Im BERGSTEIGER Test 02/2010: Schneeschu-Rucksäcke

Schneeschuh-Rucksäcke: Modelle im Test und Tipps zum Kauf

Was sind denn Schneeschuh-Rucksäcke? Im Grunde nur Winter- oder Sommerrucksäcke mit breiter frontaler Befestigungsmöglichkeit. Wir zeigen welche Rucksäcke für Schneeschuhtouren geeignet sind.
(Aus BERGSTEIGER 02/2010)
 
Im BERGSTEIGER Test 02/2010: Rucksäcke mit Schneeschuh-Befestigung © Bernd Ritschel
Im BERGSTEIGER Test 02/2010: Rucksäcke mit Schneeschuh-Befestigung
Noch gibt es nur wenige Hersteller, die spezielle Schneeschuh-Rucksäcke anbieten, welche interessanterweise auch gut für Sommerwanderungen geeignet sind (Salewa, Vaude). Schneeschuhwanderer können auch problemlos auf Winterrucksäcke zurückgreifen, die folgende Kriterien erfüllen: Fixierungsmöglichkeit für das Paar Schneeschuhe (normalerweise Frontfixierung für Snowboards), relativ geringes Gewicht unter 1,5 Kilogramm (Ortovox nur 1,1 kg), und bei alpineren Touren oberhalb der Baumgrenze Unterbringung für die Lawinen-Sicherheitsausrüstung (alle Rucksäcke außer Vaude). Während für Tagestouren ein Füllvolumen von 20 (für gut organisierte Frauen) bis 30 Litern (für Männer mit Sicherheitsausrüstung) ausreichen, sollte man für Mehrtagetouren mit Hüttenübernachtung (Vau­de) oder gar Gletscherausrüstung mehr einkalkulieren.

Konstruktion eines Schneeschuh-Rucksacks

Alle vorgestellten Rucksäcke sind mehr oder weniger wasserresistent und teils doppelwandig, d. h. Feuchtigkeit kann nur bei längerem feuchtem Schneefall oder Regen durchkommen, besonders an den Nähten. Die Tragriemen vieler Rucksäcke besitzen keinen (Ortovox, Ber­-gans) oder nur einen symbolischen Schulterzug, da Winterrucksäcke meist einen anliegenden Körperkontaktrücken ohne nennenswerte Lüftung besitzen (außer Ortovox, Deuter). Die drei Schneeschuh-Rucksäcke von Vaude und Salewa eignen sich mit ihren lüftenden Netzrücken auch gut fürs sommerliche Wandern, wobei dessen Verstellmöglichkeiten bei Vaude den individuellen Komfort erhöhen. Für die geringe Gewichtsbelastung bei Tagestouren (unter 10 kg) reicht ein gepolsterter Hüftgurt völlig aus. Nur der mehrtagetaugliche Vaude Snow Walker besitzt lange Hüftflossen. Diese sind wie bei Mammut abnehmbar. Einige Frontfixierungen sind variabel, d. h. man kann sie umfunktionieren zur Skifixierung (Ortovox), Eisbeilfixierung (Osprey) oder für andere Winteraktivitäten abnehmen (Mammut dann fast bändelfrei). Bei Ber­gans sind die seitlichen Kompressions- und Skifixierungen Teil der Frontfixierung. Die Bedienung der von Ortovox kreierten »Antidurchrutschsicherung« für Schnallen von Ski- und Snowboardfixierungen lässt sich durch die Anbringung einer dünnen Reepschnur vereinfachen (Mammut, Vaude).

Bei den Rucksäcken handelt es sich normalerweise um Allround-Wintermodelle mit frontalen Fixierungen für Snowboard (Mammut nur Schneeschuhe), seitlicher Skibefestigung (bei Bergans multifunktionell) und Eisbeile- oder Eispickelfixierung (auch Vaude). Sie lassen sich sekundär auch als Schneeschuhfixierungen, Rucksackkompression bzw. für Stöcke mit Schneetellern verwenden. Abgesehen davon, dass man Schneeschuhe als Zustiegshilfe für Eisklettern und Aufstiegsmittel für eine Snow­boardabfahrt verwenden kann. Schneeschuhtaugliche Rucksäcke sollten extra Stauraum für Lawinen-Sicherheitsausrüstung (bestehend aus Schaufel, Stiel, Sonde und natürlich LVS-Gerät) besitzen, wenn man sich öfters oberhalb der Baumgrenze oder im steilen Gelände bewegt. Ideal ist die Unterbringung in einer Fronttasche, am besten mit Zusatzstauraum (Osprey, Mammut, Deuter). Da der Zugang bei belegter Frontfixierung behindert ist, gibt es auch die im Normalfall lästige Verstauung im Hauptfach (Ortovox) oder die im Notfall zeitraubende verteilte Anbringung (Bergans, Salewa).

Taschen und Extras

Alle Modelle besitzen Wertfächer, meist ergänzt um kleine Hüftgurttaschen, die nur teils für einen Fotoapparat ausreichen, oder um ein gepolstertes Brillenfach (Osprey, Mammut; die Sportbrille ist meist teurer als der Rucksack!). Eine große Deckeltasche besitzen nur Ber-gans und Vaude Snow Walker. Der Versuch, einen auch in der Stadt nutzbaren Rucksack zu konstruieren, gelingt beim Vaude Calderas recht gut. Sinnvoll für jede Art von Winterrucksäcken ist eine Trinkschlauchisolierung für Temperaturen bis etwa minus 5°; ebenso eine Anleitung für die vielen Fixierungen und Fächer. Notsignalanweisung und Signalpfeife (plus Stirnlampe im Hochwinter) erhöhen die Sicherheit.

Bewertungen der Wintersportrucksäcke

Befestigung: Der Halt der Frontfixierungen ist bei Deuter und Mammut perfekt (kein Spiel der Schneeschuhe bei festgezurrter Kompression), bei Bergans und Vaude geht das Befestigen der Schneeschuhe schnell und unkompliziert. Bei Ortovox dagegen sind die Riemen so kurz, dass man selbst Schneeschuhe mit flacher Bindung nur bei teilbefülltem Rucksack befestigen kann.

TragekomfortAlle vorgestellten Rucksäcke besitzen bei mäßiger Last (mit Schneeschuhen ca. 7 kg) einen mehr oder weniger guten Tragkomfort, aber nur Vaude Calderas für Damen einen sehr guten. Beim Vaude Snow Walker ziehen die Schneeschuhe den Rucksack nach hinten, Salewa hat einen unergonomischen Rücken und der von Mammut lässt sich schlecht krümmen.

Seitenhalt: Der Seitenhalt ist bei Schneeschuh-Rucksäcken verhältnismäßig unwichtig. Hohe Fliehkräfte und Packsackwackeln disqualifizieren aber Salewa bzw. Vaude Snow Walker für den alpinen Bereich. Deuter sitzt wie angegossen und passt sich dank des fehlenden Gestells hervorragend der Körperbewegung an.

 Hier den kompletten Testbericht Schneeschuh-Rucksäcke herunterladen

Christian Schneeweiß
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