit der Seiten-RVs, und die Verarbeitung an ihrem Schwachpunkt am Hosenbund. Hier erzielten fast alle Modelle ein gutes bis sehr gutes Ergebnis (Salewa perfekt). Die Überhose von Adidas besitzt als einzige dieser Kaufberatung an der doppelten Abdeckung der nicht dichten Seiten-RVs Klettverschlüsse. Die sorgen zwar für Regensturmdichte, sind aber beim Bedienen eher lästig. Der Vorteil wasserdichter Seiten-RVs ist hingegen, dass sie nur eine Abdeckung innen benötigen und nicht von alleine verrutschen. Dafür sind sie schwergängiger als normale RVs, und Innenabdeckungen mit eher weichen Leisten sind schwerer zu bedienen als steife. Sie tendieren zum Einklemmen (v. a. bei Vaude oben, auch Bergans). Obwohl Seiten-RVs die volle Beweglichkeit des Hosenbeins behindern, lässt sich mit einer Kombination von Vorformung und etwas Dehnbarkeit ein lästiges Verrutschen des Stoffs im Kniebereich beim Steigen verhindern (ideal bei Mountain Equipment, sehr weit Marmot und Bergans; Salewa und Vaude spannen etwas am Oberschenkel).

Abschlüsse
Durchgehende RVs haben zwei große Probleme: Nach Komplettöffnung gleicht das Wiedereinführen des Zweiwege-RV seinem lästigen Gefummel und bei Lüftung ist der Halt des Bundverschlusses schwierig, da der RV dann oben offen ist. Perfekt gelöst ist letztere Problematik bei Salewa mit Doppeldruckknöpfen am Bund. Einfach und gut auch die Lösung von Millet mit breiten Verstellkletten. Zwar lassen sich alle Weitenverstellungen mit Seitenkletten (meistergänzend zu Gummibändern) zur Anpassung an Bauch- und Kleidungsumfang mehr oder weniger gut bedienen (Northland nur Gürtel; Mountain Equipment Träger). Aber deren Variabilität ist sehr unterschiedlich: Die Passform reicht von etwa mittlerer Weite (Millet) oder »weit bis eng« (Adidas) bis hin zu schmalspurigem »mittel bis eng« (Salewa mit Druckknöpfen). Perfekten Sitz bieten Bergans und Millet mit hochgezogenem Gesäßteil, wobei Bergans (und Northland) mit kuscheligem und schweißabsorbierendem Gestrickbund aufwarten (sinnvoll bei alleinigem Tragen). Die Beinabschlüsse aller vorgestellten Überhosen sind seltsamerweise deutlich weiter als bei Berghosen. Teilweise ist das auf die Skitourentauglichkeit der Modelle zurückzuführen (Salewa mit einfachem, Mountain Equipment mit Gamaschen-Schneefang). Um die Hosenbeine gut abzuschließen und eine Behinderung beim Klettern auszuschließen, sollten sie eng einstellbare Klettverschlüsse oder Druckknöpfe besitzen. Bei Marmot, Salewa und Adidas (zusätzlich unzuverlässig) sind diese leider nicht ausreichend. Gegen das Eindringen von Schnee hilft nur ein zusätzlicher Gamaschenhaken, der in die Schuhschnürung eingehängt wird (z. B. Vaude). Noch besser schützen extra Gamaschen.

Material
Um Gewicht und Packvolumen zu senken oder um den Preis zu reduzieren, werden häufig zweieinhalblagige Membran-Laminate wie Goretex Paclite verwendet (sinnvollerweise mit Packbeutel wie bei Salewa und Northland). Diese Laminate sind innen abriebresistent und noch relativ robust im Vergleich zu den robusten dreilagigen. Obwohl es nicht den Anschein hat, nimmt man dafür eine geringere Atmungsaktivität und Verstärkungen an den Knien in Kauf. Nur die (Über-)Hosen von Marmot und Millet sowie die Expeditions-Überhose von Mountain Equipment sind sinnvollerweise auch am Gesäß verstärkt. An den Unterschenkeln sind in jedem Fall ab den Beinabschlüssen innen Besätze aufgenäht oder -geklebt (außer Leichthose Adidas). Je höher und robuster diese sind, desto besser ist die Steigeisenfestigkeit (Northland und Vaude am besten, bei lokalem Verlust der Atmungsaktivität). Trotz Besätzen und Reißverschlüssen liegt das Normalgewicht komfortabler bis extremer Überhosen bereits bei unter 500 Gramm in Größe XL (Expeditionshose von Mountain Equipment aber 800 g)! Die komfortable Leicht-Überhose von Adidas kommt sogar einfachen Überhosen nahe (ca. 375 g; Packbeutel fehlt).

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