BERGSTEIGER Testbericht: Biwacksäcke

Biwacksäcke: Kaufberatung

Im Test: Biwacksäcke. Bei anspruchvollen Mehrtagetouren aller Art ist ein Biwaksack unverzichtbarer Bestandteil der Sicher-heitsausrüstung, oder er dient von vorneherein als Übernachtungsschutz.
(Aus BERGSTEIGER 05/2010)
 
Biwacksäcke Test © Alexander Römer
Biwacksäcke im Test
Wasserdichte Biwaksäcke sind möglichst leichte und klein verpackbare Schutzhüllen für den Notfall, aber auch für Hoch- oder Mehrtagetouren ohne Zeltverwendung (geplante Biwaktour). Unterschieden werden sie in Ein- und Zweipersonensäcke, wobei man leichte Biwaksäcke ohne atmungsaktive Beschichtung in der Zweipersonenversion kaufen sollte: Diese ist kaum schwerer, lässt sich auch als Regen- oder Sonnenschutz verwenden und bietet viel Reserveplatz. Biwaksäcke sind auf normalen Wanderungen überflüssig. Maße und Gewichte Traditionelle Biwaksäcke sind nur gut 180 Zentimeter lang, da hier der Kopf aus der nicht voll verschließbaren Öffnung herausschaut (aber Ortovox am Rücken 210 cm). Da dieses Konzept bei unwirtlichem Wetter keinen Vollschutz bietet, sind inzwischen die meisten Modelle ab zwei Meter lang, auch da Schlafsäcke deutlich länger sind als eine Person (v. a. Kapuzensäcke für Biwaktouren wie Mammut). Die große Öffnung von Exped lässt sich von beiden Personen komplett schließen. Eine günstige Breite für Einmannsäcke sind 80 Zentimeter (Fußbereich 50, Schultern 80 cm bei Mumienform), für Zweimannsäcke mindestens 120 cm (zwei Isomatten bei freiwilligem Biwak; Exped am geräumigsten). Real haben die inliegenden Personen wegen des Körpervolumens etwas weniger Platz. Superleicht sind die »nur« wasserdichten Modelle wie der Zweimannsack von Exped (405 g bei Übergröße! kann aber an der Auflage feuchteln). Zusätzlich atmungsaktive Biwaksäcke wie­gen doppelt so viel, weshalb man sie nur auf Biwaktour verwenden wird. Northland ist mit 330 Gramm der leichteste atmungsaktive Einmannsack.

Testbericht Biwacksack- das Material

Das Grundmaterial für Biwaksäcke ist robustes und leichtes Nylon (Polyamid), meist mit Ripstopgitter gegen Weiterreißen (Ortovox ohne Ripstop ist dafür sehr abriebfest), das auch Übernachtungen auf steinigem Boden erlaubt. Zum Schutz gegen Regen, Wind oder Schnee sind die klassischen Modelle innen mit Wärme reflektierendem Aluminium (Ortovox, Pieps), Polyurethan (Unterseite Salewa) oder leichtem Silikon (Exped) beschichtet, die keine Luft durchlassen. Wasserdicht-atmungsaktive Modelle sind dagegen mit einem Membranmaterial beschichtet (keine verklebte Membran), das nicht immer gleichmäßig aufgetragen ist. Die beste Luftdurchlässigkeit besitzt Salewa (Oberseite), während diese bei Northland erkennbar schwankt. Zwecks Vergleich wurde in diese Kaufberatung außerdem eine verbesserte Standard-Rettungsdecke aufgenommen (105 g), die aus einer Wärme reflektierenden Aluminiumfolie besteht, welche sich auch bei Hitzschlag einsetzen lässt (Silberseite nach außen wenden). Solche flach verpackten (Mountain Equipment gerollt) Einpersonen-Rettungsdecken sind nur für den Einweggebrauch im Notfall (v. a. Unterkühlungsschutz bei Verletzung) gedacht, da sie sehr leicht reißen und keinerlei Anpassung besitzen. Eine Rettungsdecke gehört im Gegensatz zum Biwaksack immer in den Rucksack!

Details und Extras

Alle vorgestellten Zweimann-Biwaksäcke besitzen eine Fußlüftung. Diese dient bei den klassischen Biwaksäcken auch als Regenponchos für eine Person, und der Sack lässt sich mittels Schlaufen als Regen- oder Sonnenschutz aufhängen (auch bei Northland-Variante, nicht bei Salewa; Exped bei beiden Zusatzfunktionen ideal). Die Einmannsäcke sind eher wärmeeffiziente mumienförmige Schlafsack-Hüllen mit einer Kapuze, die sich bis auf ein Atemloch zusammenziehen lässt (außer multifunktionellem Pieps und Rettungsdecke von Mountain Equipment). Das »Kapuzendach« des Zweimannsacks von Salewa lässt sich extern mittels Spannleine aufhängen oder intern mittels Trekkingstock aufspannen. Am vielseitigsten einsetzbar ist Pieps mit seinen Multifunktionsösen und der Verwendung als Sitzkissen. Kleine Extras sind Notsignalanleitung und Signalpfeife (Salewa); ein gegen Verlust und für Wertsachen am innen hellen Biwaksack befestigter Staubeutel (Exped); und für die Nacht Reflektoren an Öffnungsverstellungen (Mammut, Exped) oder auf der Vorderseite (Vaude).

Bewertung

Abdichtung nach außen: Obwohl Biwaksäcke für alle Unbilden der Witterung gedacht sind, ist ihr Schutz selten komplett. Grundsätzlich gilt für klassische Biwaksäcke, dass der Kopf aus der mehr oder weniger effektiv verschließbaren Öffnung herausragt. Exped hat einfach den Biwaksack verlängert, so dass man sich komplett verkriechen kann wie bei den atmungsaktiven, komplett abdichtbaren Säcken von Vaude (mit Luft-/Guckloch) und Salewa (RV nicht von innen bedienbar). Einmannsäcke in Mumienform lassen sich bis auf Atemlöcher schließen.

Kondenswasserbildung: Die Kondenswasserbildung in klassischen Biwaksäcken ist im Prinzip maximal, da ihr Material keinen Dampf durchlässt. In der Praxis besitzen diese Lüftungen oder unvollständige Abdichtungen, welche die Schwitzwirkung reduzieren (Exped erstaunlich gut). Bei atmungsaktiven Biwaksäcken hängt die Kondenswasserbildung von der Dampfdurchlässigkeit der Beschichtung ab (am besten Vaude, Salewa).

Verstauung im Beutel: Erstaunlicherweise lassen sich alle vorgestellten Biwaksäcke (außer Mountain Equipment) mehr oder weniger leicht und unkompliziert in ihren Beuteln verstauen. Vaude lässt sich am schnellsten in seinen weiten Sack stopfen (Luftloch bis zum Schluss freilassen). Die meisten Säcke werden seitlich zusammengelegt und aufgerollt, am einfachsten bei Northland und Mammut. Pieps wird nur gefaltet und in eine aufrollbare Tasche gesteckt. Nur bei Salewa ist der Packsack sehr knapp bemessen.

 Hier den kompletten Biwacksäcke-Test herunterladen
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 05/2010. Jetzt abonnieren!
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