Leichte Wanderschuhe

Leichte knöchelhohe Schuhe eignen sich bestens fürs Bergwandern auf markierten Wegen und Pfaden. Die Vielfalt der Produkte zeigt sich schon im Namen: Ob Wanderschuhe, »Leichte Trekkingschuhe« oder korrekter formuliert »Hikingschuhe« – wir helfen bei der Auswahl.

 
Wanderschuhe sollten vor allem bequem und leicht sein und auf den gesamten Fuß einstellbar sein. Ihre Sohlen sollten sich dem Untergrund anpassen oder in diesem greifen, auch wenn er wurzelig bzw matschig ist (Einsatzbereich »Pfad«). Trekkingschuhe mit harter Sohle sind hier kontraproduktiv, obwohl sie sehr gut vor Fußverletzungen schützen. Die Schafthöhe spielt beim Wandern auf einfachen »Wegen« eine untergeordnete Rolle. Außer bei Personen mit schwachen Bändern oder Wanderungen auf steinigen oder felsigen »Steigen«: Ein hoher Schaft ist überflüssig – zumal er sich auch im Gewicht niederschlägt, das sich in dieser Übersicht zwischen leichten 1,1 (Keen, Meindl, Mammut) und 1,5 Kilogramm (Hanwag, Vaude) in Größe 45 bewegt.

Obermaterial mit Verstärkungen
Letztlich ist es auch Geschmack-sache beim Wandern , ob man lieber einen Leder- oder einen Textilschuh verwendet. Leder macht dann Sinn, wenn man einen Schuh ohne wasserdichte Membran möchte (Hanwag; bei vielen Modellen als Variante). Der ist atmungsaktiver, und bei regelmäßiger Imprägnierung dauerhaft wasserresistent. Aber bei Durchfeuchtung trocknet er lansgamer (gilt auch für Leder auf Membranschuhen). Bei Hybridschuhen (Grobtextil + Leder) wird das zähe Leder noch in besonders belasteten Bereichen verwendet (z.B. La Sportiva). Mit groben Textilgarnen aus Nylon oder Polyester lassen sich Schuhe leichter und atmungsaktiver konstruieren (Salomon). Dabei ist Leder teils nur Schutzfassade auf Textil – wie an Scarpa zu sehen.

Besonders im Zehenbereich muss der Schuh verstärkt sein. Standard ist hier ein Leder- oder robusterer Gummirand, der bis zum Ballen hinterzieht und auf steinigen Wegen wichtig ist. Noch besser ist eine erweiterte Schutzkappe über den Zehen (Northland). Eine Kappe oder Lederverstärkung an der Ferse dient sowohl deren Schutz als auch der Formstabilisierung (besonders Boreal, Salomon).

Futter und Schaft
Beim Innenfutter sind mehr oder weniger kuschelige Textilien Standard, die eine zwischen Futter und Obermaterial liegende Membran verbergen. Lederfutter ist ebenso bequem, trocknet aber nach der Tour langsamer (hier nur Hanwag). Der Schaft ist zumeist ab dem Knöchel gepolstert und am immer gepolsterten Schaftabschluss mit schweißabsorbierendem Porentextil ausgelegt. Traditionell besonders porig ist Boreal (da aus dem warmen Spanien); hier mit dem kompletten Innenfutter aus Porentextil. Ein gut gepolsterter und über der Lasche fest schnürbarer Schaft sowie ein weiches, sich dem Fuß anpassendes Obermaterial bilden zusammen eine wichtige Grundlage. Nicht nur für bequeme »Hausschuhe« (Mammut, Meindl, Scarpa), sondern auch für sicher sitzende, hochschaftige Schuhe für Ambitioniertere (Northland, Salomon, La Sportiva). Übrigens finden viele Wanderer niedrigere Schäfte im Sommer wegen des erhöhten Spielraums und der geringeren Erwärmung meist angenehmer.

Schnürung
Eine Schnürung mit Textilschlaufen sollte eigentlich leichtgängiger sein als eine traditionelle mit Haken und Ösen. Dies stimmt erstens nicht immer (Northland traditionell und doch leichtgängig). Und zweitens lässt sich eine Schlaufenschnürung kaum nachziehen, wenn ein Schnürbereich den Fuß nicht fest umschließt (Boreal). Interessanterweise haben einige Schlaufenschnürungen oben einen Abschlusshaken (Mammut, Keen) oder gleich mehrere Haken (z. B. Scarpa). Einige traditionelle Schnürungen haben hingegen eine Schlaufe zwischen Ösen und Haken. Praktisch sind zwischenliegende Tiefzughaken, die den Fuß in die Fersenhöhlung pressen und gleichzeitig als Fixierungshaken fungieren, in dem die Schuhschnur festgeklemmt wird. Salomon verwendet hier ein genial leichtgängiges System. Die Qualität der Schnürung lässt sich also erst beim Anprobieren erkennen.

Sohle
Bei der Sohle steht Profiltiefe gegen Gummigewicht. Deshalb sind die Sohlen der vorgestellten Wanderschuhe relativ flach (3 – 4 mm), bei Scarpa teils tiefer. Nur Lowa und Hanwag bieten im Gebirge respektable und länger haltende Profiltiefen von 4 bis 5 mm. Auf Wegen sind diese Sohlen jedoch auch nicht griffiger als die anderer Modelle – darunter eine Noppensohle (Mammut) und ein wechselnd tiefes Profil (La Sportiva). In der Produktauswahl gab es einige sinnvolle Antischmutzprofile (v. a. Scarpa) unterschiedlicher Art. Bei Keen bildet das nur für Wanderwege geeignete Profil die Antischmutzfähigkeit.

Neben Standardeinlagen aus Schaumstoff (Meindl dick, ergonomisch und offenzellig; Northland gelocht) gibt es orthopädisch perfekt geformte Einlagen (Vaude, Boreal) und sogar eine Ledereinlage (Hanwag).

Interessanterweise besitzen die meisten Bergwanderschuhe Sohlen, die unter dem Spann versteift sind (z.B. Vaude) – wie bei Laufschuhen. Der von Rolle und Sprengung unterstützte, weiche vordere Knickpunkt befindet sich zwar traditionell an den Zehen, ist aber bei einigen Schuhen nach hinten unter den Ballen zurückgesetzt (z. B. La Sportiva). Dadurch ist die Abrollbewegung zwar weniger rund; es kann aber ein elastischer Federeffekt auftreten. Bei Garmont gibt es anstelle eines Soll-Knickpunkts einen fließenden Übergang.

Fußstützung und Extras
Pronationsstützen (Schutz gegen Umknicken nach innen) an der Ferse und besonders Supinationsstützen am Vorderfuß (Schutz gegen Umknicken nach außen) sind bei den vorgestellten Wanderschuhen erstaunlich verbreitet und meist sehr effektiv (z.B. Mammut). Garmont besitzt einen asymmetrischen Schaft gegen Pronation. Härtere Schuhe mit höherem Schaft verhindern zwar entgegen der Lehrmeinung kein seitliches Umknicken, aber führt es dann nur selten zur Sehnenüberdehnung. Umgekehrt knickt man in niedrigeren, weicheren Schuhen mit effektivem Supinationsschutz kaum um. Wenn aber doch, kann dies bis zum Sehnenriss führen.

Zugschlaufen sind bei eng anpassenden Schuhen wie Vaude angenehm zum Einsteigen und wären auch bei Boreal wünschenswert. Zusätzlich können sie nach Verwendung als Zustiegsschuh zu einer Klettertour oder einem schweren Klettersteig für das Aufhängen am Karabiner verwendet werden. Reflektoren im Schnürungsbereich lassen einen verspäteten Wanderer auf der Straße erkennen.

Fußbett
Erstaunlicherweise sind nur einige Fußbetten bzw. deren Einlagen ergonomisch geschnitten (z.B. beim kuscheligen Lowa). Die Fersenhöhlungen sind sehr unterschiedlich tief: vom ausgeprägten La Sportiva über Boreal (Kombination aus etwas Höhlung und weicher Umschließung) bis hin zu Lowa (traditionell kaum Fersenhöhlung) und schließlich Garmont. Zusammen mit dem von eher schmal bis relativ breit reichendem Schnitt-Spektrum lässt sich hiermit eine Kaufpräferenz festlegen, obwohl eine gut anpassende Schnürung viel ausgleicht. Im Gegensatz zur Schuhform im Ballen- und Zehenbereich, wo es viele am Ballen deutlich breitere Schuhmodelle (v. a. Vaude) gibt. An den Zehen etwas schmal sind La Sportiva und Scarpa (typisch italienisch). Breite Schuhspitzen (bei Keen der ganze Vorderfuß) geben den Zehen viel Freiraum, können aber etwas kurz für den großen Zeh sein (Garmont).

Abrollen
Alle vorgestellten Wanderschuhe rollen mehr oder weniger gut über den Vorderfuß ab –  jedoch nicht alle so gut beim Bergabgehen über die Ferse: Wanderschuhe sollen ja vor allem bequem sein. Schuhe mit Knickpunkt an den Zehen lassen sich tendenziell besser abrollen, als solche mit nach hinten an den Ballen versetztem. Gleiches gilt für weichere bzw. härtere Sohlen. Der geniale Meindl und der aus einem multifunktionellen Laufschuh entwickelte Mammut rollen als weichste und leichteste Schuhe tatsächlich auch am besten ab.

Schnüren
Beim Schnüren fallen die Unterschiede zwar größer aus; sie sind aber nicht so gravierend. Eine hervorragende Schnürung schließt, egal ob mit oder ohne Fixierungshaken leichtgängig, ohne dass man am Vorderfuß nachziehen muss. Beim ansonsten sehr komfortablen Boreal ist eher das Gegenteil der Fall: Nach mühsamem Hereinschlüpfen bedingt durch die Schnürung, lässt sich diese ohne Nachziehen nicht anpassend schließen. Garmont ist u. a. im Bereich der Schnürung schlichtweg »over-engineered«. Dagegen schließen Meindl oder Keen fast in einem Zug.

Absatz
Grundsätzlich gibt es keinen Grund, einen bergtauglichen Schuh nicht mit einem vernünftigen, sprich scharfkantigen Absatz auszustatten – es sei denn der Hersteller will Geld oder noch das letzte Gramm Gewicht sparen (Ultraleichtschuh Mammut). Von den vorgestellten Modellen besitzt nur eines einen ausgeprägten (Lowa) und eines einen ausreichenden (La Sportiva) Absatz. Beide verhindern ein Ausrutschen beim Abstieg. Sehr beliebt und bei leichten Wanderschuhen noch legitim sind »Profilabsätze«, wo das Fersenprofil hinter dem unprofilierten Sohlenbereich unterm Spann einfach als Absatz fungiert. Dies ist bei den meisten Schuhen der Fall (ab drei Tabellen-Balken abwärts). Am besten gelöst bei Meindl, am schlechtesten bei Hanwag und Keen, wo der Profilabsatz absurderweise abgeschrägt wurde.

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Der richtige Wanderschuh
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