Der fast vergessene Optik-Klassiker

Das richtige Fernglas zum Wandern

Der Rucksack hat ein Gewichtsproblem! Wieder wird abgewogen, was ist zwingend, was nur Ballast! Die Kamera? Klar - und das Fernglas? Eigentlich gehört es dazu, aber es muss auch getragen werden! Also doch zuhause lassen? Falls Opa‘s Feldstecher gemeint ist, mit richtig Gewicht und regelmäßig Kopfschmerzen, darauf lässt sich gern verzichten!
Von Walter J. Schwab
 
Fernglas zum Wandern - Mit dem ZEISS Victory 8 x 32 in der Bergwelt Nepals. © Walter J. Schwab
Ferngläser zum Wandern und Bergsteigen
Aber eine moderne Optik ist damit absolut nicht vergleichbar und sollte bei keiner Berg- und Trekkingtour fehlen. Denn Outdoor bedeutet ja „Natur erleben“, und für den Zugang ist das Fernglas zum Wandern ein starker Schlüssel. Die Welt vor uns wird klarer, detailreicher, intensiver. Entferntes am Horizont genau wie Dinge direkt am Weg. Und als profanes Werkzeug findet es Punkte und Markierungen für den sicheren Weg und bildet so auch eine verlässliche Kraft für den Tour-Erfolg. In der Outdoor-Branche ist das Fernglas neben GPS, Headcams und Hightech-Klamotten eine Randerscheinung geworden. Das ist schade! Umso wichtiger sind Informationen, um das richtige Glas zu wählen und es richtig zu nutzen.

Wie ist das Fernglas zum Wandern aufgebaut?

Alle Gläser besitzen eine ähnliche, dreiteilige Optik, die so funktioniert:
a) Das vordere Linsensystem (Objektiv) erzeugt im Inneren des Fernglases ein kopfstehendes, seitenverkehrtes Bild.
b) Durch Spiegelungen im Prisma wird es wieder aufgerichtet.
c) Das Okular ist faktisch eine Lupe, durch die das Bild vergrößert angeschaut wird. Das alles jeweils in zwei Rohren, die durch eine variable Knickbrücke verbunden sind. Die sorgt auch dafür, dass beide Seiten parallel und dauerhaft präzise in eine Richtung schauen - sonst entstehen unangenehme Doppelbilder! Um auf unterschiedliche Entfernungen scharfzustellen, werden über den Mitteltrieb Linsen im Gehäuse-Inneren verschoben. Die äußeren Linsen sollten sich dabei nicht bewegen, sonst würde durch die „Pump-Bewegung“ Luft (und damit Staub und Feuchtigkeit) ins Gehäuse gesaugt.

Vergößerung und Objektivdurchmesser

Wir erwarten vom Fernglas ein vergrößertes und helles Bild. Zwei Eigenschaften, die sich bereits in der Modellbezeichnung durch zwei Zahlen ausdrücken, zum Beispiel „8 x 32“.

Die erste Ziffer ist die Vergrößerung. Das Nashorn (siehe Bildergalerie unten) erscheint im 8-fachen Fernglas 8-mal so groß wie ohne Glas. Anschaulicher lässt es sich so ausdrücken: Ein 8-faches Glas verkürzt den Abstand „visuell“ auf 1/8 und holt den etwa 100 m entfernten Koloss scheinbar auf 12,5 m heran. (Das wirkte ohne Zaun oder Graben SEHR nah!)

Hohe Vergrößerungen zeigen naturgemäß mehr Details, besitzen aber auch eine Schattenseite:
a) Die Handunruhe ist verstärkt sichtbar und das Bild wird zittriger.
b) Das überschaubare Sehfeld (der Bildausschnitt in 1.000 m Entfernung) ist kleiner, es liefert weniger Überblick.
c) In der Dämmerung lässt die Bildhelligkeit nach. Übliche Ferngläser liefern Vergrößerungen zwischen 7 und 10-fach. Man muss unbedingt selbst testen, welche persönlich die „Beste“ ist.

Etwa so: Schauen Sie mit verschiedenen Vergrößerungen auf feine Strukturen (entfernte Plakate/ Schriften) und beurteilen Sie, welches Bild angenehmer ist und feinere Details enthält. Im Zweifel empfehle ich die kleinere Vergrößerung, später wird das Glas ohnehin unruhiger gehalten als im Ladengeschäft. Und wer sich gar nicht entscheiden kann: Mit einer 8-fachen wird man nichts falsch machen!

Die zweite Zahl ist der Objektivdurchmesser in mm, beim 8 x 32 also 32 mm. Er beeinflusst zwei Dinge:

Je größer das Objektiv, desto mehr Licht wird gesammelt und desto heller ist das Bild. Logisch! In der Dämmerung ist dieser Aspekt wichtig, bei Tageslicht (solange die Augenpupillen klein sind) spielt er keine entscheidende Rolle. Daher verdient der zweite Punkt mehr Beachtung: Der Objektivdurchmesser bestimmt die Größe des Fernglases – und damit das Gewicht! Für viele wahrscheinlich DAS entscheidende Kriterium.
Walter J. Schwab
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