BERGSTEIGER Testbericht: Skitourenstöcke

Stöcke für Skibergsteiger im Test

Auf Skitour hat man die Wahl zwischen speziellen Skitourenstöcken und Allround-Teleskopstöcken mit verschiedenen Eigenschaften und Fixierungssystemen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf für Ihren Einsatzbereich achten sollten.
(Aus BERGSTEIGER 02/2010)
 
Im BERGSTEIGER Test 02/2010: Skitourenstöcke © Bernd Ritschel
Im BERGSTEIGER Test 02/2010: Skitourenstöcke
Auf Skitour lässt sich im Gegensatz zu den zwecks handlicher Fixierung am Rucksack immer dreiteiligen (oder sogar vierteiligen) Trekkingstöcken aus drei Grundtypen auswählen: Standard-Skitourentyp ist der aus nur zwei Segmenten bestehende Stock, der einerseits immer noch verstellbar und kürzer ist als die Ski, andererseits nicht so leicht brechen kann und recht steif ist (z. B. Black Diamond). Dreiteilige Stöcke besitzen für Skitouren keine Vorteile, lassen sich aber mit Wechseltellern in Trekkingstöcke umfunktionieren (z. B. Komperdell C3). Einteilige Stöcke (hier nur Kohla Wizard) haben den Nachteil, dass man sie nicht in der Länge verstellen kann. Im Aufstieg sollten die Stöcke kürzer sein als bei der Abfahrt, wo wiederum steiler Firn eine deutlich längere Einstellung erfordert als Tiefschnee.

Zahlen: Gewicht, Maß und Preis von Skitourenstöcken

Dafür haben pistentaugliche Einteiler die höchste Stabilität und können somit am leichtesten konstruiert sein (Wizard 375 g/Paar). Ansonsten schwanken die Gewichte zwischen leichten 460 Gramm (Exped, Komperdell Elias) und schweren 590 Gramm (Black Diamond). Die leichtesten Renn-Dreiteiler (von Fizan, Kohla) werden hier wegen geringerer Bruchlasten nicht vorgestellt. Die Packmaße befinden sich zwischen dem Trekking-Idealmaß von 63/64 (Fizan/Exped) und 97 Zentimetern (Komperdell Elias). Während 140 Zentimeter Maximallänge normalerweise ausreichen, bieten einige Hersteller für Steilabfahrten, aber auch zum besseren Vortrieb oder Schieben bei Rennen längere Modelle an (Leki 148 cm). Da die meisten vorgestellten Skitourenstöcke aus Aluminium bestehen, sind sie mit meist 70 bis 100 Euro relativ preiswert.

Fixierungssysteme der Skistöcke

Die Klemmfixierungen der verschiebbaren Segmente können durch Verschleiß, Ausleiern, Verschmutzung oder Oxidierung mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, so dass die Segmente plötzlich zusammenrutschen. Dem Kampf gegen dieses Problem dienen die meisten Neuentwicklungen bei Teleskopstöcken: Fast alle speziellen, also zweiteiligen Skitourenstöcke besitzen heutzutage den von Black Diamond eingeführten Clip-Verschluss. Hierbei wird eine außen angebrachte Klem­me mittels Daumendruck um das obere Rohr geschlossen und so eine Fixierung am verschiebbaren dünneren Rohr erreicht. Sie kann kaum vereisen und lässt sich bei Ausleiern mittels Schraubenzieher fester einstellen. Externe Klemmen sollten bei längerer Lagerung entspannt, also geöffnet sein (außer Leki).

Bei dreiteiligen Stöcken ist der interne Klemmmechanismus nach wie vor Standard (außer Komperdell C3 und dessen Klon Salewa Ultralight). Hierbei spreizt ein interner Konus bei Drehung des dünneren Rohrs einen Dübel auf, der sich im dickeren verklemmt. In der Regel reicht eine Dreiviertel-Drehung. Nur das System von Kohla lässt sich fester einstellen. Italbastoni kombiniert zur Sicherheit beide Systeme. Mit Feder-Druckknöpfen bei Rasterverstellung wird schon länger experimentiert, da diese nicht verrutschen können. Kernproblem nach der Stabilität der Knöpfe ist hierbei das Eindrü­cken zur Verstellung, welches bei Trab nur ohne Handschuhe funktioniert. Das optimierte System von Exped dient leider nur der Arretierung des unteren Segments.

Spitzen und Teller

Die Spitzen von Skitourenstö­cken (bei Kohla Tour gewechselte Skitourenspitze) sind ca. acht Zentimeter lang – im Gegensatz zu Trekkingspitzen (ca. 6 cm). Dadurch soll verhindert werden, dass der Stock wegen dem größeren Schneeteller bei hartem Schnee an steilen Hängen abrutscht. Bei großen Tiefschneetellern reicht die Spitzenlänge dafür nicht aus (außer natürlich bei Tiefschnee), weshalb die Teller entweder weich (Italbastoni 11 cm Durchmesser!) oder beweglich (Leki) sein sollten. Bei hartem Tiefschneeteller (Salewa Tour) deshalb zusätzlich einen normalen Schneeteller verlangen! So oder so verwendet man normalerweise Standard-Schnee­teller (8 – 9 cm Durchmesser). Kleine Schneeteller (Exped, Komperdell) lassen sich auch recht gut für Bergsteigen und Trekking verwenden. Die flexiblen längeren Schneespitzen können bei hartem Schnee brechen, da sie zur Sicherheit (Verhindern eines Stockbruchs, Sommereinsatz) eine Sollbruchstelle aufweisen (außer Fizan, Kohla Wizard). Die traditionelle Rundkrone als harter Karbid-Spitzenaufsatz ist im Winter besser als eine Bohrkrone.

Griffe und Schlaufen

Wegen der Handschuhe spielt das Material des Griffs im Winter eine untergeordnete Rolle für das Greifgefühl. Tatsächlich kann hier ein unangenehmer Sommergriff besser sein (Gummigriff von Black Diamond). Auch die meist gut ausgearbeitete Ergonomie der Griffe macht sich allenfalls bei dünnen Handschuhen positiv bemerkbar. Typisches Kennzeichen von Skitourenstöcken sind Manschetten unterhalb der Griffe zum Tiefergreifen an der Bergseite einer Querung. Sie sollten wegen der Handschuhe eine sehr griffige Riffelung oder Gummie­rung besitzen. Der Standard-Griffumfang der vorgestellten Skitourenstöcke beträgt zehn Zentimeter, bei »Männerstöcken« sogar mehr (10,5 – 11 cm; Kohla, Salewa Ultralight 3) – weshalb für Frauen auch (kürzere) Stöcke mit dünneren Griffen angeboten werden. Der Rennstock von Trab hat einen Langlaufgriff (nur 8 cm), mit dem sich der Stock beim Renneinsatz recht gut durchschwingen lässt.

Alle Handschlaufen sind ausreichend breit und innen meist mit Antifeuchte-Neopren ausgestattet, Komperdell und Salewa Ultralight mit Frottierung (angenehm im Sommer) und Exped mit Gestrick (kann Falten werfen). Die extrabreiten von Trab sind für volle Handgelenkbelastung beim schnellen Aufgleiten ausgelegt. Die Nylonschlaufen laufen normalerweise durch den Griff, um unterhalb als Zugende zum Schließen wieder herauszukommen, während der obere Teil der Schlaufe dem Öffnen dient (Zug nach oben). Diese Weitenanpassung wird durch einen Keil fixiert, der bei den meisten Modellen herausgezogen (»Keil-Laufschlaufe«) und falsch bedient werden kann oder mit der Zeit etwas durchrutscht. Bei Kohla ist dies nicht möglich (Verstellung etwas hakelig). Bei Leki erfolgt die Verlängerung an der unteren Schlaufe nach Hochreißen der oberen, was gleichzeitig ein Auslösemechanismus bei plötzlicher Überlastung durch Hängenbleiben ist. Nur Black Diamond hat einen simplen, exakt und schnell anpassbaren Riemenverschluss, dessen Schnalle mit Handschuhen nicht bemerkbar ist.
Sowohl vom Schlaufenansatz und der Exaktheit der Verstellung als auch von der Griffform hängt eine hier als »Stockschwung« bezeichnete, ausgreifende Handhabung der Stöcke ab (Trab, Leki, Black Diamond). Diese ist allerdings nur für Skitourenrennläufer beim Aufgleiten und Schieben von Bedeutung.

Skitourenstöcke - Extras

Bei den meisten Skitourenstö­cken sind Trekkingteller oder Schnee- bzw. Tiefschneeteller im Lieferumfang enthalten; wenn nicht, können sie extra gekauft werden (nicht bei Kohla Wizard, Leki). Bei Kohla Tour lassen sich auch die Spitzen austauschen (Spezialschlüssel) und bei Exped sind die Sommerspitzen im Lieferumfang enthalten. Die meisten anderen Spitzen kann der Händler mit Gewalt austauschen. Bedienungs-Anleitungen sind bei Stöcken besonders für Erstbenutzer sinnvoll, da Teleskopstöcke immerhin drei verstellbare Bedienungsbereiche umfassen: Segmentfixierung, Handschlaufenverstellung und Tellerwechselsystem (teils plus Spitzenwechsel). Hier ist Black Diamond vorbildlich, während Fizan mit guten Grafiken aufwartet. Die meisten anderen Anleitungen stellen die Bedienungen nicht in vollem Umfang dar.

Bewertungen Skitourenstöcke

Segment-Fixierung: Die Fixierung der zwei oder drei Segmente, aus denen Skitourenstöcke normalerweise bestehen, funktioniert bei fast allen Modellen anstandslos. Die Erfahrung lehrt aber, dass alle Teleskopmechanismen mit der Zeit an Wirkung verlieren, was nur durch eine Verstärkung der Klemmwirkung ausgeglichen werden kann (alle Flick Lock-Modelle plus Kohla Tour mit interner Fixierung). Beim neuen Leki besteht diese Erfahrung noch nicht, bei Italbastoni dreht man den internen Verschluss so weit vor, dass er auf Tour nur noch extern fixiert zu werden braucht. Der Federknopfverschluss von Trab fixiert zwar am zuverlässigsten, ist aber nur ohne Handschuhe zu verstellen – eine zweifelhafte Vorstellung im Gipfelsturm.
Schlaufen-Verstellung: Rich­tig gehandhabt funktionieren alle Verstellungen des Schlaufenumfangs gut. Nur bei Kohla und Trab sind sie etwas hakelig, halten dafür aber auf die Dauer zuverlässiger ihre Einstellung (ebenso Leki). Mit einem Zug exakt anpassbar ist die einfache Top-Riemenschlaufe von Black Diamond, wo der Verschluss allerdings ohne Handschuh einschneiden kann.
Stock-Steifigkeit: Während eine gewisse Flexibilität des Teleskopstocks im Sommer den Abstieg angenehm abfedern kann (mit reinen Karbonstöcken kaum möglich), sollte ein Skitourenstock für den Stockeinsatz bei der Abfahrt und den Vortrieb beim Aufgleiten oder Anschieben besonders bei Rennen möglichst steif sein. Hier punkten Black Diamond, Fizan und Leki. Die übrigen Stöcke sind bis auf zwei Modelle steif genug, das untere Segment des Mt. St. Elias könnte weniger flexibel sein.

 Hier den kompletten Skitourenstöcke-Test herunterladen
Christian Schneeweiß
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