BERGSTEIGER Testbericht: Eispickel

Kaufberatung: Eispickel

Im Test: Eispickel. Bei Pickeln für Gletscher- wie für Hochtouren hat es in den letzten Jahren einen wahren Innovationsschub gegeben. Das Ergebnis ist eine Vielzahl von neuen Pickelformen. Welche die richtige für Ihre Bedürfnisse ist, erfahren Sie in unserer Kaufberatung.
(Aus BERGSTEIGER 09/2009)
 
Testbericht: Eispickel © vetal1983 - Fotolia.com
Im Test: Eispickel für Gletscher- und Hochtouren
Getscherpickel hatten früher klare Vorgaben: gerader Schaft, gerade Haue plus Schaufel sowie eine einfache Handschlaufe. Zwar sind die angebotenen Schäfte auch heute noch etwa 50 bis 70 oder 80 Zentimeter lang. Aber weil diese immer häufiger aus Aluminium gefertigt sind, wiegen Gletscher- und Hochtourenpickel in 60 Zentimeter Länge normalerweise nur noch 500 bis 600 Gramm (Leichtpickel Simond nur 460 g, kombitauglicher Edelrid 585 g). Ultraleichte Skitourenpickel wiegen etwa die Hälfte (ohne Handschlaufe; nicht in dieser Übersicht).

Tesbericht Eispickel: Pickelige Typen

Grob eingeteilt gibt es zwei Typen von Gletscherpickeln, die inzwischen von allen Herstellern angeboten werden. Klassische Pickel und die neueren Hybridpickel. Zu ersteren zählen Camp, Simond mit geradem Schaft und gerader oder – sinnvoller – minimal nach unten gebogener Haue. Sie sind ideal zum Aufstützen (v. a. mit längerem Schaft), Sichern durch Einrammen und Bremsen bei Sturz am Firnhang. Dabei wird leider oft noch immer die Eistauglichkeit der Pickelhaue vernachlässigt: Diese ist häufig nicht aus gehärtetem Stahl, der leider geringere Bruchfestigkeit aufweist. Vorne ist sie oft nicht sehr scharf; das vermeidet Verletzungen. Relativ neu sind Hybridpickel, die sich zwar nicht für senkrechtes Eis eignen, aber sehr gut für Eis- (v. a. Petzl Sum’tec, Austrialpin), Kombitouren (Edelrid, Grivel) oder die öfter problematischen Bergschründe bei Gipfelanstiegen.

Hybridpickel

Der Schaft dieser Modelle ist (v. a. Edelrid) oben zur besseren Eignung für Gletscher gekrümmt. Austrialpin weist als einziger Pi­-ckel eine Gesamtkrümmung auf, was auf Eistouren ideal die Knöchel schützt. Für diese Eistouren sind kürzere Pickel sinnvoller (wie Austrialpin, Petzl in Version 55 cm). Bei überwiegendem Blankeis sind auch weniger extreme Eisbeile praktisch (nicht in dieser Übersicht). Außerdem ist auf Eistour die effektive Krümmung der Pickel wichtig. Das ist die Kombination aus Schaft- und Hauenkrümmung. Für extremere Touren sollte sie mittel (v. a. Austrialpin, Grivel Airtech) bis relativ stark ausgeprägt sein (aggressiver: Petzl). Zusätzlich empfiehlt sich eine ausgewogene Gewichtsverteilung der Pickel für deren optimales Einschlagen (nur Petzl, Austrialpin). Tatsächlich können schwach gekrümmte Hybridpickel (ab 60 Zentimeter Länge) im steileren Auf- und Abstieg die besseren Firnpickel sein (mit Haue hangwärts; v. a. Grivel Nepal, Edelrid).

Pickeldorn

Der Metalldorn am unteren Ende des Schafts dient dem Halt beim Gehen auf Firn oder Eis und dem Halten der eigenen Person oder dem Einrammen zum Sichern anderer an steilen Hängen. Er ist bei Austrialpin, Simond, aber auch Petzl richtig scharf. Unten lediglich schräg abgeschnittene Leichtpickel taugen nur in begrenztem Rahmen für Schnee und Firn.
Christian Schneeweiß
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