BERGSTEIGER Testbericht: Erste-Hilfe-Sets

Die kleinen großen Helfer: Erste-Hilfe-Sets im Test

Ob Tageswanderung oder Hochtour, ob Hüttentrekking oder Klettersteig – es gehört in jeden Rucksack: das Erste-Hilfe-Set. Wir zeigen Ihnen in unserem großen Erste-Hilfe-Set Test, was unbedingt hinein muss und welche Modelle sich für welchen Einsatzbereich eignen.
(Aus BERGSTEIGER 12/2009)

 
Der große Bergsteiger Erste-Hilfe-Set Test 12/2009 © Bernd Ritschel
Der große Bergsteiger Erste-Hilfe-Set Test 12/2009
Kleine Sets für Tageswanderungen sollten maximal 150 Gramm wiegen (Ortlieb 95 g). Wer Rettungsdecke und Dreieckstuch zukauft, kann sie teils zum Klettern oder Alpinbergsteigen mitnehmen. Mehr als 400 Gramm sollten nur Sets für Wochentouren wiegen (Salewa), wobei die Bikertasche von Care Plus (470 g) ohne Erste-Hilfe-Anleitung und Spülungsampullen für Mehrtagetouren passende 310 Gramm wiegt.

Erste-Hilfe-Taschen

Erste-Hilfe-Taschen sind aus robustem Nylon. Sie haben meist einen Rundumreißverschluss und sind aufklappbar wie ein Mini-Koffer. Es gibt auch gummierte Taschen mit Spezial-Rollverschluss, die wasserdicht sind (Vaude mühsam zu schließen). Durchdachte und neue Taschen lassen sich ausklappen (Ortovox zweifach) und besitzen viele thematisch geordnete Fächer. Vorbildlich ist Tatonka mit Pflaster, Wundauflagen, Schnellverband, Leukoplast-Rollenpflaster, Checkliste, Erste-Hilfe-Fibel, Einweghandschuhen, durchsichtigen Fächern und Innentasche. Der Inhalt solcher geordneter Sets ist nicht in Plastikbeuteln verpackt wie bei kleinen Erste-Hilfe-Sets, die man bei einem Unfall durchsuchen oder ausleeren muss. Gürtelschlaufen sind für kleine und mittlere Taschen sinnvoll, wenn man sie außen befestigen will (Ortlieb auch am Klettergurt).

Befüllung der Erste-Hilfe-Sets 

Der Inhalt hängt für den Bergeinsatz grob von Tourdauer und Personenzahl ab. Letztere ist eher für Bergführer und Wochentouren relevant. In Deutschland sind in Erste-Hilfe-Taschen nie Medikamente enthalten, dafür aber immer Einmal-Handschuhe. Bei Tages- und Familienwanderungen werden am ehesten Wundpflaster eingesetzt. Außerdem benötigt man für schwerere Verletzungen entweder einen Schnellverband (Verbandspäckchen) oder eine Mullbinde mit zumindest kleiner Wundauflage. Die beiden sehr großen Pflaster von Tatonka sind tatsächlich Mini-Schnellverbände. Wundauflagen lassen sich mit Heftpflaster in Rollenform fixieren. Deutsche Sets sind für Wundverletzungen gemacht und selten für Blasenbehandlung geeignet. Anders das niederländischen Travelsafe mit Blasenpflaster und -aufstecher. Bei Mehrtagetouren und im alpinen Eisatz sollten die Pflaster gut nach Größe sortiert sein (z. B. Ortovox). Für Platzwunden benötigte Klammerstreifen bieten allerdings nur Care Plus und das Wochenset von Salewa.

Wichtig ist ein zusätzlicher Schnellverband für mehrere Verletzungen oder Verletzte (auch Klettern, alpin) sowie eine Mullbinde als Druckkompresse für Schlagaderverletzungen – wahlweise als Verband in Kombination mit großer Wundauflage (10x10 cm). Diese von Ortovox favorisierte Kombination ist zusammen mit einer Kleinschere zum Zuschneiden flexibler als ein Schnellverband. Bei Schürfwunden eignen sich Alkoholtücher zur Wunddesinfektion (und für besseres Haften des Pflasters auf der Haut). Auf Skitour brauchbar sind Dreieckstuch (bei Bruch, zum Abbinden oder als Kopfverband; Ortovox, Care Plus, Deuter) und elastische Binde (Idealbinde für Bänderrisse; Ortovox). Elastische Fixierbinden sind dafür zwar einsetzbar, aber insgesamt eher ungeeignet; eine Rettungsdecke gehört stets zum Standard. Auf wochenlangen Trekkings oder Expeditionen ist variabler Stauraum wichtig (auch leere Taschen im Angebot): Hier finden diverse Medikamente, Hydratationspulver, Wundspülungen (Care Plus) etc. Platz. Eine elastische Binde mit Klammern, Klammerstreifen, übergroße Wundauflage für Schürfwunden (Salewa) und eine Pinzette sollten Pflicht sein. Salewa hat besonders viel Verbandsmaterial und Pflaster, die durchwegs mit wundheilungsförderndem Aluderm bedampft sind, sowie einen Mini-Leatherman mit Schere und Pinzette.

Ausstattung

Obwohl alle Erste-Hilfe-Sets gut sind, erreichen nur drei die Wunschausstattung, die auch die Übersichtlichkeit des Inhalts betrifft (Deuter, Tatonka, Ortovox). Hierbei ist das Tagesset von Tatonka vorbildlich, was Übersichtlichkeit, Information und Ausbaufähigkeit betrifft. Während das Set von Ortovox als einziges die Mehrtage-Kriterien vollständig erfüllt (fehlende Alkoholtücher passen in freie Fächer). Travelsafe ragt durch Blasenpflaster, -aufstecher und Universalbinde heraus. Care Plus punktet durch Säuberungsmittel sowie Pinzette und Verbandschere (aber zu wenig Verbände), die allerdings mehr bei einem Fahrradsturz oder auf Trekkingtour gefragt sind. Und bei all der Diskussion um Inhalt und Ausstattung sollte nicht vergessen werden, dass auch das beste Erste-Hilfe-Set nichts nützt, wenn man damit nicht umgehen kann…

Erste-Hilfe-Sets - Eignung

Tageswanderung: leichte Grundausstattung mit sechs (verschiedenen) Wundpflastern, Pflasterrolle (Klebpflaster), mind. einem Verband (Schnellverband oder Mullbinde + Wundauflage), Erste- Hilfe-Anleitung, evtl. Rettungsdecke.
Mehrtagetour, Klettern, Skitour: zusätzlicher Verband, zusätzliche Mullbinde als Kompresse, Verbandschere, Wunddesinfizierung, Klammerpflaster, Dreiecktuch, Rettungsdecke, evtl. elastische Binde.
Wochen-Trekking/Expedition: zusätzlich leere Fächer für Schmerzmittel, passende Medikamente, Hydratationspulver (Salz + Zucker) etc. sowie elastische Binde mit Klammern, Pinzette, evtl. Flächenauflage (Schürfwunden).

Darauf sollten Sie achten

Das Erste-Hilfe-Set sollte ausklappbar, übersichtlich und »thematisch« geordnet sein (außer bei Leicht-Sets)
Die Erste-Hilfe- Anleitung sollte gut verständlich und praxisnah sein.
Die Tasche sollte einen Rundum- Reißverschluss besitzen.
Bei Tages-/Familienwanderungen sind Pflaster, bei extremeren und Mehrtagetouren Verbände und Binden wichtiger.

 Hier den kompletten Erste-Hilfe-Set Test herunterladen
 
Text: Christian Schneeweiß
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